07 November 2015

Doktorspiele

 

Ein kleiner Strauß aus Copic Markern. Jene unter euch, die Grafikdesigner, Innenarchitekten, Comic- oder Mangazeichner sind, werden sie kennen. Die Spitzen kann man wechseln und Farben nachfüllen. Ihre spezielle Eigenschaft ist, nahezu übergangslos ausmalen zu können. Spezielles Papier für diese Farben ist zwingend notwendig. Und wenn man sich dann die Preise anschaut, die dabei zusammen kommen können, kann einem dabei durchaus der Atem stocken. So geschehen auch bei mir, als ich einer Einladung des Künstlerbedarfsgeschäfts meines Vertrauens folgend einige Stunden vor Ort gucken und probieren durfte.

 

Zu Hause angekommen, erwachte meine Experimentierfreude ;-). Es mußte doch möglich sein, annähernd solche Farben selber herzustellen. Ethanol war vorhanden, sowie kleine Pipettenfläschchen, eine Aufziehspritze und einiges mehr. Ich löste Pigmente des lichten Ockers in Alkohol auf und füllte die Flüssigkeit in einen gekauften leeren Copic Marker.  Während ich all dies tat, fiel mir ein, wie ich die Mal-Lebensdauer von Filzstiften verlängerte, die meine Mutter mir aus Deutschland in die Türkei schickte. Damals hatte ich Filzer, die man am Ende recht gewaltsam öffnen konnte. Dort füllten wir Spiritus ein, und ich konnte die Stifte um ein Vielfaches länger benutzen.

Die alten Filzer mit den ramponierten Spitzen der kleinen Herren mußten dran glauben. Ich zerlegte den gelben Stift, nahm sein Innenleben auseinander, packte es in ein kleines Fläschchen mit Alkohol und schüttelte immer wieder ganz kräftig. Nachdem ich das Innenleben wieder entfernt hatte, zog ich die reine Flüssigkeit mit der Spritze auf und befüllte den zweiten, leeren Copic Marker.

 

Hier könnt ihr das Ergebnis sehen. Die Linie oben entstand mit einem original Copic Marker mit original Tinte. Das Gelb, welches ich aus Pigmenten selbst hergestellt habe, ist mit dem oberen Ton nicht vergleichbar, handelt es sich dabei doch um unterschiedliche Gelbtöne. Ganz zuunterst dann die Lösung, die ich mittels Filzstift-Innerein gewonnen habe. Von der Blässe sollte man sich nicht abschrecken lassen. Bei den Copics gibt es eine unzählige Fülle von verschiedenen Farbnuancen. Sehr gerne werden auch diese hauchzarten Farben benutzt. 

Mein Fazit: für Profis würde ich diese Vorgehensweise nicht unbedingt empfehlen, aber für Leute, die selbst noch viel Herumexperimentieren, und denen die Originalfarben zu unerschwinglich erscheinen, durchaus. 

Empfehlen kann ich bei der Gewinnung der Farben Handschuhe zu tragen ;-). Übrigens haben mir die kleinen Herren alle ihre ausgedienten Filzer überreicht. In sieben weiteren Fläschchen mit Alkohol lagert nun das Innenleben der Filzer und kann so heraus gelöst werden. Morgen bei Tageslicht schaue ich, was dabei herum gekommen ist und präsentiere euch erneut das Ergebnis.

Kommentare:

  1. Super! Du bist eine Seelenverwandte! Ich habe letztes Jahr schon mal nach leeren Filzstiften gesucht, um sie zu befüllen. Hab aber nirgends welche gefunden. Wenn Du da einen Tipp hättest....:-)
    Lieben Lisagruß!

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    1. Liebe Lisa, ich habe zwei leere Marker von der Firma Copic erworben, weil es die an diesem Aktionstag 20% günstiger gab - immer noch sehr teuer. Wenn du etwas anderes ausprobieren möchtest, brauchst du bei Google nur das Wort "Leermarker" einzugeben. Da wird eine Fülle von befüllbaren möglichkeiten verschiedener Hersteller angezeigt. Ich hoffe, das hilft dir weiter.
      Liebe Grüße.

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  2. Die Stifte habe ich auch gehabt, während des Studiums waren sie unverzichtbar, später habe ich sie nicht mehr gebraucht, aber die sind extrem teuer gewesen, weiß ich noch.
    Dein Experiment hat mich in meine Kindheit zurück geworfen, damals habe ich in meine Filzstifte die nicht mehr gemalt haben mit *kolonya* betäufelt. Danach konnte ich wenigstens mein Bild zu ende malen, lange haben sie nicht gehalten. Liebe Grüße

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    1. Das hat aber bestimmt besser gerochen als meine spiritusverdünnten Filzstifte damals ;-).
      Und heute habe ich den kleinen Herren verboten irgendwelche Kerzen anzuzünden. Immerhin habe ich hier mit fast reinem Alkohol herumexperimentiert, der übrigens auch nicht alzugünstig ist. Liebe Grüße.

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