14 September 2016

Die Sehnsucht bleibt

Abschiede gehören zu unser aller Leben dazu. Die Trauer ist der stärkste Stress, den ein Mensch überhaupt erfahren kann. Umso mehr verwundert es, daß Trauernden meist nur eine kurze Zeit von der Gesellschaft zugestanden wird, und die Erwartung recht bald im Raum steht, daß man schon nach kurzer Zeit wieder einwandfrei zu funktionieren hat. Trauer sollte man den nötigen Raum geben, denn er hat eine große Bedeutung für die psychische Gesundheit.

Wir haben unser so inniglich geliebtes Raubtier verloren, und jeder von uns trauert auf seine ureigenste Weise. Unsere Kinder sind in einem Alter, wo sie wissen, daß jedes Leben endlich ist, und der Tod irgendwann alle Lebewesen ereilen wird. Es gibt ein liebevoll gestaltetes Grab, wo wir Mautzens Körper wissen. Die Jungs zünden am Abend Kerzen darauf an, arrangieren das Grab immer wieder neu. Zwischen all der Blumen bewachen eine selbst gestaltete Katzenfigur aus dem Vorjahr und ein Löwe aus Ton das Grab. 

Im Zusammenhang mit den Laborwerten und den klinischen Symptomen ist die Tierärztin zu der Schlußfolgerung gelangt, daß Mautz tatsächlich an FIP erkrankt war. Wenn es keine Hoffnung mehr auf Besserung oder Heilung gibt, kann der Tod durchaus eine Option sein. Auch wir mußten uns im Vorfeld damit auseinander setzen, ihn im Falle eines Falles zu "erlösen". Hierzu wäre die Ärztin zu uns nach Hause gekommen. Dazu ist es jedoch nicht mehr gekommen. Letztlich ist Mautz zu schwach gewesen, um noch weiter leben zu können. Er ist uns zuvor gekommen und ist gestorben. Auch wenn wir sehr traurig darüber sind, ihn auf der Auffahrt des Nachbargrundstücks bereits verstorben gefunden zu haben, so sind wir auch erleichtert, nicht diejenigen gewesen zu sein, die aktiv sein Ende einläuten mußten. Wer möchte schon gerne Richter über Leben oder Tod sein?!

Auffallend war sein immer wiederkehrender, massiver Wurmbefall. Vielleicht hat er nie einen umfassenden Immunschutz aufbauen können, weil er zu früh von der Mutter getrennt wurde, er nicht ausreichend Muttermilch abbekam. Es ist müßig darüber nachzudenken...

Wir fühlen uns erschöpft. Ruhe und Entspannung sind gerade sehr wichtig. Es ist, als sei die Luft aus einem prall gefüllten Ballon entwichen und hätte eine schlaffe Hülle hinterlassen. Was hilft sind Gespräche. Unsere Kinder wollten ganz genau wissen, was das für ein Virus in Mautzens Körper war, woher er ihn hatte, und was es mit ihm gemacht hat. Mir hilft es sehr, mich mit meinem Mann und anderen Menschen auszutauschen, die ebenfalls schon ein Tier betrauert haben.

Oft schauen wir uns seine Fotos und kleine Filmsequenzen an, nehmen das kleine Fellknäuel in die Hände und denken, was er doch nur für ein tolles Wesen hatte  und wie außergewöhnlich er war. Wir sind traurig, aber nicht verzweifelt. Die Dankbarkeit, daß er Teil unseres Lebens war und uns so in Freude und Liebe gehüllt hat, überwiegt. Die Sehnsucht nach ihm wird für immer bleiben.


Wir nehmen unseren Kummer ernst. Auch wenn es "nur" ein Vierbeiner war, der da gestorben ist, unsere Beziehungsqualität hatte nichts mit seiner Größe oder Art zu tun. Bevor ich Mautz begraben habe, haben wir seinen toten Körper in unseren Armen gehalten, ihn gestreichelt und auch ein allerletztes Mal gebürstet. Dieses kleine Fellknäuel bewahren wir ebenso wie all die "Weißt du noch...-Geschichten?" auf.


Wir hatten so viel Glück, daß er zu uns kam. Es war ein Segen, daß der Freudenspender uns hat seine Liebe und Zuneigung spüren lassen. So viele schöne Erlebnisse haben wir mit ihm sammeln dürfen. Er hat insbesondere die Jungs und mich die tiefe Liebe zu einem Tier gelehrt.  Ganz sicher wird hier irgendwann noch einmal ein Tier einziehen, wenn die Zeit dafür reif sein wird. Wir haben beschlossen, daß es hier weiterhin ab und an ein Foto von Mautz geben wird - manchmal mit mehr, manchmal mit weniger Text.

Auch, wenn es für den ein oder anderen befremdlich wirken mag, gibt es ein Gedicht, an das ich seit seinem Tod unablässig denken muß. Das möchte ich hier mit allen teilen, die zur Zeit vielleicht auch ein wehes Herz haben.

Diese Leere

Wie leer ist es
da
wo etwas war
Wo was war?
Etwas
was nicht mehr da ist
Und ist es nicht mehr da?
Warum nicht?
und wirklich nicht?
Kann es nicht wieder da sein?
Darf es nicht wieder da sein?
Ist deshalb alles so leer?

Wie groß
muß gewesen sein
was da war
daß alles jetzt
wenn es vielleicht nicht da ist
oder vielleicht
nicht mehr da sein wird
so leer ist daß Leere in Leere
übergeht
oder untergeht
oder ruht?

Müßte Ruhe
nicht eigentlich anders sein
als das
was leer ist
und doch
kalt ist
obwohl das Leere
nicht kalt sein kann

als das
was leer ist
und doch
noch brennt
obwohl das Leere
nicht brennen kann

als das
was leer ist
und doch
den Hals zuschnürt
obwohl das Leere
den Hals nicht zuschnüren kann

Was ist es also?
Erich Fried


"Danke!", sagen wir allen, die ihre Anteilnahme hier und in mannigfaltiger Weise ausgedrückt und an unserer Trauer teilgenommen haben.

Kommentare:

  1. Liebes Pünktchen, ich war hier, nehme Eure Trauer ernst und ich bin froh, dass Ihr nicht die Entscheidung über Leben oder Tod treffen mußtet. Das stelle ich mir ganz furchtbar vor, sowohl bei einem Menschen als auch bei einem Tier. Stille Grüße
    Edith

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  2. Anonym14.9.16

    Liebes Pünktchen,
    nehme euch still in den Arm.
    Bettina

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  3. Ja, Ihr macht das genau so, wie es für euch gut ist. Und ein geliebtes Tier ist ein Familienmitglied. Auch ein Tierleben ist es wert, betrauert zu werden. Und umso schöner, wenn Euer Mautz Euch die Liebe zum Tier gelehrt hat. Und genauso schön ist es, wenn einmal ein anderes Katzenwesen Mautzens Erbe antreten kann. Es gibt viele, viele arme Katzen, die ein Zuhause brauchen ! LG Gitta

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  4. Deine letzten Posts sind mir sehr nahe gegangen. Ich wünsche Dir viel Kraft für die nächste Zeit.
    LG Andrea

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  5. Liebes Pünktchen,
    es war Eurer Mautz und nicht "nur ein Tier". Es war ein Teil von Euch, ein Familienmitglied.
    Ich drück dich ganz fest.

    Ihr denkt immer wieder an Mautz, wisst ihn dort begraben und er schaut vom Katzenhimmel Euch zu und ich bin sicher, er freut sich.

    Schau morgen mal bei mir rein, da habe ich eine kleine Geschichte von einem wunderbaren Kater. Der Fritz!

    Lieben Gruß Eva

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  6. Das tut mir sehr leid, Pünktchen und ich finde es gut wie ihr mit eurer Trauer umgeht. Das Gedicht kannte ich nicht, hat mir aber sehr gefallen.
    Ich drücke dich.

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  7. Ach Pünktchen,
    da komm ich vom Urlaub nach Hause, randvoll mit schönen Erlebnissen und Bildern, schau bei dir rein und lese das... Nie hätte ich gedacht, dass dieser vitale, starke Kerl dem Tod so nahe war! Ich hab meinem tier-fachkundigen Sohn alle deine Geschichten vom Mautz vorgelesen, er bemerkte manchmal Details, die mir entgangen waren, und erklärte mir manches.
    Lasst euch Zeit zum Abschiednehmen. Der Mautzkater wird euch immer nahe sein als ein ganz besonderer Teil eures Lebens.
    Liebe Grüße an die ganze Familie,
    Brigitte

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  8. Wenn es ein Wiedersehen gibt, dann doch in der Liebe. Ob mit 4 oder 2 Beinen.
    Die Liebe bleibt.
    Sei gedrückt von
    Lisa

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