31 Januar 2016

Wege

Noch vor einem halben Jahr, da schrieb ich humorvoll
 

Nicht zu hoffen wagend, daß Jemand sich ernsthaft für eines meiner gemalten Bilder interessieren könnte. Und dann passiert es, daß eine ganz freundliche Anfrage kommt. Auch noch von Jemandem, dessen Blog ich schon lange kenne und all die wunderschönen Sachen darin so bewundere... Noch gebe ich keine Bilder gegen Geld her, sondern tausche gegen gewünschte Materialien. Viel wichtiger ist mir das Malen an und für sich. Denn ich habe viel zu viele Jahre lang vor mich hingerostet und eine Leidenschaft nahezu gänzlich verkümmern lassen. Aber statt mich über die vertane Zeit zu ärgern, freue ich mich, wieder mit kleinen Skizzen und dem Malen angefangen zu haben. Oft genug nicht gut, aber das ist garnicht so wichtig im Moment (Ein schlauer Kopf hat mal gesagt: "Etwas nicht zu können ist kein Grund es nicht zu tun!"). Wichtig ist das Tun, denn nur so lernt man und entwickelt sich weiter. Skizzen finde ich unsagbar wichtig, um die Augen zu schulen, um wieder das Sehen zu üben, die Hände dazu zu bringen, das Gesehene locker auf das Papier zu zeichnen. Die Selbe Zeichnung manchmal etliche Male anzulegen, bis die Proportionen endlich stimmen, bis die Bewegungen der Hand fließend sind. Sich nicht über Mißlungenes zu ärgern, sondern sich darauf zu freuen, was noch möglich sein wird mit der Zeit. Das ist mir wichtig. Und darauf freue ich mich.

Ein letztes Mal habe ich mir dieses Bild im Original angesehen und mich von den Dreien verabschiedet. Ab jetzt werden sie woanders glänzen und schimmern und ihren neuen Besitzern hoffentlich Freude bereiten. 
 
 

Schon jetzt gibt es wenige Bilder, die ich nie verkaufen würde. Für kein Geld der Welt. Diese hier werden auf eine sehr lange Reise gehen. Gott, wie ich mich freue. Ich habe noch nicht einmal eine Kaffeetafel decken müssen ;-)...

 

Wie verpackt man ein Bild, welches eine so lange Reise vor sich hat? Ich habe noch nie zuvor eines versenden müssen. Glücklicherweise gab es noch einiges an Luftpolsterfolie im Hause. Ich habe mehrere Lagen davon um das ganze Bild herum gewickelt,

 

...um am Ende festzustellen, daß ich den Umschlag mit persönlichen Zeilen vergessen habe, da mit hinein zu tun. Hm... Ich Verpackungskünstler, ich ;-).

 

Fehlt nur noch die Anschrift... und dann geht es morgen zur Post. Habe ich schon erwähnt, wie sehr ich mich freue?! 

30 Januar 2016

Neuanfang

Wenn im Herbst allmählich die Dunkelheit sich breit macht und Rückzug angesagt ist, schätze ich diesen Umstand sehr. Allerdings beginnt es kurz nach Silvester bereits in mir zu rumoren: Licht, meine Seele verlangt dann nach Helligkeit. So schnell, wie ich es gerne wieder hell hätte, geht das leider nicht. Es werden noch Wochen vergehen, bis die Finternis am Morgen und am Nachmittag  weichen werden. Und obwohl ich gerade von einer bleiernen Müdigkeit heimgesucht werde, schmiede ich bereits Pläne. Bis zum Frühling wird es noch dauern, aber spätestens dann weiß ich, daß diese ungeahnte Energie mich aus meiner Trägheit herausreißen wird. Spätestens dann wird es Zeit für einen Neuanfang, der für viele mit einem Frühjahrsputz beginnt. Wer mich gut kennt weiß, wie ungern ich putze. 


Das Putzen an und für sich ist es weniger, eher die ständigen Wiederholungen dieser Tätigkeit machen mich mürbe. Was für eine Sisyphusarbeit! Aber da auch ich es hier für uns schön haben möchte, führt kein Weg daran vorbei. Furchtbar einerseits - andererseits ist der äußere Frühjahrsputz immer auch ein inneres Aufräumen. Abschied zu nehmen von Gegenständen, Gewohnheiten, mitunter einem Stück Vergangenheit tut vielleicht auch weh. Das Beste daran aber ist, daß es Entlastung bringt und Platz schafft für Dinge, die wichtiger sind. Diese Dinge widerum schätze ich so sehr. Sie tun uns allen hier gut.

Wenn man kaum noch ohne Grauschleier aus den Velux-Fenstern schauen kann, dann muß sogar aus meiner Sicht bald etwas geschehen. Ich habe mich gründlich vorbereitet, und in einen gewöhnlichen Fensterabzieher mit hochwertiger Gummilippe investiert. Wenn das nichts bringt, dann weiß ich's auch nicht ;-)...

Was bedeutet euch der Frühjahrsputz? Putzt ihr dann nur, oder gibt es eine allgemeine Entrümpelung? Was macht das mit eurer Seele?

29 Januar 2016

Stormy weather

Es pustet mal wieder gewaltig ums Haus, Regen peitscht gegen die Fenster, der Kater schnarcht, daß die Wände wackeln, und ich... ich bin sehr sehr müde.

Zum Glück ist Wochenende. Heute gab es hier Zeugnisse. Die Jungs haben sich gut geschlagen, und ich freue mich, daß so langsam aber sicher bei ihnen angekommen ist, daß Lernen richtig Spaß machen kann. Ok, nicht immer, aber doch oft genug. Morgen wird das noch gebührend gefeiert werden. Meist probieren wir dann ein neues Restaurant aus. Hier befanden sich noch die rückwärtige Pappe von zwei Malblöcken, sowie reichlich Prospekte, mit denen wir angefangen haben, Häuser zu bekleben. Bei dem Weltuntergangswetter kann man ja nicht aus dem Haus. Zudem ist es schon wieder so finster wie tiefste Nacht.

 

Der Prospektstapel ist verschwunden, dafür sind zehn unterschiedliche Häuser entstanden, die nun vor sich hintrocknen. Was dann daraus werden soll? Sie sollen angemalt werden, sagt das jüngste Kind. Dann sehen wir weiter.

Was macht ihr gerade? Euch in euren Häusern verkriechen, oder könnt ihr im Gegensatz zu uns noch vor die Türe?

Ich wünsche euch trotz Gruselwetter ein schönes Wochenende. 

28 Januar 2016

Von Riemchenschuhen, Leidenschaften und Ebay

Vorab: Ich gehöre zu den Kritzlern. Auf meinem Schreibtisch liegen Bögen und viele Stifte. Sobald ich  sitze und ohne eine konkrete Aufgabe in den luftleeren Raum starre, fange ich über kurz oder lang an zu kritzeln, oder banne irgendetwas, worauf ich schauen kann, auf's Papier. Manchmal gelingt eine ganz nette Zeichnung, oft genug geht's auch daneben, weil die Proportionen nicht stimmen. Egal, ich tue es trotzdem ;-). Ab und an, habe ich mir vorgenommen, meine Kritzeleien hier mit einfließen zu lassen. Los geht's!


Nach meiner Sprunggelenksfraktur vor ziemlich genau drei Jahren hat es ca. zwei Jahre gedauert, bis ich wieder einigermaßen gesellschaftstauglich gehen konnte. Sobald ich versuchte auf unebenem Grund und Boden zu gehen, knickte ich unkontrolliert um und wankte unsicher umher. Glücklicherweise gehe ich inzwischen wieder recht sicher und ohne Schmerzen. Eine lange, unschöne Narbe an meinem Knöchel zeugt noch von dieser Zeit. Leider ist der verunfallte Knöchel um etliches dicker geblieben, als der andere. Das ist nicht weiter schlimm, aber in Schuhen mit Absätzen fällt der Blick sofort auf die ungleichen Knöchel - und der Vergleich irritiert einen sehr. Inzwischen erkenne ich im Sommer im Freibad sogar auf größere Entfernungen einstige Leidensgenossen. 

Schweren Herzens habe ich meine Schuhe durchgeschaut und habe all jene, die einen deutlich hohen Absatz haben, aussortiert. (Übrigens habe ich feststellen dürfen, daß im Laufe eines Lebens auch die Füße wachsen - nur merklich langsamer als der Rest. Trage nun eine Schuhgröße größer ;-)) Flugs bei Ebay eingestellt, meldeten sich prompt die ersten Interessenten. Allerdings ausschließlich Männer, die nach Tragebildern verlangten. Ich mußte erst mal ziemlich begriffstutzig nachfragen. Recht bald klickte es in meinem Hirn: die Herren waren mehr an meinen Füßen, denn an den Schuhen interessiert. Inzwischen dürfte allen klar geworden sein, daß nicht meine Füße das Objekt der Begierde sein sollten, sondern die angepriesenen Schuhe. Ist euch sowas auch schon mal passiert?

Das bei Ebay Erlebte wiederum erinnerte mich plötzlich an eine längst vergessene Geschichte aus meiner Jugend. Ich saß mit einem mir bekannten Jungen auf den Treppenstufen zu unserer Wohnung. Wir hatten gerade in der Grünanlage Federball gespielt, und ich war leicht umgeknickt, weswegen wir unser Spiel unterbrachen. Als er mich fragte, ob er mal nachsehen dürfe, hatte ich keinerlei Einwände. Im Gegenteil: ich war von seiner fürsorglichen Art ganz angetan. Bis ich sah, wie er mir den Schuh auszog. Er tat das sehr langsam und vorsichtig, als würde er ein Geschenk auspacken. Dann streifte er den Strumpf ab und streichelte äußerst behutsam meinen Fuß. Dabei wirkte er vollkommen in sich versunken. Irritiert starrte ich ihn an. Damals konnte ich das gar nicht einordnen, aber mein Bauchgefühl sagte mir, daß irgendwas nicht stimmte. Ich zog meinen Strumpf und meinen Schuh wieder an. Betreten schwiegen wir eine Weile und gingen dann auseinander. Wir sprachen nie mehr ein Wort über diese Sache. Zum damaligen Zeitpunkt waren wir weder Fisch noch Fleisch, und ich frage mich heute, ob ich ihn mit meinem  Verhalten von einst verstört oder verletzt haben könnte. Leidenschaften bahnen sich ihre Wege. Die sucht sich keiner aus.

Aber auch ansonsten habe ich festgestellt, daß ich Ebay eher nervig als hilfreich finde. Die Kinder werden größer, dementsprechend wächst der Kinder-Fuhrpark. Kurzerhand setzte ich die Anzeige für das Laufrad und die kleinen Fährräder rein. Wieder folgten unzählige Anfragen. Trotzdem alles aus sämtlichen Himmelsrichtungen abgelichtet war, und es detaillierte Beschreibungungen zu allem gab, wurden immer wieder überflüssige Fragen gestellt. Habe mich ernsthaft gefragt, ob die Leute lesen können. Den Fuhrpark bin ich letztlich losgeworden, aber dieses ewige hin- und her empfand ich als extrem nervig. Stand doch alles da. Brauchte man doch nur zu lesen. Herrje.

Was habt ihr bisher für Erfahrungen mit Ebay gemacht? Hat bei euch alles sofort reibungslos geklappt, oder habt ihr auch einpaar Nerven gelassen? Wo und wie verkauft ihr sonst noch eure Sachen?

27 Januar 2016

Des Rätsels Lösung

Für gewöhnlich sind Katzen dafür bekannt, eher zu wenig als zu viel zu trinken. Deswegen bekommen viele von ihnen irgendwann auch Nierenprobleme. Den Herrn Mautz haben wir die vergangenen Tage äußerst verwundert dabei beobachten können, wie er sich an seinem Wassernapf dumm und dämlich gesoffen hat. So sehr, daß sein Wasservorrat mehrfach frisch aufgefüllt werden mußte.

Unsere Kinder lieben es, wie wir auch, ab und an mal scharf zu essen. Es gab Hähnchenschenkel aus dem Backofen - zuvor eingelegt in Chili- und Knoblauchmarinade.

Und ratet mal, was ich beim Staubsaugen an der Sofaecke gefunden habe?! Reste von zwei Hähnchenschenkeln. Mundraub vom Feinsten. 

Gierschlund, das hast du jetzt davon!!! 

26 Januar 2016

Mehrfarbiges Stricken

 

 

 

Ab und an stricke ich noch an dem Pullunder für Sohn2. Bis zu seiner Beendigung fehlt nicht mehr viel. Auf einem Blog las ich kürzlich etwas zum mehrfarbigen Stricken. Das habe ich noch nie probiert, trotzdem ich schon seit meinem fünften Lebensjahr stricke. Heute habe ich mit den einzigen noch im Haus befindlichen Restknäulen einen kleinen Versuch gestartet. Ich habe den einen Faden links in der Hand geführt und den anderen in der rechten Hand und dementsprechend die Maschen abgestrickt. Ging gut, kam mir aber umständlich vor. Die meisten Türken führen den Faden beim Stricken in der rechten Hand. Dann habe ich so gestrickt wie immer, nur halt den Faden immer bei anstehenden Farbwechseln gewechselt. Am schnellsten ging es auf diesem Wege. Ob ich künftig irgendwelche Werke mit Einstrickmustern machen werde, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht, wenn ich mal tödliche Langeweile haben sollte - also nie ;-). Aber man soll ja bekanntlich nie nie sagen. 

Habt ihr schon mal mehrfarbig gestrickt? Waren das große oder kleine Projekte? Hat's Spaß gemacht, oder war das eher eine leidgeprüfte Aufgabe? 

25 Januar 2016

Lastenträger

Immer noch ist es finstere Nacht, wenn ich morgens das Haus verlasse, um die Kinder zur Bushaltestelle zu bringen. Voller Sehnsucht und Ungeduld warte ich auf die Zeit, wenn auch wir endlich wieder mehr Tageslicht abbekommen werden. Morgens dann, wenn ich noch diverse andere Grundschüler mit schwerem Gepäck durch die Dunkelheit stapfen sehe, vergehe ich oft vor Mitgefühl. 

Seit einiger Zeit stöhnt das jüngste Kind, wenn es am Nachmittag nach Hause kommt. Es klagt über den Rückweg, wo es einen schweren Schulrucksack tragen muß, so wie über Rückenschmerzen. Als Sohn2 zuletzt tränenüberströmt zu Hause ankam, nahm ich mir die Zeit, seine Klagen genauenstens anzuhören. Bei Rückenschmerzen wurde ich hellhörig und  wog kurzerhand seinen Rucksack: 7,2 kg. Das ist in etwa ein Drittel des Kindesgewichts! Lange gab es die Faustformel und Empfehlung, daß das Gewicht des zu tragenden Schulranzens 10% des Körpergewichts eines Kindes nicht übersteigen sollte. Sohn2 ist ein sehr zierliches Kind und die 7,2 kg sind für ihn im wahrsten Sinne des Wortes nicht tragbar. Egal, wie reduziert wir gepackt haben, wog der Rucksack immer noch zwischen 6 und 7 kg. 

 

Kurzerhand haben wir in einen geräumigen Rollrucksack investiert, den man entspannt hinter sich herziehen, per Schulterriemen oder Handgriff tragen kann. Bin gespannt, was mir das jüngste Kind berichten wird.

Habt ihr eine Ahnung, wie schwer die Schultaschen eurer Kinder sind? 

22 Januar 2016

Wurzeln

 

"Wurzeln"

50x60 Acryl auf  Leinen-Malkarton

In all den Jahren habe ich viel nachgedacht über meine Wurzeln - hier wie da. Im Laufe meines Lebens ist ein Geflecht entstanden, das sich nicht mehr auseinander dividieren läßt. 

17 Januar 2016

Lichtblicke

 

Im Winter fehlt mir nichts - bis auf das Licht. Heute morgen fiel es nach so vielen düsteren Tagen in Folge endlich durch die Vorhänge in unser Zimmer. Was habe ich mich gefreut.

 

Klirrend kalte Luft und strahlend blauer Himmel. Da hält es hier niemanden auf dem Sofa. Einen ausgedehnten Spaziergang haben wir mit der Familie und dem Herrn Mautz gemacht.

 

Sehnsüchtig habe ich dem Flieger hinterher geschaut und später meinen alten, schwerstkranken Papa in der Türkei angerufen. Das letzte Mal war er so verwirrt und hat kaum sprechen können. Mein Hals schnürte sich zu, und das Herz wurde mir so schwer. Dieses mal habe ich mit bebendem Herzen angerufen und verwundert wahrgenommen, wie überraschend flüssig seine Sprache und Gedanken waren. Ich habe erzählt und einfache Fragen gestellt. Er hat es doch tatsächlich hinbekommen, darauf bezugnehmend mir zu antworten. Heulen vor Glück, das kann ich auch. Gott sei Dank!

14 Januar 2016

VW statt UFO

 

Schon vor langer Zeit suchte sich das jüngste Kind selbst die Wolle aus, aus dem ein Pullunder entstehen sollte. Da wir alle miteinander höchst sensibel auf kratzige Wolle reagieren, wählte das Kind eine Mischung aus superfeiner Alpaca und Hochlandwolle. Dünnes Garn nehme ich gerne doppelt, damit da kein Jahrtausendsprojekt draus wird.

 

Normalerweise bringe ich zu Ende, was ich angefangen habe. Bei mir gibt es VW's (vollendete Werke) statt UFO's (unvollendete Werke). Durchaus kann es auch sein, daß ich parallel an verschiedenen Sachen stricke. Für meine sonstigen Verhältnisse habe ich im letzten Jahr so gut wie garnicht mehr gestrickt. Das Vorderteil vom Pullunder war fast fertig, als ich pausieren mußte. Dann habe ich es für lange Zeit liegen lassen. Glücklicherweise fange ich die Stricksachen für die Söhne immer einpaar Nummern größer an, als erforderlich. So muß ich nun nichts aufribbeln, sondern kann weiter stricken. 

 

In diesem und nächsten Jahr dürfte der Pullunder nach Vollendung noch gut passen. Hiernach sind alle meine Vollvorräte aufgebraucht. Auch meine Stoffe sind bis auf ein Minimum geschrumpft. Was bleibt ist ein gutes Gefühl. Ich mag das Zuviel von Dingen nicht.

Wie schaut's bei euch aus? Habt ihr Vorräte, oder wird nur zielgerichtet Material angeschafft? 

12 Januar 2016

Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust

Als meine Eltern als Gastarbeiter nach Deutschland kamen, hatte das weitreichende Folgen auch für mein Leben. Angedacht waren ursprünglich zwei Jahre, und die Rückkehr in die Heimat war im Vorfeld beschlossene Sache. Es kam anders. Seit meiner Geburt habe ich die türkische Staatsangehörigkeit und alle Paar Jahre arbeitet es in mir. Den deutschen Paß hätte ich schon so oft problemlos haben können. Er würde mir einige Erleichterungen und Vorteile bringen. Ich könnte endlich reisen, ohne ständig irgendwelche Visas beantragen zu müssen. Endlich hätte auch ich die Möglichkeit, mein Leben hier politisch mitgestalten zu können. All das ist mir aufgrund meiner türkischen Staatsangehörigkeit trotz der vielen Jahre in Deutschland nicht möglich.

"Du bist Türkin? Du doch nicht!" Wie oft habe ich diesen Satz in meinem Leben schon gehört. Andere schienen viel besser zu wissen, wer ich war. Insgeheim habe ich mich selbst oft gefragt, wer ich wo bin. Türkin, oder doch Deutsche? Gefühlt habe ich mich stets als Türkin, denn in der Türkei, wo ich geboren wurde bin ich mit Sprache, Familie und Kultur stark verwurzelt. So etwas schüttelt man nicht ab, nur weil man seit vielen Jahren in einem anderen Land lebt. All das ist ein nicht zu unterschätzender Teil von mir.

Fast mein ganzes Leben habe ich hier verbracht. Ich habe eine Familie mit meinem deutschen Ehemann gegründet. Unsere Kinder besitzen die deutsche Staatbürgerschaft. Ich wollte sie nicht auch noch dieser inneren Zerrissenheit aussetzen irgendwann.

Meinen türkischen Paß zu behalten ist mir eine Herzensangelegenheit. Für Behörden aber sind Emotionen irrelevant. Am liebsten würde ich beide Pässe besitzen, denn ich und meinesgleichen, wir sind eine Brücke zwischen diesen beiden Ländern. Aber so lange nicht irgendwann vielleicht doch noch ein entsprechendes Gesetz rauskommt, wird das nicht sein können. Und so lange will ich mich nicht entscheiden müssen gegen das eine, was mich ausmacht, um das andere sein zu können, was ich genauso bin. Beide Länder haben entschieden zu meiner Identität beigetragen. 

Bei einer Einbürgerung mich hochoffiziell mit Antrag und Stempel  aus der türkischen Staatsbürgerschaft zu verabschieden, das schaffe ich einfach nicht. Auf der anderen Seite bringen mir meine türkischen Wurzeln nichts, wenn ich in dem Land, in dem ich nun schon so lange lebe, politisch nichts zu sagen habe. 

Vielleicht klingt das nicht nachvollziehbar für viele, aber es kommt mir so vor, als müßte man sich entscheiden zwischen Vater und Mutter. Wie soll das gehen? Emotional sehe ich mich dazu nicht in der Lage. Also bleibt alles beim Alten, bis vielleicht doch irgendwann ein Gesetz anderes möglich macht.

11 Januar 2016

Bad Monday

Was hab ich nur getan?! Bzw., was habe ich nicht getan?! Da ich lange Zeit am Stück Deutschland nicht verlassen habe, habe ich es jetzt erst bemerkt: mein türkischer Paß ist seit ziemlich genau einem Jahr abgelaufen. Als ich das sah, war ich schwer verstört. Denn nun steht mir einiges bevor. Das Konsulat, welches für mich zuständig ist, befindet sich leider nicht in unserer Nähe. Das gibt eine Tagesreise. Dann hat man das Vergnügen, sich einen Tag lang auf unbequemen Stühlen auf irgendwelchen, überfüllten Fluren herumzudrücken, bis man sein Anliegen formulieren darf. Wenn die Erstformulare vor Ort abgehakt sind, darf man eine nicht unerhebliche Summe zahlen und wieder gehen. Ohne Paß wohlgemerkt. Wenn man ca. eine Woche oder später wieder benachrichtigt wird, darf man höchstpersönlich wieder kommen, selbes Flurprozedere über sich ergehen lassen, um dann hoffentlich mit neuem, gültigen Paß wieder zu fahren. Mal abgesehen von diesem ganzen Wust an zu erledigender Dinge, finde ich es immer sehr unheimlich, das Gebäude des Generalkonsulats zu betreten. Am Eingang wird man ziemlich gescannt, muß das Handy abgeben. (Auch das noch! Kein Zeitvertreib mit idiotischen Spielen oder Surferei). In größerer Entfernung zum Konsulatseingang sind meist zwei deutsche Polizeibeamte abgestellt, die vor Attentaten und dergleichen schützen sollen. Jedesmal, wenn ich sie sehe, denke ich, daß diese zwei Beamten die einzig Überlebenden im Falle eines Falles sein werden, aber gewiß nicht die Leute, die in dem Gebäude selbst sind. Ungute Gefühle begleiten mich immer dorthin. Uff... Zeitgleich fordert mein alter Arbeitgeber, bei dem ich noch in Erziehungszeit bin, ein polizeiliches Führungszeugnis. Als unbescholtener Bürger habe ich diesbezüglich nichts zu befürchten, jedoch möchten die das ziemlich flott haben. Wieso eigentlich??. Und ohne gültigen Paß brauche ich garnicht erst, ein polizeiliches Führungszeugnis beantragen zu wollen. Herrje, machmal habe ich die Nase so voll von diesem ganzen Kram. Dann kommt mir die deutsche Staatsbürgerschaft wieder mal verlockender als je zuvor vor. Just for fun habe ich mich vorhin bei der Ausländerbehörde telefonisch erkundigt, was ich bei einer Einbürgerung an Voraussetzungen zu erfüllen, Dokumente vorzulegen und  Gebühren zu entrichten habe. 

Also, so viel ist sicher: ich fahre demnächst zum Generalkonsulat...

Wie sagt der Volksmund es so schön:  Von der Wiege bis zur Bahre, Formulare Formulare...

Und ihr so...?

07 Januar 2016

Am Ende des Tages


Keine Sorge: ich mutiere nicht zum Katzen-Blog! Ich zeige euch heute nochmal einige schöne Bilder von Mautz und dann ist auch erst mal wieder gut mit Katzenposts. Wie angekündigt gab es einen ausgedehnten Spaziergang mit ihm am Nachmittag, als die Kinder wieder da waren. Denn die wollten unbedingt mit, wie sie mir bereits am Morgen mitteilten. Trotz der eisigen Temperaturen waren wir fast zwei Stunden mit dem Kater unterwegs. Alles gut soweit.

 

Unterwegs hat sich der Gute mal so richtig ausgetobt, eine andere Katze in die Flucht geschlagen, ein älteres Paar mit Hund grundlos zum Fluchen gebracht - waren offensichtlich keine Katzen-Fans. Wir haben auf Durchzug geschaltet. Der Wald sollte groß genug sein für Hund, Katz und Maus. Erst recht, wenn die Tiere keine Probleme miteinander haben und machen. Menschen gibts...

Völlig durchgefroren sind wir wieder zu Hause angekommen. Herr Mautz hat sofort seine Kiste eingenommen und war für Stunden weg vom Fenster. Kurz bevor die Tierärztin kam, wurde er allmählich wieder munter.

Und als er ein Kombipräparat gegen Würmer gespritzt bekam, eines gegen Tollwut, eines gegen Katzenschnupfen und Seuche, da hättet ihr diesem Ereignis gewiß nicht beiwohnen wollen. Heieieieieiei - Herr Mautz wurde zum Hulk und wehrte sich mit jeder Faser seines Körpers. Mein Mann wollte wissen, ob ich ihn festgehalten hätte. Iiiiich??? Das hat zum Glück die Assistentin der Ärztin gemacht. So einen Harakiri-Griff habe ich nicht parat. Sie hatte ihn dermaßen im Schwitzkasten, daß er sich fast bis zum Schluß nicht einen Hauch rühren konnte. Herrje, Tierärzte, Assistentinnen oder Ähnliches... dazu muß man geboren sein. Gräßliche Katzenlaute hat das gestreßte Tier von sich gegeben. Nein, ich habe nicht geweint: was sein muß, muß sein. Am Ende dieser Prozedur befreite sich Herr Mautz doch noch mit einem Riesensatz und verschwand hinter den Vorhängen. Weitere Untersuchungen nach Flöhen etc. waren nicht mehr möglich. Seitdem riecht er streng nach Chemie - den Würmern geht es endlich an den Kragen. Nach dem Stress gab es Lieblingsfutter, und nun ruht der arme graue Kater wieder in seiner Kiste.

Heute hat er vier Spritzen über sich ergehen lassen müssen, was eine ganze Menge ist. Ab jetzt wird er alle drei Monate  bei uns zu Hause  gegen Würmer gespritzt. Damit erweist man uns einen Bärendienst großen Gefallen.


Nachtrag: Übrigens möchte ich mich korrigieren. Der Gurkenkernbandwurm ist nicht durch Flohbisse auf den Menschen übertragbar, sondern lediglich über die Eier in den Bandwurmgliedern, welche über den After des befallenen Tieres ausgeschieden werden. Wenn der Mensch damit in Berührüng kommt und das im Mund landet, hat man ebenfalls Untermieter. Das Tier selbst kann sich durchs Mäusefressen infizieren, oder indem es einen Floh zerbeißt. Daher sollte man regelmäßig wegen Flöhen behandeln. Ich habe heute nochmal ganz genau nachgefragt. Das letzte mal beim Tierarzt war ich in der Tat vor lauter Bandwurmekel nicht ganz zurechnungsfähig, wie ich gerne zugeben möchte. Jetzt will ich erst mal zusehen, daß sich der Herrscher des hiesigen Tals wieder gut erholt. Und ich, ich erhole mich jetzt auch ein bißchen.
 
 

06 Januar 2016

Kuscheltage

Die Ferien haben wir genossen bis zum Abwinken. Wir haben die Nächte zum Tag gemacht und entsprechend lange ausgeschlafen. Herrlich war's, meinen Mann die ganze Zeit dabei zu haben. Nun ist er wieder fort, und ich fühle mich so unvollständig. In diesem Jahr, sofern es die Arbeit erlaubt, soll unser Wochenende um einen Familientag mehr erweitert werden. Soviel zur Theorie. Ab morgen aber ticken die Uhren erst mal wieder anders,  und ich frage mich gerade ernsthaft, wie wir wieder im alten Rythmus aufstehen sollen. Das wird hart. In den Ferien wollte ich noch so einiges machen, und habe doch kaum etwas anderes gemacht, als mich meiner Familie zu widmen. Einpaar Bücher habe ich noch gelesen. So allmählich packt mich die Lust, mit den zu wegräumenden Weihnachtssachen, auch den Rest unseres Haushalts auf Vordermann bringen zu wollen. Mit meinem Schreibtisch fange ich mal an. Uff...


Bei Herrn Mautz stehen die jährlichen Schutzimpfungen an. Ihn in die Praxis zu bringen artet in einer ungeahnten Katastrophe aus. Das Tier rastet spätestens im Auto vollkommen aus, sprengt seine Box, reißt sich alle Krallen aus, übergibt sich und näßt sich ein. Nachdem wir diesen Streß bereits zwei mal hinter uns gebracht haben, wollen wir  das so nicht mehr. Nach reichlichen Bitten kommt der Tierarzt morgen zum zweiten Mal in Folge zu uns nach Hause. Neben den jährlichen Schutzimpfungen wird er dieses Jahr erstmals gegen Wurmbefall gespritzt. Morgen, wenn die Kids in der Schule sind, werde ich einen unserer ausgedehnten Spaziergänge mit Herrn Mautz machen. Danach ist er meist so erledigt, daß er für mehrere Stunden wie ausgeknipst schläft. Und wenn der Tierarzt nach Dienstschluß kommt, werde ich ihn in seine Kiste setzen: denn das scheint wie eine wohltuende Umarmung für den Kater zu sein. Da ist er entspannt. Wollte ich ihn so auf den Arm nehmen, läßt er sich das höchst ungern von mir gefallen. Andere brauchen es erst garnicht zu versuchen. Nehme ich ihn aber in der Kiste auf meinen Schoß, dann ist alles überhaupt kein Problem. Verstehe einer die Welt. 

Gleich wird hier noch gebacken: Lebkuchen. Der Leckerste, den ich je gegessen habe. Von ihr habe ich zu Weihnachten selbstgebackenen Lebkuchen bekommen. Nach dem ersten Bissen war ich völlig hin und weg und erkundigte mich nach dem Rezept. Die kleinen Herren warten bereits ungeduldig darauf, daß es endlich los geht. Den Teig haben wir gestern Abend schon vorbereitet und bis heute ruhen lassen. "Mamaaaa...., wann kommst du?" Ich komme ja schon, ich komme ja schon...

02 Januar 2016

Ein Kater, unzählige Namen, unendlich viel Freude und schlaflose Nächte

Meine Lieben,
ich wünsche euch allen ein frohes neues Jahr!!! Nach langer Zeit ist es wieder einmal Zeit für einen Katzen-Post. Dieses besondere Tier, mit dem wir hier zusammen leben, verdient es, immer mal wieder erwähnt zu werden.

 

Im letzten Jahr haben die kleinen Herren YouTube entdeckt. Feuerwerk kaufen kann jeder - selber machen nach Anleitung wohl die Wenigsten. Zum Glück sind das noch die harmloseren Sachen, die der Sohn in die Tat umsetzte. Mit Argusaugen haben wir über die Zutatenliste geschaut und dann erst den Kauf genehmigt.

 

Beim Neujahrsspaziergang hat das kleine Kind großherzig seine gehüteten Knallerbsen mit mir geteilt. Den Restdreck haben wir in einem Müllbeutel wieder mitgenommen. Das machen wir immer so und sammeln bei unseren Spaziergängen im Wald auch stets den Müll anderer ein und entsorgen diese später. Unsere Gemeinde hat ehrenamtliche Helfer ;-)

 

Ich mag Freundlichkeit und wenn man auf einem Neujahrsspaziergang von einem solch bezaubernden Lächeln begrüßt wird, kann in 2016 eigentlich nichts mehr schief gehen, oder?

 

Welkes Laub an Sträuchern auf der einen Seite,

 

frisch austreibendes Grün zu dieser Jahreszeit auf der anderen Seite. Ich muß zugeben, daß ich diese Wetterkapriolen unheimlich finde. 

 

Blühende Primeln am Neujahrstag mögen ja noch recht nett anzuschauen sein, aber daß Hasel und Erle ihre Pollen bereits im Dezember verbreitet haben, macht das Leben von Allergikern zur Dauerhölle.

Aber kommen wir zu dem, worüber ich eigentlich schreiben wollte...

 

Mit allerlei Tieren kam ich in meiner Kindheit bei meiner Babaanne Leyla in Berührung. Da gab es Kühe, einen Esel, Schafe, Hunde und auch immer mal wieder Katzen. Die letzteren faszinierten mich, wenn ich auch Respekt vor ihren unglaublich scharfen Krallen hatte. Die hatten sie bereits als Kleinsttiere. Ein Erinnerungsfoto mit Kätzchen auf dem Schoß, das mein Vater schießen wollte, ging daher voll daneben. Quittiert vom großen Geschrei bohrte das zarte Wesen unfreiwillig seine spitzen Krallen in meine Beine. Später in Deutschland gab es Sissy, das Meerschwein - wir waren eher gelangweilt voneinander. Da waren die drei Wellensittiche weitaus interessanter und geselliger. Das ganz aufgeweckte Zwergkaninchen begleitete uns für etliche Jahre. Als es starb, wollte ich nie mehr ein Haustier.

 

Und dann, Jahrzehnte später, kam er. Seine Rasse heißt "Europäisch Kurzhaar", stammt von den gewöhnlichen Haus- und Hofkatzen ab und ist ein sehr besonderer Kater. Nie hätte ich für möglich gehalten, daß mich ein Kater so sehr in seinen Bann ziehen könnte. Wir lieben ihn alle wie verrückt. 

Natürlich war Herr Mautz bei unserem Neujahrsspaziergang dabei. Ich muß sagen, daß wir uns alle sehr darüber freuen, wenn er mitkommt. Er ist einfach eine ganz wunderbare Begleitung. Irgendwo las ich, daß seine Rasse sehr robust sei, bis auf Arthrose in den Knien vielleicht, und er locker 18 Jahre werden könnte. Ich habe mich riesig darüber gefreut und dachte: "Wenn nichts dazwischen kommt, dann werden wir gemeinsam alt!" Ein schöner Gedanke irgendwie.

 

Wie gesagt, der Herr Mautz inspiriert uns immer wieder zur neuen Namensgebung: El Mauss (bitte mit spanischem Akzent auszusprechen!), das Bodenpersonal, der Tatortreiniger, Mäutz, Mr. Mautz, Le Mäutz (hier bitte mit französischem Akzent!), Flauschsack, oder auch schlicht und ergreifend Mauso. Wir haben unzählige Namen für ihn, die in immer neuen Situationen mit ihm vergeben werden. Was sollen wir machen: die Liebe zu ihm ist überbordend. Wie sollte man diesen Kerl auch bitteschön nicht lieben?? Stellt euch vor: in den letzten Wochen vor den Weihnachtsferien hat der Herr Mautz die kleinen Herren an der Landstraße erwartet und sie nach Hause begleitet. Ist das nicht unfaßbar?! Und das hat er täglich bei beiden Kindern getan, die zu unterschiedlichen Zeiten nach Hause kommen. Und zur Landstraße muß man schon ein Weilchen laufen... Unser Schutzpatron - da schmilzt mein Herz... 

 

Wenn ich mitbekomme, wie zärtlich und fürsorglich meine Kinder mit dem Kater sind, schmilzt mein Herz gleich noch einmal mehr. Das ist doch ein Bild für die Götter! Diese Decke ist eigens für Herrn Mautz entstanden, damit nicht überall Teile seines Prachtfells zurückbleiben. Und als wüßte er das ganz genau, legt sich dieses Tier auch genau darauf - nicht einen halben Meter nach rechts, oder links davon. 

Wollt ihr mal schauen, wie der Herr Mautz guckt, wenn er ganz zärtlich drauf ist? Nein, das ist kein Foto, wo ich ihn versehentlich mit halb geschlossenen Augen aufgenommen habe - er kneift die Augen mehrmals nacheinander zu und schaut dann mit diesem Schlafzimmerblick, der Romeo.  Im Übrigen mache ich es genau so. Wer uns so sieht, denkt sich bestimmt seinen Teil ;-). Egal. Hach, er ist soooooo süß! The gentle Mr. Mautz. Meine Schmallippe, Reißzahn... Manchmal möchte ich ihn knutschen. Nur so im Geiste...

 

Wenn wir unterwegs sind, durchstromert er auch gerne mal fremde Gärten.

 

Schauen und schnuppern, was woanders los ist. Irgendwo habe ich gelesen, daß Katzen einen Aktionsradius von 30 Kilometern haben. Zu gerne wüßte ich manchmal, wo er sich rumtreibt. Denn, wer meint, er würde zu Hause nur auf der faulen Haut liegen, der irrt. Egal ob es stürmt oder wie aus Kübeln gießt: Mautz ist mehrfach am Tag für mehrere Stunden draußen unterwegs und schaut sich in seinem Revier um. Dabei habe ich nicht selten das Gefühl, daß er auch fremd geht und noch einige weitere Familien in der Umgebung frequentiert. Aber am Ende des Tages, oder auch mitten in der Nacht, gehört er wieder ganz uns allein.

 

Unterwegs gibt es so viel zu entdecken.

 

Erdhöhlen sind besonders spektakulär. Mautz ist ein sehr guter Jäger. Hat er erst mal die Fährte einer Maus aufgenommen, gibt es für das arme Tier kein Entrinnen. Wenn es sein muß, harrt er auch bei Dauerregen tagelang an dem Erdloch aus. Dabei wird er auch klatschnaß, obwohl er Wasser nicht so mag. So oft habe ich gesehen, wie er seine Beute mit Haut und Haar und Knochen komplett verspeist hat. Die Mäusepopulation hier ist deutlich gesunken. Er ist eben ein Raubtier. Und als solcher hat er einen ganz anderen Stoffwechsel als ein Stuben-Tiger. Mit bis zu fünf Mahlzeiten am Tag wird er gefüttert.

 

Als wir Mautz vor dem Tierheim bewahrten, und er seine allerersten Wurmkuren und sonstigen Impfungen beim Tierarzt bekam, wurden mir dort die entsprechenden Unterlagen mit Wissenswertem zu Katzentieren ausgehändigt. Mit großem interesse las ich, was dort geschrieben stand... und wurde für lange Zeit schlaflos. Was Katzen nicht alles kriegen können ist schon schauderhaft. Aber was sie auf ihre Menschen übertragen können, das hat mich regelrecht panisch werden lassen. Wie um Himmels willen sollte ich meine Kinder schützen?? Ich wasche mir meine Hände gründlich. Aber Kinder...?! Die ersten Wochen und Monate habe ich nicht locker gelassen und akribisch beäugt, daß sie sich vor jeder Mahlzeit und nach intensivem Streicheln des Herrn Mautz gründlichst die Hände gewaschen haben. Irgendwann wurde mir jedoch klar, daß das ein kaum zu schaffendes Ziel sei, sie vor den üblichen Parasiten des Tieres zu schützen.

 

Als fleißiger Mäusefänger ist Herr Mautz trotz  regelmäßiger Entwurmungskuren Träger des Gurkenkernbandwurmes. Von möglichen Chlamydien etc. will ich jetzt garnicht erst anfangen... Ich kann euch sagen... Das Tier war so derart befallen, daß diese Würmer, die sonst nur den  Darm besiedeln, ihm mit dem Erbrochenem aus dem Magen kamen. Hysterisch schlug ich sofort beim Tierarzt auf. Der lächelte milde und versuchte mich zu beruhigen. Gurkenkernbandwurm etc. sei eher harmlos. Die meisten Menschen hätten Würmer und weder ahnten sie, noch wüßten sie es. Dagegen sei der Fuchsbandwurm wirklich wirklich schlimm. Was soll ich sagen: ich war fix und fertig mit den Nerven. Also achtete ich akribisch auf die Entwurmungszeiten, aber sobald der Freigänger Mautz eine Maus verspeist, dauert es nur drei Wochen, bis er wieder verwurmt ist. Uff... Die Flöhe, die ich anfangs für eher harmlos hielt, bewahrheiteten sich als der eigentliche Weltuntergang. Wußtet ihr, daß der Gurkenkernbandwurm durch bloße Flohbisse auf den Menschen übertragen werden?? Herje nochmal... Einmal mehr war ich froh, daß Mautz in bestimmte Räume des Hauses nicht darf. In solchen Momenten, in denen ich erbrochene Bandwürmer wegmachte, war mein erster Gedanke jedesmal: der kommt mir nicht mehr ins Haus! Ist wahr. Keinen halben Tag später habe ich ihn reumütig wieder reingelassen. Die einstige Flohinvasion haben wir mit den richtigen Arzneien gebannt. Nur der blöde Wurm macht uns immer wieder zu schaffen. Abgesehen von allem ist das Mittel für Mautz auch nicht gerade ohne. Mit dem Fressen als Tablette verabreicht, übergibt er sich meist zehn Minuten später. Das Zeug, was man ihm per Spot on in die Nackenhaut geben kann, muß man erst mal auf die Nackenhaut bekommen.

 

Der Flausch

Bei so einem dichten Fell bleibt das eine Herausforderung, die Nackenhaare scheiteln zu wollen. Ich kann euch sagen, liebe Freunde... Inzwischen kenne ich unseren Kater sehr gut und weiß auch bestimmte Dinge richtig zu deuten. Möchte der Kater am Tag deutlich mehr als seine üblichen fünf Mahlzeiten, ist für mich glasklar, daß da etliche Untermieter mitfressen. Zuletzt hat uns Herr Mautz fast die Haare vom Kopf gefressen. Unglaublich! Gestern bekam er seine erste Wurmkur in diesem Jahr und hängt dafür heute in den Seilen. Armer grauer Kater!

 

So ein Spielkalb kann er sein. Herumtollen ist immer toll. So ein Plüschtier!

 

Bartratte

 

Der Radar ist stets eingeschaltet.

 

Ich habe euch genau im Blick! Ich liebe seine grünen Augen...

 

Der Kisten-Kater

 

Staubsauger-Schlauch-Schmuser

 

Der Fakir. Er könnte überall liegen, wo's weich und gut gepolstert ist. Aber nein. Nur die Zeitungen in der Kiste wurden noch geduldet. Verrücktes Tier.

 

Platz ist in der kleinsten Kiste.

Dicker, dicker Bär... Wenn er sich emsig putzt, dann riecht er nach einer betörenden Mischung aus Babyduft und frisch gewaschener Wäsche - unwiderstehlich. Ich bin dann kaum in der Lage, meine Finger von diesem Verführer zu  lassen.

 

Geliebter Brettfuß - spätestens, wenn er eine Brettfußmassage bekommt, raunt mein Mann: "Unglaublich, wie gut der es hat!" Tja, der Herr Mautz hat sich in unsere Herzen gewurmt. Ohne ihn können wir nicht mehr sein,  nur seine Untermieter würden wir mehr als gerne dauerhaft los werden.


Warum ich ihm so verfallen bin? In meinem Vorleben war ich eine Katze.