22 Juli 2016

Mittendrin

Die Ferien nahen, während mir so gar nicht danach ist. Schweren Herzens haben wir umdisponiert und unsere Urlaubspläne für die Sommerferien fallen lassen.

Schaue ich mir die Nachichten an, möchte ich mir am liebsten eine Decke über den Kopf ziehen. Ich bin und war schon immer gegen die Todesstrafe. Es kann doch nicht wahr sein, daß in meiner alten Heimat ernsthaft darüber nachgedacht wird, diese wieder einzuführen. Niederschmetternd ist das. 

Das Weltgeschehen ist eine Sache, aber was sich vor meinen eigenen Augen abspielt hat noch einmal ein besonderes Gewicht: 

Mir wird schlecht, wenn ein Drittklässler meinem kleinen Sohn entgegenschmettert, wie Scheiße die Flüchtlinge seien, und daß er sie hassen würde für immer, nur weil dieser sich mit einem kleinen Flüchtlingsjungen angefreundet hat.

Hass kann man vererben. Man sollte darüber nachdenken, was man mit einer möglicherweise unbedachten Äußerung an seine Kinder weiter gibt - vielleicht für ihr ganzes Leben.

Manchmal möchte ich diese Welt so gerne mit anderen Augen sehen, als sie sich gerade präsentiert.


Ich möchte auch weiterhin aufgeschlossen und unvoreingenommen auf Menschen zugehen, weil ich daran glaube, daß wir alle ganz ähnliche Bedürfnisse und Interessen haben und voneinander lernen können. Weder kann ich die Welt ändern, noch das Weltgeschehen darin. Aber ich möchte auch weiterhin "Ja!" statt "Nein!" sagen. Ich möchte negativen Gedanken, die sich in so vielen Köpfen festgesetzt haben, positive Aspekte entgegen setzen. Ich weigere mich, mich in diesen Strudel der bedrohlichen Gefühle einsaugen zu lassen. Manchmal könnte man meinen, die Welt würde bald untergehen. Ich bemühe mich aufrichtig, gegenüber den Ansichten und Standpunkten anderer unvoreingenommener zu sein - auch wenn es mich zutiefst erschüttert zu sehen, welche zerstörerische Kraft der Hass hat. 

Mag sein, daß es nicht einfach ist, sich auf fremde Kulturen einzulassen. Aber jede Kultur hat ihre guten und schlechten Seiten. Die eigene Lebensweise ist nicht zwangsläufig die einzig richtige - auch ein Gedanke, den man ab und an mal zulassen sollte.

Den eigenen Horizont kann man nur selbst erweitern. Dazu muß man schon mal die eigene Komfortzone verlassen. Man kann Gelegenheiten nutzen, andere politische oder religiöse Meinungen kennenzulernen - Voraussetzung sollte ein friedlicher und respektvoller Umgang miteinander sein. Andere Meinungen können durchaus horizonterweiternd sein. 


Aus meiner eigenen Historie heraus möchte ich keine Person beurteilen, bevor ich nicht seine Geschichte kenne. Freundschaften mit Menschen aus den verschiedensten Hintergründen geben einen Einblick in die verschiedenen Perspektiven dieser Welt. Wenn man in einigen Fällen jemanden dennoch nicht mag, ist das völlig in Ordnung. Ein zivilisierter Umgang miteinander sollte dennoch möglich sein.


Wir haben einen wunderschönen Tag mit unseren syrischen Freunden am Strand verbracht. Der strahlende A. hat seine schwierige Sprachprüfung als einer der Wenigen mit Bravour bestanden. Das und so manches andere haben wir an diesem Tag miteinander gefeiert.

Ich glaube daran, daß wir alle voneinander lernen können und möchte das auch weiterhin tun.

Macht es gut

Kommentare:

  1. "Macht es gut"....ein frommer Wunsch, du Liebe, angesichts der politischen wie der familiären Lage. So viele verwenden so viel Energie darauf, dem Guten Steine in den Weg zu legen. Da geht auch der menschenliebende Humanist irgendwann in die Knie...und muss seine Restkräfte bündeln.
    Alles Liebe!
    Astrid

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  2. Hallo,
    ja stimmt Hass kann man vererben. Das ist so und man kann ihn auch durch eine gewisse Struktur im System weitergeben. Ich hoffe, du weisst, wie ich das meine. Auch ich bin ein Gegner der Todesstrafe, war ich schon immer und ich habe hier schon einiges hören müssen.

    Egal, was immer Jemand getan hat, er hat das Recht auf einen fairen Prozess und eine Strafe aber wir haben nicht das Recht, über ihn den Tod zu verhängen. Hier begeben wir uns auf die gleiche Stufe wie er.

    Mehr mag ich zu der politischen Lage nicht schreiben, ich denke mir meinen Teil und auf meinem Blog werde ich nix politisches schreiben.

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
    War übrigens lange in der Flüchtlingspolitik hier vor Ort tätig und werde einen Teufel tun, das nochmals zu tun.

    Meine "Syrer" leben inzwischen im Kreis Backnang, haben dort ein kleines Haus alt aber sehr schön gerichtet und die kleine Najla geht in die 1. Klasse und kommt im Herbst dann in die 2. Klasse ein nettes Mädchen und sehr intelligent. Sie will heute schon Ärztin werden. Nun schauen wir mal. Der Bruder geht in den Kindergarten. Eine rundum glückliche und vor allem integrierte Familie.

    Lieben Gruß Eva

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  3. Es gut machen, das ist für Viele in Deinem alten Heimatland zur Zeit fast nicht möglich. Auch nur den Mund aufzumachen und Mäßigung anzumahnen ist dort eine Heldentat.
    Ich stimme Dir zu, dass Hass vererbt wird. Und dass es den Horizont erweitert, mit Menschen andrer Kulturen, Religion, Vorstellungen, zusammenzukommen. Und zu diskutieren.
    Ich glaube aber nicht, dass es viel Sinn macht, mit Fanatikern zu reden. Ich bin bereit, mich mit jedem an einen Tisch zu setzten, der keine Menschen, oder auch Tier-, verachtenden Sätze von sich gibt. Dazu gehört für mich auch das Lügen und Intrigieren.
    Ich bin gegen Gewalt und gegen die Todesstrafe sowieso. Sie ist genauso feige, wie jeder andere Mord, denn Mord versucht ein Problem zu lösen, indem ein Mensch einfach ausgelöscht wird. Was für eine unkreative Anmaßung.

    Liebe traurige Grüße von
    Lisa

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  4. Du hast so recht! (denk dir alles kursiv geschrieben)
    Ich wäre gerne dabeigewesen am Strand. Vielleicht hättet ihr den kleinen Flüchtlingshasser ja mitnehmen sollen, dann hätte er zuhause seinen Leuten erzählen können, dass zumindest nicht alle Flüchtlinge oder Ausländer Sch.... sind.
    Ich bin traurig, dass ich zur Zeit gar nichts mehr in der Richtung machen kann. Aber alles hat seine Zeit, und es kommen auch wieder andere Zeiten. Macht weiter so. Deine Jungs haben es gut!!!

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  5. Schwere Kost am frühen Morgen, liebes Pünktchen. Auch ich bin völlig fertig und frage mich, was da eigentlich abgeht auf unserem ganzen Planeten und wohin das noch führen soll. Mir fällt dazu ein, was ich mir mal aufgeschrieben habe, weil ich es nie vergessen möchte. 'Die Erde ist eine einzige Heimat. Wir alle sind Wellen im gleichen Meer, Blätter des gleichen Baumes und Blumen im gleichen Garten...' Ich glaube auch, dass alle Menschen auf dieser Welt den Wunsch haben, einfach nur in Frieden und Harmonie leben zu wollen. Warum sind wir machtlos gegenüber denen, die das zerstören? Ich meine, Bildung (und Herzensbildung) ist der Schlüssel. Was Flüchtlinge angeht, werde ich nie im Leben vergessen, dass wir selber einmal Flüchtlinge im eigenen Land waren. Meine Mutter war damals genauso wenig willkommen wie die Menschen heute. Und das hat Jahre gedauert...
    Danke für Deine wertvollen Gedanken, einen schönen Tag und liebe Grüße von Edith

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  6. Nach dieser Nacht kann ich nicht mehr viel dazu schreiben. Hab kaum geschlafen, bin noch ganz "erdrückt". Dein Post tut gut, Deine Gedanken sowieso.
    liebe Grüsse, Du bist wunderbar. Die Welt voller Pünktchen, das wäre so schön
    Elisabeth

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  7. Ich kann Dir nur von Herzen zustimmen. Wenn wir nicht alle Anstrengungen machen aufeinander zuzugehen und Verständnis füreinander zu haben, wird das wohl noch sehr schwierig. Was mich erschreckt, sind die vielen hasserfüllten Kommentare im Internet zu den kritischen Zeitungsartikeln über die Vorgänge in der Türkei. Das macht mir Sorge. Mach weiter in Deinem Bemühen. Dein Sohn macht das richtig, mach ihm Mut.
    Alles Liebe
    Magdalena

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