31 Juli 2015

Familienzeit

 

Um mit meiner Familie zu entspannen, und Schönes zu erleben.

 

Um Dinge in Ruhe zu erledigen.

 

Um die kleinen Dinge des Lebens zu genießen.

 

Bis dann!

30 Juli 2015

Bewegt

 

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Acryl auf Malpappe 

Die hiesigen Wetterkapriolen sind beeindruckend. Seit einer Woche hat es hier unentwegt geregnet - ein Naturschauspiel für sich. Wir haben es sehr genossen. Mir persönlich ist das zig mal lieber, als unerträgliche Backofentemperaturen. Anscheinend bin ich ein Warmblüter ;-) - zumindest benötige ich keinerlei zusätzliche Befeuerung noch von außen. Bei diesem Wetter bin ich nur zu gerne am Strand, lasse mir die Haare vom Wind durcheinander wirbeln, das Regenwasser ins Gesicht peitschen, mich vom Wind durchrütteln und schaue den akrobatischen Flügen der Möwen zu. Der Dauerregen hatte Folgen: es gab größere Erdrutsche. Aber zum Wochenende soll wieder die Sonne scheinen. Und wärmer als 13°C soll es auch wieder werden. 

Habt ein schönes Wochenende. 



27 Juli 2015

Regentage

 

Pladderregen. Wie aus Kübeln schüttet und trommelt es dumpf gegen die Scheiben. Wir genießen die Zeit im Haus, hängen Gedanken und Ideen nach, kochen zusammen, essen, lesen, zeichnen, erzählen, kuscheln miteinander und spielen mit dem verrückten Kater. Hach, es könnte grad schöner nicht sein.

 

Das Strickstück wächst und wächst - obwohl ich nicht jeden Tag stricke. Inzwischen mußte ich auf eine längere Nadel umsteigen.

 

Seide ist so wunderbar zu verstricken. Insgeheim freue ich mich schon jetzt auf das fertige Stück irgendwann. Bis dahin dauert es aber noch ein Weilchen.

 

Noch ein Knäuel dieser Größe, und es ist vollbracht.

 

Genäht habe ich auch wieder und dabei festgestellt, wie sehr sich meine Sehstärke erneut verschlechtert hat. Wenn das in dem Tempo so weiter geht, wechsle ich meine Brillengläser öfter, als andere Leute ihre Bettwäsche. Hätte ich dieses Einfädeldingsbums nicht gehabt, nie hätte ich den Faden durch das Nadelöhr bekommen. Au weia! Und bevor ich auf meiner Seite nur noch Ameisenkacke ausmachen kann, nehme ich die nächstgrößere Schrift. Vielleicht kommt das der ein oder anderen von euch auch entgegen ;-).

25 Juli 2015

Gestern und heute

 

Kräuter... hmmm... Einen ganzen Wagen voll aus dem Gartencenter mitgenommen, um unser Kräuterbeet wieder zu vervollständigen. Wenn wir kochen wird mit Kräutern nicht gegeizt. Schade, daß Koriander hier nichts wird. Den bestelle ich bundweise wöchentlich auf dem hiesigen Wochenmarkt. Sooo lecker!! Argentinischer Minzstrauch, Zitronenthymian, großblättrigen Schnittlauch (das kleine Kind hat bereits im Auto davon genascht), Zitronenverbene, Salbei, Basilikum und einiges andere mehr mußte mit...

 

Nachdem das Kräuterbeet neu ergänzt wurde, habe ich mir zur Belohnung einen tiefen Schnuff bei dieser Schönen abgeholt.

 

Zu dieser konnte ich nur aufschauen.

 

Während das Feuer im Garten loderte einen kleinen Rundgang gemacht.

 

Mich über die erste Blüte der Bauernhortensie gefreut.

 

Die Winde hat den Bambus erklommen.

 

Unser Abendessen (nix Webergrill) neandertalermäßig über der Glut gegart, geschmaust, geschmust und erzählt... und einen weiteren
Walnußbaum von der Freundin in unseren Garten gepflanzt. 

 

Mich kaum satt sehen können an diesen wunderschönen Farben.

 

Während die kleinen Herren am nächsten Morgen in Wettstreit beim Kräftemessen geraten sind, (man achte bitte auf die selbstgedrehten Wollfäden, die zur Fesselung benutzt wurden ;-)), 

 

habe ich das wunderschöne Starkregenwetter mit imposantem Gewitter unendlich genossen (eine Wohltat für den Garten - die leere Regentonne ist wieder voll).

 

Unbedingt etwas Einfaches aus Jersey nähen wollen. Leider nichts in meinen favorisierten Farben gefunden. Gestern diesen Stoff als das kleinste Übel aus dem Stoffladen mitgenommen. Das erste Mal, daß ich überhaupt mit Jersey genäht habe. Hat gut geklappt. Ein über die Knie gehender Rock mit elastischem Bündchen ist entstanden - angenehm und unkompliziert zu Hause zu tragen. Ich denke, davon werden in nächster Zeit noch einige mehr entstehen.

Was treibt ihr so??

Schönes Wochenende euch allen!

23 Juli 2015

Unterwegs auf allen Vieren

"Wer einen Garten hat, braucht weder Fitneßstudio noch Urlaub", hat mal irgendein Schlaumeier gesagt. 
Seit längerem pflüge ich durch unseren Garten. So schnell wie Muskeln aufgebaut werden können, so schnell verschwinden sie leider auch wieder, wenn man sie nicht beständig fordert. Mein Rücken schreit seit Tagen "Aua aua!" Ich befinde mich im Wettstreit mit dem Unkraut. Was für eine Sisyphusarbeit..., aber ich gebe nicht auf. 

 

Ein großer Kofferraum voller Bodendecker wartete gestern auf meinen Einsatz.
Ysander und die Dreiblattgolderdbeere sind es letztlich geworden. 
Nach stundenlangem Unkraut ziehen durften sie verteilt und eingebuddelt werden. 
Die kleinen Herren halfen tatkräftig - für eine schier unglaubliche Stunde lang mit -, bis sie plötzlich alles stehen und liegen ließen, um sich auszuruhen. Weil ist ja anstrengend ;-)...
Immerhin.


Jetzt hoffe ich, daß die Pflanzen überbordend gut anwachsen und alles unter sich zudecken,
damit meine bessere Hälfte sich nicht immerzu durch die blanke Erde 
an unser seliges Ende erinnert fühlt ;-). 
Und wenn dann noch das hier prächtig gedeihende Unkraut dadurch verhindert wird...
was will ich mehr?!

 

Die Schleifenblumen-Polster in unserem Garten, die mag ich sehr. 
Dieses Mal habe ich den Zeitpunkt nicht verpaßt, um die Samenstände rechtzeitig abzuernten.

 

Hier habe ich die Spreu vom Weizen getrennt.

 

Übrigens war die Gefriertütenkeimung bei mir leider nicht erfolgreich.
Gekeimt hat da garnichts. Die ziemlich aufgequollenen Anemomensämlinge habe ich dennoch in die Gartenerde entlassen. Die steinharten Heckenrosensämlinge blieben auch noch nach Wochen steinhart. 

 

Unser Garten ist immer wieder gut für Überraschungen. Ich kann mich kaum daran erinnern, wann ich diesen Himbeerstrauch eingepflanzt habe. Plötzlich stand ich vor schmackhaften, reifen Himbeeren. Lecker!!

 

Seit Jahren gibt das kleine Bäumchen nur eine handvoll Sauerkirschen...
Eine Erinnerung an meine Mam.

 

Einer der beiden Quittenbäume, die mein Papa vor Jahren in den Garten gepflanzt hat: beide Bäume kamen als Winzlinge aus der Türkei - woher sonst?! Dieser hier hat noch nie Früchte getragen. Er hat letztes und dieses Jahr Blütenansätze heraus gebildet, aber Früchte konnte ich nie ausmachen. Aus den Früchten des anderen Quittenbaumes kann man nur Sirup oder Gelee machen. Die Früchte von diesem hier soll man verzehren können, wie einen Apfel. Ich warte einfach ab und lasse mich auch da gern überraschen. Übrigens klettern hieran so gern die kleinen Schnirkelschnecken hoch.

 

Diese lustigen Puschel habe ich im Garten der Freundin fotografiert.
Mohn. Die Farbe irritiert mich.

 

Der Herr Mautz schlägt seit Wochen nur zum Fressen zu Hause auf.
Zwischendurch genießt er seinen Hochsitz und döst bei Vogelgezwitscher in aller Frühe im
Sonnenlicht vor der Eßkastanie - der Genießer...

19 Juli 2015

Liebe ist

Mautz, Mäutzi, Mäuschen, The Mäutz, body&brain, Schmallippe, Reißzahn, Glupschauge, Ohnehintern, Brettfuß, Plüsch, Imperator, Bodyguard, Bartratte, Flohsack, der Narrenkönig... So viele und noch viel mehr Namen hat unsere Liebe zu diesem Tier. Wenn wir lieben, dann mit Haut und Haaren und auch allen erdenklichen Parasiten (örks). 

Ab meinem jugendlichen Alter war ich mir absolut sicher, nie mehr ein Haustier in mein Herz lassen zu wollen. Ich Narr - als wäre es mir möglich, mich der Liebe zu verschließen... Zu groß war das Leiden jedes Mal, wenn ein geliebtes Tier verstarb.

Jahrzehnte hielt ich durch... bis er kam und sich kaum merklich in unser Leben und unsere Herzen schlich. Völlig fassungslos hörten wir, daß er nach 1,5 Jahren ins Tierheim sollte: er war nicht mehr gewollt. Kurze Zeit später wurde amtlich, was längst klar war: wir bekamen ein neues Familienmitglied.

Mautz ist, was er ist: ein starkes, intelligentes Raubtier mit einer extrem anhänglichen Seite. Er ist ein außergewöhnlich treuer Wegbegleiter (mein Schatten) - im wahrsten Sinne des Wortes.

Jedesmal bin ich unendlich gerührt, wenn er mich bis in den Eingangsbereich des Freibades begleitet, dort stehen bleibt und auch bei Wind und Wetter so lange unter einem Auto wartet, bis ich wieder heraus komme. Dann begleitet er mich wieder zurück nach Hause.

Manchmal schaut er uns mit einem dieser Blicke an, daß ich schwören könnte, daß ein Kater nicht zärtlicher gucken kann. Auch ist er mit allen Wassern gewaschen, dieser unglaubliche Schelm, der uns immer und unentwegt so verzaubern kann.

Liebe ist, wenn einem das Herz überläuft vor Freude. Liebe ist, wenn man nicht anders kann, als sie in irgendeiner Form auszudrücken.

 

- Der Narrenkönig -
ca. 60x60 cm
Öl auf Leinwand 

16 Juli 2015

Ambitionen

"Was hast du vor mit all den Bildern, die du so emsig malst?", fragt mich die Freundin vor einiger Zeit.
"Hm", vielleicht mache ich so eine Art - Kunst to go -..."
"Wie soll das aussehen?"
" Also, ich habe mir überlegt, daß wenn irgendwann hier in der Nähe wieder Sperrmüll ist, ich eines meiner Bilder dazu tue. Dann verstecke ich mich hinter einem Busch und warte ab. Nimmt es jemand mit, dann freue ich mich darüber."
"Und was ist, wenn's keiner mitnimmt?"
"Dann decke ich noch eine kleine Kaffeetafel daneben und hoffe, daß das hilft."
"Und wenn nicht??"
"Dann versuche ich, nicht beleidigt zu sein"... ;-)

15 Juli 2015

Entdeckungen

Seit einigen Wochen wühle ich mich durch den Garten. Zuletzt habe ich das Kräuterbeet auseinander genommen, in dem auch das Unkraut wucherte. Dieses habe ich nun daraus entfernt, genau so wie auch jene Kräuter, die gerne selbst alles andere überwuchern. Diese werden nur noch in Töpfen gehalten, um ihnen von vornherein Einhalt zu gebieten. Überall dort im Garten, wo ich massenhaft Unkraut entfernt habe, sieht man zum Entsetzen des Mannes blanke Erde, welche ihn auf verstörende Weise an Friedhof erinnert. Also habe ich nun einige anspruchlose Sorten von Bodenbedeckern (Ysander (pachysandra terminalis) und die Dreiblatt Golderdbeere (Waldsteinie ternata)) geordert, die hoffentlich bald alles schön zudecken, sobald sie eingepflanzt werden. Kennt ihr schnellwachsende Sorten, die ihr mir empfehlen könnt? Muß auch nicht unbedingt blühend sein. Immergrün, niedrig und dichtwachsend wäre schön.

Was ich früher an zwei Tagen im Garten geschafft habe, dafür benötige ich heute deutlich längere Zeit. Es ist unvorstellbar, wie schnell alles zuwuchert. Berge von Unkraut habe ich entfernt. Und das Gras, welches in die Beete hineinwächst, das nervt mich noch viel mehr als der Giersch. Meist ist es so festgewachsen, daß ich es nur schwer da wieder raus bekomme.

Dieses Jahr gibt es Walderdbeeren satt bei uns. Das kleine Kind dreht emsig seine täglichen Runden und genießt das schönste Aroma, was Erdbeeren zustandebringen können. Abends, wenn ich meinen Rundgang durch den Garten mache und überlege, wo noch etwas zurechtgestutzt oder entfernt werden muß, da entdeckte ich das hier:

 

 

 

Und erkennt ihr es? Es sind die noch unreifen Fruchtansätze der Maulbeere. Als ich das entdeckt habe, habe ich mich sooo sehr darüber gefreut, gehören doch Maulbeeren zu den ersten Früchten meines Lebens, die ich als Kind so unwahrscheinlich gerne von den Bäumen von babaanne Leyla genascht habe. Warum Schokolade mich bis zum heutigen Tage eher weniger interessiert ist dem Umstand zu verdanken, daß ich Obst so viel mehr liebe. Saftig und aromatisch läßt es für mich persönlich Schokolade neben sich ziemlich alt aussehen. Ob sich diese hier bis zur Genußreife entwickeln, das weiß ich natürlich nicht. Aber ich freue mich, daß diese beiden Sorten Morus Alba und Morus Nigra, die ich vor über einem Jahrzehnt in NRW erworben, jahrelang in großen Kübeln auf der Dachterrasse  gehalten und erst hier im Norden ausgepflanzt habe, nun erstmals Fruchtansätze gebildet haben. Übrigens mag ich persönlich Morus Alba lieber, weil sie keinerlei Fruchtsäure hat und einfach göttlich süß schmeckt.

Nebenbei bemerkt hat es da wohl noch einen Zettel der Schule gegeben, der hier natürlich nie aufgetaucht ist. Das Abschlußzelten ist morgen!!! Nach den üblichen Telefonaten, weiß ich nun in etwa, was noch benötigt wird. Ach Kind!!! Seufz... 

13 Juli 2015

Next Generation

Gestern sagt der Sohn am Abend: 

"Du Mama, morgen ist ja auch dieses Abschlußdings bei mir an der Schule..."

"Äh..., nein! Ich habe keinerlei Termine mehr in meinem Kalender eingetragen. Das Schuljahr ist so gut wie vorbei. Jetzt kommt da nichts mehr."

"Doch Mama, ganz sicher! Ich finde den Zettel nicht mehr, aber da war noch was..." 

Wenn es um verloren gegangene Zettel geht, gleicht es einem Wunder, daß ich überhaupt je an irgendwelchen Terminen und Veranstaltungen der Schule teilgenommen habe. Die Stärken des Kindes liegen woanders ;-).

 

"Es geht weiter..."
 
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Aquarell 

Einige Telefonate später erfahre ich tatsächlich von einem Termin an der Grundschule. Das "Musikalische Feuerwerk" ist auf eine knappe Stunde beschränkt. Wir werden Abschied nehmen von den Lehrkräften, die unsere Kinder fast alle vier Jahre lang unterrichtet, mitgeformt und begleitet haben. Mir schießen die Gedanken kreuz und quer durch den Kopf, als ich daran denke, mit welchen Hoffnungen und Wünschen wir den Sohn vor vier Jahren im Nachbarort, in eben dieser Schule angemeldet haben. Was hatte ich eigentlich damals im Sinn? Wollte ich Genies ihres Faches dort antreffen, starke Persönlichkeiten mit Talent und Berufung? Hoffte ich auf Einfühlsamkeit, ebenso wie Didaktik? Pädagogik genauso wie Begeisterung? Wenn ich ehrlich bin hatte ich die Hoffnung auf belastbare, initiative und stabile Persönlichkeiten, die wissen, daß der Schlüssel für Lernerfolge stets in der Begeisterung liegt, die sie für eine Sache aufbringen.

Vier Jahre gehen nun zu Ende. Nicht nur der Sohn hat gelernt zu Lernen und sich zu organisieren. Auch ich habe lernen dürfen in dieser Zeit. Ich habe gelernt, die Zügel in die Hand zu nehmen, oder aber auch locker zu lassen - je nachdem. Ich habe gelernt, mich zurück zu nehmen und zu vertrauen. Ich habe gelernt, daß es günstige, aber auch ungünstige Zeitfenster zum Lernen gibt. Ich habe gelernt, daß Begeisterung das A und O für die Lust ist, über sich hinaus zu wachsen. 

Für einen Moment überlege ich, ob ich nicht die Lehrerschaft der Grundschule mit der DVD "Frau Müller muß weg!", beglücken soll. Zu mißverstehen gäbe es da aus meiner Sicht nichts, geht es doch bei dem Kammerspiel lediglich um die Demontage einer überehrgeizigen Elternschaft, die festentschlossen eine Lehrerin absägen will. Ich habe mich köstlich darüber amüsiert. Nach kurzer Überlegung sehe ich davon ab und schreibe dem Klassenlehrer und der Lehrerin des Sohnes einpaar herzerwärmende Zeilen dafür, daß sie sein Wesen wahrgenommen und ihn maßgeschneidert und prima motiviert haben. Sechs Wochen Verschnaufpause haben sie demnächst - bis die nächsten Wilden kommen...

Ich geh mir dann mal, bestimmt tief ergriffen wie eh und je, einpaar herrlich krumm und schiefe Flötentöne reinziehen...

11 Juli 2015

Für immer

 

Für all jene, die sich in der schwierigsten Situation ihres Lebens befinden:

Das Licht bleibt - für immer. 

10 Juli 2015

Ab heute

 

Ich möchte wieder Tagebuch führen, so wie ich das phasenweise in meinem Leben immer mal wieder gemacht habe, weil ich besondere Momente auf keinen Fall vergessen möchte, das Schreiben für mich persönlich immer auch eine reinigende Wirkung auf meine Seele hat, ich mich besinnen möchte auf das Wesentliche in meinem Leben... Diese persönliche Art der Ausdrucksweise habe ich immer als sehr wohltuend erlebt.

Bisher war meine Kamera mir eine tolle Gedächtnisstütze bei so Vielem, aber nach dem desaströsen zweiten Festplattencrash will ich mich nicht mehr nur darauf verlassen.

Auch Papatyam ist eine Art Tagebuch - allerdings kommen da so viele persönliche Dinge gar nicht erst rein, da sie für die Öffentlichkeit nicht sind. 

Heute fange ich an. Nicht jeden Tag oder Woche wird es eine Eintragung geben - manchmal mehr, mal weniger vielleicht. Auf jeden Fall wird das sehr ungewohnt sein für meine Hand, nicht mehr in die Tastatur zu tippen, sondern die Buchstaben aus mir direkt heraus fließen zu lassen.

Führt ihr Tagebuch? Wie geht es euch damit? 

05 Juli 2015

Am Ende

Lediglich meine sterblichen Überreste melden sich hier mit letzten Zuckungen zu Wort. Alles, was zu sagen wäre, hat sie in Vollendung in entsprechende Worte gefaßt. 

Wozu, verflucht nochmal, lebe ich in Norddeutschland?! Normalerweise geht hier immer eine Brise, und wir schaffen es selten sommerliche Temperaturen zu erleben, bevor die Saison wieder vorbei ist. Erst letzte Woche haben wir die Wintermäntel abgelegt. Und jetzt das! Kann man sich denn auf gar nichts mehr verlassen?? Seit Tagen steht die Luft, Ölbilder wie auch mein Gehirn trocknen in Rekordzeit, und wir haben eine Luftfeuchtigkeit wie sie in Thailand nur zur Monsunzeiten herrscht. Das Freibad vermeldet Rekordeinnahmen (Keiner schwimmt. Alle stehen nur bis zum Hals im Wasser wie die Ölsardinen. Ohne mich!!). Ich sterbe...

All jenen, denen Backofentemperaturen nicht genug sein können: behaltet es bitte für euch!!! Ich kann Äußerungen in diese Richtung ganz schlecht vertragen im Moment...

02 Juli 2015

Deutsch-Türkische Gastfreundschaft, oder die erste Djungelprüfung in den siebziger Jahren

Gestern habe ich Garnelen mariniert und zum Abendessen mit den Söhnen gegrillt. Während der eine Sohn das sehr lecker fand, hat der andere mit deutlich verzogenem Gesichtsausdruck nur eine probiert und beließ es dabei.

"Mama, hast du das auch als Kind gerne gegessen?", fragt mich der Sohn interessiert. Gerade will ich ansetzen zu antworten, fällt mir da eine Geschichte von früher ein, und ich erzähle sie ihnen.

Als meine Mutter, also eure Großmutter heiratete, war sie eine lausige Köchin. Das erste Fischgericht, welches sie meinem Vater zuliebe versuchte zuzubereiten, mißlang völlig. In der Küstenstadt, in der mein Vater zu Hause war, und nun auch meine Mutter nach dem Studium lebte, beherrschten alle Frauen sämtliche erdenklichen Gerichte. Da hin zu kommen war für meine Mutter ein noch sehr langer Weg. Mein Vater nahm es mit Humor, nachdem er beim ersten Blick in den brodelnden Topf nur zerfetzt umherschwimmende Fischteile sah. Von Anfang an war auch meine Mutter berufstätig. Im Laufe der Jahre wurde aus ihr eine hervorragende Köchin. Mein Vater und sie kochten stets abwechselnd, und so kam ich schon als kleines Kind in den Genuß herausragender Geschmackserlebnisse. Wann immer meine Mutter die Frage stellte, ob es uns auch schmecken würde, antwortete mein Vater lachend: "Man kann es essen!" Dieser Satz stammte noch aus ihren unrühmlicheren Anfangszeiten. Inzwischen hatte meine Mutter sich in den Küchen-Olymp gekocht, aber dieser Satz blieb, und wir lachten jedes Mal herzhaft darüber.

In Deutschland hatten meine Eltern Kontakte zu türkischen Landsleuten und auch zu den deutschen Kollegen. Ein Junges Paar, nachdem es zuvor bei uns begeistert gespeist hatte, hatte nun selbst eine Einladung ausgesprochen. Beide noch kinderlos, freuten sie sich auch sehr auf meine Anwesenheit und hatten an so viele liebevolle Kleinigkeiten gedacht, damit es ja niemandem von uns an irgendetwas mangeln sollte.

Zuvor hatten sie meine Eltern lediglich gefragt, ob sie Fisch mögen und essen würden. Meine Eltern bejahten. Immerhin kamen wir aus einer Küstenstadt der Türkei, in der viele Menschen auch vom Fischfang lebten. Fisch kannten wir reichlich, und hatten ihn immer regelmäßig auf dem Speiseplan gehabt. Mit einer schönen Pflanze für den Garten kamen wir bei den Gastgebern an. Wir hatten beinahe den ganzen Tag gehungert, wußten wir doch, daß wir am Abend eine Essenseinladung hatten und wollten mit einem gesegneten Appetit unseren Gastgebern bekunden, wie gut es uns schmeckte. Soweit der Plan.

Schon der Eingang des Hauses war unglaublich schön anzusehen. Entlang des Gartenweges und auf den Treppenstufen brannten überall Kerzen in bunten Gläsern. So etwas Schönes hatte ich noch nie gesehen. Es mutete an wie ein Märchen aus 1001 Nacht... Und das alles war für uns gemacht! Wir freuten uns sehr über diese Wertschätzung und nach einer überschwenglichen Begrüßung, einer kurzen Führung durch Haus und Garten, wurden wir in das Wohnzimmer geführt. Der Anblick war unglaublich: eine große, reich gedeckte Festtafel wartete auf uns. Überall brannten Kerzen, im Hintergrund lief unaufdringliche, angenehm klingende Musik. Da hatten sich unsere Gastgeber aber mächtig ins Zeug geworfen. Wir waren sprachlos, hatten wir so ein Aufgebot nicht erwartet. 

Unsere Gastgeber waren begeisterte Türkei-Reisende. Mehrfach hatten sie in den Sommerferien ausgedehnte Rundreisen mit dem eigenen Camper unternommen. Voller Begeisterung berichteten sie davon. Es gab viel Gesprächsstoff.

Nachdem wir mit knurrenden Mägen am Tisch Platz genommen hatten, während unsere Gastgeber noch einige Wege in die Küche machten, wanderten unsere Blicke im Raum und auf dem Tisch umher. Entsetzt, und ohne ein Wort zu sagen, blickten wir uns an: Wir sahen kein einziges Gericht, was unserer Kategorie von Fisch entsprach. Es gab allerlei Krebs- und Schalengetier in Variationen, sogar eine komplette Schlange in einem undefinierbaren Glibber (Aal in Aspik und auch anders) lag kunstvoll drapiert auf einem länglichen Teller... und reichlich anderes, was wir nicht kannten, geschweige denn je verspeist hatten. Unsere Vorstellung von einem mediterranen Abend war gerade baden gegangen. Verzweifelt suchte mein Blick irgendwas, was ich hätte essen können, ohne daß es im hohen Bogen wieder aus mir herausgeschossen gekommen wäre. Ich sah nichts. Es war so furchtbar. Unruhig rutschte ich auf meinem Stuhl umher.

Unsere Gastgeber saßen nun mit am Tisch und blickten uns freundlich, erwartungsvoll an. Die Getränke waren eingeschenkt und nun ging es an's Eingemachte. Während meine Eltern mit unglaublichem, schauspielerischen Talent überzeugten, wurde ich nur noch gelb und grün im Gesicht. Ich glaube ja, daß Kinder über etliche Mechanismen verfügen, um sich aus bedrohlichen Situationen heraus zu lavieren: ich bekam Fieber - so richtig mit Karacho. Nachdem das Wenige aus meinem Magen wieder heraus gekommen war (glücklicherweise war ich zuvor auf dem WC gewesen und kannte den Weg dorthin bereits), machte sich bei mir Erleichterung breit. Ich war raus aus der Nummer. Die Gastgeber waren besorgt, betteten mich mit einer Decke auf das Sofa. Ich bekam Tee. Zwischendurch dämmerte ich weg, aber wann immer ich zu meinen  Eltern blickte, hatte ich großes Mitgefühl mit ihnen: wie machten sie das bloß?!

Wieder Zuhause angekommen, übergab sich nun auch mein Vater. Er hatte Dinge gegessen, die er freiwillig niemals verspeist hätte. Ab jenem Tag fragten meine Eltern genauer nach, wenn es eine Einladung zu einem Fischessen gab.

"Armer Dede!"
"Mama, hat er wirklich gekotzt", fragt das kleine Kind amüsiert. 
"Ja doch, zu Hause sofort! Es ging ihm richtig schlecht. Aber er hat so lange tapfer durchgehalten, weil sich unsere Gastgeber so unendlich viel Mühe gegeben hatten, und er sie nicht enttäuschen wollte."
"Und Oma...?", will das Kind sensationslüstern  wissen.
"Ich kann mich nicht mehr so genau erinnern, aber auch sie hat sich tapfer geschlagen und mit ihrer charmanten Art alles wett gemacht".
"Also, ich fand die Garnelen wirklich lecker, Mama!"
"Also ich... nicht sooo sehr", sagt das kleine Kind. 
"Ich finde es aber gut, daß du mal probiert hast", sage ich. "Im Laufe eures Lebens wird sich euer Geschmack noch verändern. Es kann durchaus sein, daß gerade du eines Tages Garnelen lieben wirst..."