01 Juni 2016

Probieren geht über studieren

Ich habe es getan. Nachdem ich oft die Begeisterungsausrufe diverser Näherinnen auf verschiedensten Blogs vernahm, wurde ich stutzig. Meine Nähmaschine ist eine sehr robuste Pfaff, die mich seit ca. 18 Jahren begleitet. Sie hat einen sogenannten Overlock-Stich, der bei mir oft zum Einsatz kommt. Den Rand schneide ich nachträglich mit einer scharfen Schere selbst ab. Daher habe ich nie begriffen, wozu man eine teure Investition für eine Overlockmaschine noch zusätzlich machen sollte. Aber die Jubelschreie wurden nicht weniger..., und ich dachte: "Hey, vielleicht merkt man erst, wie toll so eine Maschine ist, wenn man sie ausprobiert - kann ja sein." Also vereinbarte ich einen Termin bei der Nähmaschinenverkaufs-Dame meines Vertrauens. 

Gestern war es dann soweit. Ich nahm ein bereits zugeschnittenes Shirt mit, um es dort zu nähen. Sie fand die Idee sogar gut, als immer nur an irgendwelchen Stoffläppchen zu probieren.

Genäht habe ich an einer Baby Lock Eclipse, deren Kostenpunkt derzeit bei knapp 800,-Euro liegt. 

Um es kurz zu machen: ich bin nicht in Jubelgeschrei verfallen. Es ist nett, daß man das Teil nicht kompliziert einfädeln muß, weil es ein  Jet-Air-Einfädelsystem hat. Es ist nett, daß der Stoffrand zeitgleich abgeschnitten wird, während man näht. Aber alles in allem rechtfertigt es für mich persönlich überhaupt nicht die Anschaffung einer weiteren Maschine. Mir war schnell klar: ich brauche das nicht! Im übrigen war ich an dieser Maschine genau so schnell/langsam bei der Fertigstellung meines Shirts, wie an meiner Pfaff. Also auch kein Zeitvorteil für mich.

Jetzt könnte man natürlich anführen, daß ich noch auf einem relativ niedrigen Niveau nähe, und wenn ich viel und häufig nähen würde, ich das dann doch schätzen würde. Kann sein. Kann aber auch nicht sein. Vielleicht bin und bleibe ich in meinem tiefsten Innern ein Neandertaler, der alles Überflüssige verabscheut. Ich habe auch keine Geschirrspülmaschine und spüle immer von Hand. Geht schnell, gründlich - ohne diese Geräuschkulisse. Ich habe nie so etwas gebraucht, oder gar vermißt. Wenn mal seltenerweise riesige Mengen Abwasch anfallen, gibt es auch meist einige helfende Hände mehr. Ich brauche das nicht, obwohl ich weiß, wie verzweifelt Menschen sein können, wenn es die Geschirrspülmaschine nicht mehr tut.

Versteht mich bitte nicht falsch: ich gönne jedem sein tief empfundenes Glück an seiner Overlockmaschine. Ich habe nichts dergleichen daran gefühlt. Dafür habe ich wieder zu Hause meine alte, zuverlässige Pfaff liebevoll getätschelt.

Kommentare:

  1. Da kann ich jetzt garnicht viel mitreden . Ich hab zwar eine Nähmaschine , aber schon
    Ewigkeiten nicht mehr benutzt . Mein bissl wird per Hand genäht .
    Und somit weiß ich auch immer garnicht , wovon die Näherinnen da reden in all den
    Bezeichnungen .
    Aber ich find es super , wenn jemand seine Geräte zu schätzen weiß , in einer Zeit wo
    es dauernd Neues technisch weiterentwickeltes gibt . Da bin ich auch so . Und das ist
    keine Schande . Und du hast die Maschine auch noch vorher ausprobieren können ,
    um so besser .
    Dem Geschirrspüler war ich bis vor ein paar Jahren auch abgeneigt , wie einer Microwelle .
    Aber dann , hatte jemand abzugeben bzw. der Spüler war dann in der neuen Küche . Und
    siehe da , für besondere Situationen konnte ich solcherlei Gerät doch lieb gewinnen . Aber
    ich würd nicht in Panik verfallen , wenn sie kaputt gehen . Eben Abwaschen hat auch was .
    Sonst alles gut bei dir ? Bei mir war ganz schlimm Knie und ich musste an deinen Post
    dazu denken . Es ging nix mehr , nun ist es langsam rückläufig . Aber ich hab nachwievor
    Bedenken , das ich noch mehr am Knie kaputt mache , wenn ich wie du , nach dem Motto
    " Augen zu und durch " vorgehe . Andererseits bleibt ja nichts anderes .
    Liebe Grüsse zu dir von JANI

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    1. Hallo Jani, Knie schmerzt mal mehr, mal weniger. Laufen und gehen sowie schwimmen ist schlecht, Fahrrad fahren geht. Der Arzt hat mir erklärt, daß ich das Knie bewegen muß. Also tue ich das. Aber nicht auf Biegen und Brechen. LG

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  2. Hallo,
    das ist doch alles subjektiv wie man was betrachtet. Was brauche ich und was brauche ich nicht. Früher hat man seine Wäsche mit der Hand gewaschen heute hat man eine Maschine. Wobei hier ja, die braucht man schon, finde ich. Aber ich brauch -trotz 1 und manchmal auch 2 Personenhaushalt eine Spülmaschine aber sie war in der Küchenplanung mit drin. Genauso wie ich einen guten Herd brauche. Was ich nun wieder nicht brauche, ist ein Wäschetrockner. Meine 1 Personenhaushaltswäsche trocknet alleine in der Luft, weil ich den Platz habe und der Liebste, nun der wäscht seine Wäsche selbst, zuhause.
    Bevor ich mir für einen vierstelligen Beitrag (mit mehreren Zahlen dazwischen) eine Nähmaschine kaufen würde, würde ich mir ein tolles Fahrrad kaufen, das was taugt. Ich käme allerdings nie auf die Idee, das zu zeigen, denn sonst würde es wieder heißen: "die gibt an?" Alles schon dagewesen, es ist halt auch ein Unterschied Wer was macht!

    Zum Nähen, ich habe eine alte Nähmaschine elektrisch vom Otto Versand, die ist uralt und auch sie erfüllt, für das, was ich nähe den Zweck.

    Ich wünsche dir einen wundervollen Mittwoch.
    Eva, die jetzt zum fotomachen geht mit Freundin isch freue mich.

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    1. Ja, jeder bestimmt selbst, was er braucht und was nicht. In unserer Küche gibt es kaum Geräte, aber sehr scharfe Messer und wenige, gute Töpfe ;-)... und einen Krups-Mixer aus den siebziger Jahren in einem fürchterlichen Orange-Ton. Aber das Teil ist unkaputtbar und wird vermutlich noch in weiteren 50 Jahren gut funktionieren. LG

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  3. Eine Geschirrspülmaschine habe ich auch nicht, will auch keine haben.
    Früher, als ich mit Vater und jüngeren Geschwistern einen 7-Personen-Haushalt hatte, hätte sie mir sicher gute Dienste geleistet.
    Nun muß ich gestehen, dass ich seit mindestens 15 Jahren im Besitze einer Overlockmaschine einer Schweizer Firma bin. Sie hat noch nicht das Jet-Air-Einfädelsystem. Aber wenn das Einfädeln geschafft ist, macht die Maschine schon Spaß. Meine Tochter war damals derart begeistert, dass sie auch gleich eine haben mußte. Ich nähe jetzt nicht mehr so viel. Aber beim Kürzen von Hosen leistet sie mir gute Dienste. Nun ist sie da. Sie darf auch bleiben. - Zum Thema 'überflüssig': Ich habe meinen kleinen Flötenwasserkessel mit Kupferboden wieder aus dem Keller nach oben geholt, weil ich die Schn.... voll von Wasserkochern habe, die nach Ablauf der Garantiezeit ihren Geist aufgeben und ganze Müllberge verursachen.
    Ich vermisse nichts.
    Einen schönen Abend und liebe Grüße
    Edith

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    1. Ich bin ganz bei dir: auch ich finde ganz schlimm, daß die meisten Geräte kurz nach Ablauf der Garantiezeit den Geist aufgeben. LG

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  4. Es ist doch schön, wenn man wieder nach Hause zu seiner altbewährten
    Maschine gehen kann. Ich muss auch nicht den letzten Schrei haben. Und in Jubelgeschrei muss man auch nicht ausbrechen. Solange dein gutes Stück noch näht, halte sie in Ehren.
    Einen ruhigen, entspannten Abend wünscht dir
    Irmi

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    1. Ja, für meine Belange ist die gute alte Pfaff mehr als ausreichend. Und ich hoffe, daß sie mir noch viele Jahre treu dienen wird. LG

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  5. Ich habe einmal auf einer Overlook-Maschine genäht und fand das schon toll, aber das mag daran liegen, dass ich gerade mal mit Ach und Krach geradeaus nähen kann.
    Eine Geschirrspülmaschine haben wir übrigens auch nicht.
    Lieben Gruß
    Katala

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    1. Willkommen im Neandertal ;-))

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  6. Ich konnte schon immer gut kopieren, auch an der Nähmaschine: einfach geschnittene Bluse gekauft und als Muster verwendet: aufgetrennt, Arbeitsschritte (in umgekehrter Reihenfolge) gemerkt und drei Blusen danach genäht.
    Die Geschirrspülmaschine kopiere ich auch, das ist sehr einfach und da hilft mein Mann oft aus.
    Meine Schwimu ist begeisterte Overlockerin gewesen und ich bin froh um die Nähmaschine, die ich von ihr geerbt habe. Die Overlockmaschine wollte ich nicht.

    Gruß aus Schweden
    Beate

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    1. Die Maschine ausprobieren zu könen war gut. Es hat mich nur darin bestärkt, daß ich bereits eine sehr gute Nähmaschine habe, die mich ein weiteres Gerät nicht brauchen läßt.

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  7. Haha, Neandertalerin, Du. Ich verstehe Dich soo gut!
    Ich habe meine alte Pfaff, gebraucht gekauft vor 35 Jahren, so lieb, wie ich keine elektronische Over oder Underlook haben könnte. Und sie hat Fußbetrieb, so kann ich auch nähen, wenn mir der Strom abgestellt wird( oder es in der ersten Zeit hier im Landhäuschen noch gar keinen Strom gab) Aber wenn man das Nähen professionell betreibt, ist das Jubeln bestimmt berechtigt.
    Ich sage immer: Man braucht einen Holzofen, einen Brunnen und eine Tretnähmaschine. Dann kann kommen, was will. Ach ja, und einen Kartoffelacker.
    Bei vier Kindern mit Hang zum Freundezumessenmitbringen, der Mutter und dem Gatten und mir täglich dreimal um den Tisch habe ich meine Geschirrspülmaschine allerdings auch lieben gelernt. Und den riesigen Schnellkochtopf. Und sonst finde ich Staubsauger noch sehr praktisch. Aber wie gesagt: Ofen, Tretnähmaschine.....:-)
    Lieben Lisagruß!

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    1. Ich bin froh um jedes Teil, was nicht angeschafft werden muß. Mit den Geräten im Haus sind wir gut versorgt. Wie du weißt, habe ich ja auch noch eine Trittnähmaschine, die ich sehr schätze und liebe.

      Grüße aus dem Neantertal ;-))

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