13 Juni 2016

Ungebetene Gäste

Als sie mich das erste Mal in meinem Leben heimsuchten, war ich ca. fünf Jahre alt und besuchte einen englischen Kindergarten. Ich hatte mir damals Läuse eingefangen. Sehr schnell wurde aus Sicht der Betroffenen die Schuldige ausgemacht: das einzig farbige Mädchen aus der Gruppe machte man dafür verantwortlich. Ich darf da gar nicht daran denken - das arme Kind und seine Familie!


Zum Glück haben sich die Zeiten geändert und die Aufklärung hat dazu beigetragen, daß man heute damit anders umzugehen weiß, als zu damaligen Zeiten. Läusebefall hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Kopfläuse mögen es nur gern muckelig warm. Die Übertragung erfolgt meist bei direktem Haarkontakt mit bereits befallenen Personen, durch z.B. das gemeinsame Benutzen von Kämmen, Haarbürsten oder Kopfbedeckungen.

Seit Wochen bekomme ich nun bereits aus den beiden Schulen der Söhne Informationsbriefe zu Läusebefall. Einpaar Mal ist das im Jahr der Regelfall. Bisher sind wir immer verschont geblieben... nur jetzt gerade hat es auch uns erwischt.

Natürlich habe ich beim ersten intensiven Kratzen genauer hingeschaut, aber wahrlich nichts entdecken können. Gestern, als ich das wiederholte Kratzen des Sohnes sah,  war es dann anders: auf dem Kopfe ein Volkstreffen :(. Beim anderen war es nicht ganz so schlimm, aber ein Befall erkennbar. Bei mir setzte prompt das Dauerkratzen ein. Eigentlich brauche ich nur das Wort Läuse zu hören, und schon setzt das große Jucken ein. Brrrr. Geht es euch auch so? Die Apothekerin empfing mich mit einem breiten Grinsen: "Heute waren schon viele vor Ihnen da. Das sind auch die letzten Mittel, die ich hier habe."  Mein Mann konnte nichts ausmachen, aber mit den sofort besorgten Mitteln aus der Notapotheke habe ich mich sogleich mitbehandelt. Gestern Abend habe ich die jeweiligen Klassenlehrer informiert und heute morgen noch die Busgesellschaft. Denn so vollgepfercht die Busse mit Schülern sind, so sehr ist das der Kontakthof für Läusebefall. Dort bedankte man sich für diese Info und gab an, besondere Reinigungsmaßnahmen an den Sitzen durchführen zu wollen.

Nach der ordnungsgemäß durchgeführten Erstbehandlung durften die Kinder wieder in die Schule. Den Einsatz des Läusekamms fanden die kleinen Herren am Allerschlimmsten. Am 8.Tag wird das Prozedere wiederholt. Nach jeder erfolgreich erfolgten Behandlung gibt es eine Mitteilung an Kindergarten, Schule etc.  Ich hoffe, daß wir die Plagegeister dann endgültig los sind.

Hattet auch ihr schon mal ungebetenen Besuch? Und... juckt es euch bei dem bloßem Gedanken daran nicht schon?

Eine Freundin erzählte mir: "Beim ersten Mal habe ich ALLES gewaschen. Das waren 32 Waschmaschinenladungen. Beim zweiten Mal war es schon deutlich weniger. Und beim dritten Mal habe ich nur noch das gemacht, was wirklich sinnvoll ist. Das hat gereicht." Hier hat es gestern auch einige Waschmaschinenladungen gegeben. Heute sind die nächsten dran. Herrje, sobald ich daran denke, juckt es schon wieder so schrecklich...


Ich wünsche euch einen schönen Wochenstart. Und bei einem Befall denkt dran: ruhig bleiben, den Befall melden, gewissenhaft behandeln, regelmäßig den Haaransatz  kontrollieren, am 8.Tag alles wiederholen... und zwischendurch immer mal tieeef Luft holen ;-).

Kommentare:

  1. Hallo,
    ne, also Läuse hatten wir nie, als mein Sohn in den Kindergarten bzw. in die Schule ging. Es fing so richtig erst danach an, als die Tochter meiner Nachbarin in den Kindergarten ging.
    Ja, als ich deinen Post gelesen habe, fing bei mir gleich das Kratzen an.

    Es kommt immer und immer wieder mal vor und ist wohl normal auch nicht zuletzt eine Sache der zu großen Reinlichkeit, habe ich mir sagen lassen.

    Es ist ne blöde Sache, aber gottseidank zu bekämpfen und zu schaffen.

    Nicht verzweifeln, es wird besser. Ich kratze mich schon wieder.

    Lieben Gruß und viel Glück Eva

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    1. Liebe Eva, sei froh, daß du mit den Plagegeistern bisher nichts zu tun hattest. Ich mache drei Kreuze, wenn sie ausgemerzt sind.
      LG:

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  2. Toll, dass du mal ein Foto zeigst! Ich habe das erste Mal eine gesehen, als eine Kollegin von mir - entnervt von ihrem zweiten Befall - ein Glas mit einem Exemplar auf den Tisch knallte. Ich war damals kommissarische Schulleiterin und musste eine Klasse zu Hause lassen, weil alle fünf Lehrer, die darin unterrichteten, Läuse hatten, und zwar immer wieder... Ich selbst habe im Verlaufe der vierzig Jahre nie welche eingefangen ( das führe ich auf meine blöde Haarefärberei zurück ), aber auch erlebt, dass Ärzte den Befall nicht diagnostizieren konnten ( "allergische Reaktion"! ) und die Tierchen fleißig weiter verbreitet wurden.
    Mein Bruder weiß wiederum aus dem Einzugsgebiet seiner Hausarztpraxis, dass da schon präventiv mit Goldgeist gearbeitet wird und die Tierchen inzwischen resistent sind.
    Ein immerwährendes Thema!
    GLG
    Astrid

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    1. Ehrlichgesagt habe ich nur irgendwas auf dem Kopf des Sohnes krabbeln sehen, und das schnell abgelichtet. In der Vergrößerung erst habe ich gesehen, womit wir es zu tun haben :((. Was mich doch sehr erstaunt ist, daß es für einige Menschen immer noch ein sehr schambehaftetes Thema zu sein scheint. Ich hatte angenommen, daß das im Laufe der Zeit überwunden sei. Einige Eltern behandeln ihre Kinder und melden das erst garnicht. Viele behandeln auch nicht gewissenhaft genug, so daß der Befall immer wieder von neuem aufflammt. Ich habe mir das jetzt sehr genau von einer Fachfrau des Gesundheitsamtes erläutern lassen. Wenn man es richtig machen will, artet das in Arbeit aus. Aber wir wollen die ungebetenen Gäste ja zuverlässig wieder los werden. Und von den Goldgeistbehandlungen habe ich inzwischen auch gehört... LG.

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  3. Ach, da kann ich auch Erinnerungen beisteuern, von so vor über 30 Jahren, als die eigenen Töchter und wir gleich mit befallen waren... Nach dem 3. oder 4. Mal in Folge (der Läuse-Regen kam über den Kindergarten der Mädchen zu uns, in den ausschließlich Ärztekinder gingen ;-)) habe ich den Töchtern entnervt ihre langen Locken abgeschnitten, was sie mir heute noch "vorwerfen" ;-). Ach, geht vorbei, das große Krabbeln, Panik unnötig. Aber verzichten könnte man auch drauf, nicht wahr? Ich war als Studentin immer Liebling der Flöhe in von vielen Seeleuten frequentierten Rostocker Straßenbahnen... Und die wird man nur los, wenn man es schafft sie aufzugreifen, da war ich irgendwann Meisterin... So, und nun juckt es mich auch, ist aber nur die Mückenstichelei der Jahreszeit... Lieben Gruß Ghislana

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    1. Liebe Ghislana, ich erinnere mich hier an die Flohinvasion durch Kater Mautz. Wir hatten ihn gerade erst und ich wußte weder viel über Katzen, noch über Flöhe. Meine armen Kinder waren übersät mit Flohstichen... und wer die kennt weiß, wie unerträglich sie jucken. Erst das Mittel vom Tierarzt befreite Herrn Mautz und uns von dem Befall. Gräßlich! Bei solchen Sachen komme ich mir so vor wie im Mittelalter. LG.

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  4. Ja, ja.... bei drei Kindern gab es auch das eine oder andere Mal Läusealarm. Wichtig ist auch, in Schule und Kindergarten, die Jackenund Mützen NICHT nebeneinander an die Garderobenhaken zu hängen, sindern die einzelnen Kleidungsstücke erst in eine Tasche oder Tüte zu packen und dann an den Haken zu hängen. Denn es wandert sich gut von Kragen zu Kragen. Viel Erfolg noch bei der Läusebekämpfung und Kontrolle .. LG Gitta

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    1. Da hast du recht, nur halten sich Kinder nicht konsequent daran, ihre Sachen vorab auch noch in Tüten zu packen, und diese an den Garderobenhaken aufzuhängen. Kinosessel, Bussitze, etc. überall lauern in solchen Fällen die Gefahren. Ich las eben erst, daß Mädchen mehr beim Lausbefall in Gefahr seien, weil sie eher dazu neigen würden, die Köpfe zusammen zu stecken. Da kann ich nur sagen, daß Jungs den Mädchen seit Youtube in nichts nachstehen. Es werden Filme gedreht, hochgeladen, die Köpfe zusammen gesteckt und gemeinsam geschaut. LG.

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  5. *Hattet auch ihr schon mal ungebetenen Besuch?* O ja:
    Urlaub mit den Söhnen (5 - 10 Jahre) plus Großeltern in Schweden, im Ferienheim der dortigen ungarischen Gemeinden. Eben war eine Kinderferienfreizeit zu Ende gegangen, und wir durften zwei Wochen im jetzt leeren Haus wohnen. Es lag wohl an der Bettwäsche... erst kratzten sich die Buben, dann auch ich, ahnungslos warum - dann schaute mein Mann (Nachkriegs-Schulzeit im Internat) genauer nach und stellte fest: "Ihr habt Läuse!" Waahhh!! Damit hatte ich noch nie Bekanntschaft gemacht, aber meine Pharmazeuten-Mutter beruhigte mich: "Da gibts gute Mittel." Verschämt flüsterte ich der Apothekerin unser Problem über die Theke und war erleichtert, dass sie das ganz "normal" fand und mich sachlich mit dem Nötigen versorgte.
    Die Kinder hassten das Shampoo, genossen aber durchaus die vorsichtige Nissenkämmerei der vom Jagdinstinkt gepackten Mutter, die ihrerseits liebevoll vom Gatten gelaust wurde. Wieder zu Hause, kratzte die Frisörin unseres Vertrauens die letzten Reste von den Haaren, dann war es überstanden.
    Nur die Oma vermeldete nach wenigen Tagen am Telefon einen Befall - ganz zuletzt hatte es sie auch noch erwischt: "Jetzt hab ich den ganzen Krieg und die hungrigen Zeiten danach ohne Läuse überstanden, und ausgerechnet in Schweden muss ich sie auf meine alten Tage noch bekommen!"
    Sachen gibts! :-)
    Bringt es bald hinter euch!
    Aufmunternde Grüße,
    Brigitte

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    1. Die Nissenkämmerei ist echt eine Strafe - gerade für diejenigen, die von Natur aus dicke Haare haben. Ohne zu Ziepen kommt man da nicht durch mit dem Kamm - da kann man noch so geduldig sein. Aber es hilft ja nichts. Da muß man im wahrsten Sinne des Wortes durch. LG.

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  6. Ja, wir hatten in Kindergarten- und "Grundschulzeit auch zwei Mal das "Vergnügen". Ständig lief die Waschmaschine und ich hab mich sehr geekelt. Später habe ich mir dann auf dem Flohmarkt Krätzmilben eingefangen - das war mindestens genauso lustig. Ich hoffe sehr, dass wir zukünfig von derartigem Besuch verschont bleiben, denn bei meinen langen Haaren war das Auskämmern echt ätzdend. ;-)

    LG, Katja

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    1. Liebe Katja, wir sind noch immer nicht durch mit der Wäsche :(. Und was den Ekel anbelangt... mir geht es nicht anders. Als ich gestern auf die Köpfe geschaut habe, ist mir nochmal ganz anders geworden. Alles voller Lauseier. Mit diesem Bewußtsein, daß man sich mit unzähligen Untermietern aufs Kissen legt... da bekomme ich Gänsehaut am ganzen Körper. Krätzmilben haben sich Bekannte von uns letztes Jahr aus dem Urlaub mitgebracht. Auch ein ganz besonderer Horror. LG.

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  7. Oje, liebes Pünktchen, das hätte ich jetzt lieber nicht gelesen.
    Das liegt gefühlte Jahrhunderte zurück, dass ich von Läusen gehört habe.
    In meiner Klasse stand ein Mädchen mal unter dem Verdacht. Ich weiß nicht mehr, wie es hieß, wohl aber, wie es aussah. Ich bräuchte jetzt sechs Hände zum Kratzen. Nun schaue Ich Fußball. Vielleicht komme ich dabei auf andere Gedanken.
    Einen schönen Abend und viel Erfolg beim Bekämpfen des Ungeziefers.
    Edith

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    1. Oh ja, danke liebe Edith. Ich wünsche mir nur noch, daß wieder alles in normalen Bahnen ablaufen kann, ohne daß man ständig zusammenzuckt, weil sich gerade wieder einer kratzt. Brrr...

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