11 Juli 2016

Heute beim Knochen-Gott

Der Termin, auf den ich schmerzverzerrt schon seit Ostern warte, ist nun endlich da. Alle bisherigen Maßnahmen waren... mäßig efolgreich. Ich habs gehandhabt wie so meist: Zähne zusammen beißen und durch. Da das schmerzende Knie kaum zu gebrauchen war, mußte das andere seine Aufgaben mit übernehmen und schmerzt nun auch. Bin gespannt, was die bildgebenden Maßnahmen zu Tage befördern werden. Fast fürchte ich, daß ich auf den Felgen schleife. 

Nachtrag: 

Irgendetwas hat sich in den vergangenen Jahren bei diesem, oder jenem Arzt geändert. Mir fällt auf, daß insgesamt weniger gesprochen wird. Also: Arzt und Patient sprechen weniger miteinander.

Bis es aber erst mal soweit ist, nimmt man im Wartezimmer platz. Interessiert schaue ich von einem zum anderen - genau so werde auch ich von den anderen gescannt. Im Geiste stellt man die eigenen Diagnosen. Also, der Mann da, der hat garantiert Rücken. So, wie der auf der Stuhlkante sitzt, das kommt mir verdammt bekannt vor. Und sie dort... bestimmt Schulter. Ich könnte wetten. Und da... ganz klarer Fall von Knie. Es wird beständig daran gerieben. Ach herrje, was geben wir nur für einen jämmerlichen Haufen ab... 

Derweil schauen wir auf große, moderne Plasmabildschirme, die von der Decke herab hängen. Der Knochen-Doc, dem ich im realen Leben bislang ausschließlich mit finsterer Miene begegnet bin, ergießt in Großaufnahme sein strahlendes Lächeln von der Decke herab auf seine Patientenschar. Im ersten Moment erschrecke ich darüber. Im nächsten denke ich: "Geht doch!" Wenn man den lieben langen Tag nur mit schmerzgeplagten Menschen zu tun hat, hätte ich im realen Leben an seiner Stelle vermutlich auch Mühe, irgendwann noch zu lächeln. Das ist wirklich hart

Minuten vergehen, ich habe noch nicht zu Ende gelesen, mit wem Johannes B. Kerner neuerdings liiert ist, werde ich aufgerufen. In Etappen nähere ich mich den Behandlungsräumen. Bevor jedoch der Arzt in Erscheinung tritt, habe ich mit einer seiner Adjudantinnen zu tun. Die junge Dame sondiert trällernd die Lage, hackt  schweigend was in den PC und sagt etwas wie: "Der Doktor kommt gleich...!" 

In meinem Hirn rattert es, ob ich  auch die Symptome, den Schmerz punktgenau beschrieben habe. Hier riecht alles nach Effizienz. Ich weiß nicht, ob man so schnell erneut eine Chance bekommt, um wichtige Informationen nachzureichen.

Dann kommt er.

Die Begrüßung: kurz und knackig wie beim Militär. Schweigen. Er starrt auf den Bildschirm. Schweigen. Ich schaue abwechselnd zu ihm, dann auf meine Röntgenaufnahmen. Ich versuche mit dem Blick eines Ahnungslosen zu eroieren, ob das "normal" aussieht, was ich da sehe. Ich kann nichts Auffälliges ausmachen. 

"Kriegen Sie die Hosenbeine über die Knie?"

"Äh... müßte gehen." Zu Ärzten, wo man gerne mal die Hosen runter lassen soll, ziehe ich immer welche an, die dehnbar sind. Erweist sich auch dieses mal als goldrichtig. Kein lästiges An- und Auskleiden.   

Es wird geschallt. Hmm hm hm... Endlich wird mir erklärt, was er da in der grauen Nebelsuppe sieht. Mit den Röntgenaufnahmen kommen wir nicht weiter. Ein MRT-Termin muß her. Haltet euch fest: ich habe schon einen für Anfang September - für hiesige Verhältnisse ist das suuuuper!

Nächste Woche muß ich nüchtern zur Blutentnahme. Ich bin zwar kein Arzt, aber so nach und nach setzen sich auch in meinem Hirn Puzzleteilchen zusammen. Ich ahne, wohin die Reise gehen könnte. Die bisherigen Blutergebnisse seit Ostern soll ich bitte beim nächsten Mal mitbringen. 

Und dann hat der Knochen-Gott erst mal fünf Wochen Urlaub. Und soll ich euch mal was verraten: ich gönne es dem viel zu blassen, müde aussehenden, wortkargen Mann. Fast tut er mir ein bisschen leid.  Insgeheim frage ich mich, ob er schon in seinem Urlaub, oder vielleicht sogar danach wird wieder lächeln können... 

Wer am Abend nichts besonderes vor hat, sollte sich das hier antun. Heute 20.15 Uhr im Ersten.

Kommentare:

  1. Ich wünsche dir alles, alles Gute! Du musst dir ja nicht in Zukunft einen Marathon vornehmen,
    aber das Bewegen sollte schon beschwerdefrei sein...
    GLG
    Astrid

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das stimmt, liebe Astrid. Ein Marathon wäre eh nichts für mich - eher im Wasser. Aber auch meine leistungsstarken Zeiten gehen langsam aber sicher vorbei. Vielen Dank für deine guten Wünsche.

      Löschen
    2. Ich glaub's nich, deine Erlebnisse beim Knochenklempner...
      LG

      Löschen
  2. Guter Tipp , danke .
    Na dann hoffen wir mal , das dir nach den Bilder geholfen werden kann .
    Mein MRT ergab angeblich ein super tolles Knie . Wobei im Befund noch
    was von leichten Irgendwas steht . Da muss ich erstmal googeln , was das heißt
    und bedeutet . Es soll auch keine Bakerzyste geben , obwohl 2 Ärzte die ja
    ertastet haben . Freie Arztwahl ist auch von Ar ... Alle sind der Meinung , was das
    soll , ich sei von Arzt 1 doch gut versorgt ( MRT Überweisung) .
    Komisch ist das ja mit dem Knie , es gab paar absolut schmerzfreie Tage .
    Das glaubt ein Arzt alles garnicht . Mittlerweile bauen sich wieder Schmerzen
    auf . Jetzt soll ich die Beingefässe checken lassen .
    Dir viel Glück und auch einige schmerzfreie Zeiten .
    LG von JANI

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Jani, erst einmal bin ich hoffnungsfroh, weil längst überfällige Untersuchungen nun stattfinden. Schmerzmedikation auf Dauer ist keine Lösung. Ich habe ein sehr gutes Gespür für meinen Körper und bin gespannt, ob ich am Ende nicht doch recht habe mit meinem Verdacht. LG

      Löschen
  3. Oh Mann, weißgar nicht wa sich nun davon halten soll.
    Auf alle Fälle wünsche ich alles Gute!! (und dass er beim nächsten Mal freundlicher und vor allem KOMMUNIKATIVER ist! - DAS sollte eine Zulassungsbeschränkung sein)
    Liebe Grüße
    Jutta

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Jutta,
      ich habe eigentlich über das geschrieben, was ich erlebe, weil es immer öfter vorkommt: Inzwischen ist das der dritte Arzt, der kaum spricht, sondern entweder selbst etwas in den PC eingibt, oder eingeben läßt. Unfreundlich ist er nicht gewesen, eben nur sehr "effizient" - kein Wort zuviel. Aber ich gehöre eh nicht zu den Leuten, die einen "Plausch" beim Arzt halten wollen. Nur was Sache ist, das wüßte ich schon gerne. LG

      Löschen
  4. Alles Gute dir! Ich hoffe, du bekommst wenigstens eine Diagnose, mit der du dann etwas anfangen und beschwerdefrei(er) werden kannst!
    Den Film werde ich mir in der Mediathek angucken, der Trailer ist toll. :-)

    Lieber Gruß
    Steffi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Steffi, ja, der Trailer ist toll, aber auch ziemlich irreführend. Das ist alles andere als ein lustiger Film. Ich habe schon weinen müssen. Aber der Hauptdarsteller glänzt wieder einmal mit einer schauspielerischen Glanzleistung. Liebe Grüße.

      Löschen