24 Februar 2016

Gurbet, oder in der Fremde

Gerade zur Zeit fällt es mir nicht leicht, über jene ersten Jahre in Deutschland zu schreiben. Auch wenn die Umstände, die damals dazu führten, daß viele Ausländer nach Deutschland kamen, andere waren, als die der Flüchtenden und Asylsuchenden heute... es gibt dennoch Parallelen, die mich erschaudern lassen. Im Gegensatz zu damals bin ich heute erwachsen und nicht wehrlos. Und doch blutet mein Herz. Damals wie heute. Ich wünschte, man würde nicht ausschließlich Probleme sehen, sondern auch die möglichen Chancen. Und wenn man nichts dergleichen sehen kann, sollte man die Menschen in ihrer Not sehen.


Niemals in der Welt hört Hass durch Hass auf. Hass hört durch Liebe auf. (Buddha)

Über das Anwerbeabkommen mit acht Ländern waren die Gastarbeiter nach Deutschland geholt worden. Italien machte damals (1955) den Anfang. Danach folgten Spanien, Griechenland und die Türkei. Von der Wirtschaft wurden die Gastarbeiter dringend benötigt, aber wirklich erwünscht und willkommen waren sie in weiten Teilen der Bevölkerung nicht. 

Wir lebten bereits seit einigen Jahren in Deutschland. Gastarbeiter gehörten zu den Außenseitern der Gesellschaft. Innerhalb der Gastarbeiter gab es so eine Art Rangordnung. Ganz unten standen die Türken. Zu denen wiederum gehörten wir.  Es hatte nicht sehr lange gedauert, daß ich mich von einem unbekümmerten, fröhlichen Kind, zu einem Belasteten und Sorgenvollen entwickelte. Viel zu schnell hatte ich meine kindliche Unschuld verloren. Das auf den ersten Blick komfortablere Leben in Deutschland bot neben der Chance, unter schweren Umständen Geld zu verdienen, viele gesellschaftliche Anfeindungen für die Gastarbeiter und ihre Familien. 

Während die Arbeitskräfte aus der Türkei und anderen südeuropäischen Ländern "Gastarbeiter"  hießen, wurde im Türkischen das Wort "Gurbet" (die Fremde, das ferne Land) zum Synonym für Deutschland.  Aus dieser Fremde berichteten die Gastarbeiter von Wohlstand und Freiheit, aber auch von harter, schlecht bezahlter Arbeit, von Heimweh, Sehnsucht und Einsamkeit, von Rassismus und Diskriminierung. Die damaligen Erzählungen prägen bis heute das Bild, das sich die Menschen  in der Türkei von Deutschland machen - ebenso wie die Gastarbeiter über die Jahrzehnte hinweg das Türkei-Bild der Deutschen geprägt haben. Genau so, wie in den türkischen Zeitungen von unerfreulichen Geschehnissen in Deutschland berichtet wurde, die unsere besorgte Familie dort genau verfolgte, genau so verfolgten meine Eltern die tägliche Tageschau im Fernsehen. Zudem las mein Vater regelmäßig gleich drei türkische Zeitungen. Wir lebten in Deutschland, und sie wollten gut informiert sein - sowohl über die Ereignisse in Deutschland, als auch in der Türkei.

Vor über 50 Jahren kamen die ersten Gastarbeiter nach Deutschland. Neben anderen Nationalitäten haben auch die Türken das Land verändert. Heute klopfen sich Politiker selbst auf die Schultern und man fragt sich "Wofür eigentlich?" Werner Schiffauer, Migrations-Forscher an der Universität Frankfurt/Oder sagt:" Das Beste, was sich über die Deutsche Einwanderungspolitik  der vergangenen 50 Jahre sagen läßt ist, daß es sie nicht gab." 

Während unsere Eltern sich meist im Schichtdienst mit schlecht bezahlter Arbeit abmühten, versuchten wir Kinder, in der Schule gut klarzukommen.  Ich zählte zu den Überfliegern: Nach nur einem halben Jahr sprach ich  perfekt Deutsch ohne Akzent, übersprang sogleich die zweite Klasse und schaffte mühelos den Sprung auf das Gymnasium. Statt mich über meine Erfolge zu freuen, war ich recht bald nur unsagbar traurig. Mein täglicher Schulweg war gepflastert von aufgesprühten Hasstiraden, die viel zu viele Häuserfassaden zierten, an denen ich vorbei mußte. Immer mehr wurde ich zu einem stillen Beobachter meines eigenen Lebens. Wer begegnete uns wie? Waren die Menschen ehrlich an uns interessiert, oder gab es für sie einen sekundären Nutzen, der sie erst mal freundlich erscheinen ließ? Wo war der Haken? Wo lauerten Gefahren? Überall, wo ich war, fühlte ich mich unter Beobachtung - fast so wie auf einem Präsentierteller. Das erfolgreiche, vorzeigbare Gastarbeiterkind. Neid und Mißgungst begegneten mir nicht nur unter anderen Kindern. Auch Erwachsene konnten von Neid und Mißgunst getrieben sein. Ich war so enttäuscht. Dabei hatte ich in meiner kindlichen Naivität stets angenommen, daß nur Kinder dumm und gemein sein konnten. So hoffte ich stets, daß irgendwann, wenn alle erwachsen und am Leben gereift sein würden, alles gut würde. Welch Trugschluß...

Je in sich gekehrter ich wurde, um so geschärfter war meine Wahrnehmung. Ich bekam viel mit - auch was unausgesprochen, zwischen den Zeilen im Raum stand. Auf uns Ausländer schaute man herab und gab uns zu verstehen, daß wir minderwertig seien. "Ihr seid scheiße! Ihr stinkt!" ließen uns einige Mitschüler gehässig und ungeniert wissen. "Und ihr nehmt unseren Eltern die Arbeit weg! Haut ab dahin, woher ihr gekommen seid. Hier will euch keiner haben." Meine türkischen Freunde, meine deutsche Freundin und ich erwiderten nichts. Zu erschrocken waren wir, um auf solche Behauptungen reagieren zu können. Zu Hause fragte ich meine Eltern, ob sie wirklich den Deutschen die Arbeit wegnahmen und war unendlich erleichtert, als mein Vater sagte, daß freiwillig kein Deutscher diese schlecht bezahlten, schweren Arbeiten übernehmen wollte. Es gab sogar zu wenige Menschen, um diese Arbeiten zu verrichten. Genau deshalb holte sich Deutschland die Menschen aus dem Ausland.  Was die restlichen Vorwürfe anging wußte ich, daß wir nicht scheiße waren. Und meine Mutter war mit Abstand die  schönste und wohlduftendste Person in ganz Deutschland. So viel war mal klar. Doch änderte all das nichts an meinen Sorgen und Nöten. Ich wollte nicht in einem Land leben, in dem viele Menschen für uns nur Verachtung übrig zu haben schienen. Dabei taten wir doch nichts Schlimmes. Ich schaute noch genauer hin. Die Deutschen waren oftmals besser und extravaganter gekleidet als wir, aber sie hatten ja auch viel mehr Geld. Sie wohnten oftmals luxöriöser als wir, waren geschmackvoll eingerichtet. Unsere Familien sparten, wo sie nur konnten, um die Familie in der Türkei zu unterstützen, um die jährlichen Heimaturlaube zu finanzieren, um es vielleicht irgendwann zu einer Immobilie in der Türkei zu bringen. Die Friseursalons in Deutschland glichen wahren Luxus-Tempeln. Daß die türkischen Frauen einen großen Bogen darum machten, das konnte ich gut verstehen. Wie sollte man da 80,- DM oder mehr für eine Frisur bezahlen, wenn ein Monatsgehalt nicht mehr als 500,- DM hergab? Ich wußte keinen Rat. Das einzige, was ich wußte war: ich wollte weg, wieder zurück in die Türkei. Ich hoffte so sehr, daß meine Eltern über kurz oder lang auch erkennen würden, daß wir in unserer Heimat besser aufgehoben waren als in Deutschland.

Von Jahr zu Jahr nahmen die Übergriffe auf Ausländer zu. Es gab immer wieder Anschläge auf Geschäfte von Landsleuten. Manchmal wurden Mietshäuser von sogenannten Neonazis angezündet. Es starben Landsleute dabei. Ich hatte furchtbare Angst, daß man uns ebenfalls nach dem Leben trachtete. Was, wenn meinen Eltern etwas passieren würde? Ich hatte doch sonst Niemanden in diesem fremden Deutschland. Obwohl... da war sie. Und auch Frau Schulze aus dem Obergeschoß mit ihrem runden, immer freundlich lächelnden Mann, war sehr nett. Früher war sie Krankenschwester, und er Pfleger gewesen. Sie war sehr liebenswert und immer aufmerksam. Noch ehe ich einen Wunsch formulieren konnte, wußte sie, was ich brauchte. Ihre fürsorgliche und immer gastfreundliche Art machte es uns sehr leicht, einen intensiven, fast familiären Umgang miteinander zu pflegen. Als meine Eltern zeitgleich im Krankenhaus landeten, nahm sie mich ohne Umschweife bei sich auf, ließ mich mit ihren Enkelkindern spielen, kümmerte sich liebevoll um uns. Ohne Zweifel, es gab auch diese netten Menschen, nur waren sie leider in der Minderzahl. 

Ich war fest entschlossen und wollte mehr wissen über diese Menschen, die so viel Unglück über andere brachten. Für die städtische Bibliothek hatte ich einen Ausweis. Ich ging dorthin, um mehr über jene Menschen zu erfahren, die den Ausländern das Leben zur Hölle machten. Die Bibliothekarin half mir Bücher zusammen zu suchen. Ich nahm den Riesenstapel mit nach Hause und begann sofort, mich über den Inhalt herzumachen. Bei einem Bildband über den Holocaust angekommen, traute ich meinen Augen kaum. Dort sah man Berge von ausgemergelten, nackten Leichen, die aufeinander gestapelt waren. Von KZ's war die Rede, von Massenvernichtung. Ich war sprachlos, während ich weinte. Ich war schwer geschockt und vollkommen verstört. Das, was dort abgebildet war, das war jenseits meiner kindlichen Vorstellungskraft und doch wirklich und tatsächlich geschehen. Als meine Eltern nach Hause kamen heulte und schrie ich nur noch. Meine Stimme überschlug sich mehrfach: Das war der Beweis: Sie würden uns umbringen. Angefangen hatten sie bereits damit, indem sie Mietshäuser anzündeten und sich sehr gezielt ihre Opfer aussuchten. Sogar in den Nachrichten konnte man das sehen. Ich war außer mir und nicht mehr zu beruhigen. Ich heulte und flehte meine Eltern an, auf der Stelle zurück zu kehren in die Türkei. Aber egal, was ich an Argumenten hervorbrachte, nichts schien sie zu überzeugen. Irgendetwas fanden sie an Deutschland, was ich nicht zu sehen vermochte. Irgendwann beruhigte ich mich äußerlich in der geduldig, verständnisvollen elterlichen Umarmung wieder. 

Innerlich herrschte weiterhin große Unruhe in mir. Ich erinnere mich an eine eisig kalte Nacht im Januar. Ich war plötzlich erwacht und konnte nicht mehr einschlafen. Als ich aus dem Fenster schaute, sah ich in eine sternenklare Nacht. Die Sterne funkelten zum Greifen nah, so wie ich das aus dem Süden kannte. Unsagbar schöne, dicke Schneeflocken im Laternenschein glitten sanft und lautlos zu Boden. Wie hübsch das aussah, und wie friedlich alles plötzlich wirkte. Lange schaute ich noch aus dem Fenster, dachte an meine Familie in der Türkei, die in wenigen Stunden erwachen und aufstehen würde. Ich wußte genau, was sie dann als nächstes tun würden. Am Nachmittag würden sie alle zusammen kommen, Gäste würden der großen Runde Gesellschaft leisten, sie würden erzählen, lachen und  gemeinsam essen - so wie wir das früher immer taten. Jetzt würde das nur ohne uns stattfinden. Was hatten wir nur aufgegeben und wofür? Heiße Tränen liefen mir das Gesicht hinab.

Was ich in diesem Bildband sah, das verfolgte mich und ließ mir keine Ruhe. Und es machte die Situation nicht besser, als am 20.4. jeden Jahres sich die Neonazis auf dem großen Marktplatz trafen, um Hitlers Geburtstag zu feiern und furchteinflößende Parolen zu gröhlen. Die Polizei verteilte vorab Handzettel und bat die Bevölkerung, sich nicht unnötig auf den Straßen aufzuhalten. Von meiner neuen Schule aus führte der Weg direkt an diesem Marktplatz vorbei. Ich hätte auch noch einen anderen Weg nehmen können, aber ich wollte sie unbedingt sehen. Wie eine unsichtbare Maus huschte ich an den Häuserfassaden entlang und sah mir halb versteckt und geschützt aus einer Hofeinfahrt diese Menschenmassen an: es waren ausschließlich Männer, die sich versammelt hatten. Sehr viele Männer!! Der Marktplatz war zum Bersten voll. Sie hatten alle Glatzen und trugen hohe Stiefel, die in engen Hosen steckten. Dazu trugen sie sogenannte Bomberjacken. Bomberjacken... was für ein Wort! Während sie für mich Unverständliches gröhlten, stampften sie auf der Stelle und streckten einheitlich den rechten Arm von sich. Der Boden unter mir schien zu beben. Vor lauter Angst war ich wie gelähmt.  Mein Herz drohte meinen Brustkorb sprengen zu wollen. So schnell ich konnte, lief ich nach Hause und schloß mich in unserer Wohnung ein. In meiner Panik hatte ich vollkommen vergessen, daß meine Eltern noch einen Termin am Nachmittag hatten. Ich machte mir große Sorgen, daß sie nicht da waren. In meiner Verzweiflung rief ich bei der Polizei an und geriet an einen Polizeibeamten, der sich meiner vorbildlich annahm. Weil ich solche Angst hatte, wollte er einen Streifenwagen vorbei schicken. Als ich entgegnete, daß ich niemandem die Tür aufmachen würde, da bot er mir an, bei Bedarf jederzeit wieder anrufen zu dürfen. Später, als ich erleichtert in die Arme meiner Eltern geflattert war,  erzählte ich ihnen davon und von dem, was ich auf dem Marktplatz gesehen hatte. Einfühlsam und ermutigend versuchten sie mich mit mäßigem Erfolg zu beruhigen. Sie sprachen von einer verirrten Minderheit. "Was braucht es denn eine Mehrheit, wenn schon Wenige genügen, die uns umbringen wollen?", rief ich aufgebracht. Ab da fuhr mein Vater mich oft zur Schule und holte mich ab. Ansonsten weigerte ich mich für lange Zeit hartnäckig, unsere Wohnung zu verlassen. All das setzte mir sehr zu. Zusehends magerte ich ab. Bei einem unserer nächsten Heimaturlaube war meine Tante bei meinem Anblick entsetzt: "Gebt ihr diesem Kind nichts mehr zu essen?? Man kann ja unter der Kleidung ihre Rippen zählen..." Was sollte ich sagen, irgendwie schien ich unmerklich abgenommen zu haben. Die Hosen rutschten schon länger, während ich den Gürtel dann enger schnallte. Bevor wir das Haus verließen frühstückten wir gemeinsam. Beinahe täglich düngte ich mit meinem Frühstück unfreiwillig einen der großen, mächtigen Kastanienbäume in der Allee. Ich konnte nichts dagegen tun - es schoß nur so aus mir heraus. Weil ich auch sonst eher spärlich als genussvoll aß und von meinem einstigen großen Appetit nichts mehr übrig geblieben zu sein schien, ging mein Vater alsbald mit mir zum Arzt. Er unterhielt sich eine Weile mit mir und diagnostizierte... Schulangst. So ein .....! Ich hatte keine Schulangst. Ich hatte Todesangst. 

Es schien so, als hätte mein Leben endgültig seinen Geschmack verloren. Die einstige Leichtigkeit war weg. Ich war tief verzweifelt. Meine liebste Sendung in jener Zeit, auf welche ich mich die ganze Woche über so sehr freute war "Das Wort zum Sonntag". Meist sprachen dort ein Pastor oder eine Pastorin einige Minuten zu einem bestimmten zwischenmenschlichen Thema. Das nährte meine Seele, linderte meine Pein. Wie schön das alles klang, was sie dort gekonnt formulierten - auch wenn das Leben draußen gerade nicht so war. Aber für die Dauer dieser Sendezeit vergaß ich alles Negative. Ich wollte so gerne den hoffnungsvollen Worten glauben. Und für eine Weile tat ich das auch.

Während es in mir arbeitete, ging ich weiter zur Schule. Eines Tages gab es ein Rieseneklat. An der Pinnwand unserer Klasse hing ein kleiner roter  Zettel. Auf dem stand in kindlicher Schrift ein äußerst geschmackloser Witz, der damals die Runde machte: "Was ist der Unterschied zwischen Juden und Türken?" Darunter: "Die Juden haben es schon hinter sich". Was bis zum Riesengetöse unseres stellvertretenden Schulrektors  niemand wußte war, daß ich das geschrieben hatte. Ich wußte sehr wohl um die Provokation. Ich wollte aufmerksam machen auf das, was uns Türken drohte und auch bereits widerfuhr. Die Anfänge waren doch bereits da. Mit donnernder Stimme befahl mich der stellvertretende Schulleiter in sein Büro. "Was hast du dir dabei gedacht???", brüllte er mich in Grund und Boden. "Hast du überhaupt eine Ahnung, was im Dritten Reich geschehen ist???" Ob ich wußte...? Ich hatte in den vergangenen Wochen nichts anderes getan, als alles zu lesen, was damals passiert war. Auch das Tagebuch der Anne Frank hatte ich verschlungen. Ich wußte von den Geschwistern Scholl und der weißen Rose. Sie hatten dem Nazi-Regime Widerstand geleistet und hatten mit dem Leben dafür bezahlt. Während ich aufrichtig ansetzte, um mich und meine Motivation zu erklären, stellte ich bald fest, daß es sich lediglich um eine rhetorische Frage gehandelt hatte. Er brüllte mit hochrotem Kopf in einem durch, während seine Spucke dabei unkontrolliert durch den Raum flog. Zwanzig Mitunten lang wurde ich verbal in Grund und Boden gestampft, um am Ende gesenkten Hauptes wieder zu gehen. 

Warum wollte niemand sehen, was los war? Warum unternahm niemand etwas gegen diesen überbordenden Hass, der so zerstörerisch war und nichts Gutes bewirkte?

Meine Absicht aufzurütteln war vollkommen mißglückt und daneben gegangen. Das Leben in Deutschland war für mich sehr schwer zu verstehen. Dieses Land hatte all die Menschen selbst zu sich geholt und behandelte sie schlecht. Das Leben in Deutschland war anstrengend. Sehr sehr anstrengend. Soviel war mir nun klar geworden.

Kommentare:

  1. Sprachlos ....
    Es tut mir so leid, dass Menschen in diesem Land Dir so viel angetan haben. Nicht nur Dir ....
    Du bist eine sehr, sehr starke Persönlichkeit. Ich bewundere Dich, wie Du das alles verarbeitest! Dein Leben als Erwachsene, als Ehefrau, Mama so stark und voller Herzenswärme lebst!
    Nein, ich bin doch nicht sprachlos, sondern voller Bewunderung!
    Elisabeth

    DANKE für Deinen Mut uns zu erzählen!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Elisabeth, du liest hier schon länger mit und weißt, daß es mir vordergründig nicht so sehr um mich geht (ich bin nur der Aufhänger für diese Geschichten), sondern um die damalige Zeit. Unsere Elterngeneration hat uns unter schwersten Bedingungen den Weg geebnet. Ich möchte nicht, daß diese Zeit in Vergessenheit gerät. (Auch meine Generation hat noch mit viel Ablehnung und Represalien zu kämpfen gehabt). Dafür gilt ihnen mein größter Respekt und mein Dank. Auch mit diesen Geschichten möchte ich dies zum Ausdruck bringen.

      Löschen
  2. Ja, und immer spüre und spürte ich diese große Wut. Dass die Menschen nicht lernen.
    When will they ever learn...
    Sei gedrückt und lieb gegrüßt, auch das kleine Pünktchen umarme ich mitfühlend in die vergangene Zeit hinein.
    Lisa

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es ist sehr enttäuschend, wenn aus Fehlern nicht gelernt wird. Umso wichtiger ist es, daß man selbst etwas tut, um dem Hass entgegenzuwirken. Erst recht, wenn man selber erfahren hat, wie vernichtend sich das anfühlt.

      Löschen
  3. Pünktchen, Pünktchen, das war schwere Kost!
    Es ist erschütternd, diesen Text zu lesen. Und es ist traurig, dass Dir niemand diese Angst, die Dich um Deine Kindheit gebracht hat, nehmen konnte.
    Aber nicht nur Du, liebes Pünktchen, bist als Kind türkischer Eltern diskriminiert worden. Ich wurde es auch, und zwar als deutsches Kind deutscher Eltern. Meine Mutter mußte im Jan. 1945, als die Russen dort einmarschierten, ihre Heimat Westpreußen verlassen. Mein Vater kam als Spätheimkehrer Ende 1948 aus der Kriegsgefangenschaft. 'Flüchtlingspack' wurden wir beschimpft, verhöhnt und ausgelacht. Meine Eltern hatten all ihr Hab und Gut verloren. Es gab keine Arbeit. Wir waren arm und deshalb ANDERS.
    Das wird Dich alles nicht trösten. Aber es genügt schon, anders zu sein, um ausgegrenzt zu werden.
    Mich hat das alles nur stark gemacht und es hat ja den Anschein, dass Du letztendlich auch Dein Zuhause, Deine Familie und Dein Glück gefunden hast.
    Liebe Grüße Edith

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Edith, nichts und niemand hätte mir die damaligen Ängste nehmen können. Ich war zwar noch ein Kind, aber ich sah ja mit eigenen Augen, was geschah. Beschwichtigungen hätten nichts genützt. Ich weiß, daß hinter jedem Menschen Geschichten stehen: traurige, wie auch schöne. Und ich glaube daran, daß alles im Leben einen Sinn hat. Khalil Gibran hat mal gesagt: "Das Leid brachte die stärksten Seelen hervor. Die allerstärksten Charaktere sind mit Narben übersät." Alles Libe zu dir.

      Löschen
    2. Genau so, liebes Pünktchen, sehe ich das auch.
      Wenn man nicht daran zerbricht, macht es einen stark.
      Oft erkennt man Jahre später, welchen Sinn es hatte.
      Khalil Gibran habe ich auch schon oft zitiert.
      Er hat uns sehr weise Worte hinterlassen.
      Liebe Grüße Edith

      Löschen
  4. Das bricht mir das Herz! Bitte, bitte schreib auch davon, wie es für dich wieder aufwärts ging! Das ist alles so grausam! Kaum zu ertragen!
    Gros bisou
    Sandra

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Sandra, das waren harte Zeiten. Menschen können auch daran wachsen. Die Geschichten sind noch nicht zu Ende erzählt.

      Löschen