07 März 2016

Au revoir


Es ist mal wieder so weit: Sohn1 fährt auf Klassenfahrt. Dieses Mal für eine ganze Woche. Mein Mann und der kleine Bruder kommen mit. Wir möchten ihn alle zusammen verabschieden. Gestern haben wir gemeinsam seine Tasche gepackt. Während wir uns schnell einig wurden, daß sein Handy bitte zu Hause zu bleiben und auf der Klassenfahrt nichts verloren hat, wurden noch unter den Eltern bis kurz vor Abfahrt Glaubenskriege diesbezüglich ausgeführt. 

Eine Klassenfahrt ist kein Urlaub. Das Ganze hat einen pädagogischen Zweck. Auf der Stärkung der Klassengemeinschaft, aber auch der Selbst- und Sozialkompetenz liegt das Augenmerk. Wenn da jeder an seinem Handy hängt, passiert nicht mehr viel miteinander. Trotz aller Diskussionen im Vorfeld hat nun die eine Hälfte der Kinder sein Handy mit, die andere nicht. Der Klassenlehrer hat sich vorbehalten, diese einzukassieren, wenn diese dem Ziel der Gemeinschaft im Wege stehen sollten.

Der Sohn hat einen tollen und äußerst kompetenten Klassenlehrer. Ein alter, erfahrener Hase ist er, dessen letzte Klasse nun die meines Sohnes ist. Der weiß genau, wie er diese wilde Meute zu führen hat. Respekt Herr H.! In Ihrer Haut wollte ich, weiß Gott, nicht stecken.

Während ich mich im Hintergrund halte, kommt der Sohn noch einmal zurück gelaufen und umarmt mich - mit Kuss. Erwartet hatte ich das nicht, aber gefreut hat es mich umso mehr. Hach... Das jüngste Kind freut sich: "Mami, eine Woche kein Geschwisterstreit!", sagt es lachend zu mir. "Irgendwie ist das aber auch schon komisch allein... Machen wir es uns schön?" 

Na klar, tun wir das! 

Und was macht ihr? Und vor allem: Wie hättet ihr entschieden? Handy ja, oder nein?

Habt eine gute Woche - und macht es euch schön, ja?!

Kommentare:

  1. Ich bewundere den Kollegen... Meine letzte Klassenfahrt liegt nun schon 9 Jahre zurück und heim gekommen bin ich um Jahre gealtert ( so die Bemerkungen wohlmeinender Eltern beim Abholen ). Das Handyproblem gab es da noch gar nicht in der Grundschule ( prinzipielles Verbot ).
    Wenn auf einer solchen Fahrt nicht Gemeinschaft stattfindet, dann halte ich das Ganze sowieso für überflüssig. Warum soll ein Lehrer 24 Stunden arbeiten, dafür auch noch selber bezahlen, wenn es nur eine elternfreie Urlaubszeit für die Schüler bedeutet?
    Du siehst, ich habe in dieser Hinsicht noch vielen unbearbeiteten Groll in meinem Herzen...
    Dir und Sohn 2 wünsche ich eine schöne Zweisamkeit.
    Herzlichst
    Astrid

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    1. Ich erinnere mich noch gut an den Gesichtsausdruck von meinen damaligen Lehrern, die mit uns 16jährigen auf Klassenfahrt gingen, als eine Mutter ihnen zum Abschied: "Schönen Urlaub!", zurief. Der Beruf des Lehrers fordert einem viel ab. Mich wundert es garnicht, wenn viele in diesem Berufsstand irgendwann einfach nicht mehr können.
      Liebe Grüße.

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  2. Mein Enkel ist 4 1/2 Jahre alt. Vielleicht wird das Thema Schule noch einmal akut. Ansonsten bin ich froh, dass ich damit nichts mehr zu tun habe. Ich habe Schule geliebt! Bei meinen Kindern hatte ich leider das Gefühl, dass die (meisten) Lehrer den Beruf nur wegen der vielen Ferien gewählt hatten. Der Klassenlehrer Deines Sohnes macht mir Hoffnung. - Es rührt mich sehr, dass Sohn 1 noch einmal zurückgekommen ist für eine Umarmung und ein Küßchen. Ich finde, dass aus diesem Gänseblümchen ein selbstbewußter Junge geworden ist, wenn er zu diesem Abschied vor seiner Klasse steht. Bravo! Spätestens in diesem Moment hätte ich ihn gedrückt und ihm das Handy in seine Jackentasche gesteckt. Liebe Grüße Edith

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    1. Liebe Edith, das Gerücht, daß Lehrer so viel Freizeit hätten, hält sich hartnäckig. Der erteilte Unterricht macht ja nur in etwa die Hälfte der anfallenden Lehrertätigkeiten aus. In der anderen Hälfte gilt es, sich der Unterrichtsvorbereitung zu widmen. Korrekturen von Klassenarbeiten, Besprechungen mit Kollegen, Eltern, Schülern und außerschulischen Repräsentanten, Konferenzen, Schülerexkursionen (auch unter Einbeziehung von Wochenenden und Ferien), alle diese Dinge gehören mit zum Lehreralltag. Ein straffes Programm, wie ich finde. In allen Ferien, bis auf die Sommerferien, haben Lehrer mit Korrekturen zu tun. Freizeit geht für mich anders. Der Lehrerberuf gehört zu den nervlich aufreibendsten Berufen überhaupt. Lehrer gehören zu den Berufsgruppen, die hohe Raten an Frühpensionierungen ausweisen. Der Grund dafür ist, dass viele Lehrerinnen und Lehrer nach dreißig Berufsjahren am Ende ihres sechsten Lebensjahrzehnts erschöpft und krank sind. Mich wundert das überhaupt nicht. Man muß schon ein Idealist sein, um diesen Beruf auszuüben. Sicherlich gibt es sehr sehr gute Lehrer, so wie es auch welche gibt, die eher weniger geeignet für diesen Beruf sind. Meine persönlichen Erfahrungen waren, bis auf zwei Ausnahmen, sehr gut. Mein kleiner Sohn sagte übrigens am Anfang seiner Grundschulzeit, daß er Lehrer werden wollte. Nun, in der 3. Klasse, hat er mir mitgeteilt, daß er das doch zu anstrengend findet. Er müßte dann ja dauernd Arbeiten korrigieren. Und so viele (O-Ton) "verrückte, und schlecht erzogene Kinder" unterrichten.

      Während andere Kinder in dem Alter sich öffentlich gar nicht mehr in den Arm, geschweige denn küssen lassen lassen, ist unser Sohn immer die Ausnahme gewesen. Ihm scheint das nicht im Geringsten unangenehm zu sein. Wir erfreuen uns an diesem Umstand, wenn auch wir das in der Öffentlichkeit nicht einfordern ;-).

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  3. Handy bleibt zu Hause, ist doch klar. Bei uns an der Schule jedenfalls. Wenn es irgendeinen wichtigen Grund gibt "nach Hause zu telefonieren", dann gibt es genug Möglichkeiten. Bisher war es so. Ich hörte gerade, dass bei einer zukünftigen Klassenfahrt das Hy für die Busfahrt erlaubt sein soll. Danach wird wohl eingesammelt. Wobei ich das nicht gut finde. Denn auch im Bus fängt Gemeinschaft an. Fragt sich, wer die erste Langeweile ohne Hy nicht gut aushalten kann? Wobei bei einem Kind sogar eine Frankreichfahrt mit dem Bus ohne Hy ging. Trotzdem: Hut ab vor allen Lehrern, was sie leisten.

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    1. Ich war in unserem Fall so verwundert. Wenn der Klassenlehrer im Vorfeld darum bittet, daß der ganze Handykram, so wie alle elektronischen Dinge zu Hause bleiben, es ein Münztelefon vor Ort gibt, man in dringenden Fällen eh angerufen wird... dann verstehe ich so ein Resultat nicht. Und ja, ich gebe dir recht, die Gemeinschaft beginnt bereits im Bus.

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  4. Ich weiß nicht, ob man das heute noch durchsetzen könnte. Ich habe da die letzte Klassenfahrt, die ich gemacht habe, in sehr schlechter Erinnerung, eben wegen der Handys. Die Schüler hatten Streit und riefen flugs ihre Mütter an, die dann kräftig mitzankten, anstatt die Lehrer die Konflikte in Ruhe regeln zu lassen, zusammen mit den betroffenen Schülern.
    LG, Ingrid
    P.S. Danke für deinen Kommentar bei mir.

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    1. Genau: im Vordergrund kabbeln sich die Kids, im Hintergrund die Mütter. Und wenn nichts mehr geht und alles total verworren ist, darf es dann gerne der Klassenlehrer richten. Manchmal wünscht man sich einen großen Sack...

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  5. Ja, mein Sohn ist Lehrer und leider wird der Lehrerberuf immer mit
    "schöner Urlaub" verglichen. Mein Sohn sitzt am Wochenende da und korrigiert Arbeiten. Ausserdem ist er noch Administrator an seiner Schule und da geht manche Freizeit drauf. Nicht zu vergessen die Elternabende, die eben auch Überstunden sind, die aber nicht berechnet werden. Das gehört eben dazu.

    Zum Handyproblem, mein Sohn hält es genauso. Er kassiert die Handys, wenn es nötig ist. Im Unterricht gibt es das nicht. Aber manche Kinder fühlen sich schon nackt, wenn sie das Teil nicht haben.

    Ich hätte ihm das Handy mitgegeben. Obwohl wir früher auf Klassenfahrten uns ein Telefon suchen mußten, weil es die Handys nicht habe.

    Mein Sohn ist Lehrer an einem Gymnasium im Rems-Murr-Kreis. Unterrichtet aber die etwas größeren Kinder.
    :-))

    Einfach, also ich wollte kein Lehrer sein, trotz sooooo toller Pension?????? und dem Gehalt.

    Lieben Gruß Eva

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    1. Liebe danke auch für deine Meinung!

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