30 Juni 2015

Erledigt

 

Was in den letzten Wochen zuwenig war, war heute schon fast zuviel: bei der ungewohnten Wärme Rasen gemäht. Ich weiß nicht, warum ich dann immer auf so schweißtreibende Ideen komme. Und weil's anscheinend nicht schweißtreibend genug war, stundenlang auf allen Vieren rumgerobbt und Unmengen von Unkraut vernichtet. Mein Mann wird sich bestimmt wieder über die sichtbar gewordene Friedhofserde beklagen. Man kann es eben nicht jedem recht machen ;-). Als ich mich kaum noch rühren konnte, habe ich noch das ehemalige Feigen-Stöckchen in einen größeren Topf mit guter Erde umgepflanzt - das Bäumchen entwickelt sich!

 

Fast hätte ich es vergessen: Zwischendurch den halbjährlichen Kontrolltermin beim Zahnarzt absolviert. Wenn wir die Praxis wieder verlassen, sind wir meist sehr beschwingt.

 

Am Ende des Tages auf den Hosenboden gesetzt und im Garten um mich geschaut. Es gibt noch immer viel zu tun, aber auch reichlich Schönes zu sehen und zu genießen. Ist das nicht eine tolle Blüte?! Und dann auch noch so riesig groß.

 

Und die Blüten des Pfeifenstrauches, die veströmen einen so unglaublich intensiven Duft. Im Laufe der Jahre habe ich ihn immer wieder erfolgreich vermehrt, so daß ich ihn an mehreren Stellen im Garten habe. Heute hat es in unserem Garten überall nach Jasmin geduftet. Herrlich ist das!

 

Nicht gespritzte Erdbeeren aus dem eigenen Garten. Bei den Gekauften schmecke ich immer dieses Mittel heraus. Nicht so schön. Liebäugele mit einem Hochbeet, in dem es nur verschiedene Erdbeerpflanzensorten geben soll. Mal sehen, was meine bessere Hälfte dazu meint.

 

Im Gegensatz zur geschundenen Mutter, wollte die wilde Meute noch unbedingt eine Radtour machen. Ich hatte keine Energie mehr, um dagegen zu halten ;-) Also eine größere Radtour gemacht  (mit Highspeedfahren - und abbremsen). Ich glaube sogar die Erste in diesem Jahr.  So einen miserablen Schnitt hatten wir noch nie.

 

Unterwegs einen Jungbullen und einpaar Kühe bewundert.

 

Armer, grauer Kater! Auch ihm war's viel zu warm. Würde mich nicht wundern, wenn er schlagartig sein Fell abwirft.

 

Was sehen meine entzündeten Augen da?! Eine unserer Hortensien trägt Blütenansätze. Wer sagt's denn. Geht doch!

Beim Duschen hab ich gedacht, ich krieg die Arme nicht mehr hoch. Ging aber. Jetzt mache ich mich nur noch lang und schaue mir vermutlich zum X-ten Mal den, in meiner letzten Post empfohlenen, Film an. Er ist einfach zu schön... 

Schon gesehen??

29 Juni 2015

Eine ganz besondere Liebesgeschichte

Schon als Kind mochte ich keine Zoos. Auch wenn sich an den Gehegen vieler Tiere einiges getan hat, hat sich bis heute an meiner Haltung nichts geändert. Ein Leben in Gefangenschaft ist nicht die Freiheit. Noch heute vergesse ich nicht den völlig depressiven Eisbären des Kölner Zoos...

Auf diesen Löwen wurde ich aufmerksam über Galileo big pictures - unglaubliche Momente. Die ausführliche Geschichte des "Kaufhaus-Löwen" dazu fand ich hier. Es ist so berührend. Was für eine Liebesgeschichte!

Einfach weiter laufen lassen. Ist ein Dreiteiler aus jeweils ca. 12-15 Minuten Sequenzen.

28 Juni 2015

Auf dem unfertigen Teller

 

Altes Unterhemd als unerläßliches Utensil beim Malen mit Ölfarben

 

 

 

 

 

Fisch am Freitag ;-)
40x50 Öl auf Leinen-Malkarton 

Das Bild war bereits fertig. Dann hab ich's versaubeutelt, weil ich unbedingt weiter machen wollte. Jetzt heißt es etwas Zeit verstreichen lassen, damit es weiter gehen kann. Künftig werde ich mehrere Bilder gleichzeitig in Angriff nehmen. Die Warterei in den Trocknungsphasen ist nicht unbedingt was für mich. Trotzdem mag ich Ölfarben immer mehr. Die geschmeidige Vermalbarkeit der Farben ist einfach außer Konkurrenz. Bei jedem Bild, und gerade auch bei denen, die ich vermurkse, lerne ich. Diese Erfahrungen sind Gold wert. Und auch der Umstand, daß ich beim Malen alles um mich herum vergesse. Das hat etwas sehr Meditatives. Wunderbar!

26 Juni 2015

Kein Kommentar!

Ihr Lieben, alle Jahre wieder gibt es hier bei mir unerklärliche Probleme mit Blogger. Ich habe heute bestimmt einige dutzend Male versucht in allen denkbaren Varianten auf den Blogs zu kommentieren, die ich gerne lese: es ging und geht nichts! Ich selbst habe keinerlei Erklärung dafür, habe recherchiert und alles umgesetzt, was im Internet angeraten wurde. Nichts! Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos, mußte ich bisher immerhin meine Kommentare doppelt eingeben, damit sie überhaupt erschienen. Daß aber nun garnichts mehr geht, das nervt kolossal. Vielleicht löst sich mein Problem schon bald in Luft auch - vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall sollt ihr wissen, daß ich zur Zeit keinen Ton rauskriege bei euch allen.

Falls einer das selbe  Problem hatte und weiß, woran das liegt, darf er mich gerne informieren.
Ein schönes Wochenende euch allen!

23 Juni 2015

Leidenschaft

 

Seit ich fünf Jahre jung war, stricke und häkele ich. Meine Mutter brachte es mir mit entsprechend kurzen, kindertauglichen Nadeln geduldig bei. Kaum, daß ich in der Lage war, kleine Läppchen zu stricken, preßte ich sie meinem Vater gegen die Fersen: es sollten Strümpfe für ihn daraus werden ;-). Es sollte noch etliche Jahre dauern, bis ich ihn tatsächlich mit Socken beglücken konnte. Ich selbst mag sie überhaupt nicht gerne tragen, habe aber reichlich für ihn gestrickt.

Viele Jahre habe ich gestrickt - auf die französische Art. Auch die hier gängige Version beherrsche ich, aber mit der ursprünglich gelernten Methode kann ich schnell und sehr gleichmäßig stricken. Leider war das jahrzehntelange Stricken nicht sehr förderlich für meine Finger. Es gibt Phasen, wo das Stricken und auch andere Dinge unmöglich sind.

 

Wenn es aber mal seltenerweise wieder geht, dann handelt es sich um Genußstricken. Leider bin ich extrem empfindlich, was Wollfasern angeht - da bilden auch edelste Garne keine Ausnahme. Was aber immer schon problemlos ging und geht, das ist Seide und Cashmere. Irgendwann hatte ich Lace-Garne aus reiner Seide erworben. Da sehr dünn, habe ich das Garn doppelt genommen und verstricke es nun mit Nadelstärke drei. 

Meist habe ich nichts von den Sachen, die ich für mich mache. Meine Freundinnen sind echte Räuberinnen. Einmal mit "Ah" und "Oh" anprobiert, verschenke ich die Sachen, als hätte da keinerlei Arbeit und Mühe darin gesteckt. Mein Mantel wurde sogar von einer durchreisenden Freundin jubelnd mitgenommen, obwohl noch nicht einmal die Ärmel fertig angenäht waren. S. hat sich so gefreut, da hab auch ich mich gefreut - und weg war's... Dieses Teil aber (noch verrate ich nicht, was es wird), und das habe ich mir jetzt wirklich fest vorgenommen (erstmals und überhaupt), das stricke ich für MICH. Jawoll!

21 Juni 2015

Wochenendimpressionen

 

Für mich persönlich braucht es nie wärmer als 24°C zu werden. Hitze kann ich nicht ausstehen - es sei denn, ich stehe bis mindestens zum Hals im Wasser. Aber so mit 10°C am Morgen muß es im Juni auch nicht sein. Echt doof! Suche Zerstreuung, indem ich nähen möchte. Bin mit meinen Gedanken ganz woanders und verhunze kostbare Stoffe, indem ich gravierende Fehler schon beim Zuschnitt mache. Der Sonntag fängt schon gut an...

 

Der Kater steht total auf Butter, Aioli und Vanilleeis. In diesem Fall schleckt er reine Butter. Da alles das nicht gerade gut für Katzen ist, gibt es das auch nur als seltenes Schmankerl. Jedem Tierchen, sein Pläsierchen...

 

Nach der Butterorgie wird sich ausgiebigst geputzt. Katzen haben irgendwas in ihrem Speichel, womit sie sich den Geruch aus dem Fell lecken können. Sonst wären sie als Raubtiere ziemlich aufgeschmissen. Wenn er sich denn so frisch geputzt hat, dann könnte ich ihn knutschen (theoretisch zumindest), so toll duftet er dann nach frisch gewaschener Wäsche. Der Herr Mautz ruht, während ich sein Kopfkissen gebe. Man hat ja sonst nichts zu tun.

 

Etliche Stunden später wird es deutlich wärmer. Der Herr des Hauses und ich machen einen ausgedehnten Spaziergang durch den Wald und kommen dabei an einem Feld mit Kornblumen vorbei. I love Kornblumen!

 

Ist diese Blüte nebst Farbe nicht der Hammer?!

 

Auch diese Blümlis finde ich entzückend.

 

Für eine Nahaufnahme mache ich gerne eine Verbeugung vor den Damen.


 Kurz begrüßen wir diesen scheuen Gesellen. Was der wohl so denkt bei unserem Anblick?!

Plötzlich mutiere ich zum Hulk und habe binnen Minuten ein beängstigend angeschwollenes Matschauge. Mein Mann bleibt cool - is' ja nicht sein Auge. Als der Glibberkörper in meinem Auge weiter anschwillt und zwischen den Lidern hervorquillt,  finden wir uns nach einer Weile doch in der Notaufnahme der Klinik ein. Ich stelle mich auf Wartezeiten von mindestens fünf Stunden ein und traue bei Ankunft meinem Auge nicht: außer uns sitzen da gerade mal drei Leute da. Das habe ich so noch nie erlebt. Schnell bin ich auch dran. Der Arzt stellt fest, daß wir gleich alt sind. Was will er mir damit sagen: Daß wir beide im Eimer sind?! Er macht noch eine heitere Bemerkung diesbezüglich. Ich muß lachen, denke aber: Junge, wach auf! Wir stehen schon fast auf der anderen Seite. Komm' mir jetzt nicht mit dem Best-Ager-Kram. Mit den Tropfen treten wir nach dem Apothekenbesuch die Heimreise an. Ich mache einen kleinen Rundgang durch den Garten.

 

Viel Nachwuchs sehe ich da.

 

Bei dem Anblick freue ich mich wirklich. Ich hatte ihn letztes Jahr aus dem Discounter mitgenommen - als Stöckchen. Er tat mir so leid. Trotzdem er mehr tot als lebendig war, durfte ich den vollen Preis hinblättern. Egal, er hat sich erholt. Ein winziger Feigenbaum ist das übrigens. Das Leben will gelebt werden.

 

Die habe ich mit Wurzeln vom Feldrand mitgenommen. Jetzt sind sie bei uns im Beet. Ob sie sich hier wohlfühlen und ausbreiten werden? Das wäre schön! Jetzt versuche ich noch die letzten Stunden des Sonntags zu genießen. Bei Regenwetter natürlich. Der Tag endet genau so, wie er wettermäßig begonnen hatte. Kein Bock auf Tatort! Teile der Welt in Auszügen mit, wie mein Sonntag so war.

19 Juni 2015

Gartenfreuden

Dieses Jahr scheint der Sommer wettertechnisch nicht stattfinden zu wollen. Wir dümpeln bei kühlen Temperaturen vor uns hin, haben die Winterklamotten noch garnicht ausgetauscht. Im Garten haben wir dennoch etwas gemacht. Ich habe massig Giersch entfernt, der kniehoch stand. Mein Mann mahnt mich dann an, weil er Giersch zig mal schöner findet, als die dann sichtbar werdende Friedhofserde, wie er es nennt ;-). Da wir den vorderen Garten als Lebensraum nutzen, und er hier nicht zu Vorzeigezwecken dient, haben wir die offene Seite zwecks mehr Privatsphäre nun mit einer Reihe immergrüner Pflanzen bepflanzt. Einpaar Jahre werden wohl ins Land gehen, bis dann alles blickdicht zugewachsen sein wird. Im Zuge dieser Maßnahme habe ich eine größere Bauernhortensie auspflanzen müssen, welche sich seit Jahren nicht sonderlich weiter entwickelt hat. 


Ich liebe Bauernhortensien, bislang hatten wir aber nicht das Glück, wunderschöne Blüten genießen zu dürfen. Während ich Giersch auch aus dem Wurzelballen der Bauerhortensie friemeln durfte, habe ich ihn radikal zurück geschnitten (das heißt, auch die nächsten Jahre wird es keine Blütenpracht geben - egal). Die Pflanze war schlichtweg zu riesig geworden. Kleinere Triebe, die dabei abknickten, habe ich in ein Wasserglas gestellt, und hoffe, daß ich irgendwann Wurzeln daran entdecke.

 

Saatgut sammle ich das Jahr über im Garten. Diese stammen von 2013. Eine Methode der schnellen Keimung habe ich nachgemacht und hoffe, daß alles problemlos gelingt. 

Heute morgen durfte ich mich über eine blaue Zunge des Katers wundern. Blaue Acrylfarbe scheint zu schmecken ;-). Ich habe sogleich alles weggeräumt. Verrücktes Tier!



15 Juni 2015

Heute Abend

Früher habe ich mich nie für Datenschutz interessiert. Inzwischen sieht das anders aus. Falls es noch jemanden interessiert -  darum geht's!

14 Juni 2015

Auf dem Podest

Die alte Dame hatte ich hier kennengelernt. So gern hätte ich ihr noch weiter zugehört, aber ich hatte den kleinen Herren den Strandbesuch versprochen. Ach, ich finde ja, man müßte alte Menschen auf ein Podest setzen, sich bei einem duftenden Kaffee, oder Tee auf bequemen Kissen niederlassen und ihnen einfach nur zuhören. So viel Interessantes haben sie aus einem reich gefüllten Leben zu erzählen. E. habe ich nicht auf ein Podest setzen können, aber ich habe das versucht auf meine Weise zu tun: Ich habe ihr zugehört, und ich habe sie gemalt. Zumindest habe ich das versucht ;-). An der Hautfarbe bin ich fast verzweifelt. Zwischendurch war ich geneigt, alles in die Tonne zu kloppen, aber ich habe es mir anders überlegt. Ich werde das Bild behalten. Schließlich möchte ich irgendwann so etwas wie eine Entwicklung bei meinen Bemühungen sehen. Da gehören solche Bilder dann dazu, oder?!


 E.
38x46 cm
Acryl auf Malblock

12 Juni 2015

Heimweh, oder "Memleket nerede?"

Im November 2013 sprach mich Astrid wegen eines Gastposts zum Thema „Geduld“ an, welches ich nicht erfüllen konnte. Das Leben mit Kindern und deren Krankheitsphasen, so wie daraus resultierend meine Erschöpfung wegen Schlafmangels, waren nicht berechenbar. Daher sagte ich damals ab. Viele Menschen halten mich für geduldig, und ja, ich habe in der Tat einen langen Atem. Warum das tatsächlich so ist, dazu habe ich mir Gedanken gemacht und bin zu folgendem Ergebnis gekommen, das ich nach ca. 1,5 Jahren nachreichen möchte. Manchmal müssen auch andere mit mir geduldig sein…

Geduld lernte ich bereits als Kind an jenen Tagen bei der deutschen Post, während meine Eltern sich um ein Telefonat mit der Familie  in unserer Heimat bemühten. Zäh vergingen die Stunden in tödlicher Langeweile, bis man irgendwann in eine Kabine gerufen wurde, um von dort aus in mehr oder weniger ohrenbetäubender Lautstärke sich hastig mit einem Familienmitglied auszutauschen.  Die Verbindung war meist schlecht, und wir waren überglücklich, gegen eine horrende Summe in den verhältnismäßig wenigen Minuten, neue Informationen miteinander austauschen zu können. Geduld lernte ich im ersten Schulhalbjahr in Deutschland, wo ich vor Langeweile oft die Sekunden zählte, bis der Unterricht endlich vorüber war. Ich konnte kaum folgen, weil ich so gut wie nichts verstand. Geduld lernte ich auf diversen deutschen Ämtern, zu denen ich meine Eltern begleitete, weil ich im Gegensatz zu ihnen die neue Sprache sehr schnell gelernt hatte und ihnen so eine Hilfe sein konnte. Geduld lernte ich beim türkischen Konsulat, wenn die Gültigkeit meines türkischen Passes verlängert werden mußte, und man einen unendlich langen Tag, auf den übervollen Korridoren mit endloser Warterei verbrachte. Geduld braucht es immer wieder, wenn das eine Land Dokumente verlangt, für das sich das andere noch nicht einmal im Ansatz zuständig fühlt. Geduld lerne ich durch meine Kinder. Sie sind großartige Lehrmeister. Geduld lernte und lerne ich auch weiterhin durch die ewig Gestrigen, die manchmal heute noch meinen, mir aufgrund meiner Herkunft übel begegnen zu müssen. Meist nehme ich es mit Gelassenheit.

Geduld lernte ich bei den tagelangen Fahrten bei Gluthitze und der Enge auf dem Rücksitz unseres uralten ersten VW-Käfers in die Heimat. Tausende von Kilometern reihten wir uns ein in jene scheinbar endlosen Schlangen in die Heimat. Geduld mußten wir haben, wenn wir es unter Lebensgefahr letztendlich bis zur Grenze an die Türkei geschafft hatten -  so viele ließen ihr Leben wegen Übermüdung auf dieser Strecke. Tagelang warteten wir in  kilometerlangen Schlangen darauf, im Schneckentempo an die Grenzkontrolle zu gelangen. Wenn man Pech hatte, mußte man das vollbeladene Auto bis auf das Gerüst auseinander nehmen, um es dann bei schwindelerregenden Außentemperaturen schweißgebadet wieder mühsam zusammen zu bauen. Es sei denn, man passierte die Grenze recht zügig, indem man die Kontrolleure bestach. Viele steckten Geldscheine in den Paß, oder in Zigarettenstangen, die man den Grenzbeamten übergab. Das tat man in der Erwartung, nicht gefilzt zu werden. Meine Mutter und ich, wir wußten schon, was kommen würde. Mein Vater weigerte sich hartnäckig, sich diesen Forderungen zu beugen. Immer. Nicht ohne demjenigen lautstark und öffentlichkeitswirksam, meist unter Applaus einer tosenden Menge, die Meinung zu geigen. Einmal jedoch eskalierte die Situation, und ich bekam es mit der Angst zu tun. Nachdem mein Vater unser Auto wieder beladen hatte, und wir erleichtert und erschöpft weiter fuhren, kamen wir an einem weiteren Kontrollpunkt an. Der Grenzbeamte zuvor hatte meinem Vater aufgrund der Auseinandersetzung nicht den Paß abgestempelt, so daß wir unweigerlich die ganze Strecke durch die schweißtreibende Hitze wieder zurück mußten. Schnurstracksgeradeaus ging mein Vater zu jenem Grenzbeamten und packte ihn am Kragen. Mein sonst so besonnener Vater war außer sich. Die Beine des Mannes schwebten ein Stück über dem Boden, während mein Vater auf ihn einbrüllte. Wir stürzten aus dem Wagen und versuchten ihn dazu zu bewegen, von dem Mann abzulassen. Es kam zu keiner Schlägerei, aber die Situation war höchst explosiv. Es bildete sich eine große Menschentraube um uns herum. Ich hatte furchtbare Angst. Mein Vater folgte den Beamten in ein Gebäude abseits. Wir warteten und warteten. Als er wieder kam, war er deutlich ruhiger. Wir passierten die Grenze mit Stempel, aber ohne Zigarettenstangen, Jack-Daniels-Flasche oder Geld da zu lassen.

  
Überlebenswichtige Pausen
 
Geduld brauchte ich, wenn es nach dem Grenzübertritt in die Türkei noch mindestens anderthalb Tage dauerte, bis ich mich endlich wieder voller Ungeduld und schluchzend in sehnsüchtig wartende, weit geöffnete Arme warf…

Aber nochmal genauer und von vorn:

Wir lebten etwas über ein Jahr in Deutschland. Meine Eltern waren in den Siebzigern als Gastarbeiter nach Deutschland eingereist, hatten aber inzwischen eine Anstellung in ihrem in der Türkei ausgeübten Beruf bekommen können. Jedoch verdienten sie unglaublich wenig Geld. Beide zusammen erhielten etwas mehr als die Hälfte von einem jungen, deutschen Kollegen, der noch ganz am Anfang seiner Berufslaufbahn stand. Das ganze wurde begründet damit, daß meine Eltern in der Türkei Abitur gemacht hätten. In der Türkei hatte man damals mit Abschluß der elften Klasse Abitur. Daß sie danach in der Türkei, sowie im Ausland studiert und etliche Jahre Berufserfahrung mitbrachten, das ließ man nicht gelten. Noch heute kann ich mich über diese Ungerechtigkeit aufregen. Entweder hat man die Qualifikation, um auf die Menschheit losgelassen zu werden, oder man hat sie nicht! Und wenn man für entsprechend fähig gehalten und eingesetzt wird, dann sollte diese Arbeit auch entsprechend entlohnt werden. Alles andere ist Ausbeutung und eine Farce.
 
Also suchte mein Vater sich noch einen kräfteraubenden Wochenendnebenjob, wo er Doppelschichten von morgens bis nachts machte. Somit wurden gewisse Extras möglich, die sonst finanziell einfach nicht drin waren. Das erste Extra war, daß wir uns nach einem Jahr in einem Einzimmer-Appartment eine geräumige Altbauwohnung leisten konnten. So schnell wie möglich machte mein Vater seinen Führerschein. Schon bald nannten wir einen 18 Jahre alten VW-Käfer unser Eigen. Es dauerte nicht lange, und die Sehnsucht trieb uns, wie so viele andere Gastarbeiterfamilien auch, in die ferne Heimat. Wenn ich so überlege, lebten wir ab da von Sommerferien zu Sommerferien. Wochen vorher waren meine Eltern mit Vorbereitungen beschäftigt. Der Käfer bot nicht viel Stauraum. Reichlich davon ging für Reparaturwerkzeug drauf, den mein Vater für alle Fälle mitnahm. Meine Mutter war für das leibliche Wohl und die sorgsam ausgesuchten Geschenke für die ganze Verwandtschaft zuständig. Dabei hatten sich meine Eltern auf kleinere Küchenhelfer, und Kosmetikartikel für die Frauen und technische Finessen für die männliche Verwandschaft beschränkt, weil der ohnehin kostbare Platz im Auto mehr nicht aufnehmen konnte. Ich bedauere sehr, daß ich kaum Aufnahmen aus jenen Tagen habe, die ich zeigen kann. Es gab mal welche, aber nun sind sie über beide Länder verstreut. 

Es gab nichts in jenen Tagen, was nicht auf’s Autodach kam: Matratzen, Kühlschränke, unvorstellbare Dinge, für deren Mitnahme man normalerweise sofort aus dem Verkehr gezogen worden wäre.

 

Pause - einfach mal die Füße hoch legen


Rast am Straßenrand

Die gefürchtete Transitstrecke zwischen Österreich und Griechenland hatte viele Namen und war aus der Migrationsgeschichte nicht wegzudenken. Von den einen wurde sie „die Straße der Völkerwanderung“ genannt, von manchen als die Gastarbeiterstrecke verspottet. Wir alle wußten um die „Todesstrecke“, auf die wir uns jedes Jahr begaben. Europäische Verkehrsminister nannten sie den „Paneuropäischen Korridor X“, aber durchgesetzt hat sich das serbische Wort für Autobahn: Autoput. Für uns Gastarbeiter aus der Türkei war der Autoput die Reise in die alte, oder auch neue Heimat – je nachdem. Wir alle wollten in unsere Herkunftsländer, um unsere schmerzlich vermißten Familien und Freunde wieder zu sehen, um ihnen Geschenke zu übergeben und von unserem Aufenthalt in Deutschland zu erzählen. Während wir von unserem neuen Leben berichteten, erfuhren wir Geschichten aus dem Alten, die wir in der Zwischenzeit verpaßt hatten. Wir wollten unsere Sehnsucht stillen.


Mein Vater 
Das oberste Gebot war es, mir soviel wie möglich zu zeigen, 
uns wieder sicher in die Heimat und auch zurück zu bingen.

Neben Vielem war der Autoput tatsächlich eine Todesstrecke. Wie die Motten das Licht suchen, drängten unzählige Gastarbeiter bis zur totalen Erschöpfung auf dieser Strecke ihrem Ziel entgegen. Es gab Menschen, die das Gaspedal nicht mehr bedienen konnten und einen Ziegelstein auf diesem befestigten, oder sogar gleich den Fuß daran schnürten – wir hörten von ihnen. Für viele war es das Ziel, so schnell und so günstig wie nur möglich mit einem Auto in die Heimat zu gelangen. Mehrere Tage nonstop durchzufahren, kaum zu rasten, das gehörte zum Reisealltag jener Zeiten. Unendlich lange Staus und bis 30 Stunden Wartezeit an Grenzübergängen waren  keine Seltenheit. Hatte man Pech, waren durchaus mehrere Tage Wartezeit drin.  Zeit genug, um Kontakte zu Mitreisenden zu knüpfen: "Memleket nerede?", so lautete eine nicht unübliche Frage. "Wo ist die Heimat?" Damit wollte man eroieren, woher das Gegenüber stammte. Und schon befand man sich inmitten einer interessanten Unterhaltung.

Autoströme aus ganz Europa konzentrierten sich auf der Strecke zwischen München und Istanbul. Es gab Rekordstaus, endzeitliches Verkehrschaos und tragische Unfälle. Blank liegende Nerven, Sekundenschlaf am Steuer und waghalsige Überholmanöver sorgten stets für Tragödien. Über fünftausend Unfälle passierten pro Jahr allein auf dem nur 330 Kilometer langen österreichischen Teilstück der Strecke. Auf dieser Strecke sahen wir Dinge, die man besser nicht hätte sehen sollen. Es war demoralisierend.

Trotz der Strapazen und Gefahren mit dem Auto konnten sich die meisten Familien ein Flugticket gar nicht erst leisten. Erst nach und nach ging man dazu über, einen Flug in die Heimat zu buchen. Es kam die Zeit des Vural Öger, eines türkisch-deutschen Unternehmers, der 1969 in Hamburg  das „Reisebüro Istanbul“ gründete, das als erstes Direktflüge von Hamburg in die Türkei anbot. Daraus ging 1972 die Öger Türk Tur GmbH hervor. 1982 gründete er das Unternehmen Öger Tours GmbH in Hamburg. Wir reisten weiterhin mit dem Auto.


Meine Mam
So viele schöne Ausblicke haben wir auf unseren Reisen genossen. 
An besonders schönen Stellen wurde auch mal ein Erinnerungsfoto geschossen.

Fernab der schlimmen Erlebnisse - auch die langen Warteschlangen vor den komplett verdreckten WC’s  an den Raststätten zähle ich dazu, gab es aber auch sehr Schöne. Einpaar alte Musikkassetten mit türkischer Musik befanden sich in unserem Auto. Sie waren der herrschenden Hitze nicht gewachsen und schmolzen. Aber das war egal! Während ich, auf der eigens für mich gemütlich ausgepolsterten Rückbank lag und las, manchmal auch meine Beobachtungen nieder schrieb, häufig  auch schlief, bat mein Vater meine Mutter zu singen. „Hatun“ (Weib - er benutzte gern diese altertümliche Ansprache für meine moderne Mutter ;-)), sagte er. „Komm, laß deine schöne Stimme hören. Sing bitte für uns!“ Meine Mutter ließ sich nicht zwei Mal bitten und sang stundenlang, während ich spätestens da auf der Rückbank wegschlummerte. 

Auf der Karte konnte ich mitverfolgen, welche Strecke schon hinter uns lag, und was wir vor uns hatten. Meist war ich freudig erregt, wenn ich daran dachte, wen wir alles wieder sehen würden. Und wieder einmal keimte die Hoffnung in mir auf, daß meine Eltern vielleicht dieses Mal erkennen würden, wie schön es in unserer Heimat doch war. Vielleicht, so hoffte ich inständig, würden sie es sich anders überlegen und zurück kehren zu unserer Familie, in unsere Heimat. Nie vergesse ich einen neuwertigen  BMW auf unserer Strecke, der mir sofort auffiel, weil er in keinster Weise beladen schien. Nur im Heckfenster prangte ein großes, handbeschriftetes Pappschild, auf dem deutlich zu lesen stand: ""Terkediyorum seni, Almanya!" ("Ich verlasse dich, Deutschland!"). Ich erinnere mich ganz genau an diesen Moment, als ich eine Gänsehaut am ganzen Körper bekam. Genau in jenem Auto hätte ich sitzen wollen. Auch ich wollte nicht mehr zurück.

Dennoch war das ganze für mich eine spektakuläre Abenteuerreise, die ich in der Regel sehr genoß, ereigneten sich doch ständig und immer wieder Herausforderungen jeglicher Art. Ein Achsenbruch kurz vor Istanbul zwang uns in eine Autowerkstatt, wie ich sie so nie wieder sah. Es gab beinahe kein Werkzeug darin. Wie auch immer, bekamen die Männer das tatsächlich hin, daß wir nach wenigen Tagen weiter fahren konnten. Und der Wagen hielt und fuhr noch lange Zeit. So viele kuriose Geschichten erlebten wir Tag für Tag.

Mein Vater war ein sehr besonnener Fahrer, der regelmäßig Pausen machte. Während andere in Rekordzeit von knapp einem Tag die Türkei, oder auch die ewigen Jagdgründe erreichten, ließen wir uns Zeit. Oftmals brauchten wir eine Woche, bis wir bei unserer Familie waren. Wenn sich eine günstige und saubere Unterkunft finden ließ, übernachteten wir dort. Am nächsten Morgen machten wir uns in aller Frühe wieder auf den Weg. Manchmal kamen wir im Laufe des Tages an Ständen von Bauern vorbei, die ihr verstaubtes Obst am Wegesrand anpriesen. Meine Eltern waren sehr kontaktfreudig und kamen sofort mit jedem ins Gespräch. Meist dauerte es nicht lange, bis wir die Pfirsiche des jeweiligen Bauern mit eigenen Händen in dessen Feld von den Bäumen selbst pflücken konnten. Das war wunderschön und sehr vergnüglich. 


Pause. Ruhe. Entspannung.

In Bulgarien wurde man regelrecht ausgenommen. Hier wurde ein Transit-Visum benötigt. Auch mußte man eine Wuchersumme pro Person  zwangsweise umtauschen. Restaurants oder Geschäfte, in denen man die aufgezwungenen Lewas hätte ausgeben können, die gab es kaum. Die Banknoten, die man ohnehin nicht wieder ausführen durfte, holte sich die Obrigkeit auf anderen Wegen wieder. Diese Schikane war allerseits bekannt. Obwohl man sich hier strikt an die Verkehrsgeschwindigkeiten hielt, wurden willkürlich Fahrzeuge von Polizisten angehalten, die einen unglaublich freundlich gleich auf türkisch mit "Komşu" oder "Arkadaş" (Nachbar oder Freund) ansprachen, selten Ausweis und Papiere verlangten, dafür aber reichlich Geld. Man hatte keine Chance sich zu wehren und zahlte zähneknirschend. Bei einer Reise ist uns das gleich drei Mal hintereinander passiert. Nach solchen Erlebnissen versuchten viele Bulgarien zu meiden und reisten über Österreich, durch die jugoslawischen Teilrepubliken Slowenien, Kroatien, Serbien, dann über Mazedonien nach Griechenland und dann in die Türkei.

Manchmal, je nachdem, wo wir waren, schauten wir uns Historisches (wie z.B. das Geburtshaus von Atatürk in Tessaloniki) an, oder legten einen halben Strandtag ein. Das genoß ich unendlich, liebte ich doch das Meer. Die meiste Zeit meines Lebens hatte ich bis dahin in einer Küstenstadt am Schwarzen Meer verbracht. 



Mein Reich: Wasser - ich mittendrin

Meist waren die Köstlichkeiten, die meine Mutter uns für die Reise eingepackt hatte, schnell aufgebraucht. Ab da ernährten wir uns beinahe ausschließlich von schmackhaftem Sommerobst. Es war wie im Schlaraffenland. Und überall lernten wir Menschen kennen – Menschen wie wir welche waren -  auf der Durchreise. Aber auch mit Ortsansässigen kamen wir ins Gespräch. Das war oftmals sehr interessant und aufschlußreich. Nicht selten besuchten wir diese Menschen bei weiteren Fahrten in die Heimat wieder, und brachten auch ihnen Geschenke mit ;-).


Kilogrammweise kauften wir das Obst. Köstliche Kirschen waren das. Ich weiß es noch genau ;-).
 
Nie vergesse ich die unvergleichlich lauen, sternenklaren Nächte, nie diese überwältigenden Sonnenaufgänge während unserer Reisen, in die wir teilweise emotional tief bewegt bei anbrechendem Tag hinein fuhren. Und wenn wir dann endlich türkischen Boden unter den Füßen hatten, ließen sich manchmal die Tränen nur schwer zurückhalten. An dem Grenzübergang Kapıkule sprangen viele, die man von Wartezeiten an anderen Grenzstationen kannte, beim Anblick einer türkischen Flagge aus ihren Fahrzeugen heraus und küssten überwältigt den Boden. Vor Freude lagen sich alle in den Armen. Die Strapazen der Reise fielen von uns ab. Wir hatten es geschafft!!! Wenn wir auch noch weit über tausend Kilometer vor uns hatten, aber das war erst einmal egal. Die Türkei, das war unser Zuhause. Hier waren wir keine Ausländer, keine Gastarbeiter, keine Kümmel-Türken, keine Knoblauchfresser, keine Kanaken. Hier erfüllte uns der Stolz, ein Türke zu sein.

Viele Reisen habe ich in meinem Leben unternommen – nicht nur in die Türkei. Aber jene Sommerferien, in denen ich mich wohl ein Dutzend Mal mit meinen Eltern auf dem Autoput befand, gehören zu den abenteuerlichsten, beeindruckendsten und bewegendsten Ereignissen meines Lebens.  Für diese Erlebnisreisen, auf denen ich viel gesehen, gelebt und gefühlt habe, bin ich meinen Eltern unendlich dankbar. Auch dabei lernte ich u.a. viel, sehr viel Geduld zu haben...

P.S: Alle Bilder in diesem Post sind nicht chronologisch sortiert, sondern präsentieren sich kunterbunt durch die Jahre und Länder, die wir damals bereist haben.

11 Juni 2015

Königsdisziplin

 

Ich bereue, daß ich das neue Bild nicht in Ölfarben gemalt habe. Trotz der Trocknungsverzögerer trocknen mir die Acrylfarben viel zu schnell unter dem Pinsel weg. Vielleicht male ich mit Öl drüber. Vielleicht stampfe ich es auch ein  :(...

Meine heutigen Bemühungen, der abgebildeten Person entsprechende Hautfarbe zu mischen, waren lachhaft bis niederschmetternd. Was ich auch gemischt habe, es ist alles vieeeeel zu dunkel geraten. 

Da hilft nur eins: demnächst weiter probieren!

10 Juni 2015

Wettkampf

 

Ein Dutzend Grundschulen aus dem Kreisgebiet nehmen an dem Kreisentscheid für's Schwimmen teil. Die Plätze sind heiß begehrt, und der Sohn wartete beinahe zwei Jahre voller Ungeduld darauf, endlich mit dabei sein zu können. Die Temperaturen sind eher frisch. Jungen und Mädchen warten gespannt auf ihren Einsatz. Nach kurzer Zeit gleicht die Stimmung auf der Tribüne dem in einem Olympiastadion: wir Mütter, und vereinzelt auch Väter, feuern lautstark und voller Körpereinsatz den Nachwuchs an. Eine Mutter fragt mich mehrfach, wo der Sohn schwimmt. Da ich die Frage nicht verstehe, wiederholt sie sie noch einige Male. Endlich fällt der Groschen: sie möchte wissen, in welchem Verein er trainiert. "In keinem", sage ich. "Er hat immer schon gerne mit uns das Freibad besucht". Nach Stunden das Ergebnis: Unsere Schule belegt den ersten Platz. Stolz werden die Medaillien entgegen genommen. Sensationelle Stunden sind vorrüber. Heiser gehe nicht nur ich nach Hause. Die Medaillien des Sohnes klimpern dafür noch den ganzen Tag um mich herum. Gegönnt sei es den Kleinen. Sie waren alle großartig und haben uns bis zur letzten Sekunde einen überwältigenden Tag beschert.

06 Juni 2015

Ein Tag am Meer

 

Endlich: sowas wie Sommerwetter... Sofort kleine Snacks zubereitet, die kleinen Herren ins Auto gebeten und ab zum Strand gefahren. Das ist die Steinchen- und Muschelausbeute vom gestrigen Tag. Habe mich geweigert, alles jenseits von Faustgröße mizunehmen. Wir sind schon steinreich und benötigen da nicht noch mehr ;-).

 
  
Überrascht stellte ich fest, daß die Freundin zum Wochenendworkshop des Kunstvereins, quasi um die Ecke unseres kleinen Strandes verweilt. Daraufhin haben wir sie spontan dort besucht. Bei der Gelegenheit haben die kleinen Herren fasziniert einem älteren Herren beim Beschnitzen eines Bildes auf einer alten Eichenschranktür zugeschaut. Ich habe derweil die Gunst der Stunde genutzt und einer sehr faszinierenden, alten Dame beim Anlegen ihres Ölbildes zugeschaut. Neugierig habe ich sie gefragt, wie sie einst zum Malen gekommen sei. Sie erzählte mir von ihrer begabten Mutter, die im Krieg Bilder von anderen Künstlern nachmalte. Der Vater fuhr mit dem Fahrrad über das Land und versuchte diese zu veräußern. Das war so erfolgreich, daß sie in jenen schwierigen Jahren nicht Hunger leiden mußten. Sie, damals noch winzig klein, schaute stets ihrer Mutter beim Malen zu, atmete dabei beständig die inzwischen längst gewohnten Terpentindämpfe ein. Sehr viel habe sie so durch das Zuschauen verinnerlichen können, erklärt sie mir. Und auch, wenn ich nicht darauf spekuliert hatte, bekomme ich noch einen hilfreichen Tipp für die Ölmalerei von ihr. Ach, ich hätte ihr noch stundenlag zuschauen und zuhören können. Was für eine interessante Frau...

 

Was ich schon immer mal probieren wollte war, Farben selbst anzumischen.

 

Mit dem entsprechenden Bindemittel für Öl stelle ich die Grundfarben her.


"Aufgewühlte See"
 Öl auf Malblock
19x24 cm
 
Früher mochte ich Arylfarben nicht, weil sie viel zu schnell trockneten. Inzwischen kenne ich die Trocknungsverzögerer, mit deren Hilfe man die Farben noch eine ganze Weile vermischen und vermalen kann. Mit der Ölmalerei hatte ich meine Probleme (damals als junges Mädchen bei einmaligem Probieren ;-)), weil das augenscheinlich nichts für mein Temperament war. Es dauerte ewig bis die Farben trockneten und man sich Schicht für Schicht weiterarbeiten konnte. Heute schätze ich Beides, wenn ich auch die Ölmalerei für einen Anfänger angenehmer empfinde. Man hat länger Zeit zu korrigieren, die Farben lassen sich geschmeidiger vermalen und sind brillianter.

So, und jetzt gehe ich mal eine Runde Restholzplatten vom Bau klein sägen. Die dürfen dann die kleinen Herren beim nächsten Strandtag bei einem Lagerfeuer nutzen. Ich bin dafür, daß man die Kreissäge in Kreischsäge umbenennt. Was für ein Krachmacher-Ungetüm...


02 Juni 2015

Learning by doing

 

Wie...? Schon wieder Lernen?? Ja, irgendein Schlaumeier hat mal behauptet, daß man Malen durch das Malen lernt. Und was soll ich sagen: es stimmt! Natürlich sieht manches jämmerlich aus, oder es will etwas einfach nicht gelingen. So what?! Einfach weiter machen. Den Blick schulen, so lange herumskizzieren, bis die Proportionen dem der Vorlage gleichen.

Eigentlich dachte ich, ich käme am Wochenende dazu, ein Bildchen zu malen. Aber die Lernunterstützung für die kleinen Herren, ließ kaum Zeit dafür übrig. Es wurde nichts draus. Obwohl ich erst seit kurzem den Pinsel schwinge, sind doch schon etliche Bilder entstanden. Und einmal mehr bin ich sehr froh, daß ich auf Leinen-Malkarton male, sonst wäre hier schon eine nicht zu verachtende Menge an raumfüllenden Leinwänden zusammen gekommen. 

Inzwischen bin ich sogar auf Malblöcke für Acryl- und Ölmalerei umgestiegen (die Bilder kann man noch platzsparender in Mappen aufbewahren). Bei der ersten Mappe, die ich wahllos von einem Hersteller mitnahm, war ich schier entsetzt. Zu meiner Verwunderung kam ich überhaupt nicht damit klar. Es hatte für mich eine sehr seltsame Oberflächenbeschaffenheit, auf der ich die Farben kaum gescheit vermalt bekam. Den angebrochenen Block durften die kleinen Herren für andere Dinge zweckentfremden. Inzwischen bin ich bei Blöcken von Canson gelandet - und siehe da: ganz anderes Arbeiten ist möglich!

 

Was ich male? So ziemlich alles, was mir vor die Augen kommt. Gemüse vom lezten Einkauf zum Beispiel. Diese Dinge begreife ich als Übung, um meinen Blick zu schulen, um mit den Farben zu experimentieren.

 

Schwächen sehe ich sofort, finde sie aber nicht so schlimm. Versuche beim nächsten Mal, es besser zu machen. Da entstehen dann gerne andere "Fehler", aus denen man dann wieder ewas lernt ;-).

Wenn uns die Sonne in nächster Zeit anlachen sollte, dann möchte ich das erste Mal im Garten mit Ölfarben malen. Ich hole dann die Wasserpfeife raus und los geht's... (Kleiner Scherz am Rande). Bisher habe ich wegen der Stinkerei mit Verdünnungsmittel etc. nichts mit Ölfarben gemacht. Es gibt ja sogar absolut geruchsneutrales Lösungsmittel. Aber auch das atmet man in geschlossen Räumen ein, was der Gesundheit ebenso wenig dienlich ist wie das Stinkezeugs. Aber erst einmal muß es so warm werden, daß mir beim Malen nicht die Finger klamm werden. Wir haben Juni, Herrgott nochmal...