22 November 2015

Simit

Meine ersten Kindheitsjahre sind geprägt durch viele viele Dinge, die unauslöschlich in meinem Gehirn verankert sind. Dazu zählen neben vielen anderen Dingen die köstlichen Mahlzeiten, die ich innerhalb einer Großfamilie eingenommen habe. Aber auch außerhalb der Großfamilie gab es Dinge, die ich als Kind nicht mehr missen wollte. Im Sommer liebte ich das unvergleichlich schmeckende türkische Eis. Kein Eis der Welt, kann für mich auch heute noch da mithalten. Meine Landsleute werden genau wissen, welchen Geschmack ich dabei im Hinterkopf und im Gaumen habe. Im Herbst/Winter, wenn die Maronenzeit anbrach, standen überall in der Stadt die Maronenverkäufer und priesen ihre dampfende, so wohlriechende Ware an. Jedes Mal, wenn ich mit meinen Eltern in der Stadt unterwegs war, gab es ein Tütchen von dieser Glückseligkeit. Noch heute liebe ich Maronen. Wenn die Zeit dafür gekommen war, gab es von den Straßenhändlern Mais - mal gekocht, mal gegrillt. Beide Varianten liebte ich. Heute dürfen die gegrillten Maiskolben im Sommer bei uns nicht fehlen. Simit, Sesamkringel, gab es das ganze Jahr über. Die Simitverkäufer brüllten alle paar Minuten "Simit, simit... taze simiiiiit...". Warm genossen waren Simit so unfaßbar lecker. Aber auch kalt waren sie noch sehr schmackhaft. Mit diesen Dingen wurde ich neben vielem anderen im Alltag verwöhnt. Plötzlich in Deutschland gab es diese Straßenhändler nicht mehr. Sie fehlten mir sehr. Mit den Jahren traten andere Dinge an ihre Stelle...

Das jüngste Kind war sehr krank, so wie auch der Kater. Mein Mann muß dieses Wochenende Notdienst bei seiner pflegebedürftigen Mutter verrichten. Gestern Abend kroch das kleine Kind wie sein Bruder unter meine Decke. Wir sprachen über dies und das, und daß wir den Papa vermissen. Vom Hölzchen kamen wir aufs Stöckchen. Und die Idee, am heutigen Tag Simit zu machen, stand schnell fest. 

 

Wer jetzt genaue Mengenangaben erwartet, der wird enttäuscht sein. Bei mir geht das alles nach Gefühl. Aber in etwa kann ich euch ein annäherndes Rezept geben. Wir haben ca. 500g Mehl in eine Schüssel getan. Haben dann ein frisches Päckchen Hefe in lauwarmem Wasser aufgelöst.

 

Anschließend hat das kleine Kind eine Mulde in das Mehl gemacht

 

und die aufgelöste Hefe in die Mulde gegeben.

 

"Mami, darf ich jetzt alles umrühren und dann kneten?"
"Ja, das darfst du!"

Ach, diese Begeisterung von Kindern zu spüren, das macht mich so irrsinnig glücklich. Das kleine Kind hat gerührt. Erst zaghaft, dann mehr zupackend.

 

Wie gut, wenn mal ein anderer macht und tut, so hat man denn auch mal eine Hand frei, um in Ruhe die Fotos zu machen.

 

Ein Teelöffel voll Salz und eine kleine Tasse mit Sonneblumenöl wanderte in den Teig.

 

Wenn man dann fleißig weiter knetet, gibt es eine wohlgeformte Kugel.

 

Diesen deckt man mit einem sauberen Küchentuch zu und läßt die Hefe ihre Arbeit machen. 

 

Um diese Phase zu beschleunigen, packen wir das Gefäß samt Tuch bei 90°C in den Backofen. Klappt wunderbar.

 

Wie prima der Teig aufgegangen ist, das kann man hier ganz gut sehen.
 
 

Diese sechs Teigkugeln kann man getrost mit Kindern noch einmal teilen. Sonst werden die Simit für Kinderhände zu wuchtig.

 

Ein langes Würstchen rollen.

 

In unserem Fall sind die Würstchen recht dick ausgefallen.


Die Enden nun zusammen legen und das Ganze in sich verdrehen. An den Endstücken zusammenfügen und dort noch etwas hin- und herrollen, damit es da nicht auseinander geht.

 

Etwas filigraner darf das gerne ausfallen.
 
 

Drei Eßlöffel vom Zuckerrübensirup in einer breiten Schale mit lauwarmem Wasser durch Rühren auflösen.

 

Eine flache Schale voll Sesam bereit stellen. Nun tunkt man die Kringel erst in den Zuckerrübensaft und dann wendet man es von beiden Seiten im Sesam.

 

Noch ungebacken. In den vorgeheizten Backofen bei 220°C ca. 20 Minuten backen. Kann auch etwas mehr sein - im Zweifelsfalle richtet man sich nach einer goldgelben Bräune. Als die Simit obendrauf goldgelb waren, habe ich sie einfach nochmal umgedreht.

 

Einen Schönheitspreis bekommen unsere Simit nicht, aber sie waren köstlich. Für mich wäre das Ganze nur noch durch die lautstarken Ausrufe eines Simitverkäufers zu toppen gewesen... Kindheitserinnerungen eben.

Habt ihr auch Dinge, die unmittelbar mit eurer Kindheit verknüpft sind? Ich wette, da gibt es Sachen. Erzählt doch mal!

Habt alle einen feinen Sonntag! Die kleinen Herren haben die letzten drei Stunden draußen im Schneegestöber verbracht. Glückliche Rotbäcken :). 
 

Kommentare:

  1. Was für eine schöne Erinnerung! Und sie sehen wirklich sehr appetitlich aus, werde ich mal ausprobieren! Meine schönste Kindheitserinnerung in punkto Essen sind- lach nicht- Hähnchenschenkel. Bei uns zu Hause gab es nicht so viel tolles Essen, und wenn ich bei meiner Tante zu Besuch war, durfte ich mir immer was aussuchen. Und ich suchte mir jedes Mal einen gebratenen, köstlichen Hähnchenschenkel an der Grilltheke vom Lebensmittelladen aus. Und wenn sie mir was Süßes kaufen wollte sagte ich: " Nein ich hätte lieber eine Dose Mais!" Der Inbegriff kulinarischen Glücks :))
    Ganz liebe Grüße
    Gabi

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    1. Liebe Gabi, nein, ich lache nicht - schmunzele nur. Hähnchenschenkel... Ja, auch hier gab es ein Ritual zwischen meiner Mutter und mir. Die Dose Mais statt Süßigkeiten. Wie anrührend. Danke für' s davon erzählen.
      Herzliche Grüße.

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  2. Hm, den Duft würde ich nun gerne riechen.
    Hoffentlich ist das Kind wieder gesund! Aber wenn Ihr so feine Simits essen könnt wird das Schlimmste überstanden sein.
    Ich habe auch viele "Düfte" die an die Kindheit erinnern. Ja, es ist eine Idee darüber mal einen Post zu schreiben.
    Wir haben es kalt hier, aber gar nicht sooo viel Schnee. Den Kindern haben sich mehr von den weissen Flocken gewünscht.
    liebe Grüsse und eine schöne Woche
    Elisabeth

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    1. Kind und Kater sind wieder wohlauf. Da bin ich aber gespannt, wann du etwas zu den Düften aus der Kindheit schreiben wirst. Ich freue mich drauf!
      Liebe Grüße.

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  3. Oh oh, ellerinize saglik, die sehen so lecker aus, bestimmt haben sie auch so lecker geschmeckt. Simit liebe ich auch und Boza und Maronen und Iskender Kebab und und.....
    Morgen fliege ich in die Heimat, wenn du etwas möchtest, dann lass es mich wissen....
    Liebe Grüße
    Papatya

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    1. Haha, mein erster Gedanke war: Kasar Käse. Aber den gibt es ja auch hier beim türkischen Händler. Vielen Dank für dein liebes Angebot! Morgen ja?! Hab eine gute Zeit und komm gesund wieder. Du würdest mir sonst fehlen.
      Liebe Grüße zu dir und in unsere alte Heimat.

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  4. ...ha, jetzt weiß ich, womit ich morgen meinem Azubi-Sohn eine Freude machen kann, wenn er nach einem langen Berufsschultag (früh um sechs mit der Bahn anderthalb Stunden Fahrt, spätnachmittags zurück, dazwischen u.a. eine Klassenarbeit) müde und schlapp hier eintrudeln wird!
    Danke, das sieht köstlich aus. Und ich liebe Hefeteig!
    Liebe Grüße,
    Brigitte

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    1. ...heute gebacken und für sehr lecker befunden!! Nur waren meine Simit etwas blasser als deine, ich habe wohl den Sirup zu sehr verdünnt. Hat aber nichtsdestotrotz wunderbar geschmeckt, Sohn war sehr zufrieden.
      Danke und liebe Grüße,
      Brigitte

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    2. Das freut mich sehr! Ich habe mich gleich an der Bräunungsoptik orientiert und noch einige Backminuten drangehängt.

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