02 Juni 2016

Auf den ersten Blick

Seit zweieinhalb Jahren haben wir nun ein Haustier. Kater Mautz ist auf seltsamen Wegen bei uns gelandet, und obwohl ich von mir aus nie auf den Gedanken gekommen wäre, je wieder ein Haustier haben zu wollen, möchten wir ihn nicht mehr missen. Er ist ein Mitglied unserer Familie geworden, und wir lieben ihn alle sehr.

Im Gegensatz zu mir ist mein Mann mit Hunden und Katzen groß geworden. Da eine der Leidenschaften meiner Schwiegermutter Hunde waren, wuchsen er und seine zahlreichen Geschwister mit Sloughis, Salukis, afghanischen Windhunden, Barsois und Azawakhs auf.

Eine traumatische Erfahrung mit einem kranken Hund in meiner frühen Kindheit und einem langen Krankenhausaufenthalt führte dazu, daß ich, wann immer ich Hunden begegnete, einen großen Bogen um sie machte.

Nur ein einziges Mal... da war es um mich geschehen. Im Jahre 2008, als die Jungs und ich eine viermonatige Rundreise mit dem Bus meines Vaters durch die Türkei machten, da gab  es eine beeindruckende Begegnung.  

Als ich ihn sah, wankte der Boden unter mir, und ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper. Wie elektrisiert starrte ich ihn an. Aus einem wunderschönen Gesicht blickten mich beeindruckende Augen an. Alles um mich herum verschwamm und mir war, als würde ich schweben. Diese Augen, sie sahen mich nicht bloß nur an, sie erkannten und erfaßten mein ganzes Wesen - so kam es mir vor. Ein Glücksgefühl durchflutete meinen  Körper und meine Seele. Der große Hund, eher ein Löwe mit Riesentatzen, ließ sich wie selbstverständlich neben mir nieder, und ich kraulte ihn ohne jegliche Bedenken. Das war ein Kangal, ein türkischer Hirtenhund, der gerade frisch Papa geworden war. Er sorgte mit dem Schäfer dafür, daß die Schafsherde mit vierhundert Tieren ordentlich geführt wurde und beisammen blieb. Ein wunderschönes, imposantes Tier mit einer unglaublichen Präsenz. Es war eindeutig um mich geschehen. Ich hatte mich in diesen Hund verliebt. Dieser Zauber blieb weder meinem Vater, noch dem Schäfer verborgen. Der Schäfer bot mir an, seine Welpen anzuschauen. Mein Vater warnte mich eher und sagte: "Wenn du die siehst, wirst du mit Sicherheit einen mitnehmen wollen. Das sind tolle Hunde, aber laß es lieber. Du hast noch sehr kleine Kinder und bist gut beschäftigt. So ein Hund braucht viel Aufmerksamkeit." Schweren Herzens hörte ich auf meinen Papa und schaute mir die Welpen erst garnicht an. Diese Begegnung vor acht Jahren werde ich nicht vergessen, so lange ich lebe. Ich habe immer mal wieder nach Kangals Ausschau gehalten, aber so ein hübsches Prachtexemplar in den schönsten Milchkaffeefarben habe ich auch nie wieder gesehen. Dabei ist es dann geblieben. Ach und übrigens... den hier, den finde ich auch zum Dahinschmelzen... Der ist doch zum Klauen, oder?!

Inzwischen sind Jahre vergangen. Mein Mann ist ein geschickter, kluger Kopf.  Er hat mir in Abständen immer mal wieder ganz zwanglos Bilder von irgendwelchen Hunden geschickt. So etwas arbeitet natürlich in einem. Aber trotz Begeisterung hatte ich auch immer wieder Bedenken: Wie groß und schwer wird so ein Hund? Was für ein Temperament hat er? Was braucht er, und können wir ihm das geben? Was ist mit Kater Mautz? Er war zuerst da und soll sich natürlich auch weiterhin bei uns wohl fühlen... Gedanken über Gedanken... schon seit Jahren. Letztlich haben wir uns darauf geeinigt, daß es, bis wir meinen Papa in der Türkei besucht haben, keinen Hund geben wird. Bestenfalls irgendwann danach. Was dafür spricht ist, daß ich aufgrund hormoneller Veränderungen schon seit längerem eine ungekannte Trägheit an mir wahrnehme, die ich ganz fürchterlich finde. Ich, die ich mein ganzes Leben lang immer extrem viel Sport gemacht habe, benötige größte Disziplin, um nicht zu einem Couch-Potato zu verkommen. Ein Hund würde dieser Trägheit natürlich entgegenwirken: ich hätte quasi einen Personal Trainer, der mich zwingen würde, diese Trägheit zu überwinden. Seit Jahren surfe ich im Internet, ich unterhalte mich viel mit Hundebesitzern. Meist fange ich bei kleineren Hunden wie Havanesern an, und lande immer bei den Arbeits- und Hütehunden. Den Berner Sennenhund finde ich neben so vielen anderen auch toll. Und dann begrabe ich wieder meine Illusionen, weil ich sehe, wie groß so ein Hund  wird und wie krankheitsanfällig sie sein können. Ob es je einen Hund in unserem Hause geben wird, ich kann diese Frage ehrlichgesagt nicht mit Bestimmtheit beantworten. Solche "Anschaffungen" brauchen viel Verantwortung, denn man geht eine jahrelange Verpflichtung für ein Lebewesen ein.

Wir dürfen gespannt sein. Und bis dahin gehe ich ab und an mit Mogli, einem Border Collie-, Golden Retriever- und Labrador-Mischling, der heute genau 15 Wochen alt ist. Gestern Abend waren wir zum ersten Mal zusammen unterwegs ;-).

 

 

 

 

 


 

 

 

Kommentare:

  1. Ein schöner Bericht, so schöne Fotos ... ich ahne schon, was da irgendwann kommt :-)
    Wenn wir keinen Hund hätten würde ich nach dem lesen von Deinem Post auch drüber nachdenken, zumal auch bei uns der Ehemann immer mit Hunden lebte.
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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    1. Ja, könnte man meinen, aber das heißt noch lange nix. Mit unserem Kater haben wir ja eigentlich schon einen "Hund". Katzen sind im Gegensatz zu Hunden ja extrem pflegeleicht, da selbständig. Mal sehen, wohin die Reise geht...LG

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  2. Als Personal Trainer natürlich umwerfend so ein schöner Hund ;-). Ich hatte einen, eigentlich hatte ihn mein Sohn..., aber der Hund blieb, als der Sohn nach Berlin zog. Mich hält die Abhängigkeit, in die man sich begibt, davon ab, es noch einmal zu versuchen... Und glücklicherweise treibt es mich auch ohne Hund immer noch raus ;-) Lieben Gruß Ghislana

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    2. Ganz auf dem Sofa erstarrt bin ich noch nicht, aber im Gegensatz zu vor wenigen Jahren... hat meine Bewegungsfreude spürbar nachgelassen. Und die Abhängigkeit besteht so oder so noch mindestens ein Jahrzehnt, weil wir noch verhältnismäßig junge Kinder haben. Da wäre die Anschaffung eines Hundes eher jetzt als später angebracht. Aber wie gesagt: noch sind die Würfel nicht gefallen. Ich muß mir da schon sehr sicher sein. Letztlich werde ich die Hauptverantwortliche für das Tier sein. Und "Dog-sharing" gefällt mir momentan ganz gut ;-) LG

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  3. Ach Pünktchen,
    es kommt wie es kommen muss.
    Wer so schwärmt, möchte doch einen
    solch treuen Hausgenossen.
    Ein wunderschöner Post.
    Einen wunderschönen Abend wünscht dir
    Irmi

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    1. Der Kangal damals... der wäre es gewesen. Zumindest rein theoretisch. Aber es gibt doch eine Menge mehr zu bedenken und zu beachten, bevor man sich einen Hund ins Haus holt. Wer weiß, was das Leben noch so für uns bereits hält. Wenn ich bedenke, wie wir zu umserem herzallerliebsten Kater gekommen sind... Vielleicht kommen wir auch so auf absurdesten Wegen zu einem Hund...

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  4. Ach PÜnktchen,
    hier noch einmal - alles war weg.
    Wer so von einem Hund schwärt, der
    wird auch bald einen haben. Es kommt,
    wie es kommen muss.
    Ein wunderschöner Post.
    Einen wunderschönen Abend wünscht dir
    Irmi

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  5. Es kommt wie es kommen soll , da schließ ich mich Irmtraud an .
    Irgendeine Fügung und ihr habt einen Hund .
    Ich kenn das , da hängen so viel Überlegungen dran , ist eben auch
    jahrelange Verantwortung , wenn ein Tier zur Familie gehört .
    Mir geht es so mit einer weiteren Katze . Seit meine Pinky Tod ist ,
    bin ich am Grübeln , aber man ist eben auch sehr gebunden mit Tier .
    Na ich bin ja gespannt , aber wenn ich deine Zeilen so lese , bist du
    nicht mehr weit weg vom eigenen Hund .
    Schönes WE und liebe Grüße von JANI

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  6. Ich ringe auch oft mit mir, denn eigentlich mag ich die Vorstellung einen Hund zu haben. Aber mitten in der Stadt und einer kleinen Wohnung? Und dann ist da noch der Geruch, den ich ziemlich unangenehm finde. Seit mir jemand erzählt hat dass Windhunde nicht riechen, drängelt sich dieser Gedanke allerdings immer wieder mal in mein Gehirn.Allerdings wird er dort bleiben, bis sich usnere Wohnsituation geändert hat.
    Ein Herdenschutzhund muss es für mich zum Glück jedoch nicht gleich sein, die sind ohne wirkliche Aufgabe wohl nicht wirklich einfache Hunde. Vor ein paar Jahren habe ich mich in einem Museum in ein blondes Salukimädchen verliebt, das dort völlig souverän zwischen allen Menschen in der Mitte des Raumes saß und auf sein Frauchen wartete, die sich die Ausstellung ansah...
    Irgendwann. ;-)
    Herzlich, Katja

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