25 Januar 2016

Lastenträger

Immer noch ist es finstere Nacht, wenn ich morgens das Haus verlasse, um die Kinder zur Bushaltestelle zu bringen. Voller Sehnsucht und Ungeduld warte ich auf die Zeit, wenn auch wir endlich wieder mehr Tageslicht abbekommen werden. Morgens dann, wenn ich noch diverse andere Grundschüler mit schwerem Gepäck durch die Dunkelheit stapfen sehe, vergehe ich oft vor Mitgefühl. 

Seit einiger Zeit stöhnt das jüngste Kind, wenn es am Nachmittag nach Hause kommt. Es klagt über den Rückweg, wo es einen schweren Schulrucksack tragen muß, so wie über Rückenschmerzen. Als Sohn2 zuletzt tränenüberströmt zu Hause ankam, nahm ich mir die Zeit, seine Klagen genauenstens anzuhören. Bei Rückenschmerzen wurde ich hellhörig und  wog kurzerhand seinen Rucksack: 7,2 kg. Das ist in etwa ein Drittel des Kindesgewichts! Lange gab es die Faustformel und Empfehlung, daß das Gewicht des zu tragenden Schulranzens 10% des Körpergewichts eines Kindes nicht übersteigen sollte. Sohn2 ist ein sehr zierliches Kind und die 7,2 kg sind für ihn im wahrsten Sinne des Wortes nicht tragbar. Egal, wie reduziert wir gepackt haben, wog der Rucksack immer noch zwischen 6 und 7 kg. 

 

Kurzerhand haben wir in einen geräumigen Rollrucksack investiert, den man entspannt hinter sich herziehen, per Schulterriemen oder Handgriff tragen kann. Bin gespannt, was mir das jüngste Kind berichten wird.

Habt ihr eine Ahnung, wie schwer die Schultaschen eurer Kinder sind? 

Kommentare:

  1. Nein, das musste ich nicht nachmessen, weil man in den Schulen der Söhne Schließfächer mieten konnte. Das hatte zwar zur Folge, dass dann immer mal ein Arbeitsmaterial fehlte, wenn er Hausaufgaben machen sollte. Aber lieber so als Rückenschmerzen.

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    1. Die Kleinen haben auch Schubfächer, wo sie Material dalassen können. Auch wenn man von der Schule her darauf achtet, daß es auch Doppelstunden gibt, gibt es einfach sehr viel Material. Neben Büchern auch diverse Arbeitsbücher zum Reinschreiben. An den Tagen, wo Sport ist, kommt das noch als zusätzlicher Ballast obendrauf. Zum Glück ist der Rollrucksack so geräumig, daß auch das problemlos Platz darin findet.

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  2. Ich finde solche Rollrucksäcke ganz toll! Bei meinem älteren Sohn gab es so etwas nicht und er war auch ein zierliches Kind. In der ersten Klasse war sein Ranzen größer als er (na ja nicht ganz aber fast :)
    Er hatte auch immer so einen schweren Ranzen, dass ich ihn meistens abgeholt habe, damit er es nicht tragen musste. Ich werde dem kleinen Sohn von Anfang an so einen Rollrucksack kaufen. Warum soll ich den kleinen quälen, wenn es schon solche tolle Alternativen gibt. Ich hoffe die Rückenschmerzen bei deinem Sohn haben aufgehört.

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    1. Stimmt, früher gab es solche Alternativen nicht. Auch ich hatte eine schwere Schultasche. Das Schlimme war, daß ich oftmals ein Hohlkreuz machte, um die Last des Ranzens etwas mit dem Po abzufangen. Keine gute Idee!
      Heute kam ein glückliches Kind zu Hause an. Sportsachen und der ganze Klimbim, alles geht gut übersichtlich zu packen. Ich denke, das war eine sinnvolle Investition.

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  3. Unsere Kinder hatten auch meistens das drei bis vierfache des empfohlenen Gewichts auf den schmalen Schultern. Wir haben damals von den Eltern Vorschläge gemacht, wie dem abzuhelfen wäre. Die Materialwut der Pädagogik war schon damals absurd und scheint nicht gesunken zu sein. Ich weiß gar nicht, wie ich zu einem lesenden, schreibenden und rechnenden Wesen wurde, hatte ich doch in der Grundschulzeit nicht mehr als eine Tafel, einen Griffel, ein Schwämmchen und die Fibel im "Tonny" ( der klein und aus Leder auch maximal 300, 400 Gramm gewogen hat und den 5 Kinder auf dem Rücken trugen, ohne dass er Schaden nahm) Was das alles für die Natur heißt, dass die Kinder praktisch jeden Tag mit Papierbergen versorgt werden, ist noch ein Kapitel.
    Die einzige Lösung ist: Schließfächer und keine Hausaufgaben mehr. Unsere beiden Großen waren dann weiterführend auf der IGS. Schließfächer und keine Hausaufgaben. Es war ein Traum. Vor drei, vier Jahren wurde ihre ehemalige Schule übrigens zur besten Schule Deutschlands gewählt. Ich konnte nur zustimmen.
    Also, immer schön dran arbeiten, dass Hausaufgaben abgeschafft werden. Es gibt eh nichts Ungerechteres..... Und die Schulsachen können in der Schule bleiben.
    Lieben Lisagruß!

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    1. Liebe Lisa, die Lehrmethoden der Grundschule kann ich nicht grundlegend kritisieren. An Sohn1 habe ich gesehen, wie optimal sie ihn auf die weiterführende Schule vorbereitet haben. Zwar hatte ich bei dem Tempo und der Lernintensität insbesondere in Klasse 3 und 4 manchmal das Gefühl, daß den Kindern ganz schön was abverlangt wurde, aber... Sohn1 hat dadurch überhaupt keine Anpassungsschwierigkeiten an der weiterführenden Schule erlebt. Ganz im Gegenteil: er findet das dort sehr entspannt derzeit und kommt gut mit. Was die Materialien anbelangt, stimme ich dir da sehr zu. Allein im Fach Englisch gibt es ein Buch, zwei Arbeitsbücher zum Ausfüllen und... vier Hefte. Ausnahmslos alles soll zu jeder Englischstunde da sein. In den anderen Fächern sieht es leider nicht viel besser aus. Tonnenweise Bücher, Arbeits- und sonstige Hefte. Zwar kann manches manchmal auch in der Schule gelassen werden, aber nachdem z.B. das jüngste Kind in einem Halbjahr drei Mal sein Buch in seiner Schiebe vergessen hatte und hier eine Abmahnung eintrudelte, wollte er partout seine Sachen nicht mehr in der Schule lassen. Also wurde stets ALLES hin und her geschleppt. Jetzt kann ich ihn das mit gutem Gewissen so machen lassen.

      Schule ohne Hausaufgaben? Das gibt's? Psssst... nicht laut weiter sagen ;-)
      Liebe Grüße.

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  4. Tatsächlich ist meine Tochter mal rückwärts umgekippt, weil der Ranzen so schwer war, und da war sie schon auf der weiterführenden Schule! Schließfach wollte sie nie, weil der Unterricht in verschiedenen Gebäuden stattfindet und es zeitlich nicht machbar war, zum Schulschluss hätte sie womöglich den Bus nicht mehr bekommen... Sie hat sich dann immer mit dem Tischnachbar abgesprochen, wer wann welches Buch mitbringt, so dass es deutlich leichter wurde. Sie ist jetzt 15 geworden und wiegt gerade mal 40 kg, da kannst Du Dir vorstellen, dass der Ranzen oft zu schwer war: Da sie aber partout! keinen Rollrucksack haben wollte, haben wir das ein oder andere Buch doppelt gekauft, so dass immer eins zu Hause war und eins in der Schule bleiben konnte :-) gibts ja auch gebraucht, war ok und eine Lösung, mit der alle zufrieden waren.
    Toitoitoi, berichte doch noch mal, wie er es findet!

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    1. Mein Gott, Petra! Sorry, aber ich habe jetzt echt lachen müssen. Das arme Kind! Bei Sohn1 warten wir seit Monaten auf die längst bezahlten Schlüssel der Schließfächer. Bisher Fehlanzeige. Hier haben wir auch das ein- oder andere Buch doppelt, damit wenigstens nicht auch noch so schwere Sachen wie der Dierckes Weltatlas hin und hergeschleppt werden müssen.
      Tag 1: Das jüngste Kind findet es ganz toll, daß es jetzt viel mehr Platz in diesem Rucksack hat und nicht auch noch die Sporttasche mitschleppen muß. Alles das paßt gut darein und es bleibt dennoch übersichtlich.

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  5. Anonym25.1.16

    Ja habe ich letzte Woche gewogen: 8,8 kg! Ohne unnützes Zeugs. Sie ist 11 Jahre alt.
    Schliessfach in der Schule vorhanden, darf aber nur vor der 1. Stunde aufgesucht werden.... das heisst, man kann nie irgendetwas darin verstauen, weil die Zeit davor und danach wegen dem Bus zu knapp ist...auch noch in einem ganz anderen Stockwerk...ätzend
    ceebee

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    1. Oje... Solche Geschichten kenne ich natürlich auch.

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  6. Übrigens läßt sich der Rollrucksack, sollte er mal irgendwann mit fortschreitendem Alter "peinlich" werden, in einen gewöhnlich aussehenden Rucksack verwandeln. Auch die Rollen lassen sich verdecken. Er ist lediglich größer als bisherige Schulrucksäcke. Und da wo Schultaschen von Sc... mit optisch passendem Federmäppchen etc. bis zu 250,- Euro kosten (WAS ICH EINFACH NUR UNGLAUBLICH UNVERSCHÄMT FINDE), haben wir für den Rollrucksack 70,- Euro bezahlt. Das ist teuer genug - finde ich.

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  7. Oh ja, das weiss ich! Meine Grosse wollte nie "rollen", sie hat sich lieber abgeschleppt und dann Rückenschmerzen bekommen.
    Robert wird vor der Haustür abgeholt. Er schleppt unglaublich viele Dinge mit sich rum. Tag für Tag, brauchen tut er sie nicht. Das bringt der Autismus mit sich, ja nicht verändern! Die Lehrer lassen das so, denn eigentlich müsste er nur ein Mäppchen und Brotzeit dabeihaben.
    Der Enkel macht das so wie bei Euch jetzt auch. Und das ist sehr gut! Hoffenlicht kommen viele Kinder bald nur noch mit Rollrucksack, dann kann es doch eigentlich nicht mehr peinlich sein, oder?
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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