25 Dezember 2015

Ganz geheim

 

Wenn auch gesundheitlich auf Halbmast, habe ich mich dieses Jahr ganz besonders auf die Bescherung gefreut. Nicht wegen zu empfangender Geschenke, sondern in erster Linie wegen dem, was wir meinem Mann zu schenken gedachten. Die kleinen Herren und ich, wir haben uns deswegen viele Gedanken gemacht. Und irgendwann wußten wir, was wir dem Herren des Hauses schenken wollten: Inspiration. Mein Mann ist beruflich stark eingebunden und es bleibt ihm leider nicht viel Zeit, die er reichlich anderen Dingen noch neben der Familie widmen könnte. Eine Sache aus seinem vorigen Leben wußte ich: im Gegensatz zu mir, die ich einige Jahre im Schulorchester spielte, hatte er es in seiner Jungend richtig weit gebracht mit seinem Geigenspiel. Jedoch habe ich ihn nie in unserer gemeinsamen Zeit auf seinem Instrument spielen hören. Wenn ich ihn versuchte zum Spielen zu animieren, bekam ich zu hören, daß die Geige leider nicht 100%'ig in Ordnung sei. Es hätten einpaar Kleinigkeit gemacht werden müssen, aber stets mangelte es an der Zeit, um sich darum zu kümmern.

Und..., ahnt ihr es bereits? Ich schnappte mir das edle, alte Stück und suchte mit klopfendem Herzen einen Geigenbaumeister auf. 

 

Kaum vorstellbar, daß aus solch einem Holzstück irgendwann ein edles Musikinstrument entstehen soll.

 

 

An diesem Geigenhals mit der Schnecke wird bis zu sechs Monaten gearbeitet. 

 

Hier lagern bereits vorbeschnitzte, besondere Holzplatten, aus denen dann Böden und Decken für neue Geigen entstehen sollen. Das sind mitunter so besondere Hölzer, die man heutzutage nicht mehr ohne weiteres bekommt.

 

Ich muß gestehen, daß ich noch viel länger in diesen heiligen Hallen hätte verweilen wollen, als ich es ohnehin getan habe. Es war so interessant den Ausführungen des Geigenbaumeisters in zweiter Generation zu lauschen, der seine Fertigkeiten in Frankreich erlangt und weiter ausgebaut hatte. Bei der Gelegenheit erfuhr ich auch eine ganze Menge über die beinahe 200 Jahre alte Geige meines Mannes. Beeindruckend war das.

 

Wohin ich auch blickte, gab es neuen Stoff für zig Geschichten. 

 


 

 

 

Bögen - nicht irgendwelche. Das sind Kostbarkeiten.

 

Roßhaar. Hatte ich früher auch auf dem Kopf  ;-).

 

Der Albtraum eines jeden Musikinstrumentenbesitzers: Instrument kaputt! In diesem Fall hat sich jemand auf die Geige gesetzt. Aua aua! Zum Glück gibt es den Geigen-Doktor.

 

Stimmt etwas nicht mit Innenleben/Akustik, dann gibt es eine Ultraschalluntersuchung... und der Geigen-Doc weiß genau, was zu tun ist.

Wenn man seine Geige seit dreißig Jahren nicht mehr angerührt hat, ist in der regel nicht mehr viel vom einstigen Können übrig geblieben. Unser Geschenk der wieder vollkommen fünktionierenden Geige barg ein großes Risiko. Neben möglicher Freude rechnete ich ebenso mit herabweisenden Mundwinkeln meines Mannes. Zum Glück kam es anders... und ich hörte ihn erstmals spielen. Hach... 

Ich weiß nicht, wer oder was mehr gestrahlt hat - die Augen meines Mannes, die der kleinen Herren, unser kleines Bäumchen, oder mein aufgeregtes Herz von ganz innen heraus. Selten habe ich mich so sehr gefreut. 

Kommentare:

  1. Bei deinem Bericht geht mir das Herz auf und ich spüre die Vorfreude aber auch das bangen und jetzt die "Erlösung", wunderbar. ein wunderschönes Geschenk.
    herzlichst, Sanne!

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  2. Oh, das ist so eine wunderbare Idee...so ein tolles Geschenk! Mein Sohn hat zu seiner Konfirmation die aufgearbeitete Geige seines Großvaters geschenkt bekommen...und mit seiner Schwester in diesem Jahr ein wundervolles Hauskonzert am Heiligabend gegeben. Frohe Weihnachten noch! LG Lotta.

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  3. Welch schöne Geschichte mit Happy End! Das habt ihr gut gemacht!
    GLG
    Astrid

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  4. so schön!
    Ganz liebe Grüße
    Mareike

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  5. Hach wie anrührend euer Erlebnis! Und du hast es richtig gemacht!
    Schönes Zeit zusammen wünscht Gina

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  6. Ja, hach!
    Für "seinen" Engel, und damit meine ich Dich, hat er ganz bestimmt sehr gerne gespielt!

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  7. Was für ein großartiges Geschenk. Ich freue mich sehr für euch, dass es gut angekommen ist und hoffentlich bald Musik euer Haus füllen wird - vielleicht auch mehrstimmig.
    Eien wudnervolle Werkstatt ist das noch dazu. So viel große Handwerkskunst erfüllt mich immer mit Ehrfurcht.

    Herzlich, Katja

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  8. Ein so liebevoll vorbedachtes und vorbereitetes Geschenk kann eigentlich nur Freude machen, aber ich hätte wohl auch ein bisschen gebangt...
    Wie schön, dass es beim Beschenkten auf ein offenes Herz traf, und wie schön auch, dass die Kinder dadurch ganz "neue Töne" von ihrem Vater hören durften! Vielleicht bekommen sie ja selber Lust zum Musizieren... (oder du auch wieder???) ;-)
    Fröhliche Weihnachtsgrüße,
    Brigitte

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  9. Ihr Lieben,
    ich habe nicht viel übrig für sinnentleerte Feste, wo der eigentliche Inhalt dessen aus Warenaustausch besteht. Selten hatte Weihnachten eine so tiefgehende Bedeutung für mich wie in diesem Jahr, was gewiß auch mit unseren vielfältigen Erlebnissen der Flüchtlingshilfe zusammen hing. Mein Mann und ich halten uns normalerweise sehr zurück mit der Schenkerei - auch die kleinen Herren werden nicht überschüttet mit Konsumartikeln. Wenn geschenkt wird, dann soll auch dabei gern ein tieferer Sinn sein - ein Wert, der bedeutsam ist und zu Herzen geht. In diesem Jahr ist uns das mit der Geige gut gelungen. Als mein Mann die ersten Töne spielte, hatte ich eine Gänsehaut am ganzen Körper. Im Gegensatz zu ihm hatte ich nie eine eigene, geschweige denn eine so kostbare Geige. Meine war geliehen und erfüllte ebenfalls seinen Zweck. Ein Sturz und gleich drei komplizierte Brüche sorgten dafür, daß ich raus war aus dem Spiel. Viel später, als der Arm wieder voll funktionsfähig war, legte ich erneut los. Ich liebe Streicher sehr und der Klang einer Geige ist fantastisch, wenn man mal von lausigen Klängen der Erstlingszeit absieht. Ich würde so gerne wieder damit anfangen, nur machen das heute leider meine Fingergelenke nicht mehr mit. Dafür höre ich viel klassische Musik. Und ja, ein Instrument hat hohen Aufforderungscharakter. Wer weiß, wer sich hier noch wird dafür begeistern können... Aber die Liebe zu einem Instrument sollte immer aus der Freiwilligkeit entspringen. Gezwungen wird hier niemand zu seinem (Un)Glück.

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  10. was für eine wunderbraer gänsehautgeschichte!
    (und weißt, was ich vor kurzem zum geburtstag bekam? meinen alten aufgearbeiteten cellobogen! damit ich wieder mal spiele. was für eine nette parallele.)
    frohe tage wünsche ich dir!

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  11. Anonym27.12.15

    Eine Weihnachtsgeschichte, im wahrsten Sinne.
    Wie schön! Viel Freude!
    Liebe Grüße, Martina

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    1. Ja, in der Tat gibt es magische Momente im Leben. Das war sicherlich einer.

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