25 November 2015

Alone at home

Sohn1 ist heute recht widerwillig, so wie auch der Rest seiner Klasse, zu Kennenlerntagen aufgebrochen. Die Kinder seiner neuen Klasse sind laut Aussage der Lehrer auf sehr unterschiedlichem Niveau. Die Altersspanne liegt von gerade zehn bis  zwölf Jahren. Es gibt sehr viele Aggressionen, haarsträubende Beleidigungen sind an der Tagesordnung, und irgendwie will sich da so recht nichts zusammen finden. Wenn ich nicht wüßte, daß der Sohn so stark und in sich gefestigt ist, ich hätte manch eine schlaflose Nacht gehabt. Manchmal denke ich, daß Lehrer Schmerzensgeld bekommen und kein Gehalt.  Aber ich bin zuversichtlich: der Klassenlehrer ist ein alter Hase. Der hat schon so manchen Kahn sicher ans Ufer manövriert. Gestern noch hoffte der Sohn auf ein Einzelzimmer. Ich versuchte ihm klarzumachen, daß sie nicht in Hotel Vierjahreszeiten einkehren würden. Er wird das schon machen. Und so manche Unternehmung, zu der man so garkeine Lust hatte, entpuppte sich im Nachhinein als großartig. Weiß man doch.

Das kleine Kind und ich sind nun alleine zu Hause. Trotz der angeblichen sechs Grad draußen, kommt es mir so viel Kälter vor. Wir haben es uns gemütlich gemacht zusammen, und ich lausche den Erzählungen des Sohnes in meinen Armen. Heute Abend, ein Ritual seit der ersten Klassenfahrt von Sohn1, wollen wir punkt 21.00 Uhr an den Bruder denken. "Mama", sagte Sohn1 damals. "Ich habe genau gespürt, daß ihr an mich gedacht habt und mich so glücklich gefühlt. Habt ihr auch gespürt, daß ich an euch gedacht habe? Das funktioniert wirklich." 

Sohn2 und ich haben eine gedankliche Liste zusammen gestellt von Dingen, die wir morgen machen wollen. Nach den Hausaufgaben wollen wir in die Stadt fahren. U.a. auch zu unserem türkischen Gemüsehändler, wo es all die köstlichen Dinge gibt, die wir nirgends sonst herbekommen. Dann wollen wir einwenig durch die Stadt schlendern, eine Buchhandlung besuchen, und zum Abschluß zusammen lecker essen gehen. Vielleicht finden wir bei der Gelegenheit auch einpaar Kinderhandschuhe, die tatsächlich durch gute Verarbeitung Feuchtigkeit und Kälte trotzen können. 

Kommentare:

  1. Das hört sich nicht leicht an. Heute kommt er wieder zurück, oder?
    Robert hat auch zwei Kinder (oder fast schon Jugendliche) in der Klasse, die Sprache der beiden ist so fürchterlich. Ich versuche zu erklären, lass ihm das nicht durchgehen wenn er nachplappert.
    Ich wünsche Dir viel Gelassenheit und dem Sohn weiterhin positive Ideen, damit auch er etwas zum gelingen beitragen kann. Er ist von Dir so gut geerdet, das wird ihm helfen.
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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    1. Liebe Elisabeth, inzwischen ist der Sohn wieder eingetrudelt und hat erzählt. Der erste Tag war recht chaotisch, dafür der zweite Tag umso harmonischer. Sie haben schöne Dinge unternommen und auf dem Zimmer mit vier weiteren Kindern hat es sich alles in allem gut aushalten lassen. Woran ich mich garnicht gewöhnen kann ist diese fürchterlich aggressive Sprache, die viele benutzen. Ich möchte mir erst gar nicht vorstellen, wohin sich das mit zunehmendem Testosteron noch steigern lassen wird. Ja, auch das habe ich dem Sohn mitgegeben: "Jeder kann maßgeblich zu einer positiven Veränderung führen. Gib auch weiterhin dein Bestes!"
      Leider ist das jüngste Kind wieder krank geworden und hat alle unsere Pläne über Bord geworfen. Naja, so ist das eben mit Plänen, die man macht manchmal.
      Liebe Grüße.

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