27 Februar 2015

Klappern gehört zum Geschäft

Sorry, hat ein wenig gedauert, aber da bin ich wieder! Die letzten Wochen waren geprägt von vielen Terminen bezüglich der weiterführenden Schule. Höchstinteressant war für mich dabei zu sehen, mit welch' harten Bandagen die Schulen um künftige Schüler kämpfen. Es gibt tatsächlich Grundschulen, die im ersten Jahr die Taxi-Fahrten ihrer sehr entlegen wohnenden Schüler übernehmen, damit diese ihnen nicht durch die Lappen gehen. Im zweiten Schuljahr allerdings müssen die Grundschuleltern selbst zusehen, wie sie ihren Nachwuchs mit dem unzureichenden Busnetz in die jeweilige Schule bekommen. Das nur am Rande, denn damit hatten wir nichts zu tun.


Werbung in eigener Sache läßt sich durchaus auch subtiler gestalten. Eine geschichtsträchtige Schule im alten, gut saniertem Gemäuer, was jedoch aufgrund der großen Entfernung von einer Dreiviertelstunde Fahrtzeit mit Bus/Bahn nicht in Frage kam. Der Sohn mußte das aber auch noch vom Schulleiter höchstpersönlich hören. Ich bewundere ja Leute, deren Kinder sich die Schule aussuchen dürfen. Bei uns läuft das anders: das Kind hat Mitspracherecht auf jeden Fall, aber entscheiden tun in diesem Fall die Noten und wir Eltern. Das Kind kann noch garnicht absehen, was auf der weiterführenden Schule noch zusätzlich auf ihn einströmen wird. Wir schon.

Wir sind noch eine ganze Weile durch die schönen Flure gelaufen, haben uns in Ruhe umgesehen, eh wir uns in unserem Beratungsgespräch wieder fanden. Danach bestätigte sich auch für den Sohn: der Weg ist zu weit, zu weit...

In einer anderen Stadt besuchten wir den Tag der offenen Tür, was wir in der oben gezeigten Schule ausgelassen hatten. Ein dreistündiges "Programm", für Eltern und Kinder war sorgsam erstellt worden. Viele Stellwände zeugten von den  im Unterricht erarbeiteten  Dingen. Ich war regelrecht erschlagen. Das Schulorchester spielte, Reden wurden gehalten, verschiedene Darbietungen wurden erbracht, so daß ich später insgeheim an jeder Flurecke tänzelnde Cheerleader mit Puscheln erwartete. Amerikanischer Wahlkampf war nix dagegen! Und ehrlich, die Lehrer, sie taten mir leid. Während wir nach drei Stunden Tamtam wieder fuhren, stemmten sie das ganze Programm erneut für die Abendbesucher - und das nach einem schon abgeleisteten Unterrichtstag. 

Bereits vor einem Jahr hörte ich von einem Vater: "Also, wir haben uns alle Schulen im Umkreis angesehen. Die Schule X hatte die schlechteste Performance!" Und schon damals war ich verwundert, daß es doch Eltern zu geben scheint, die eine Schule nach der "Performance" auswählen. Die Dinge, die mich interessieren, die stehen zum Teil auf einer Schul-Homepage. Solche Tage sind nicht alleinig aussagekräftig genug, um darauf basierend eine Entscheidung zu fällen. Letztlich ist doch klar, daß alles mit den Menschen steht und fällt, die miteinander zu tun haben. 

Im Übrigen gab es noch ein Beratungsgespräch und einen Abend-der-offenen-Tür bei der Schule X, von der wir im Vorfeld erfahren hatten, daß sie bei besagtem Vater am schlechtesten mit der "Performance" abgeschnitten hatte. Inzwischen haben wir eine Entscheidung gefällt. Die kleine Darbietung war in unseren Augen völlig ausreichend. Die Schulleiterin gab zusätzliche Informationen. Wir hatten sowohl im Vorfeld, wie auch an jenem Abend genügend Zeit und Gelegenheit, um mit den betreffenden Lehrern der angehenden Sextaner und Schülern aus höheren Klassen ins Gespräch zu kommen. Alles gut soweit. Den Rest wird ohnehin der Sohn stemmen müssen, der sich glücklicherweise  darauf freut.

Übrigens schneidet bei vielen Eltern eine Schule am besten ab, die das Problem der Außendarstellung ausgelagert hat, indem sie es in professionelle Partymacher-Hände übergeben hat. Da fallen alle anderen hinten über. Zumindest, was die Performance anbelangt ;-). 

Wie sehr sich Schule in den letzten Jahrzehnten doch verändert hat...

15 Februar 2015

Wir sind alle eine Welt!

 

"Wir sind alle eine Welt"
FEBRUAR
Nach einer Idee von KrokodiLina

Eines unserer wichtigsten Werkzeuge sind unsere Hände, und ich mag sie sehr! Kaum auf der Welt fangen wir an, mit ihnen die Welt zu begreifen. Mit unseren Händen nehmen wir etwas in Besitz, genauso wie wir so viel damit geben können. Hände beherrschen viele Gesten: sie können abwehren, mit einer einzigen Handbewegung können wir sogar Dinge und Menschen abwerten. Sie können zärtlich sein, Schutz geben, retten, helfen, Beistand leisten, aber auch strafen. Mit Händen kann man Zeichen setzen: Widerstand aufgeben, um Gnade bitten. Unsere Hände können Freude, Begeisterung und Jubel ausdrücken, genauso wie Anerkennung. Mit gefalteten Händen wird in allen mir bekannten Religionen die Gebärde des Betens ausgedrückt. Nicht nur in der Gebärdensprache können wir mit unseren Händen sprechen. Hand in Hand gehen wir, wenn wir uns vertragen und ergänzen. Strecken wir die Hand nach jemandem aus, so drücken wir damit die menschliche Nähe und Verständnis, sowie das Verlangen danach aus.

Jeder von uns hat Hände. Damit können wir anderen Menschen die Hand reichen, einander entgegen kommen und auch Versöhnung anbieten. In diesem Sinne laßt uns weiterhin Zeichen setzen.

10 Februar 2015

Kleinstprojekte

Es ist schon einige Zeit her, daß ich gestrickt habe. Inzwischen mache ich am liebsten nur noch überschaubare Dinge wie Mützen, Handschuhe, Socken, Schals. Bei meinen Kindern sind die doppelt gestrickten Mützen der Hit. Zum ersten Mal gesehen hatte ich etwas in der Art hier. Da ich diese Art von Mützen durchgehend in zwei rechts, zwei links stricke, passen sie übergangslos vom Kinder- bis zum Erwachsenenkopf, was ich angenehm wie praktisch finde. Vor einigen Jahren etstanden also die ersten Mützen dieser Art für die kleinen Herren, was sie sehr gerne getragen haben. Leider ging eines recht bald verloren und wurde auch nicht mehr wieder gefunden. Geknickt war der Sohn, aber so schnell ließ sich eine neue, selbst gestrickte Mütze auch nicht herzaubern. So ging reichlich Zeit ins Land und bereits im vergangenen Jahr wurde eine neue Mütze angeschlagen.

 

Die Wolle dazu hatten sich die kleinen Herren selbst ausgesucht, und auch mir gefiel dieses kunterbunte Allerlei. Bis vor wenigen Tagen ruhte alles. Ab und an mache ich einpaar Ründchen, wenn ich am Abend nicht zu müde bin und mir die Fingergelenke nicht einen Strich durch die Rechnung machen

 

Die kleinen Herren haben sehr klare Vorstellungen davon, was sie (tragen) möchten, oder auch nicht. Für die beidseitig tragbare Mütze suchte sich einer dieses Grün aus.

 

Der andere erwählte dieses Blau.

 

Sowohl die melierte, als auch die unifarbene Wolle ist von Arwetta. 80% superwash Merino-Wolle und 20% Synthetikfasern. Das Garn fühlt sich sehr angenehm an, und ich verstricke es mit der Nadelstärke 3. Für den nächsten Winter dürften die beiden Mützen fertig sein.

05 Februar 2015

Licht und Schatten

Seit über einem Jahr habe ich Bauchschmerzen, was die "weiterführende Schule" des Sohnes angeht. Ich habe mich gründlich informiert, mich umgehört und bin dabei mich umzusehen. Die Leistungen des Sohnes sind eindeutig, während mein Bauchgefühl mir auch Contra bezüglich der Begleitumstände signalisiert. Letztlich werden wir gezwungen sein, das kleinere Übel in Kauf zu nehmen, was für den Sohn bedeutet, täglich seine 1,5 Stunden (immerhin ist das die Zeit für die Hin- und Rückfahrt) im Bus bewältigen zu müssen - und das stehend, weil die Busse zum Bersten überfüllt sind. Den Gedanken daran finde ich beinahe unerträglich, könnte er diese Zeit doch ganz anders für sich nutzen - und wenn er nur entspannen und sich dabei in der Nase bohren würde... Es gibt viele Termine in nächster Zeit, so daß es hier gewohnt ruhig bleiben wird. So ist das eben.

 

Bereits vor einiger Zeit hatte ich unseren riesigen Bücherbestand aufgeräumt und war nach tagelanger Beschäftigung damit überglücklich, daß mir eine tolle Ordnung gelungen war. Unsere Kinder brauchten nicht ganz so lang, bis das mit der Ordnung wieder ziemlich hinfällig war. Momentan ist insbesondere das kleine Kind sehr intensiv mit Malen beschäftigt. Das führt dazu, daß auch der große Bruder sich dazu gesellt und experimentiert. So tauchten Fragen auf, wie man denn zum Beispiel Licht malt. Die Dunkelheit darzustellen erschien ihnen einfacher zu sein. Wie gut, wenn Mama da mit einem gezielten Griff ein Buch aus dem Bücherbestand hervor holen kann und man neugierig und staunend betrachtet, was möglich ist. Seitdem wird stundenlang experimentiert! Faszinierend finde ich das Buch ebenfalls, sonst hätte es den Weg zu uns kaum gefunden. Eine lohnenswerte Investition, wie ich finde.

 

Und wo wir schon mal bei Büchern sind, gibt es hier noch ein "Brikett", bestehend aus 400 Seiten. Einige der heute noch funktionierenden Haushaltstipps von Omma kennt bestimmt jeder. Hier sind noch etliche andere zu allen möglichen Lebenslagen aufgeführt. Manches davon so simpel, wie auch faszinierend. Gerne blättern wir auch mal "nur so" darin herum.

Ansonsten telefoniere ich regelmäßig mit meinem Vater. Mein Verdacht vom Sommer 2014 hat sich bestätigen lassen. Es ist emotional nicht leicht, diese Anrufe zu führen, weil ich nie wissen kann, in welcher Verfassung er gerade ist. Und doch bin ich so überglücklich, wenn er mich immer noch erkennt, auch wenn er in nächster Sekunde vergessen haben wird, daß wir miteinander gesprochen haben. Es tut so gut, daß es diese Gespräche gibt, soo gut, daß es ihn noch gibt.

"Ruf an!", sagt er. "Ruf, wieder an, ja?!"
"Mach dir keine Sorgen, baba, hörst du? Ich werde dich immer anrufen. Immer!"
"Ja, ich weiß", sagt er. "Aber ruf an!"