29 Dezember 2016

Mein persönlicher Jahresrückblick


Ihr Lieben,

wir liegen in den letzten Zügen des Jahres 2016. Und so verwundert es nicht, wenn man sich rückblickend noch einmal ins Gedächtnis ruft, was uns dieses Jahr beschert hat.


Es gab viel Glückliches, aber auch reichlich anderes. Die Zeit rast nur so dahin, da ist es ganz besonders wichtig, die schönen Momente unseres Lebens sich erneut ins Gedächtnis zu rufen. Auf vermutlich diesem Blog entdeckte ich die Idee des Familien-Glücks-Glases: Man platziert ein größeres Glas mit Stift und Papier gut sichtbar für alle irgendwohin – bei uns stand es in der Küche. Jeder, der einen bemerkenswerten Glücksmoment festhalten wollte, konnte dies auf einen Zettel schreiben, diesen zusammenfalten und in das Glas tun. Alle diese Zettel haben wir an Heilig Abend bei unserem Essen wieder hervorgeholt, auseinandergefaltet und reihum vorgelesen. Das war sehr schön. Die einzelnen Zettel habe ich in mein Tagebuch geklebt – ich möchte mich noch oft mit meiner Familie an diese besonderen und schönen Momente erinnern. Ich kann euch nur raten, Ähnliches zu tun. Dieses schöne Ritual möchten wir gerne beibehalten. 


Im letzten Jahresdrittel gab es eine furchtbare Erfahrung, der wir uns als Familie stellen mußten. Noch zutiefst fassungslos und traurig habe ich die Bekanntschaft der hiesigen Polizei gemacht. Aber auch bei diesem Negativerlebnis gab es positive Erfahrungen zu machen: ich habe einige der Beamten intensiver kennen gelernt. Dort haben wir sehr viel Entgegengekommen und Verständnis, gute Beratung und Unterstützung erfahren - in solchen Momenten ist das von unschätzbarem Wert. Seitdem liegt ein Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft vor. Ob die Täter je gefaßt werden, steht in den Sternen. Es geht mir auch gar nicht darum, durch Strafe so eine Art Vergeltung zu erfahren. Aber Gewalttätern muß in irgendeiner Form Einhalt geboten werden. Ein Denkzettel muß her. Das kann man nicht tolerieren und so weiterlaufen lassen. Es folgten sehr viele Termine beim Arzt, im Krankenhaus, diversen Institutionen und eben der Polizei. In der Adventszeit, die bei uns sonst sehr ruhig abläuft, konnte von besinnlicher Zeit nicht die Rede sein. An den Folgen dieser Geschichte haben wir noch immer zu knabbern.

Es ist erschütternd, daß bei manchen Menschen offensichtlich keinerlei Skrupel mehr vorhanden sind. Jegliche Empathie und Anstand scheinen verloren gegangen zu sein. Vielleicht haben sie all diese Eigenschaften auch durch die fehlende Muttermilch (im übertragenen Sinne) gar nicht erst ausbilden können. In den Massenmedien werden ständig Schamgrenzen überschritten, Intimsphäre scheint ein Fremdwort geworden zu sein, dessen Bedeutung kaum einer mehr kennt, das elektronische Zeitalter fördert seinerseits die Sprachlosigkeit in den Familien: statt miteinander zu reden wird stumm geglotzt (ihr glaubt nicht, in wievielen Kinderzimmern von Grundschülern ich von der ersten Klasse an eigene Fernsehgeräte gesehen habe), in den sozialen Netzwerken ergießt sich ungehemmt der Haß.

Denkt man an die grauenhaften Bilder vom Berliner U-Bahn-Treter, stockt einem unwillkürlich der Atem. Trotzdem laut Statistik die Zahl der Gewalttaten rückläufig ist, hatte beinahe jede Woche des Jahres 2016 ihre erschreckenden Höhepunkte. Für mich bedeutet das in der Konsequenz auch, daß ich künftig nur noch ein Mal am Tag die Nachrichten anschauen möchte. Macht man es öfter, kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, der Weltuntergang stünde unmittelbar bevor.

Mein persönliches Fazit für dieses Jahr:
Oftmals kann man die Welt nicht so beeinflussen, wie man es gerne möchte. Keiner kann den Menschen verordnen, sie mögen doch bitte ihre Bindungen pflegen. Ich bin überzeugt davon, daß Niemand böse zur Welt kommt. In der Erziehung hat alles Konsequenzen: das, was wir tun genau so, wie das, was wir sein lassen. Das sollte man sich immer wieder klarmachen. „Peace on earth begins at home.“ Zumindest da hätte jeder die Möglichkeit anzusetzen. Wollen wir ernsthaft etwas für diese Gesellschaft tun, dann laßt uns nicht vorwurfsvoll den anderen begegnen, sondern vor unserer eigenen Tür kehren und  laßt uns Aufmerksamkeit und Liebe schenken - soviel wir nur können.

Ich wünsche euch allen von ganzem Herzen einen guten Rutsch in das Jahr 2017. Lassen wir das Schlechte daraus hinter uns und gehen das Gute an!

Kommentare:

  1. Ja, kein Mensch kommt böse auf die Welt, das stimmt. Die Erziehung macht schon sehr viel aus, ein bisschen auch die Gene. Aber wie das Elternhaus und die Erziehung und was der Mensch hier mitbekommt, das wir ausschlaggebend für sein Leben sein.

    Kriege und Anschläge wird es wohl zukünftig immer mehr geben, ich habe die Meinung, dass wir uns wohl daran gewöhnen müssen. Klingt schlimm, aber neulich habe ich einen Bericht über das Leben in Israel gelesen, da ist es nicht anders.

    Bewaffnete Polizisten vor den Einkaufcentern usw. ich war heute und habe mir mal ein paar Gedanken "was wäre wenn" gemacht. Ich hätte wohl keine Chance gehabt. Ich hoffe dann immer, dass es schnell geht.


    Aber blicken wir mit freudiger Erwartung in die Zukunft, neben all dem Bösen gibt es auch viel Schönes und Gutes.

    Lieben Gruß Eva
    die dir auch ein besonders schönes neues Jahr wünscht und viel Spass mit Möhrchen.

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  2. Hallo Pünktchen,
    es hört sich nicht so toll an was ihr als Familie erlebt habt, ich hoffe das es nicht noch mehr gesundheitliche Konsequenzen für euch hat. Für das neue Jahr wünsche ich dir und deiner Familie weiterhin alles Liebe und Gute. Bleibt alle Gesund und ich freue mich auf weitere Geschichten von dir zu lesen. Öpüyorum seni, selamlar...

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  3. Oje, was ist euch nur Schlimmes passiert?
    Erst gestern haben wir mit Freunden über die "Verrohung" der Gesellschaft gespochen. Generell, um die politische Situation, die Machtinhaber undundund. Da wird es einem ganz anders und man fragt sich in welcher Welt die Kinder groß werden müssen (und man selber leben muss). Und machmal denke ich auch, dass ich gar keine Nachrichten mehr hören möchte. Diesen "Kleinkram" in der Zeitung überblättere ich schon ganz bewusst.
    Nunja, ich hoffe, dass es hier friedlich bleibt und wir auch 2017 viele schöne Momente genießen können. Bestimmt. Und dir wünsche ich einen fröhlichen Rutsch ins neue Jahr und entspannte Winterferien mit den Kindern.
    Liebe Grüße
    Jutta

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  4. Pünktchen, das hast du so gut gesagt!
    Die Sache mit dem Glücksglas ist wunderbar, für uns als ganze Familie kommt sie zu spät, aber auch als Ehepaar mit vielen Jährchen auf dem gemeinsamen Buckel kann einem so ein bewusstes Wahrnehmen und Erinnern sicher gut tun.
    Für das Schlimme, was passiert ist, wünsche ich Heilung an Leib und Seele!
    Liebe Grüße,
    Brigitte

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  5. Wir MÜSSEN einfach hoffen, dass das neue Jahr viel besser wird für unsere Welt und alle Menschen. Dieses Jahr gab's wirklich jede Menge schreckliches.
    Und für uns alle , privat, hoffe ich auch nur das Beste.

    Diese Idee mit dem Familien-Glücks-Glas finde ich genial! Bin begeistert von dieser Idee, muss ich dieses Jahr unbedingt machen, danke dafür.
    Komm gut ins neue Jahr und alles Gute.
    Lg
    Ayse

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  6. Das mit dem Glas für glückliche Momente finde ich eine wundervolle Sache. Man sieht am steigenden Pegel, dass unterm Strich doch etwas geblieben ist an Glück, auch wenn sich manchmal Mutlosigkeit breit macht. Dass ihr so schreckliches erlebt habt, tut mir sehr leid. Niemals sollte die Unversehrtheit einem Menschen genommen werden.
    Deinen Post habe ich, wie so viele Deiner anderen, mit Dankbarkeit gelesen und wünsche Dir und Deiner Familie ein friedvolles, gesundes und segensreiches neues Jahr.
    Von Herzen
    Susanne

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  7. Das hast du schön gesagt! Sehr wahr! Einige der Krankenhausbesuche waren aber von der Polizeigeschichte unabhängig, oder?
    Ich hoffe für mich, dass unsere kleine "Freundschaft" weiterbesteht - vielleicht gelingt es uns ja auch mal unsere Stimmen zu hören! ;-)
    Ein gutes und gewaltfreies 2017 wünsche ich dir oder eigentlich uns Allen.
    Gros bisou
    Sandra
    PS: Bald blogge ich auch wieder regelmässig - versprochen!

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  8. Ja, solche Erfahrungen sind nervenaufreibend. Wir müssen alle auf uns achten und auch auf das, was in unserer Umgebung passiert. Dein Glücksmomenteglas ist eine großartige Idee. Ich wünsche Dir alles Gute für 2017 und freue mich aufs Wiederlesen.
    Magdalena

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