16 Juni 2016

Neues von der Ekelfront (Post mit Anschauungsmaterial und Kribbelgarantie)

Ich bin müde. Die Läuse machen mich fertig. Der bloße Gedanke an sie macht mich fertig. Warum denkt sich irgendwer überhaupt chemische Kampfstoffe aus: Läuse, Krätzmilben, Filzläuse, Bettwanzen... damit kann man jeden Gegner mühelos in die Knie zwingen - auf natürlichem Wege quasi. 

Heute morgen um 3.30 Uhr - ich schlage plötzlich die Augen auf. Irgendwie juckt es am Haaransatz im Genick. Mit einem Schlag hellwach, das Herz schlägt mir bis zum Halse, ertrage ich es nicht mehr, liegen zu bleiben. Der Juckreiz wird sekündlich immer schlimmer, so daß ich beschließe mir die Haare mit einer Spülung plus Läusekamm auszukämmen. Ich mache sozusagen die Probe, streife den Läusekamm am Zewa ab, sehe aber so gut wie nichts. Ich kämme und rupfe an meinen Haaren - bin da nicht so zimperlich. Hmm, offensichtlich spielen meine Nerven verrückt. Bilde ich mir den Juckreiz vielleicht nur ein?! Jetzt, wo ich schon auf den Beinen bin, kann ich ja direkt die nächste Waschmaschine befüllen. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, bei der wievielten Füllung wir sind. (Dafür habe ich heute eine erneut beeindruckende Menge Waschmittel nach Hause gefahren). 

Irgendwann wird der Kleine irritiert wach: "Mama, haben wir verschlafen??" (Eh... Nein! Es ist noch nicht einmal fünf Uhr). Ich mache schon mal Frühstück, schlafen kann ich jetzt beim besten Willen nicht mehr. Meine geschundenen Nerven brauchen jetzt eine süße Dröhnung: ich trinke einen Cappucchino. Die Kinder sind irgendwann aus dem Haus, und ich stelle mit Erleichterung fest, daß der Hauptwäscheberg nun abgearbeitet ist. Jetzt kommt nur die tägliche Menge  mit der Gebrauchswäsche dran - was auch nicht wenig ist.
 
Gegen Mittag trudeln die Kinder wieder aus den Schulen ein. Mein erster Blick geht auf die Köpfe: bei dem einen kann ich so gut wie nichts ausmachen, beim anderen... Völkervereinigung :(. Soooooo ekelhaft ist das, daß ich mich arg zusammen reißen muß, um nicht undefinierbare Ekellaute von mir zu geben. 

 Nissen (nicht zu verwechseln mit Schuppen) sind ovale, transparent bis bräunliche Eier, die die Läuse an eine Seite eines Haares kleben (siehe Foto). Sie sind gerade so groß, um mit bloßem Auge erkannt zu werden.

Die Fachfrau vom Amt für Gesundheit ruft zurück: ich schütte ihr mein Herz aus. Der psychologische Effekt ist erst mal positiv. (Wenn das so weiter geht, gehen wir bestimmt demnächst zusammen einen Kaffee trinken). Nein, ich möchte mir vor lauter Entsetzen nicht mehr sofort eine Glatze rasieren, während am anderen Ende immer wieder dezente Gluckslaute zu hören sind. Mir wäre auch zum Lachen zumute, würde sich diese Naturkatastrophe nicht gerade auf unseren Köpfen abspielen. Läuse sind elende Mistviecher! 

Mein Mann, den ich selten so erleichtert nach dem Wochenende das Haus habe verlassen sehen ("Die Ratten verlassen das sinkende Schiff") erkundigt sich telefonisch, ob jetzt alles wieder gut sei. ??? Ich habe leise Zweifel, ob wir ihn in diesem Monat noch zu Gesicht bekommen werden.  

Frau H. vom Amt ermutigt mich am Ball zu bleiben und weiterhin die Kontrollmethode anzuwenden. "Einpaar Wochen noch... dann haben Sie alles überstanden!" Hä??? Wie... Wochen?? Ich dachte nach der Zweitbehandlung wäre spätestens alles wieder gut. Kontrolliert werden muß über Wochen. Habe ich eine andere Wahl?... 

Heute morgen, also mitten in der Nacht, habe ich gegoogelt, was andere Verzweifelte so tun, um diese Parasiten loszuwerden. Zu den Top-Ten gehören:

  • Heiß duschen oder sehr heiß fönen
  • Zur Abschreckung Teebaumöl in die Haare schmieren - gerne auch andere ätherische Öle wie Lavendel (gut  für und gegen ALLES).
  • Die Haare in Olivenöl ertränken, damit die Läuse ersticken. 

  • Mayonnaise - ebenfalls zum Ersticken der Läuse gedacht. Bäh!
  •  Weidenrinden-Sud als vorbeugende Maßnahme
  • Essig
  • Neembaumöl
  • Sich, falls vorhanden, unter die Trockenhaube setzen
      Und dann lese ich noch: 

  • Weder sehr heißer Föhn (gefährlich für die Kopfhaut) noch die Sauna helfen gegen Läuse. (Schade aber auch!!!).
  • Sehr gut und ganz einfach selbst herzustellen ist folgendes Hausmittel: Nehmen Sie einen halben Liter Milch, zwei Flaschen Bier, drei Eier, zwei Esslöffel Essig und den Saft von zwei Zitronen. Alles gut mischen und auf dem Kopf verteilen. Guten Appetit! Die Mischung eine halbe Stunde einwirken lassen und danach gut ausspülen. - Ich fürchte, das nützt auch nix.


Ich gebe zu, ich habe zu meiner täglichen Kontrollmethode die Haare mit dem guten Olivenöl überschüttet und danach alles seeeehr heiß ausgewaschen - ohne nennenswerten Erfolg - bis auf das nachlassende Dampfen und Brennen der Kopfhaut. Ich berichte Frau H. von den Hausmittelchen und sehe bzw. höre sie insgeheim  glucksend und mahnend den Kopf schütteln. "Bitte tun Sie das nicht! Schonen Sie ihre Kopfhaut, die muß nämlich noch einiges aushalten. Wenden Sie kontinuierlich die Kontrollmethode an!" 

Ich habs geahnt.

Aber eine Sache habe ich dann doch noch ausprobiert: ich habe das Glätteisen rausgeholt und dem Sohn damit Strähne für Strähne die unzähligen Lauseier gegaart. Wenn die theoretisch bei einer 60°-Wäsche den Geist aufgeben, dann war das ein fulminanter Abgang, den ich den meisten von ihnen bereitet haben dürfte (hoffe ich zumindest). Igitt!!!

Ob diese Methode mehr von Erfolg gekrönt war, als die Salat-Öl-Methode, erfahrt ihr demnächst auf diesem Kanal ;-)... Ich höre Frau H. bei unserem nächsten Telefonat schon dezent am anderen Ende der Leitung glucksen und mir mahnend ins Gewissen reden. Ach ja, was soll ich dazu sagen: Das sind halt Verzweiflungstaten.

Und hier noch etwas für die Allgemeinbildung (soll ja keiner behaupten, hier auf Papatyam würde man nix lernen): Wußtet ihr, daß  Nissenkamm im Volksmund  „Läusehechel“ genannt wird?! Wieder etwas dazu gelernt...

Juck juck, kratz kratz... bei euch auch?

Habt ihr noch fantastische, bisher als großes Familiengeheimnis gehütete Entlausungsmethoden, die nirgends im Internet zu finden sind? Her damit!!! Im Dienste der Wissenschaft und der Menschheit opfern wir uns im Selbstversuch. Wer weiß, vielleicht fallen uns die leeren Nissenhüllen von den Haaren, Herr Pü kommt frohlockend  aus der fernen Großstadt wieder gen Heimat gefahren, alle fallen sich lausfrei, erleichtert und glücklich um den Hals..., und wenn sie nicht gestorben sind... 

Im Zweifelsfalle hat Frau H. wieder etwas zu lachen - für so Leute vom Amt ist Erheiterung auch mal ganz nett.

Kommentare:

  1. Oh ja, beim Lesen Deines ersten Postings hat es mir schlagartig auf der Kopfhaut gejuckt... ehrlich gesagte, gerade eben wieder...

    Genau wie Du hatte ich beim ersten Mal eine Unmenge an WaMa-Ladungen... beim 4. Läuseanfall innerhalb eines Jahres wird man aber entspannter...

    Meinem Sohn habe ich die Haare kurzerhand mit der Maschine geschnitten... mein Mann trägt auch 3 mm, daher für ihn auch kein Problem... meiner Tochter aber mit taillenlangen Haaren konnte ich so nicht kommen... und ehrlich gesagt, habe ich da zur Keule gegriffen... weil, wie Du schon richtig bemerkst... mit dem Nissenkamm und Spülung wochenlang zu hantieren kam nicht in Frage...

    Da gibt es so ein paar Mittelchen beim Apotheker... und aus aus die Laus...

    Glücklicherweise hat es in der weiterführenden Schule abgenommen... war irgendwie ein Grundschulphänomen...

    Ich bleibe mal hier... auch wenn es heißt, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen... so ist es doch sehr "amüsant" zu lesen... und ich bin gespannt, wie es bei Euch weitergeht...

    LG Andrea, die sich schon wieder kratzt...

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    1. 4. Läusebefall innerhalb eines Jahres... Liebe Andrea, sag doch bitte sowas nicht! Das mit der Wäsche habe nicht ich mir ausgedacht, ich gehe strikt nach den Vorgaben des Gesundheitsamtes vor. Komplett Haare zu lassen ist für mich absolut kein unwiederbringlicher Verlust - wächst ja wieder nach. Der Sohn hat eine ganz gepflegte Matte - dem kann ich das nicht antun, hat er diese doch ausdauernd wachsen lassen. Tja, hier ist es leider nicht nur ein Grundschulphänomen. Auf dem Gymnasium grassieren die Läuse zur Zeit wie die Pest. Mittlerweise sind schon mehrere Klassen betroffen, und in der Klasse des Sohnes, tragen nach und nach die Mitschüler 3mm-Haarschnitte. Heute ists bei mir wieder ganz schlimm mit Kratzen bei dem Gedanken an Läuse usw. Morgen erfolgt die zweite Etappe der Behandlung - ich kann es kaum erwarten. Daumen drücken!

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  2. Das ist ja ganz fürchterlich. Ich kann nachfühlen, wie dir zumute
    ist. Es dürfte eigentlich gar nicht mehr vorkommen. Aber im Kindergarten oder in der Grundschule kommt es immer wieder vor. Ich habe unlängst gelesen, dass auch zu große Reinlichkeit ein guter Nährboden ist.
    Es fehlen die natürlichen Abwehrkräfte gegen diese fürchterlichen Krabbeltiere.
    Ich wünsche dir von Herzen, dass du diese Dinger bald los bist.
    Einen schönen Resttag wünscht dir
    Irmi

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    1. Ein zweites mal mache ich das nicht mit: da erfolgt die Kojak-Methode. Das einfachste und sicherste überhaupt.

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    2. Noch in unserer Vätergeneration hat man das ja - zumindest bei der männlichen Jugend auf dem Lande - genau so gemacht: nämlich mit Kahlschlag, regelmäßig. Ich stell mir gerade so eine heutige Schulklasse mit lauter coolen Jungs vor, alle mit Glatze... ;-)

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  3. O du liebes geplagtes Pünktchen!! (Wenigstens den Galgenhumor hast du nicht verloren...) - nein, mich krabbelt und juckt es jetzt nicht, obwohl ich die Viecher ja auch schon selber hatte. Ich glaub, ich hab bei solchen Sachen ein relativ dickes Fell. Ich kann mich auch an keine große Panik erinnern damals in Schweden. Ich glaube ich hab nicht extra alle Kleider gewaschen, nur die Hauswirtin gebeten, die Bettwäsche bitte mit 60° zu waschen (das war so eine BW/Synthetik-Wäsche, die sie immer nur mit 40° gewaschen hat, daher kam der ganze Schlamassel). Unsere Friseurin hat die restlichen Nissen mit dem Messer strähnchenweise vorsichtig abgekratzt, aber bei solchen Mengen wie auf dem Bild ist das wohl illusorisch, da wirst du weiter kontroll- und shampoonieren müssen.
    Zur Bügelmethode fällt mir Wilhelm Busch ein (die Sache mit dem Schneider Böck): "Hoch ist da Frau Böck zu preisen, denn ein heißes Bügeleisen, auf den (jetzt wirds frei) Kinderkopf gebracht, hat es wieder gut gemacht!"
    Liebe Grüße, lass dich nicht verrückt machen, es geht vorbei!
    Brigitte

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    1. Ja, ich weiß - Glätteisen ist nicht ganz dasselbe. Aber nun würde mich interessieren, ob das Brutzeln was gebracht hat? :-)

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    2. Ich kann es dir leider nicht beantworten. Die nissen kleben ja nach wie vor bombenfest an den Haaren, sehen weißlich aus wie auch zuvor - sind sie tot, oder leben sie noch? Keine Ahnung! Vermutlich müßte man sich das mal unter dem Mikroskop ansehen. Habe leider keines. Ich könnte mir schon vorstellen, daß das Glätteisen was gebracht hat, möchte diese Methode aber als verantwortungsbewußter Mensch nicht empfehlen. Man kommt nur bis auf einen cm an den Haaransatz ran, ohne jemanden zu verbrennen. Da sind also auf jeden Fall noch Nissen, die nichts davon abkriegen. Der psychologische Effekt für Hysteriker ist aber gut: man hat das Gefühl, nicht mit tausenden von Nissen ins Bett zu gehen, sondern vielleicht noch mit dreißig. Und die machen wir hoffentlich morgen platt.

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  4. Vielen Dank, mich juckts jetzt auch *lach* - herrje, Du Arme! Tipps habe ich leider keine - bzw. Gottseidank, wir sind nämlich von Läusen verschont geblieben :-)
    Glätteisen hört sich aber sehr effektiv an, würde ich auch machen. Liebe Grüße! Petra

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    1. Aber bitte nie nur darauf verlassen. An dem regulären Programm kommt man nicht vorbei, wenn man die Biester endgültig loswerden will. Und auf Olivenöl würde ich mich auch nicht verlassen - ist aber sicherlich gut für die Kopfhaut ;-)

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  5. moin,
    da fährst du aber ein ziemliches brett auf. aber eine lücke bleibt, die mich sehrsehr wundert. als sonderschullehrerin bin ich ja so ungefähr täglich dem "infektionsherd" ausgesetzt. allerdings gibt es in hamburg die regel, dass befallene kids sich erst wieder vom arzt läusefrei schreiben lassen müssen, bevor sie wieder in die schule kommen dürfen. aus nrw kannte ich das auch so. wenn du deine lausefreien kids wieder in die schule schickst, aber da laufen noch kopfläuse rum, dann ist das natürlich ein teufelskreis. da muss eigentlich das gesundheitsamt eine ansage an die schulleitung machen und die muss darauf achten, dass diese regeln eingehalten werden. ich wusste nicht, dass das von bundesland zu bundesland verschieden ist.
    an meiner alten brennpunktschule hatten wir sogar mal krätze. ungefähr einmal im monat einen kopflausfall. bei meinen damaligen kolleginnen war haare färben (natürlich nicht naturhenna) und haarspray der geheimtip. vor allem chemische haarfarben schützen vor befall. also laut hausmitteltipps der kolleginnen. war wohl das best frisierteste kollegium in dem ich je gearbeitet habe. ist natürlich nicht jedermenschs sache.... stofftiere und co. können auch eingefroren werden. bettwäsche und co 14 tage in einen plastiksack, dicht verpacken, stehen lassen. länger überleben die viecher ohne futter nicht.
    und bei sowas hört mein veganismus auch echt auf *lach*
    alles gute und starke nerven!
    jule*

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    1. In der Tat ist das von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Die Aussage einer Lehrein war: "Wenn sie heute erstbehandelt haben, erwarte ich das Kind morgen wieder in der Schule!", stellte sich leider als FALSCH heraus. Richtig wäre gewesen: 1. Behandlungstag bleibt das Kind zu Hause. Zweiter Tag auch noch. Erst am dritten Tag sind Kontakte, Kiga- und Schulbesuch auch ohne ärztliches Attest wieder erlaubt. Zu Frau H. vom Amt meinte ich nur lachend, sie sollte unsere Gespräche doch mal zum Anlaß nehmen, um bei den Kollegen der besagten Schule wissensmäßig "nachzujustieren" ;-). Das Gymnasium hatte die Läusefälle ordnungsgemäß weitergeleitet, die Grundschule nicht - hat sich zufällig durch unser Gespräch heraus gestellt. Da wo Menschen sind passieren eben Fehler.
      Auch ich habe ein Vierteljahrhundert in einem "Seuchenherd" gearbeitet und bin nie irgendwelchen Läusen zum Opfer gefallen. Von sehr viel aufgetragenem Haarspray habe ich als vorbeugende Maßnahme damals auch immer wieder gehört, es aber nie angewendet. Glücklicherweise gibt es hier keine Kuscheltier-Herden. Alles sehr überschaubar - paßt in einen Müllsack. Ja, die straken Nerven, die kann ich echt gebrauchen.

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  6. Ich kann jetzt gar nichts dazu schreiben, es beisst mich auch ....
    hab das alles schon mehrmals erlebt, ich bin so froh, dass Du Deinen Humor trotzdem noch hast!

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