29 September 2016

Ein Jahr danach...

Sätze, die ich nach dem Wechsel auf die weiterführende Schule des Sohnes aus so manchem Mund aufgeschnappt habe:

Eine Mutter zur anderen: "Larifari wie auf der Grundschule ist jetzt vorbei. Wir sind jetzt auf dem Gymnasium!"

Schüler: "Ich bin total enttäuscht vom Gymnasium. Ich dachte alle Bekloppten wären auf der Hauptschule..."

Eine Lehrerin: "Trotz Kriegstraumata zählen die Kinder aus Syrien zu den Ausgeglicheneren. Die spielen den ganzen Tag noch draußen miteinander. Unsere Kinder bekommt man doch kaum noch vor die Türe."

Schüler: "Schule könnte schon auch Spaß machen, wenn diese stressigen Schüler nur nicht wären."

Busfahrer, Herr F.: "Die Buslinie ... zählt unter uns Busfahrern zu den gefürchteten Linien. Es gibt immer wieder hochgradig aggressive Kinder, die anderen körperlich schwer zusetzen. Über diese Aggressivität kann man nur verwundert sein. Die würde man eher bei Kindern aus den Ballungszentren der Großstädte erwarten, denn aus diesen ländlichen Gebieten hier."

Lehrer: "Manchmal haben wir mehr mit den Anwälten, als mit den Eltern selbst zu tun."

Schüler: "Mein Vater hat gesagt, daß es in der Wirtschaft hart zugeht. Da ist es gut, wenn man schon in der Schule darauf vorbereitet wird."

Eine Freundin mit zwei Söhnen, wovon der eine mit Bravour gerade sein Studium abgeschlossen hat, der andere noch zwei Jahre bis zum Abitur vor sich hat: "Mit meinem heutigen Wissen von Schule, würde ich nie wieder Kinder bekommen."

Schüler, verzweifelt weinend: "Mann, meine Mutter bringt mich um. Das ist schon die zweite 5. Die rastet doch bei einer 4 schon aus..."

Mitschüler: "Von meinen Eltern habe ich ein Punching-ball an meiner Zimmerdecke angebracht bekommen. Da kann ich drauf einschlagen, um meine Aggressionen loszuwerden."

Eine Mutter regt sich über die Maßen auf: "Er hatte immer eine 1 in Sport. Jetzt hat er eine 2. Das ist nicht zu verstehen." (Im letzten Halbjahreszeugnis gab es eine 3. Man möchte sich nicht vorstellen, was da losgewesen sein mag zu Hause...)

Schüler: "Ich habe Angst, eine schlechte Note zu schreiben. Die halbe Klasse heult schon bei einer drei..."

Psychologe: "Von allen Fachärzten sind die Kinder- und Jugendpsychiater die meistgesuchten Bundesweit."

Kommentare:

  1. Liebes Pünktchen,
    da hast du aber einiges aufgeschnappt.
    Ich kann das nun aus der Zeit meines Sohnes nur ein wenig mit.
    In der Grundschule war alles homogen, wie die Lehrerin meines Sohnes immer sagte.
    Im Gymnasium gings tatsächlich zur Sache. Allerdings zum Psychiater mußte mein Sohn nicht und andere Mitschüler auch nicht.

    Wir hatten am Samstag eine Führung in Ludwigsburg und da wurde mir - das sagte mir mein Sohn - der Gymnasiallehrer ist - das Nord-Süd-Gefälle ist gigantisch. Die Anforderungen an die Schüler sind in anderen Bundesländer weitaus geringer, als in Baden-Württemberg und in Bayern.
    Ich kann es nicht beurteilen, weil ich da keine Erfahrungen habe.
    Aber, dass man etwas lernen muß, um weiter zu kommen, ist auch klar.

    Sage mir eine Mutter - ich war es auch nicht - die nicht meckert, wenn ihr Kind schon wieder eine 6 geschrieben hat.

    Mir sagte eine Mutter, dass sie sich nicht getraut zu sagen, dass ihr Kind auf die Hauptschule weiterhin gehen wird. Da zucken die Leute zusammen.

    Es ist genauso, als ich neulich einer Frau erzählt habe, dass ich eine Polin zur Schwiegertochter habe. Sie zuckte zusammen und sagte:
    "was die machen doch alle in Krankenpflege". Was ist schlimmes dran,
    als ich ihr sagte, dass meine Schwiegertochter vier Sprachen spricht und Germanistik studiert hat, sagte sie nix mehr.

    So ist das nun auch wieder. Da wird viel geredet um des Redens willens.
    Man darf nicht alles glauben.

    Lieben Gruß und schönen Tag Eva

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    1. Liebe Eva, wenn man interessiert nicht nur an den eigenen Kindern ist, bekommt man viel mit. Manches ist entsetzlich traurig. In der Tat gibt es bildungstechnisch ein Nord-Südgefälle, wobei Bayern und Baden-Württemberg noch zur Spitze gehören, aber längst von Sachsen und Thüringen abgedrängt worden sind. Tatsächlich gibt es Eltern, die bei schlechten Noten nicht ausflippen: hierzu kann ich meine eigenen aufführen. Kam ich mal mit einer 5 nach Hause, wurde ich in den Arm genommen und getröstet. Geschimpft hat keiner. Was bitte sollte das auch bringen?! Es kann vielfältige Gründe für schlechte Noten geben. Es muß nicht zwingend Faulheit dahinter stecken. Übrigens ist meine beste Freundin eine Polin. Eine gescheite Führungsperson mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. Ich schätze und liebe sie sehr. Liebe Grüße.

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  2. Oje, mein Enkel kommt im nächsten Jahr in die Schule!
    Mir hat Schule viel Spaß gemacht. Ich konnte schon nicht
    verstehen, dass es bei meinen Kindern nicht so war.
    Aber das lag nicht an den Mitschülern, sondern an Lehrern,
    von denen ich den Eindruck hatte, dass sie gar kein
    Interesse an den Schülern, sondern an viel Freizeit hatten.
    Es gab auch welche, die immer einen Schüler auf dem 'Kicker'
    hatten und ihn eine Ehrenrunde drehen ließen, von denen
    später so manch einer im Beruf groß rausgekommen ist.
    Ich wünsche Deinen Kindern viel Glück mit den Lehrern. Da
    gibt es zu Hause viel zu tun: Gespräche, Gespräche und noch
    mal Gespräche...
    LG Edith

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    1. Bislang haben unsere Kinder Glück mit den Lehrern - bis auf einen Choleriker auf der weiterführenden Schule vielleicht. In der Grundschule wurden sie hervorragend gut auf die weiterführenden Schulen vorbereitet. Es wäre unfair anderes zu behaupten. Mit Larifari war da nichts. Kompetente und engagierte Lehrerinnen und Lehrer habe ich dort kennen gelernt. In der dritten und vierten Klasse wurde mächtig angezogen. Auf der weiterführenden Schule konnte der Sohn erst mal tief durchatmen. Das war schon wieder fast entspannend. Gespräche gibt es hier immer und zu allen Themen des Lebens und Miteinanders. Glücklicherweise erzählen unsere Kinder sehr viel. Da ist man immer ganz nahe dran. LG.

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  3. Lernen für das Leben, Lernen für später, Lernen für sich selbst.
    Das sind für mich Dinge, die außer Frage stehen.
    Das Leben zeigt aber genauso, dass nicht jeder auf einem Gymnasium gewesen sein muss, nicht jeder studiert haben muss, um im Leben (s)einen Weg zu finden.
    Es wird immer Schüler/-innen geben, die den Anforderungen einer Hauptschule, einer Realschule bzw. eines Gymnasiums gerecht werden können.
    Ich werde nie und nimmer Eltern verstehen, die mit dem Brecheisen versuchen, ihre Kinder zu Leistungen zu bringen, die mitunter überhaupt nicht in ihrer Leistungsfähigkeit liegen.
    Mein "Kleiner" war 4 Jahre auf dem Gymnasium. Die Grundschule hatte es unbedingt empfohlen ("Er ist ein so geistiges Kind!") und er wollte es dann auch.
    Er hat sich dort gequält mit einer Lehrerin, die mir offen ins Gesicht sagte "Nicht jeder hat die Berechtigung, auf das Gymnasium zu gehen."
    Meinem Sohn habe ich immer gesagt: "Du kannst alles ausprobieren, du kannst alles versuchen. Und wenn du feststellst, es geht wirklich nicht, dann machst du eben etwas anderes."
    Zur 8. Klasse ist er dann auf die Realschule gewechselt - und ab dann hörten auch seine gesundheitlichen Probleme auf.
    Warum also Kinder so unter Druck gesetzt werden, dass es bis hin zu psychischen-psychosomatischen Störungen führt, bleibt mir unerklärlich. Aber es erklärt für mich die Aggressionen.
    Es sind nicht die Kinder, nicht die Jugendlichen, die mir Angst machen. Sondern ihre Eltern.

    Liebes Pünktchen, ich finde Deinen Post unglaublich aussagekräftig. Ein sehr guter Post.

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    1. Bingo Helma,
      mein Sohn erlebt das jeden Tag. Mit Biegen und Brechen müssen die Kinder aufs Gymnasium, obwohl sie da nicht hingehören.

      Vielen Dank für den Kommentar.

      LIeben Gruß Eva

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    2. Liebe Helma, ich stimme da absolut mit dir überein.
      Beim späteren Beruf sollte es ja auch um Freude an der Arbeit gehen, nicht (in erster Linie) ums Geld.
      Schöne Grüße
      Jutta

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    3. Ja, liebe Helma, das Übel sitzt meist in der eigenen Familie. Wenn es zu Hause nur noch Leistung und Drill gibt, jeglicher Spaß und die Freude am Lernen auf der Strecke bleiben, man in der Schule und zu Hause nur noch Druck erfährt, wundert auch mich nicht mehr, woher die Aggressionen kommen. Da würde doch wirklich jeder durchdrehen. Viele Wege führen nach Rom. LG

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  4. Solange wir unsere Kinder sortieren und sie dadurch schon vor ihrem zehnten Lebensjahr unter Druck geraten, indem sie sich unnötigerweise Sorgen um ihre Zukunft machen müssen, bzw. sie diese Sorge bei ihren Eltern spüren, solange müssen wir uns nicht wundern über spielende und lachende und höfliche schwerst traumarisierte geflüchtete Kinder und traurige aggressive Wohlstandskinder. Von Friedenskindern kann man ja nicht sprechen. Viel zu lange sind die Lehrer gescholten worden. Es sind die Eltern, die ihre Form der Selbstverwirklichung den Kindern zumuten.
    Die Gesamtschulen, die integrierten Gesamtschulen, haben in den letzten Jahren fast alle Preise für die beste Schule abgeräumt. Warum wohl...
    Nicht sortieren, sondern begleiten und die Begabungen fördern. Kleine Klassen. Entspannte Lehrer durch eindeutiges Arbeitsfeld, und zwar in der Schule. Und Elternschulen.Lebensbegleitend und am besten verpflichtend.
    Und keine Smartphones unter 14.
    Empathie entsteht nicht beim Wischen über Bilder.
    Du Liebe, sei gedrückt und lieb gegrüßt von
    Lisa

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    1. Begabungen fördern findet bei uns leider gar nicht statt. Aber ich bin ja schon froh, dass es immerhin ein paar (wenige) Förderkurse gibt. Ist trotzdem schade, dass nur in die eine Richtung gedacht wird. Aber es ist eben alles genormt.

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    2. Liebe Lisa, von kleinen Klassen kann man nur träumen. Es gibt Klassenstärken von 32 Kindern schon in der Grundschule. Der helle Wahnsinn! Ja, und da stimme ich dir zu: man sollte Kinder vieles ausprobieren lassen, damit sich Interessen herauskristallisieren, Stärken hervortreten können. Und ja: begleiten und unterstützen, wenn es gewünscht, oder erforderlich wird. Unsere Kinder haben keine Smartphones und gehören in dieser Hinsicht damit zu einer absoluten Minderheit. Sie können damit leben - und ich behaupte mal, ganz gut sogar. LG

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  5. Puhh, da wird es einem ganz anders. Schrecklich.
    Ich will mal hoffen, dass es sich dabei um die Minderheit handelt. Bin ich naiv? Meine Tochter ist jetzt in die 4. Klasse gekommen und bis jetzt scheint alles ganz entspannt weiterzugehen. Ich hoffe, das ist nicht die Ruhe vor dem Sturm. Aber es genügen ja ein paar wenige Kinder (Eltern), die das ganze anheizen.
    Wie geht es denn deinem Sohn?
    Liebe Grüße
    Jutta

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    1. Liebe Jutta, wenn ich nicht sicher wüßte, daß wir starke, innerlich gefestigte Kinder haben, ich hätte wohl in den ersten Monaten des Schulwechsels kein Auge mehr zubekommen. Mit der Anpassung an Leistungsanforderungen der weiterführenden Schule gab es keinerlei Probleme. Die Schwierigkeiten lagen auf einem ganz anderen Gebiet: Schockierend waren abwertende, gegen alle guten Sitten verstoßende, unflätige Beschimpfungen etlicher Kinder untereinander. Höchst unanständige Ausdrucksweisen, sogar gegen Lehrkräfte, sind an der Tagesordnung. Was soll man denken, wenn der Klassenlehrer darum bittet, die Unterrichtsmaterialien herauszuholen, und er als Antwort nach mehrmaliger Aufforderung von einem Zehnjährigen: "Was willst du von mir, du Arschloch?!" zu hören bekommt. Ich finde das so furchtbar. Im Benehmen und Umgang mit anderen haben wir etliche Kinder als extrem rücksichts- und gefühllos erlebt. Das mußte unser Sohn, so wie sicherlich manch ein anderes Kind erst einmal verdauen. Die Lehrkräfte der Schule leisten Schwerstarbeit. An den anderen Gymnasien das gleiche Bild. Entsetzlich ist das. Und nein, diesen Umgang lernt man nicht an den Schulen, das kommt meist aus den Familien selbst und deren Umfeld. In der Schule läuft eben alles zusammen. Liebe Grüße.

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    2. Ich bin echt entsetzt! Wobei es bei uns im Kiga auch ein Kind gab, das bereits richtig schlimme Schimpfworte benutzte (gegen die Erzieherin). Vor allem ist man als Lehrer ja relativ hilflos. Es sollte wirklich einen Benimmkurs geben. Für Kinder und manche Eltern ;-)
      Auf alle Fälle hast du Glück, dass deine Söhne so offen sind und viel erzählen.
      Liebe Grüße
      Jutta

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  6. Ich schreib da jetzt nichts mehr zu, nur, dass ich froh bin, an diesem Wahnsinn nicht mehr mitwirken zu müssen. Das hat nichts mehr mit meinem pädagogischen Eros zu tun, was da abgeht.
    LG
    Astrid

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    1. Liebe Astrid, ich kann dich so gut verstehen. Ich erwähnte es bereits schon einmal auf meiner Seite: Lehrer bekommen aus meiner Sicht kein Gehalt, sondern Schmerzensgeld. Was man da manchmal mitbekommt ist niederschmetternd. LG

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    2. Ach, es ist nicht der Umgang der Eltern, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, sondern die Art & Weise, wie die Kultusbürokratie von uns verlangt, wie wir das kindliche Lernen gestalten sollen. Das wird nämlich weder den Kindern noch dem Lernen an sich gerecht. Für eine solche Schule könnte ich noch brennen, in der Kinder mit Freude lernen können.
      LG

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  7. Anonym29.9.16

    Schule wird überbewertet.
    Sag ich.
    Lehrerin.
    Mutter von 5 Kindern, die letzte maturiert wsl nächstes Jahr, der Älteste war vor 8 Jahren dran.
    Lasst die Kinder einfach in Ruhe mit den Erwartungen und die Lehrerinnen arbeiten - die meisten von uns wissen was sie tun und können es.
    Lehrerinnen funken ja auch den Bankbeamten, Zahnärztinnen und (Kinder-)Krankenschwestern ....etc....nicht dauernd dazwischen.
    Und laut Resilienzstudien rappeln sich mehr als 60% der Kinder eh selbst zusammen. So what?
    "ommmm"
    Anna

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    1. Hallo Anna, schön auch Deine Meinung zum Thema zu erfahren. Von der Resilienz habe ich Kenntnis. Gut, daß manch ein Kind sich noch "berappelt". Dennoch finde ich es als Mutter eines aus ruhigeren Fahrwassern stammenden Kindes sehr bedauerlich, daß unser Sohn, so wie etliche andere Kinder auch, in solch einem aggressiven Klima Lernerfolge zu erzielen haben. In einem entspannten Umfeld ginge das sicherlich angstfreier und leichter. LG

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  8. man möchte manch eltern schütteln und ihnen zurufen: "laßt endlich die kinder in ruhe!" in ruhe lernen und arbeiten, spielen und leben. ach...

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    1. Als ich in den Norden zog ist mir sofort das medizinische Gefälle, sowie die überbordende Aggressivität mancher Kinder aufgefallen. Ich konnte das gar nicht begreifen, weil ich dachte, daß die hier doch ganz viel Raum haben, um sich auszutoben etc. Aber die Lebensbedingungen hier sind verschärft, gute Jobs eher selten vorhanden. Hier müssen die Familien bei Niedriglöhnen ums Überleben kämpfen. Wenn man dann vielleicht noch Alleinerziehend ist, sonst keine Familie drumrum hat, abends bis 21.30 Uhr bei Lidl arbeitet, und die Kinder sich den ganzen Tag selbst überlassen sind... dann kann manches aus dem Ruder laufen. Aber man muß nicht zwangsläufig alleinerziehend sein. Oft genug müssen beide Elternteile hart für wenig Geld schuften gehen. Da bleibt selten Energie für Kinder, oder deren Belange. Das ist leider oft genug Realität hier.

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