29 Juni 2016

Gute Aussichten

Sohn1 hat seit gestern für den Rest der Woche frei, während die diesjährigen Abiturienten in der Schule schwitzen. Sohn2 muß ganz normal weiterhin in seine Grundschule, was er ungerecht findet. Sohn1 rechnet seinem kleinen Bruder vor, daß er in einem Jahr auch in den Genuß dieser freien Tage kommen wird, schließlich gibt es jedes Jahr Abiturienten an der weiterführenden Schule. Ein wirklicher Trost ist das dem Kleinen nicht. Damit die Ungerechtigkeit nicht  zu schwer wiegt, bekommt er zu meiner Überraschung von seinem großen Bruder im Bett eine GuteNachtGeschichte vorgelesen. Und am morgen steht dieser extra auf, um ihn an der Haustür mit einem Kuß zu verabschieden: "Denk dran: noch zwei Mal schlafen, dann hast auch du Wochenende..."

26 Juni 2016

Meine Liebe zu Hortensien

Meine Liebe zu Hortensien begann während eines Urlaubs auf einer norddeutschen Insel. Überall an den reetdachgedeckten Häusern sah man sie wunderschön blühen. Ich war hin und weg...

Wieder zu Hause führte mich mein direkter Weg zu einem Gartencenter, wo ich sehr viele Sorten auf einmal zu Gesicht bekam. Sie hatten stolze Preise, so daß ich mir die ersten ihrer Art zu einem besonderen Anlaß wünschte. In den drauffolgenden Jahren sollten noch viele ihrer Art folgen.

Hortensien sind beliebt und anspruchslos. Dieser häufig im Zusammenhang mit Hortensien genannter Satz ist sehr irreführend, denn Hortensien haben sehr wohl besondere Ansprüche. Das habe ich bisher leichtfertig damit verwechselt, daß sie gar nichts zum Wachsen und Gedeihen brauchen. Das wiederum hatte zur Folge, daß sie kaum ein, bis zwei Jahre in meiner Obhut überlebten. Da sie viel Wasser brauchen, goß ich in den Sommermonaten täglich mit Leitungswasser... und dennoch kümmerten sie eher vor sich hin, als daß sie uns mit üppiger Blütenpracht erfreut hätten. Frußtriert gab ich... beinahe auf. Einige Jahre gab es keine Hortensienanschaffungen mehr. Bis auf... diese Woche. Ein überraschender kleiner Lottogewinn mündete darin, daß ich mit einigen Hortensien nach Hause kam ;-).

 

Die Anschaffung einer 510-Liter-Regentonne war auch drin, nachdem die alte sich so nach und nach in Wohlgefallen aufgelöst hatte. Einige Stunden Pladderregen von gestern Abend, und die Regentonne ist voll bis oben an den Rand. Hortensien lieben übrigens Regenwasser.

 

Baumärkte und Gartencenter machen immer Spaß. Erst recht, wenn man von so kleinen Scherzkeksen begleitet wird. Diese Tonne war uns aber viel zu klein.

 

Die, die wir wollten, befand sich in schwindelerregender Höhe (direkt über dem "b").
 
 

Einmal freundlich gefragt, wurde uns sofort geholfen.

 

Tellerhortensie "Roter Teller"

 

Tellerhortensie  "Dark Angel"

Diese beiden mußten mit und wurden zu Hause in Tontöpfe gepflanzt, weil sich Hortensien gut in Kübel pflanzen lassen. Mit kalkfreier Rhododendron- oder Azzaleenerde und einem auf die besonderen Ansprüche der Hortensien abgestimmten Dünger kann man sie direkt beim Pflanzen mit in die Erde mischen. Eine wöchentliche Flüssigdüngung sorgt für Blüten von maximaler Größe und Dauer. Gerade in Kübeln ist die regelmäßige Nährstoff- und Wasserversorgung sehr wichtig. Auch wenn Hortensien wahre Saufnasen sind, Staunässe mögen sie gar nicht. In feuchter, durchlässiger Erde fühlen sie sich am wohlsten.  Ganz in der Sonne sollten sie nicht stehen, dafür gerne im Halbschatten.

 

Man kann Hortensien gut über Stecklinge vermehren. Eines von meinen drei Stecklingen vom letzten Jahr ist tatsächlich angewachsen. Der Juli ist zur Stecklingsvermehrung der beste Monat.

Häufig frieren Bauernhortensien in strengen Wintern zurück und bilden dadurch im kommenden Jahr keine Blütenknospen aus. Neuerdings aber gibt es eine Sorte, die auch am einjährigen Trieb neue Blütenknospen bildet und dadurch verläßlich blüht. Die "Forever&Ever" fehlt mir noch in meiner Sammlung ;-)...


Kaum eine Blüte finde ich lebend wie sterbend so schön, wie die der Hortensie. Für mich ist sie etwas ganz Besonderes.

23 Juni 2016

Geduld, Geduld, oder zwischen Ohnmacht und Ausbeutung

"Wer Ungerechtigkeit sucht, braucht keine Laterne."
Deutsches Sprichwort

Vor drei Wochen bekam ich eine Nachricht von einem unserer syrischen Freunde: "Abla, wir vermissen dich. Kommst du uns besuchen?!" Eigentlich bin ich hundemüde, ständig ist irgendwas, und ich hatte mich schon auf einen ruhigen Nachmittag gefreut... Mein Gewissen läßt mir keine Ruhe, ich nehme den Jüngsten mit, und wir fahren pünktlich los, um wie verabredet um 17.00 Uhr da zu sein.

Freundlich wie eh und je werden wir empfangen. Der, der mir die Nachricht geschickt hatte, kommt wider Erwarten erst zwei Stunden später. Was geschehen war? Als wir uns auf eine Zeit festlegten, tippte er 17.00 Uhr, als er tatsächlich 19.00 Uhr meinte. "A., du solltest unbedingt erst mal die Uhrzeiten lernen. In Deutschland ist das sehr wichtig!", sage ich lachend. Alle klopfen sich auf die Schenkel. A. entschuldigt sich verschämt bei mir.

In der Zwischenzeit habe ich mich mit den anderen unterhalten. Sie finden ihre Situation zermürbend. Erst einer von ihnen hatte seine erste Anhörung als Asylbewerber. "In anderen Bundesländern geht das so viel schneller. Warum dauert es hier so lange? Menschen, die zeitgleich mit uns hier angekommen sind, haben ihre Ehefrauen längst nachgeholt. Wir können nichts machen, außer Sprachkurse zu absolvieren und zu warten. Immer heißt es: "Geduld, Geduld!" Wie lange soll das noch so gehen?" Ich höre mir ihren Unmut an, leider kann auch ich nichts Erhellendes von mir geben.

"Wenn ich hier noch monatelang warten muß, vergesse ich mein im Studium erworbenes Wissen nach und nach", sagt T. Er überlegt, ob er nicht irgendwo der Schwarzarbeit nachgehen soll. Von etlichen anderen weiß er, daß sie das tun.

"Oh, bitte nicht!!! Das ist wider das Gesetz. Das dürft und solltet ihr auf gar keinen Fall tun. Denkt nicht mal daran!"

T. erzählt mir von einem Freund, der in der Stadt schwarz arbeitet. Offiziell hat er einen Vertrag über drei Stunden am Tag, aber in Wirklichkeit muß er zehn Stunden arbeiten, um drei Stunden ausgezahlt zu bekommen. Ich merke, wie ich unruhig werde und mich aufrege über diese unglaubliche Ausbeutung. T. erzählt weiter, daß sein Freund versucht hat, seine Situation zu verbessern. Daraufhin hat er mitgeteilt bekommen, daß er entweder weiterhin 10 Stunden für drei offizielle Stunden ableistet, oder aber gehen kann. Über so etwas kann ich mich sehr aufregen. In über vierzig Jahren hat sich in diesem Bundesland kaum etwas geändert. Damals wurden schon meine Eltern und eine ganze Generation von Gastarbeitern mit unlauteren Methoden derart unter Druck gesetzt, daß sie sich letztlich der Ungerechtigkeit beugten und für Peanuts schwer arbeiteten.

"Das willst du doch nicht wirklich?!", sage ich aufgebracht. "10 Stunden arbeiten, um drei Stunden mies bezahlt zu bekommen? Dafür hast du doch nicht einen so guten Universitätsabschluß gemacht. Du willst doch nicht für die paar Kröten Kopf und Kragen riskieren in diesem Land?"

"Aber so geht das auch nicht ewig weiter", sagt T. Wir werden ja nur hingehalten, bekommen keine ordentliche Auskunft - nur: "Geduld, Geduld...!" Wenn das noch lange so weiter geht, dann gehe ich, wenn's sein muß, zu Fuß in die Türkei zurück. Dort hatte ich wenigstens eine ordentliche Arbeit und habe ganz ordentliches Geld verdient."

"Ich verstehe deinen Unmut, aber vergiß die Schwarzarbeit - ein für allemal. Auch Deutsche möchten eine ordentliche Arbeit haben, und nicht jeder hat sie. Hier leben wir zwar da, wo andere gerne Urlaub machen, aber arbeitstechnisch war das hier immer schon ein sehr schwieriges Pflaster. Bitte macht eure Zukunft nicht kaputt, ehe sie begonnen hat."

T. übersetzt für die anderen. Sie schauen mich aus großen Augen an. Ich wünschte, ich könnte ihnen irgendetwas hoffnungsvolles sagen, aber mir fällt nichts ein. Und: "Geduld, Geduld...!", ist glaube ich nicht so sehr aufbauend im Augenblick.

Mitten in unserem Läusedebakel erreichen mich Nachrichten von T. Sie haben vom Amt Bescheid bekommen, daß sie bald umziehen werden. Sie kennen nur den Namen des Ortes, aber nicht die genaue Adresse. Erst später erfahren sie, in welche Straße sie umziehen werden. Ich schaue mir die Straße im Netz an: alles Einfamilienhäuser mit Gärten. T. läßt mich wissen, daß sie nicht wie bisher mit sechs Mann dort einziehen sollen, sondern mit weiteren Dreien. Und es gäbe nur ein Bad und WC fügt er an. Er klingt aufgebracht. Ich versuche ihn zu beruhigen, und führe ihm vor Augen, daß sie mit diesem Ort der Zivilisation ein Stückchen näher rücken. Das war doch genau, was wir vor wenigen Wochen noch überlegt hatten. Deutlich bessere Busverbindungen, immerhin einige wenige Einkaufsmöglichkeiten, einige Ärzte etc. "Das ist um Lichtjahre besser als dort zu leben, wo ihr jetzt untergebracht seid", sage ich. "Ja, aber zu neunt mit nur einem WC und einem Bad...", kommt es vom anderen Ende. "Hör mal, du weißt noch nicht einmal die genaue Adresse, willst aber wissen, daß es nur ein WC/Bad für neun Personen gibt... Jetzt warte doch erst mal ab. Es gibt ein schönes, deutsches Sprichwort: Es wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird. Können wir uns darauf einigen, daß du erst dann anfängst dich aufzuregen, wenn sich das mit einem WC/Bad bestätigt hat?? Und auch dann wird es eine Lösung geben. Dann macht ihr eben Pläne, wer das Bad wann nutzen darf und versucht euch daran zu halten. Muß ich dir vor Augen führen, wie eure Landsleute in den Containern untergebracht sind?? Versuche doch den Umzug erst mal positiv zu sehen."

Am Ende unseres Gespräches hat sich mein Gesprächspartner anscheinend etwas beruhigt. "Danke Abla!", sagt er. "Das hat mir jetzt gut getan, mit dir zu sprechen."

Ich hoffe, daß bald Bewegung in alles kommt. In der Zwischenzeit habe ich erfahren, daß sie gemeinsam einen Anwalt einschalten wollen. Sie möchten nicht weitere kostbare Zeit mit Wartereien vertrödeln. Wir werden sehen...

22 Juni 2016

Letzter Akt

Du liebe Güte, was war das bitte für ein ungeheuerlicher Aufwand, um diese Parasiten wieder loszuwerden... 

Ich traue mich das kaum zu glauben, geschweige denn entspannt auszusprechen, aber ich denke: wir sind sie los. Vorgestern habe ich diesbezüglich die letzte Maschine befüllt. Wider Erwarten ist Herr Pü tatsächlich zum Wochenende aufgetaucht, und fand den betriebenen Aufwand ungeheuerlich. Tse, als wenn ich das vor lauter Langeweile gemacht hätte. Wenn man keine Erfahrungen diesbezüglich hat, hält man sich eben an die Vorgaben von Leuten, die es wissen müssen. So konnte ich nicht umhin, als ihm dann bei passender Gelegenheit einen Riesenschrecken einzujagen. Ich gab zu verstehen, daß etwas auf seinem Haupt krabbeln würde... Das saß! Wir haben uns schlapp gelacht.

Nach der letzten Behandlung kontrolliere ich beständig die Köpfe. Sobald ich das tue, geht der Juckreiz wieder los. Furchtbar ist das! Die Nissen kleben weiterhin unbeeindruckt an den Haaren des Sohnes - interessanterweise an vollkommen untypischen Stellen. Ich müsste sie mit den Nägeln einzeln aus den Haaren ziehen, um sie zu entfernen, aber ich habe hier auch noch einpaar andere Dinge zu erledigen.

 

Unser Ritual mit dem Glätteisen haben wir beibehalten. Der Sohn hat Gefallen daran gefunden, daß ich ihm Strähne für Strähne die Haare glätte. Und auch ich habe es genossen, daß wir uns dabei in Ruhe unterhalten konnten ( und ich so ganz nebenbei den möglicherweise noch zuckenden Nissen den letzten Rest dabei geben kann).

Im Nachhinein habe ich erfahren, daß es Mittel zur Bekämpfung von Läusen gibt, die bereits nach zehn Minuten Einwirkzeit aus den Haaren ausgewaschen werden können. Tja, wir hatten ein Mittel, welches acht!!! Stunden in den Haaren verbleiben mußte. Das war weniger die Luxus-Variante, aber eben die einzige, die wir noch aus der notdiensthabenden Apotheke abgreifen konnten. Immerhin übernimmt die Kasse bis zum zwölften Lebensjahr von Kindern die Kosten dafür (schlaue Kasse - wer will schon die kostenlose 8-Stunden-Variante, wenn es die kostenpflichtige Luxus-10-Minuten-Variante auch tut?!)

Insgesamt war das eine Erfahrung, die keiner von uns je wieder machen möchte. Interessant finde ich ja, wer sich vor was ekelt. Während ich immer diejenige bin, der Spinnen absolut nichts ausmachen, flattern mir die Nerven bei Parasiten aller Art (Läuse, Zecken, Flöhe, Bandwürmer des Herrn Mautz). Es soll ja sogar Menschen geben, die Angst vor Knöpfen, Teddybär-Augen oder was auch immer haben. 

Was treibt euch den Blutdruck in die Höhe? 

P.S.: Auch nach fünf Jahren staune ich, was so alles auf meiner Blog-Seite passiert. Seit gestern ist meine Linkliste weg, und ich kann sie beim besten Willen nicht wieder herstellen. Blöd, aber wenn sie nicht genau so wieder auftaucht, wie sie verschwunden ist, dann ist das jetzt eben so. 

19 Juni 2016

Von Rosen und anderen Blüten

Die vergangene Woche ist nur so verflogen. Ich hatte kaum Zeit für die Schönheiten in unserem Garten. Nur einpaar Schnappschüsse hier und da hat es gegeben, die ich euch nun präsentieren möchte. Die Blütenblätter sind alle noch an den Blüten, wie man unschwer erkennen kann. Ich schätze mal, daß sich das bald ändern wird.

 

Diese Rose habe ich vor wenigen Jahren in der irrigen Annahme gekauft, sie würde irgendwann rot blühen. Sie war wohl am Topf mit dem verkehrten Schild versehen. Ich staunte nicht schlecht, als ich irgendwann ihre erste knallgelbe Blüte entdeckte. Aber ich muß sagen: sie duftet so wunderbar...

 

Diese hier, werden sich in einigen Tagen erst öffnen. Auch sie haben einen himmlischen Duft. Nur schön sein, reicht in unserem Garten nicht: das was darin ist, sollte auch duften.

 

Diese unermüdlichen Blümchen duften zwar nicht, aber ich schaue sie so gerne an. Sie sind hier und da ein wunderbarer Blickfang und daher gern gesehen.

 

Auch solche Schätzchen mögen wir sehr, die uns die Natur ganz von selbst schenkt.

 

Diese wunderschöne Lilie schenkte mein Mann mir vor zwei Jahren. Als sie verblühte, rechnete ich nicht mehr damit, daß noch irgendetwas kommen würde. Kraftstrotzend ist sie nun erneut mit reichlichen Blütenknospen da. Bäm!

 

Der kleinblütige Pfeifenstrauch ist im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend und gehört zu meinen absoluten Lieblingen in unserem Garten. Sein Duft steht dem des Jasmins im Süden in Nichts nach. Im Sommer verströmt er permanent seinen starken Duft und macht uns alle damit unglaublich glücklich. Seit Jahren nehme ich immer wieder Ableger davon, um ihn an verschiedenen Ecken unseres Gartens zu etablieren. Zum Glück gelingt das problemlos.

 

Sagt, ist sie nicht wunderschön?! Momentan ist sie das absolute Highlight. Fragt mich nicht nach ihrem genauen Namen - das ist auch gar nicht so wichtig. Sie ist wunderbar und hat einen starken Duft. 

 

Auch sie befindet sich an verschiedenen Bereichen unseres Gartens, und bei meinen Rundgängen kann ich kaum umhin, als jedes Mal einen kräftigen Schnuff mitzunehmen.

Da ich es leider aufgrund besonderer Vorkommnisse im Hause nicht geschafft habe zum Thema "Heimat" etwas zu schreiben (angefangen hatte ich bereits...), schicke ich wenigstens das hier zu ihr.

16 Juni 2016

Neues von der Ekelfront (Post mit Anschauungsmaterial und Kribbelgarantie)

Ich bin müde. Die Läuse machen mich fertig. Der bloße Gedanke an sie macht mich fertig. Warum denkt sich irgendwer überhaupt chemische Kampfstoffe aus: Läuse, Krätzmilben, Filzläuse, Bettwanzen... damit kann man jeden Gegner mühelos in die Knie zwingen - auf natürlichem Wege quasi. 

Heute morgen um 3.30 Uhr - ich schlage plötzlich die Augen auf. Irgendwie juckt es am Haaransatz im Genick. Mit einem Schlag hellwach, das Herz schlägt mir bis zum Halse, ertrage ich es nicht mehr, liegen zu bleiben. Der Juckreiz wird sekündlich immer schlimmer, so daß ich beschließe mir die Haare mit einer Spülung plus Läusekamm auszukämmen. Ich mache sozusagen die Probe, streife den Läusekamm am Zewa ab, sehe aber so gut wie nichts. Ich kämme und rupfe an meinen Haaren - bin da nicht so zimperlich. Hmm, offensichtlich spielen meine Nerven verrückt. Bilde ich mir den Juckreiz vielleicht nur ein?! Jetzt, wo ich schon auf den Beinen bin, kann ich ja direkt die nächste Waschmaschine befüllen. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, bei der wievielten Füllung wir sind. (Dafür habe ich heute eine erneut beeindruckende Menge Waschmittel nach Hause gefahren). 

Irgendwann wird der Kleine irritiert wach: "Mama, haben wir verschlafen??" (Eh... Nein! Es ist noch nicht einmal fünf Uhr). Ich mache schon mal Frühstück, schlafen kann ich jetzt beim besten Willen nicht mehr. Meine geschundenen Nerven brauchen jetzt eine süße Dröhnung: ich trinke einen Cappucchino. Die Kinder sind irgendwann aus dem Haus, und ich stelle mit Erleichterung fest, daß der Hauptwäscheberg nun abgearbeitet ist. Jetzt kommt nur die tägliche Menge  mit der Gebrauchswäsche dran - was auch nicht wenig ist.
 
Gegen Mittag trudeln die Kinder wieder aus den Schulen ein. Mein erster Blick geht auf die Köpfe: bei dem einen kann ich so gut wie nichts ausmachen, beim anderen... Völkervereinigung :(. Soooooo ekelhaft ist das, daß ich mich arg zusammen reißen muß, um nicht undefinierbare Ekellaute von mir zu geben. 

 Nissen (nicht zu verwechseln mit Schuppen) sind ovale, transparent bis bräunliche Eier, die die Läuse an eine Seite eines Haares kleben (siehe Foto). Sie sind gerade so groß, um mit bloßem Auge erkannt zu werden.

Die Fachfrau vom Amt für Gesundheit ruft zurück: ich schütte ihr mein Herz aus. Der psychologische Effekt ist erst mal positiv. (Wenn das so weiter geht, gehen wir bestimmt demnächst zusammen einen Kaffee trinken). Nein, ich möchte mir vor lauter Entsetzen nicht mehr sofort eine Glatze rasieren, während am anderen Ende immer wieder dezente Gluckslaute zu hören sind. Mir wäre auch zum Lachen zumute, würde sich diese Naturkatastrophe nicht gerade auf unseren Köpfen abspielen. Läuse sind elende Mistviecher! 

Mein Mann, den ich selten so erleichtert nach dem Wochenende das Haus habe verlassen sehen ("Die Ratten verlassen das sinkende Schiff") erkundigt sich telefonisch, ob jetzt alles wieder gut sei. ??? Ich habe leise Zweifel, ob wir ihn in diesem Monat noch zu Gesicht bekommen werden.  

Frau H. vom Amt ermutigt mich am Ball zu bleiben und weiterhin die Kontrollmethode anzuwenden. "Einpaar Wochen noch... dann haben Sie alles überstanden!" Hä??? Wie... Wochen?? Ich dachte nach der Zweitbehandlung wäre spätestens alles wieder gut. Kontrolliert werden muß über Wochen. Habe ich eine andere Wahl?... 

Heute morgen, also mitten in der Nacht, habe ich gegoogelt, was andere Verzweifelte so tun, um diese Parasiten loszuwerden. Zu den Top-Ten gehören:

  • Heiß duschen oder sehr heiß fönen
  • Zur Abschreckung Teebaumöl in die Haare schmieren - gerne auch andere ätherische Öle wie Lavendel (gut  für und gegen ALLES).
  • Die Haare in Olivenöl ertränken, damit die Läuse ersticken. 

  • Mayonnaise - ebenfalls zum Ersticken der Läuse gedacht. Bäh!
  •  Weidenrinden-Sud als vorbeugende Maßnahme
  • Essig
  • Neembaumöl
  • Sich, falls vorhanden, unter die Trockenhaube setzen
      Und dann lese ich noch: 

  • Weder sehr heißer Föhn (gefährlich für die Kopfhaut) noch die Sauna helfen gegen Läuse. (Schade aber auch!!!).
  • Sehr gut und ganz einfach selbst herzustellen ist folgendes Hausmittel: Nehmen Sie einen halben Liter Milch, zwei Flaschen Bier, drei Eier, zwei Esslöffel Essig und den Saft von zwei Zitronen. Alles gut mischen und auf dem Kopf verteilen. Guten Appetit! Die Mischung eine halbe Stunde einwirken lassen und danach gut ausspülen. - Ich fürchte, das nützt auch nix.


Ich gebe zu, ich habe zu meiner täglichen Kontrollmethode die Haare mit dem guten Olivenöl überschüttet und danach alles seeeehr heiß ausgewaschen - ohne nennenswerten Erfolg - bis auf das nachlassende Dampfen und Brennen der Kopfhaut. Ich berichte Frau H. von den Hausmittelchen und sehe bzw. höre sie insgeheim  glucksend und mahnend den Kopf schütteln. "Bitte tun Sie das nicht! Schonen Sie ihre Kopfhaut, die muß nämlich noch einiges aushalten. Wenden Sie kontinuierlich die Kontrollmethode an!" 

Ich habs geahnt.

Aber eine Sache habe ich dann doch noch ausprobiert: ich habe das Glätteisen rausgeholt und dem Sohn damit Strähne für Strähne die unzähligen Lauseier gegaart. Wenn die theoretisch bei einer 60°-Wäsche den Geist aufgeben, dann war das ein fulminanter Abgang, den ich den meisten von ihnen bereitet haben dürfte (hoffe ich zumindest). Igitt!!!

Ob diese Methode mehr von Erfolg gekrönt war, als die Salat-Öl-Methode, erfahrt ihr demnächst auf diesem Kanal ;-)... Ich höre Frau H. bei unserem nächsten Telefonat schon dezent am anderen Ende der Leitung glucksen und mir mahnend ins Gewissen reden. Ach ja, was soll ich dazu sagen: Das sind halt Verzweiflungstaten.

Und hier noch etwas für die Allgemeinbildung (soll ja keiner behaupten, hier auf Papatyam würde man nix lernen): Wußtet ihr, daß  Nissenkamm im Volksmund  „Läusehechel“ genannt wird?! Wieder etwas dazu gelernt...

Juck juck, kratz kratz... bei euch auch?

Habt ihr noch fantastische, bisher als großes Familiengeheimnis gehütete Entlausungsmethoden, die nirgends im Internet zu finden sind? Her damit!!! Im Dienste der Wissenschaft und der Menschheit opfern wir uns im Selbstversuch. Wer weiß, vielleicht fallen uns die leeren Nissenhüllen von den Haaren, Herr Pü kommt frohlockend  aus der fernen Großstadt wieder gen Heimat gefahren, alle fallen sich lausfrei, erleichtert und glücklich um den Hals..., und wenn sie nicht gestorben sind... 

Im Zweifelsfalle hat Frau H. wieder etwas zu lachen - für so Leute vom Amt ist Erheiterung auch mal ganz nett.

14 Juni 2016

Am Ende dieses Tages

...liegen bei mir die Nerven blank. Die Waschmaschine läuft und läuft - ich fühle mich wie ein echter Umweltsünder, obwohl ich wirklich nur das Notwendige in die Wäsche gebe. Die Kinder habe ich mit einer großen Portion Haarpflegespülung erst mit normalem Kamm, dann mit dem Läusekamm ausgekämmt. Nein, das möchte man weder sehen, noch wissen, was da alles runter kommt. Doppel-Würg!!!


Ich muß gestehen, daß ich zwar immer behaupte im Gegensatz zu jüngeren Jahren nur noch dünne Haare zu haben, aber sie sind immer noch kräftig genug. Mit Läusekamm bei mir durch die Haare kämmen zu wollen hat den Effekt, daß man sie sich rausreißt. Das ist nicht im Sinne des Erfinders. Mir reicht der ganze Läusekram so sehr, daß ich beherzt zur Schere gegriffen und drauflosgeschnitten habe. Nennt man dann Nährbodenentzug. Damit mein Mann bei meinem Anblick am Wochenende nicht in die Schockstarre verfällt habe ich ihm dann ein Foto per WhatsApp geschickt. Reaktion: " Ohh gut... Jetzt noch die Tage zum Frisör und etwas Fasson rein." Es folgt ein Daumen hoch.


Wenn die Dinger sich hier, nach der am achten Tag anstehenden Behandlung, nicht in Luft auflösen, rasiere ich mir eine Glatze. Ich schwöre. (Dampf aus Nasenlöchern).

13 Juni 2016

Ungebetene Gäste

Als sie mich das erste Mal in meinem Leben heimsuchten, war ich ca. fünf Jahre alt und besuchte einen englischen Kindergarten. Ich hatte mir damals Läuse eingefangen. Sehr schnell wurde aus Sicht der Betroffenen die Schuldige ausgemacht: das einzig farbige Mädchen aus der Gruppe machte man dafür verantwortlich. Ich darf da gar nicht daran denken - das arme Kind und seine Familie!


Zum Glück haben sich die Zeiten geändert und die Aufklärung hat dazu beigetragen, daß man heute damit anders umzugehen weiß, als zu damaligen Zeiten. Läusebefall hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Kopfläuse mögen es nur gern muckelig warm. Die Übertragung erfolgt meist bei direktem Haarkontakt mit bereits befallenen Personen, durch z.B. das gemeinsame Benutzen von Kämmen, Haarbürsten oder Kopfbedeckungen.

Seit Wochen bekomme ich nun bereits aus den beiden Schulen der Söhne Informationsbriefe zu Läusebefall. Einpaar Mal ist das im Jahr der Regelfall. Bisher sind wir immer verschont geblieben... nur jetzt gerade hat es auch uns erwischt.

Natürlich habe ich beim ersten intensiven Kratzen genauer hingeschaut, aber wahrlich nichts entdecken können. Gestern, als ich das wiederholte Kratzen des Sohnes sah,  war es dann anders: auf dem Kopfe ein Volkstreffen :(. Beim anderen war es nicht ganz so schlimm, aber ein Befall erkennbar. Bei mir setzte prompt das Dauerkratzen ein. Eigentlich brauche ich nur das Wort Läuse zu hören, und schon setzt das große Jucken ein. Brrrr. Geht es euch auch so? Die Apothekerin empfing mich mit einem breiten Grinsen: "Heute waren schon viele vor Ihnen da. Das sind auch die letzten Mittel, die ich hier habe."  Mein Mann konnte nichts ausmachen, aber mit den sofort besorgten Mitteln aus der Notapotheke habe ich mich sogleich mitbehandelt. Gestern Abend habe ich die jeweiligen Klassenlehrer informiert und heute morgen noch die Busgesellschaft. Denn so vollgepfercht die Busse mit Schülern sind, so sehr ist das der Kontakthof für Läusebefall. Dort bedankte man sich für diese Info und gab an, besondere Reinigungsmaßnahmen an den Sitzen durchführen zu wollen.

Nach der ordnungsgemäß durchgeführten Erstbehandlung durften die Kinder wieder in die Schule. Den Einsatz des Läusekamms fanden die kleinen Herren am Allerschlimmsten. Am 8.Tag wird das Prozedere wiederholt. Nach jeder erfolgreich erfolgten Behandlung gibt es eine Mitteilung an Kindergarten, Schule etc.  Ich hoffe, daß wir die Plagegeister dann endgültig los sind.

Hattet auch ihr schon mal ungebetenen Besuch? Und... juckt es euch bei dem bloßem Gedanken daran nicht schon?

Eine Freundin erzählte mir: "Beim ersten Mal habe ich ALLES gewaschen. Das waren 32 Waschmaschinenladungen. Beim zweiten Mal war es schon deutlich weniger. Und beim dritten Mal habe ich nur noch das gemacht, was wirklich sinnvoll ist. Das hat gereicht." Hier hat es gestern auch einige Waschmaschinenladungen gegeben. Heute sind die nächsten dran. Herrje, sobald ich daran denke, juckt es schon wieder so schrecklich...


Ich wünsche euch einen schönen Wochenstart. Und bei einem Befall denkt dran: ruhig bleiben, den Befall melden, gewissenhaft behandeln, regelmäßig den Haaransatz  kontrollieren, am 8.Tag alles wiederholen... und zwischendurch immer mal tieeef Luft holen ;-).

11 Juni 2016

Aufgestockt

Ich mag diesen schlichten Schnitt. Normalerweise hätte er noch eine Brusttasche, aber das wäre mir persönlich schon zuviel des Guten. Da er sich im vergangenen Jahr mehr als bewährt hat, durften weitere Oberteile in schönen Farben und Mustern in meinem Kleiderschrank einziehen. Verblüffend war mal wieder, wie unterschiedlich die Jersey-Stoffe auch dieses mal eingelaufen sind. 

 


Auch wenn mein Können verglichen mit dem von erfahrenen Näherinnen eher bescheiden ausfällt, bin ich sehr stolz auf meine Werke. Und darauf, daß ich einen gut sitzenden Schnitt habe, der mich nicht in Abständen rastlos durch die Geschäfte der Stadt hechten läßt. Ich bin nämlich so ganz und gar keine Shopping-Queen - war ich noch nie.

09 Juni 2016

Ein Shirt für den kleinen Weltraumforscher

 

Nachdem es den Hollandstoffmarkt in unserer Region nicht mehr geben wird, waren alle meine Stoffe alsbald aufgebraucht. Umso erfreuter war ich, als ich von einer Neueröffnung in der Stadt hörte. Es stellte sich heraus, daß es das Geschäft bereits seit einem Jahr gibt... Erfreut war ich über die große Auswahl in dem Geschäft und stöberte nach Herzenslust. Der obige Stoff war ein übriggebliener Rest, und ich wußte genau, wer sich über ein Shirt daraus freuen würde.

Die ersten Shirts, welche ich den Söhnen nach einem Schnitt aus der Ottobre nähte, waren sehr ernüchternd. Die Paßform war überhaupt nicht optimal, und das Ergebnis erinnerte eher an Pjamaoberteile, denn an T-Shirts. Dieses mal habe ich den Schnitt einem gut sitzenden Shirt entnommen und danach genäht. Das Kind ist heute morgen glücklich pfeifend damit aus dem Haus gegangen.

Selten finde ich Stoffe, die mir im Design und Farbe gefallen. Dieses Mal hatte ich mehr Glück. 

 

Ich habe schon etliche Shirts für mich genäht und dabei unfaßbar viel vermurkst. Die übelst zugerichteten, Einfarbigen habe ich erneut zerschnitten und werde den Söhnen daraus weitere Shirts nähen - das nennt man dann wohl Lehrgeld zahlen. Inzwischen gelingen sie mir fehlerfrei. Schön zu sehen, daß es eine Entwicklung gibt. Und irgendwann traue ich mich auch mal an einen ganz neuen Schnitt heran.

08 Juni 2016

Gaga

Gestern noch war es so drückend warm. Heute haben wir 15° weniger. Es fröstelt nicht nur mich nach dem Aufstehen. Der Kater, der seit Wochen ununterbrochen draußen lebt und nur zum Fressen kommt, möchte unmißverständlich Einlaß haben. Irgendwie sieht auch er so aus, als würde es ihm gerade etwas zu frisch sein.

Für einen Moment überlege ich, ob ich ihm eine Wärmflasche machen soll...  


Ab wann wird Tierliebe bedenklich?

04 Juni 2016

Atmen - und die Stille entdecken

Manchmal laufen zu viele Dinge zusammen, die permament erledigt werden müssen. Dann nimmt der Stress zu und man merkt deutlich, daß die Haut dünner wird. Wenn die Kinder anfangen, wegen Nichtigkeiten aneinander zu geraten..., man die eigene innere Unruhe an sich wahrnimmt, dann spätestens wird es Zeit zum bewußten Luft holen.


Permanenten Stress kann man eine Zeit lang gut aushalten. Dann aber werden ausreichende Erholungsphasen dringend notwendig. Wenn man nicht über Meditationserfahrungen verfügt, beginnt unser Anti-Stress-Sofortprogramm. Und das bedeutet: ALLES stehen und liegen lassen, wenige Dinge mitnehmen und ab ins Auto.

 

Auf dem Wasser tanzende Lichtreflexe bewundern, sowie einen ganz besonders glatten, schwarzen Stein.

 

Lächelnde Gesellen sind immer willkommen!

 

Ob hier vor einiger Zeit eine Feierlichkeit stattgefunden hat?!

 

Oh ja, sie sollte in keinem Leben fehlen.

 

Grün auf der einen,

 

und auf der anderen Seite.

 

In der Natur, fernab von Zivilisationsgeräuschen (z.B. den seit Tagen andauernden  Mähgeräuschen in den umliegenden Grünflächen) fällt jeglicher Stress von einem ab. Kinder, die in ihr Tun vertieft, scheinbar alles andere um sich herum vergessen können dabei.

 

Sich gedankenverloren einbuddeln im Sand.

 

Dinge entdecken, die man sonst übersehen würde: "Schau mal Mami, was ich gefunden habe! Erkennst du da was drin?" "Na klar! Ich sehe ganz klar einen Elefantenkopf." 

Ihr auch?? 

Die Stille der Natur wahrnehmen, den Möwen lauschen, mit den Augen ihren Segelflug begleiten, das Meer riechen, die Beine kühlen, sie Seele baumeln lassen. Die Natur ist so wunderbar vielfältig und faszinierend - einfach Balsam für die Seele. 

 

Auf dem Rückweg am Abend solche Oasen entdecken.

 

Am Straßenrand anhalten, um diese schönen Pferde zu bewundern. Ich komme mit einem Paar ins Gespräch, die gerade ihre Hunde ausführen. Die Pferde, so erfahre ich von ihnen, sind schon über 20 Jahre alt. Die Besitzer kaufen wohl immer so alte Pferde, die dann ihren letzten Lebensabschnitt in Frieden bei ihnen verbringen dürfen.  Die Hundebesitzer erzählen mir, daß sie ihre beiden Begleiter aus dem Tierheim geholt haben. Der kleinere von beiden hat in einem halben Jahr zum fünften Mal den Besitzer gewechselt. "So sollte das nicht sein. Bei uns ist er gut aufgehoben und darf endlich ankommen und bleiben.", sagen sie. 


Einen wunderschönen Tag  haben wir gestern miteinander verbracht - ohne Internet, irgendwelche permanenten Geräusche, ohne dringend zu erledigende Aufgaben. Es war so wohltuend für uns alle. Und das Beste am Ende des Tages, wenn ich meine Kinder ins Bett gebracht habe, ist zu hören: "Mama, das war so schön. Danke, daß du das mit uns gemacht hast!"


Man muß sich immer wieder Inseln der Ruhe im Alltag erschaffen. Wo und wie erholt ihr euch?  

Ich wünsche euch allen ein feines Wochenende. Der Norden hat schon 26°C. Kater Mautz weiß auch nicht so recht, wo er sich lassen soll. Mal schmeißt er sich hier, mal dort hin.


Mein Badeanzug ist total zerschlissen, der Neue noch nicht da. Bald werde ich mich wieder in das kühlende Nass stürzen. Ganz bald.

02 Juni 2016

Auf den ersten Blick

Seit zweieinhalb Jahren haben wir nun ein Haustier. Kater Mautz ist auf seltsamen Wegen bei uns gelandet, und obwohl ich von mir aus nie auf den Gedanken gekommen wäre, je wieder ein Haustier haben zu wollen, möchten wir ihn nicht mehr missen. Er ist ein Mitglied unserer Familie geworden, und wir lieben ihn alle sehr.

Im Gegensatz zu mir ist mein Mann mit Hunden und Katzen groß geworden. Da eine der Leidenschaften meiner Schwiegermutter Hunde waren, wuchsen er und seine zahlreichen Geschwister mit Sloughis, Salukis, afghanischen Windhunden, Barsois und Azawakhs auf.

Eine traumatische Erfahrung mit einem kranken Hund in meiner frühen Kindheit und einem langen Krankenhausaufenthalt führte dazu, daß ich, wann immer ich Hunden begegnete, einen großen Bogen um sie machte.

Nur ein einziges Mal... da war es um mich geschehen. Im Jahre 2008, als die Jungs und ich eine viermonatige Rundreise mit dem Bus meines Vaters durch die Türkei machten, da gab  es eine beeindruckende Begegnung.  

Als ich ihn sah, wankte der Boden unter mir, und ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper. Wie elektrisiert starrte ich ihn an. Aus einem wunderschönen Gesicht blickten mich beeindruckende Augen an. Alles um mich herum verschwamm und mir war, als würde ich schweben. Diese Augen, sie sahen mich nicht bloß nur an, sie erkannten und erfaßten mein ganzes Wesen - so kam es mir vor. Ein Glücksgefühl durchflutete meinen  Körper und meine Seele. Der große Hund, eher ein Löwe mit Riesentatzen, ließ sich wie selbstverständlich neben mir nieder, und ich kraulte ihn ohne jegliche Bedenken. Das war ein Kangal, ein türkischer Hirtenhund, der gerade frisch Papa geworden war. Er sorgte mit dem Schäfer dafür, daß die Schafsherde mit vierhundert Tieren ordentlich geführt wurde und beisammen blieb. Ein wunderschönes, imposantes Tier mit einer unglaublichen Präsenz. Es war eindeutig um mich geschehen. Ich hatte mich in diesen Hund verliebt. Dieser Zauber blieb weder meinem Vater, noch dem Schäfer verborgen. Der Schäfer bot mir an, seine Welpen anzuschauen. Mein Vater warnte mich eher und sagte: "Wenn du die siehst, wirst du mit Sicherheit einen mitnehmen wollen. Das sind tolle Hunde, aber laß es lieber. Du hast noch sehr kleine Kinder und bist gut beschäftigt. So ein Hund braucht viel Aufmerksamkeit." Schweren Herzens hörte ich auf meinen Papa und schaute mir die Welpen erst garnicht an. Diese Begegnung vor acht Jahren werde ich nicht vergessen, so lange ich lebe. Ich habe immer mal wieder nach Kangals Ausschau gehalten, aber so ein hübsches Prachtexemplar in den schönsten Milchkaffeefarben habe ich auch nie wieder gesehen. Dabei ist es dann geblieben. Ach und übrigens... den hier, den finde ich auch zum Dahinschmelzen... Der ist doch zum Klauen, oder?!

Inzwischen sind Jahre vergangen. Mein Mann ist ein geschickter, kluger Kopf.  Er hat mir in Abständen immer mal wieder ganz zwanglos Bilder von irgendwelchen Hunden geschickt. So etwas arbeitet natürlich in einem. Aber trotz Begeisterung hatte ich auch immer wieder Bedenken: Wie groß und schwer wird so ein Hund? Was für ein Temperament hat er? Was braucht er, und können wir ihm das geben? Was ist mit Kater Mautz? Er war zuerst da und soll sich natürlich auch weiterhin bei uns wohl fühlen... Gedanken über Gedanken... schon seit Jahren. Letztlich haben wir uns darauf geeinigt, daß es, bis wir meinen Papa in der Türkei besucht haben, keinen Hund geben wird. Bestenfalls irgendwann danach. Was dafür spricht ist, daß ich aufgrund hormoneller Veränderungen schon seit längerem eine ungekannte Trägheit an mir wahrnehme, die ich ganz fürchterlich finde. Ich, die ich mein ganzes Leben lang immer extrem viel Sport gemacht habe, benötige größte Disziplin, um nicht zu einem Couch-Potato zu verkommen. Ein Hund würde dieser Trägheit natürlich entgegenwirken: ich hätte quasi einen Personal Trainer, der mich zwingen würde, diese Trägheit zu überwinden. Seit Jahren surfe ich im Internet, ich unterhalte mich viel mit Hundebesitzern. Meist fange ich bei kleineren Hunden wie Havanesern an, und lande immer bei den Arbeits- und Hütehunden. Den Berner Sennenhund finde ich neben so vielen anderen auch toll. Und dann begrabe ich wieder meine Illusionen, weil ich sehe, wie groß so ein Hund  wird und wie krankheitsanfällig sie sein können. Ob es je einen Hund in unserem Hause geben wird, ich kann diese Frage ehrlichgesagt nicht mit Bestimmtheit beantworten. Solche "Anschaffungen" brauchen viel Verantwortung, denn man geht eine jahrelange Verpflichtung für ein Lebewesen ein.

Wir dürfen gespannt sein. Und bis dahin gehe ich ab und an mit Mogli, einem Border Collie-, Golden Retriever- und Labrador-Mischling, der heute genau 15 Wochen alt ist. Gestern Abend waren wir zum ersten Mal zusammen unterwegs ;-).

 

 

 

 

 


 

 

 

01 Juni 2016

Probieren geht über studieren

Ich habe es getan. Nachdem ich oft die Begeisterungsausrufe diverser Näherinnen auf verschiedensten Blogs vernahm, wurde ich stutzig. Meine Nähmaschine ist eine sehr robuste Pfaff, die mich seit ca. 18 Jahren begleitet. Sie hat einen sogenannten Overlock-Stich, der bei mir oft zum Einsatz kommt. Den Rand schneide ich nachträglich mit einer scharfen Schere selbst ab. Daher habe ich nie begriffen, wozu man eine teure Investition für eine Overlockmaschine noch zusätzlich machen sollte. Aber die Jubelschreie wurden nicht weniger..., und ich dachte: "Hey, vielleicht merkt man erst, wie toll so eine Maschine ist, wenn man sie ausprobiert - kann ja sein." Also vereinbarte ich einen Termin bei der Nähmaschinenverkaufs-Dame meines Vertrauens. 

Gestern war es dann soweit. Ich nahm ein bereits zugeschnittenes Shirt mit, um es dort zu nähen. Sie fand die Idee sogar gut, als immer nur an irgendwelchen Stoffläppchen zu probieren.

Genäht habe ich an einer Baby Lock Eclipse, deren Kostenpunkt derzeit bei knapp 800,-Euro liegt. 

Um es kurz zu machen: ich bin nicht in Jubelgeschrei verfallen. Es ist nett, daß man das Teil nicht kompliziert einfädeln muß, weil es ein  Jet-Air-Einfädelsystem hat. Es ist nett, daß der Stoffrand zeitgleich abgeschnitten wird, während man näht. Aber alles in allem rechtfertigt es für mich persönlich überhaupt nicht die Anschaffung einer weiteren Maschine. Mir war schnell klar: ich brauche das nicht! Im übrigen war ich an dieser Maschine genau so schnell/langsam bei der Fertigstellung meines Shirts, wie an meiner Pfaff. Also auch kein Zeitvorteil für mich.

Jetzt könnte man natürlich anführen, daß ich noch auf einem relativ niedrigen Niveau nähe, und wenn ich viel und häufig nähen würde, ich das dann doch schätzen würde. Kann sein. Kann aber auch nicht sein. Vielleicht bin und bleibe ich in meinem tiefsten Innern ein Neandertaler, der alles Überflüssige verabscheut. Ich habe auch keine Geschirrspülmaschine und spüle immer von Hand. Geht schnell, gründlich - ohne diese Geräuschkulisse. Ich habe nie so etwas gebraucht, oder gar vermißt. Wenn mal seltenerweise riesige Mengen Abwasch anfallen, gibt es auch meist einige helfende Hände mehr. Ich brauche das nicht, obwohl ich weiß, wie verzweifelt Menschen sein können, wenn es die Geschirrspülmaschine nicht mehr tut.

Versteht mich bitte nicht falsch: ich gönne jedem sein tief empfundenes Glück an seiner Overlockmaschine. Ich habe nichts dergleichen daran gefühlt. Dafür habe ich wieder zu Hause meine alte, zuverlässige Pfaff liebevoll getätschelt.