12 Januar 2017

Mehr als nur ein Mallappen

Damit fing alles mehr oder weniger wieder an. Die Kinder etwas älter, die Freiräume mehr geworden, konnte ich mich ab und an dem widmen, was ich tief in meinem Inneren so sehr vermißt hatte. In meiner Jugend hatte ich zu aquarellieren begonnen und viel gezeichnet. Dann gab es einen Bruch. Näheres dazu kann man hier unter Punkt 10 nachlesen. 

 

Seitdem habe ich angefangen, mich an Öl- und auch Acrylfarben heran zu tasten. Beides war mir bis dahin nahezu fremd. Das eine, wie auch das andere mag ich. Beides hat großartige, wie auch weniger angenehme, Eigenschaften

 

Irgendwann habe ich mir einen Bereich eingerichtet, in dem es ein reichhaltiges Materialangebot gibt an diversen Malutensilien und reichlich anderem. Inzwischen kann ich das alles weitestgehend stehen lassen und mich ganz spontan zum Malen hinsetzen.

 
Seitdem sind kleinere und größere Bilder entstanden. Es gab reichlich für die "Tonne", wie man sich denken kann. Aber auch manches, wo es wirklich gut lief.

 

In dieser Zeit habe ich wieder gelernt genauer zu schauen, Proportionen zu üben, Farben zu mischen, ein Blick für Motive zu entwickeln. Noch immer benötige ich eine Vorlage, an dem ich mich entlang hangele - mal mehr, mal weniger unsicher. Irgendwann möchte ich mich ganz davon lösen und die Bilder malen, die meinem eigenen Kopf-  und Ideenreichtum entspringen. Auch mit meinen Bildern möchte ich Geschichten erzählen. Der Drang dazu ist groß. Da ist reichlich, kann ich sagen. Aber das umzusetzen wird noch dauern. Egal - die Zeit nehme ich mir ;-).

 

Aus einem alten Bettlaken machte ich mir einen Mallappen. Er hat mich seit meinem Neuanfang begleitet. Immer wieder strich ich die überschüssige Farbe daran ab, während mit der Zeit Bild für Bild entstand. Seit kurzem gibt es einen neuen Mallappen, aber von dem hier konnte ich mich nicht so recht trennen. Klaglos hat er viele Pinselattacken hingenommen, mich viele viele Schritte weit begleitet. So einen wertvollen Lappen schmeißt man doch nicht einfach weg, dachte ich.

 
Und da gab es eh eine Sache, die ich immer mal probieren wollte: Portholes nähen. Mein letztes Leinen nahm ich her für einen schlichten Beutel. Ich zerschnitt meinen treuen Mallappen


fügte ihn ein und nähte ihn fest. Die Reste des Mallappens wanderten dann getrost in den Müll, da er stellenweise in seinem Vorleben als Bettlaken recht zerschlissene Stellen hatte.

 

Da ist er nun, mein Wendebeutel mit Erinnerungswert. Wann immer ich die Pinselstriche darauf sehe, freue ich mich. Denn er hat mich in meiner bisherigen Entwicklung begleitet. Er war Zeuge dessen, wie genervt ich war, wenn mir etwas partout nicht gelingen wollte, oder aber wenn ich glücklich war, weil mir ein Bild ganz leicht von der Hand ging. Da steckt viel, sehr viel Emotion darin, um nicht zu sagen so viel Herzblut. Kann man das nachvollziehen?

Kommentare:

  1. Ideen hast Du :-)! Nachvollziehen kann ich die Freude an dem Detail der Tasche sehr gut und überlegte dem zufolge, ob mir so etwas ähnliches auch schon unterkam, aber nein, ich wurde bisher nicht "fündig". Die eigene Entwicklung von außen selbst zu betrachten hat etwas Vertiefendes. Der Weg dazu, Dein Mallappen, ist durchaus schon deshalb etwas Besonderes.

    Lieben Gruß
    Beate

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  2. Wow...eine feine Idee. Schön, dass du dich dem Malen wieder mehr widmen möchtest! Mir geht es mit dem Fotografieren so. Seitdem die Kinder größer sind, habe ich wieder dafür den Kopf freier...Alles hat (und braucht) eben seine Zeit...LG Lotta.

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  3. Ich finde das Bettlaken war schon ein Kunstwerk für sich! Das hätte man gut auch so aufhängen können. Aber die Idee mit dem Beutel ist natürlich viel besser. Ich hoffe nur, dass die Farbe beim Waschen nicht anders wird, denn das wäre sehr schade! Wenn du dann ganz reich und berühmt bist, dann kannst du solche Beutel in Serie produzieren und für teuer Geld verkaufen - und ich krieg einen gratis, weil ich dich auf die Idee gebracht habe mit dem Verkaufen! Hähä!
    Nee, aber ernsthaft: ich finde deine Bilder sooo schön! Schwärm!
    Gros bisou
    Sandra

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  4. Da sprichst Du in mir was an. Hab vor langer Zeit meinen Aquarellkram verbannt, ich war enttäuscht weil ich nicht weiterkam trotz Kursteilnahme. Ob ich ihn wieder hervorkramen sollte...Ja, das kann ich voll verstehen, was Du schreibst. Verrückt gell, so ein alter schöner Mallappen kann einem echt ans Herz wachsen. Toll, dass ich Deinen Blog entdeckt habe, auch die anderen Posts, die ich mitgelesen habe, geben mir Denkanstöße und heute lasse ich Dir einen Gruss da, Cosmee

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  5. Der Mallappen ist selbst ein wenig wie ein Bild. Ein Bild über die Zeit. Ich verstehe, dass Du ihm einen gebührenden Rahmen gibst. Ich hätte mich auch nicht von ihm trennen könne.
    Lieben Gruß
    Katala

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  6. Das kann ich sogar sehr nachvollziehen und finde es immer wieder wundervoll, wenn nicht alles in die Mülltonne geht, sondern man aus diesen Schätzen etwas macht.
    glg Susanne

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  7. Einfach großartig. Eine bessere Verwendung für den Mallappen kann es gar nicht geben.
    LG
    Magdalena

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  8. Ja, das kann ich verstehen, liebes Pünktchen,
    und nun würde ich sooo gerne mal paar Bilder von
    Dir sehen. Ich liebe Kunst, kann im Urlaub stundenlang
    einem Straßenmaler zuschauen.
    Was Du unter Punkt 10 geschrieben hast, berührt mich sehr
    und macht mich auch wütend. Auch meine Tochter hat auf dem
    Gymnasium die Lust am Malen verloren und jahrelang keinen
    Pinsel in die Hand genommen. Umso erstaunter war ich, als
    in ihrem Haus plötzlich ein von ihr selbstgemaltes Bild
    hing. Sie hat es gemalt, weil sie nicht das fand, was ihr
    vorschwebte. Leider fehlt ihr die Zeit, dieses Talent
    weiter zu entwickeln.
    Liebe Grüße
    Edith

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  9. Du bist eine Künstlerin! Was für eine besonderer Beutel, und was für eine rührende Geschichte dahinter. Bin begeistert!:)

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  10. Oh jaja ja das kann ich nachvollziehen! Als ich vor Jahren mal Kalligraphie übte (und wieder aufhörte, fehlende Geduld usw.) sind Schnipsel übergeblieben, von denen einer als Lesezeichen überleben durfte. Der Beutel mit dem Lappenrund ist chic! Viele Grüße, Eva

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