22 Februar 2016

Vorhin

Vorhin war ich einkaufen. Das übliche Tagesgeschäft, und doch war ich mit meinen Gedanken bei ganz anderen Dingen. Die jüngsten Ereignisse haben mich so betroffen gemacht. Mein Herz blutet. Wieder einmal. Sprachlosigkeit im ersten Moment. Urplötzlich habe ich angefangen zu weinen. Nicht genug damit damit, habe ich mich vor allen Leuten auf einem Parkplatz übergeben müssen. Manchmal ist es einfach mehr als ich ertragen kann, was da passiert. Ja, es sind im Verhältnis meist Minderheiten, die Schreckliches tun, und so vielen unschuldigen Menschen furchtbar zusetzen, ganze Nationen in Verruf bringen. Seien es die Vorfälle der Silvesternacht, seien es die rechtsradikalen Ausschreitungen, die Brandanschläge mit johlenden Massen. Oft genug habe ich gedacht, daß die armen Menschen, die hier Zuflucht suchen, und unmittelbar den Haßtiraden ausgesetzt sind, vom Regen in die Traufe gekommen zu sein scheinen. Auf der einen Seite dem Krieg entkommen, um in einem ganz anderen anzukommen. Wie furchtbar sich dieser überbordende Haß anfühlt, und was es mit einem machen kann, das weiß ich noch zu genau aus meiner eigenen Kindheit. Ich wünsche das Niemandem. Und doch passieren immer wieder diese furchterregenden Dinge, die mir die Luft zum Atmen nehmen. Wenn Flüchtlingsunterkünfte in Flammen aufgehen und sogar Kinder Haßparolen skandieren, dann... bleibt mir die Luft weg. Lernen die Menschen denn nie nie nie aus Fehlern? Mir wird physisch schlecht. Die Übelkeit dreht mir den Magen um. Diese Eiseskälte macht mich fertig. Manchmal ertappe ich mich bei dem äußerst verlockenden Gedanken, Menschen, die menschliche Grundrechte bedrohen, einfach auszuweisen. Aber so einfach sind die Dinge nicht. Man muß sich dem Haß und der Ignoranz stellen und darf ihnen nicht das Feld überlassen. Es gibt auch die Menschen, die sich zusammen finden, um gemeinsam für Mitmenschlichkeit zu kämpfen. 

Vielen Dank an alle, die sich nicht beirren lassen, und überall für mehr Mitmenschlichkeit einsetzen.

Kommentare:

  1. Ich leg dir fürs erste einmal den Arm um deine Schulter!
    Herzlichst
    Astrid

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  2. ja, es ist zum- entschuldige- Kotzen. Und während all die Hetzer grölen, bleibt uns die Luft weg....Aber wir sind mehr, und wir halten nicht den Mund, ok? Sei gedrückt!
    Lieben Lisagruß

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  3. für mehr menschlichkeit dafür bin ich 100 % dabei *

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  4. Nein, ich lasse mich nicht beirren !!! Ich werde mich weiter für die Integration der geflüchteten Menschen einsetzen und helfen wo ich kann. Auf Diskussionen mit Menschenhassern lasse ich mich nicht ein, da beziehe ich sehr klar Stellung und beende das Gespräch dann . Die Energie für solche sinnlosen Diskussionen verwende ich lieber zum tätigen Helfen. Und : Ich bin nicht allein. Viele Menschen denken und handeln so wie meine Familie und ich.!
    Weitermachen !!! LG Gitta

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  5. Mich, liebes Pünktchen, macht das alles traurig und sprachlos und ich habe keine Ahnung, wo das noch hinführen soll. Liebe Grüße Edith

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  6. <3 <3 <3 ...
    die sind für dich und dein herzlichkeit und menschlichkeit.
    und für alle anderen, die das nicht ertragen und hinnehmen.

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  7. Das ist die liebe Gesellschaft, für die man manches Mal keine Worte findet aber mal ehrlich? Wann war es denn mal besser? Ich glaube eigentlich nie so wirklich und ich höre auch keine Nachrichten mehr und lese sie auch nicht, da wir als Volk doch oft nur belogen werden, uns nicht die Wahrheit erzählt wird. Es stimmt nicht alles, was uns aufgetischt wird. Ich beschäftige mich, und dafür gibt es einen Grund, mit positiven Dingen, heißt nicht das ich die Augen verschließe aber ich habe meine Gründe. Auch ich finde absolut nicht toll was da passiert. Wenn aber alle in die falsche Richtung ziehen, aus Fehlern nicht lernen, dann ändert sich nichts. Manche Menschen sind und bleiben blöd, tut mir leid. Die lernen nicht aus Fehlern oder meinen das was sie tun wird funktionieren. Dennoch möchte ich nicht an der Stelle der Politiker stehen, denn dann wäre ich dauerhaft damit konfrontiert.

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  8. Ich kann dich so gut verstehen, auch wenn ich nie aufgrund meiner Herkunft oder Nationalität dem Hass und der Ablehnung anderer Menschen ausgesetzt war (aus anderen Gründen schon). Nach den Bildern vom Ende der Woche in Sachsen war mir so schlecht, wie einem nur Angesichts der Abartigkeit und Unmenschlichkeit schlecht sein kann, zu der Menschen fähig sein können. Wo ist diesen Subjekten jegliche Empathie abhanden gekommen? Ist die nicht angeboren? Mich widert das an und es macht mir Angst. Dazu die Zäune quer durch Europa, tausende Menschen, die im Niemandsland stranden, ohne Hoffnung, ohne Hilfe, ohne dass sich jemand zuständig fühlen würde... Hauptsache, sie sterben nicht auf unserer Fußmatte. :-(((
    Immer geht es nur um Geld, Macht, Kalkül, Stimmen und Pfründe. Nie um Menschen. Mir wäre danach jeden einzelnen Regierungschef abzuwatschen, quer durch Europa, den Balkan und auch im Nahen Osten. Jeder Politiker müsste gezwungen werden, einen Monat in einem Flüchtlingscamp irgendo im Nirgendwo zu leben - unter den dortigen Bedingungen, allen voran Assad. Aus dem Elfenbeinturm heraus kann man leicht borniert über Menschen entscheiden, als wären sie lediglich Zahlen, die man auf einem Reißbrett hin und her schiebt... oder abschreibt.
    Fühl dich gedrückt.
    Katja

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  9. Mir wurde beim Lesen klar, wie "nochmal anders" das alles für dich ist: Wenn ich von diesen widerlichen Vorfällen lese, ist mir "seelisch" übel, es deprimiert mich zutiefst, und dieses Gefühl geht wie ein Schatten mit durch den Tag - ich muss es bewusst verdrängen, um mich auf das im Moment Nötige konzentrieren zu können. Bei dir hingegen werden eigene schlimme Erfahrungen wachgerufen, für dich ist es viel konkreter, sogar körperlich spürbar. Ach Pünktchen... es ist schwer auszuhalten!
    Die geflohenen Menschen können sich leider nicht aussuchen, wo sie hingeschickt werden - wer z.B. hier in Heilbronn oder einer ähnlichen Stadt landet, wo ohnehin 40% der Einwohner "Migrationshintergrund" haben und ganz normal hier leben (plus viele Studenten), der hat Glück gehabt und wird Deutschland als guten Ort erleben. Wer zufällig in (z.B.)Sachsen landet, erlebt zumindest äußerst Zwiespältiges (es gibt ja immerhin auch dort Helfer und Menschen, die sich gegen den Hass wehren).
    Wenn nur wenigstens in Syrien die verfeindeten Lager allmählich einsehen würden, dass niemand gewinnen kann - am Ende stünde der "Sieger" in einem kaputten Land ohne Menschen...
    Pass gut auf dich auf, ja? Du wirst gebraucht.
    Liebe Grüße, Brigitte

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  10. Jeden Kommentar hier vor mir kann ich nur zustimmen!
    Ich fühle mit Dir, ich drück Dich ganz, ganz fest.
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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