07 Oktober 2016

Das Leben geht weiter

Ein Monat ist es schon her, daß Mautz nicht mehr unter uns weilt. An seinem Grab brennen Lichter ohne Unterlaß. Es ist uns schwer gefallen, seine Sachen wegzuräumen: Decken, Bürste, Freßnapf, Trinkschale, Katzenklo... (Seine Medikamente durfte ich der Tierarztpraxis zurück geben). Erst vor kurzem haben wir alles gereinigt und verräumt. 
 
 
Während andere um Vater, Mutter und andere nahe Angehörige trauern, trauern wir um unseren treuen Weggefährten. Er fehlt so sehr. Es gibt immer wieder diese Momente, in denen man erschrickt, weil man immer noch denkt, daß er gleich um die Ecke kommen wird. Oder mitten zur nachtschlafenden Zeit wach wird, weil man ihn jahrelang genau zu dieser Zeit erstmals rausgelassen hatte. Man sich wundert, daß man morgens nicht mit stürmischen Liebesbekundungen begrüßt wird. Man sich beim Einkaufen vor dem Regal mit der Tiernahrung wieder findet. Man sich immer wieder dabei ertappt, daß man spät am Abend noch auf seine Rückkehr wartet... 
 
 
Mein Cousin würde mich vermutlich auslachen. "Ihr seid doch alle verrückt", sagte er mir mal vor vielen Jahren. "Was treibt ihr nur für einen Kult mit den Toten. Diese ständigen Gänge auf den Friedhof, Grabpflege... Wenn ich mal sterbe, sollte das keiner bei mir tun müssen. Seid zu meinen Lebzeiten nett zu mir, dann müßt ihr nicht euer schlechtes Gewissen beruhigen, wenn ich mal nicht mehr bin."
 
Was würde er wohl jetzt denken über uns, die wir in Trauer sind wegen eines Katers?! Vermutlich würde er nur verständnislos den Kopf schütteln.
 
Wir sind froh, daß es ein Grab gibt, an das wir treten können, und uns ihm nahe fühlen können. Wenn man auch nichts mehr für das Tier selbst tun kann, durchlebt man dankbar liebevolle Gedanken an ihn. 
 
Lucy, die schon sehr betagte Nachbarskatze, mit der Mäutz gelegentlich mal bei uns im hinteren Garten unter dem schattenspendenden Bambus abhing, kam und hat lange an seinen typischen Lieblingsplätzen Ausschau nach ihm gehalten. Sie hat ihn gesucht. Da bin ich mir ganz sicher. Auch sein Bruder, mit dem er sich oft geprügelt hat,  ist irritiert. Da fehlt einer - nicht nur uns...

Kommentare:

  1. Hallo Pünktchen,
    ich kann es verstehen, dass man um ein Tier trauert. Auch den anderen Tieren um ihn herum wird er fehlen.
    Aber es geht den Tieren doch genauso. Mein Sohn ist zur Zeit im Krankenhaus und Henry der Kater meines Sohnes, trauert. Bei Penny ist das nicht so, die verschmerzt das eher.
    Aber bei Henry merkt man das, dass Herrchen nicht da ist. Das ist aber eine Freundschaft von Anfang an, glaubt man nicht, aber es ist so.
    Wenn Henry bei mir in Pension ist, dann ist Fell ganz komisch und er schaut auch so komisch. Kommt Henry wieder nach Hause, dann freut er sich, ich hätte das nicht geglaubt, wenn ich es nicht selbst gesehen hätte. Und jetzt habe gerade mit der Schwiegertochter telefoniert.
    Henry ist zwar zuhause, aber das Herrchen fehlt. Er liegt ständig an der Wohnungstüre und wartet und wartet und schaut immer wieder im Arbeitszimmer und hört. Morgen kommt mein Sohn wieder und dann ist wieder alles gut. Aber solche Freundschaften halten ein ganzes Leben und ich weiß es genau, wenn Henry mal sterben wird, dann sind alles so traurig, das wäre bei Penny, die ein ganz ganz süßes Mädchen ist aber auch so.
    Aber Henry und mein Sohn, man glaub es nicht, aber das ist Freundschaft ohne Ende. Die Zwei vertehen sich.

    Alles Liebe Eva

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  2. Hallo Pünktchen ! wie gut ich dich verstehen kann. Auch für mich sind die Katzen und der Hund Familienmitglieder, die fehlen, wenn sie nicht mehr da sind. Das ist nicht lächerlich. Nicht komisch und nicht übersentimental. Und irgendwann werden die liebevollen Erinnerungen mehr werden als die Trauer über den Verlust. Und vielleicht findet dann ein anderes Haustier seinen Weg zu Euch. Das wird Euren Mautz nicht ersetzen können aber es wird wieder ein besonderes Tier sein. LG Gitta

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  3. Je enger man zusammengelebt hat, desto mehr empfindet man das Fehlen. Als meine Mutter starb, haben wir noch nicht hier im Haus gewohnt, waren nur besuchsweise da. Ich war traurig, weil mir ihre Herzlichkeit und Wärme gefehlt haben, ihr Humor und so manches andere. Aber in meinem täglichen Leben änderte sich nichts. Mein Vater hingegen war ein Teil meines Alltags in den letzten drei Jahren, und am Ende war unser Zusammenleben sehr intensiv. Daher empfinde ich sein Fehlen viel unmittelbarer, ich gehe selten und immer nur kurz in seine Wohnung, wo all die Erlebnisse noch so präsent sind und die Leere jetzt schwer auszuhalten ist.
    Mautz war ebenso ein Teil eures Alltags, ein sehr lebendiger und geliebter - und nun ist da eine Leerstelle, an die man sich erst "gewöhnen" muss, das braucht Zeit. Irgendwann, denke ich, fühlt sich der Alltag wieder "normal" an und der geliebte Mensch, das geliebte Tier wärmt in der Erinnerung unser Herz...
    Viele liebe Grüße,
    Brigitte

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  4. Ich verstehe Euch so gut. Es erging uns auch nicht anders.
    Ich bin noch nie aus schlechtem Gewissen an ein Grab gegangen, nicht von geliebten Menschen, nicht von unseren Tieren. Auf so einen Gedanken wäre ich nie gekommen ...
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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  5. Wir haben auf das Grab unseres alten Homer im Wald eine kleine Eiche gepflanzt, die mein Sohn aus einer Eichel gezogen hat. Jedes Jahr gehen wir ein Mal dorthin und schauen nach, was aus dem Bäumchen geworden ist.
    Man legt weder Menschen noch Tiere, die einen viele Jahre begleitet haben und die man geliebt hat, einfach so ab und macht weiter, als wären sie nie dagewesen. Mt dem friedhof habe ich allerdings auch ein Problem - ich (be)suche meine Eltern an ihren Lieblingsplätzen, weil sie für mich dort viel präsenter sind, als auf dem Friedhof, wo die Urnen bestattet wurden.
    Und nein, nie denke ich wegen eines schlechten Gewissens daran, sondern weil sie einfach fehlen - die menschlichen und die tierischen Lebensbegleiter.
    Herzlich, Katja

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  6. Du hast schöne Worte gefunden, sie berühren mich sehr. Ich kann das nicht so ausdrücken. Aber mir geht es im Moment ähnlich. Unser Katerchen ist nun zwei Wochen nicht bei uns und er fehlt mir, was immer ich auch gerade tue.
    Viele liebe Grüße
    Diana
    P. S. Es ist schön, daß Ihr seinem Bruder ein neues liebevolles Zuhause gebt.

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