13 Juli 2015

Next Generation

Gestern sagt der Sohn am Abend: 

"Du Mama, morgen ist ja auch dieses Abschlußdings bei mir an der Schule..."

"Äh..., nein! Ich habe keinerlei Termine mehr in meinem Kalender eingetragen. Das Schuljahr ist so gut wie vorbei. Jetzt kommt da nichts mehr."

"Doch Mama, ganz sicher! Ich finde den Zettel nicht mehr, aber da war noch was..." 

Wenn es um verloren gegangene Zettel geht, gleicht es einem Wunder, daß ich überhaupt je an irgendwelchen Terminen und Veranstaltungen der Schule teilgenommen habe. Die Stärken des Kindes liegen woanders ;-).

 

"Es geht weiter..."
 
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Aquarell 

Einige Telefonate später erfahre ich tatsächlich von einem Termin an der Grundschule. Das "Musikalische Feuerwerk" ist auf eine knappe Stunde beschränkt. Wir werden Abschied nehmen von den Lehrkräften, die unsere Kinder fast alle vier Jahre lang unterrichtet, mitgeformt und begleitet haben. Mir schießen die Gedanken kreuz und quer durch den Kopf, als ich daran denke, mit welchen Hoffnungen und Wünschen wir den Sohn vor vier Jahren im Nachbarort, in eben dieser Schule angemeldet haben. Was hatte ich eigentlich damals im Sinn? Wollte ich Genies ihres Faches dort antreffen, starke Persönlichkeiten mit Talent und Berufung? Hoffte ich auf Einfühlsamkeit, ebenso wie Didaktik? Pädagogik genauso wie Begeisterung? Wenn ich ehrlich bin hatte ich die Hoffnung auf belastbare, initiative und stabile Persönlichkeiten, die wissen, daß der Schlüssel für Lernerfolge stets in der Begeisterung liegt, die sie für eine Sache aufbringen.

Vier Jahre gehen nun zu Ende. Nicht nur der Sohn hat gelernt zu Lernen und sich zu organisieren. Auch ich habe lernen dürfen in dieser Zeit. Ich habe gelernt, die Zügel in die Hand zu nehmen, oder aber auch locker zu lassen - je nachdem. Ich habe gelernt, mich zurück zu nehmen und zu vertrauen. Ich habe gelernt, daß es günstige, aber auch ungünstige Zeitfenster zum Lernen gibt. Ich habe gelernt, daß Begeisterung das A und O für die Lust ist, über sich hinaus zu wachsen. 

Für einen Moment überlege ich, ob ich nicht die Lehrerschaft der Grundschule mit der DVD "Frau Müller muß weg!", beglücken soll. Zu mißverstehen gäbe es da aus meiner Sicht nichts, geht es doch bei dem Kammerspiel lediglich um die Demontage einer überehrgeizigen Elternschaft, die festentschlossen eine Lehrerin absägen will. Ich habe mich köstlich darüber amüsiert. Nach kurzer Überlegung sehe ich davon ab und schreibe dem Klassenlehrer und der Lehrerin des Sohnes einpaar herzerwärmende Zeilen dafür, daß sie sein Wesen wahrgenommen und ihn maßgeschneidert und prima motiviert haben. Sechs Wochen Verschnaufpause haben sie demnächst - bis die nächsten Wilden kommen...

Ich geh mir dann mal, bestimmt tief ergriffen wie eh und je, einpaar herrlich krumm und schiefe Flötentöne reinziehen...

Kommentare:

  1. Das hast du gut entschieden! Ich habe mich im Film gut amüsiert, hatte aber gehofft auf mehr Tiefgang, auch um meine eigenen ( immer noch nicht aufgearbeiteten - andere Menschen gehen wieder vor ) letzten schrecklichen Schulerlebnisse relativieren zu können. Solche Briefe, Geschenke etc. sind einfach bleibender. Schau dir einfach noch einmal meinen Post dazu an:
    http://lemondedekitchi.blogspot.de/2014/07/juli-moodboard.html

    Nun wünsche ich dir und deinem Sohn einen schönen Abschied und einen Aufbruch in die nächste Lebensphase, die auf ihre art auch sehr einschneidend für Mutter & Kind sein wird.
    Euch alles Liebe!
    Astrid

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    1. Noch bin ich ganz tiefenentspannt. Wahrscheinlich weil er sich so sehr auf die neue Schule und die Herausforderungen freut. Gerade im letzten Halbjahr ist er gewachsen - in jeglicher Hinsicht.

      Danke dir, Liebe!

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  2. Jaaaa.... das mit den Zetteln.
    Kind: "Mama, heute/morgen ist ja das X / schreiben wir Y / muss ich Z mitbringen"
    Ich: "Waas????"
    Kind: "Das hab ich dir doch gesagt"
    Nein, hat er nicht. Aber immer versuchen, sich rauszureden. Ich erfahre auch grundsätzlich erst frühestens am Abend vorher, meistens jedoch erst am entsprechenden Morgen, was heute Dringendes ansteht.

    Heute wünsche ich mir oft die Grundschulzeit zurück. Die war doch einfacher - zumal noch ohne Vorpubertät, die das Hirn beeinträchtigt. ;-)

    Schöne Ferien! Bei uns dauert es noch drei Wochen. :-)

    Herzlich, Katja

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    1. Tja, die vorpubertären "Spitzen", die gbt es auch hier schon seit einiger Zeit. Aber ich finde diese Zeit (noch) sehr spannend. Er versucht mir auf Augenhöhe zu begegnen, zu diskutieren. Hinterfragt die Dinge grundlegend und auf eine Weise, die mich ganz stolz werden läßt.
      Und ja... die Hirnleistung - gewöhnungsbedürftige Baustelle auch hier.
      Noch ist auch hier Schule. Aber dann... endlich ein Stündchen länger schlafen vielleicht. Hach...

      Liebe Grüße.

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  3. Schön, Dein Aquarell, schön der Wandel. Habt erholsame, spannende sonnige und zettelfreie Ferien mit allem, was für Euch dazugehört.
    Herzliche Grüße von
    Lisa

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    1. Ja, Lisa. Als Erstes werden die Schulsachen ausgeräumt und weggeräumt. Aus den Augen, aus dem Sinn - zumindest für etliche Wochen.
      Liebste Grüße zu dir...

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  4. Wie die Samen der Pusteblume fliegen sie davon, um für ein Weilchen an anderer Stelle hängen zubleiben, bevor sie weiter ziehen. Wir denken mit mehr schönen Erinnerungen an die Kindergartenzeit zurück. Da heißt es oft von unseren beiden:" Weißt du noch...!?"Alles Liebe, Birgit

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    1. Ja, die Kindergartenzeit... auch daran gibt es Erinnerungen. Wie schnell die Zeit vergeht.
      Liebe Grüße.

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  5. Ach ja, die Grundschule....! Für das eine Kind ein blanker Horror, mit täglichen Kämpfen und Enttäuschungen und für das andere die Möglichkeit seinen Wissensdurst mit dem zu füllen, wonach ihm gerade war. Lili war im Montessori-Zweig und war überglücklich. Felix hätte dort wahrscheinlich mur aus dem Fenster gesehen....! Für ihn war das Lernen ein einzoger Kampf mit der Zeit, mühsam und unerquicklich, da war nichts zu machen. Keine Zeit war für ihn eine gute Zeit zu lernen und das ist leider bis zuletzt so geblieben! Es tat mir in der Seele weh, aber das Ziel für ihn konnte nur sein: durch, Hauptsache durch!
    Aber ich freue mich für jeden, be dem es anders war und der mit Wehmut an die schöne Zeit zurückdenkt! Die Pusteblume ist so schön!
    Gros bisou
    Sandra

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    1. Liebe Sandra,
      er hat es mit deiner Hilfe und Unterstützung geschafft und ist nun durch. Das ist eine große Leistung, die er vollbracht hat. Und es geht weiter... und weiter...
      Herzliche Grüße

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  6. hinübermäandern von einem abschnitt in den nächsten – ein angenehmes solches wünsche ich euch. mit viel ruhe und sonnenluft für freies sein!

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    1. Danke dir! Wir freuen uns auf das, was da noch kommen mag.

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  7. Ja, sie fliegen und flattern davon und lassen uns festverwurzelte Alte (also, damit meine ich jetzt mehr mich als dich... :-)) zurück, ganz allmählich zum Glück und mit viel Hin und Her, so dass man Zeit zum langsamen Loslassen hat. Wobei ich immer finde, es ist kein wirkliches Los-Lassen, ein äußerliches natürlich und auch ein Selbständig-werden-lassen, aber das Band zwischen Eltern und Kindern (und vielleicht ganz speziell zwischen Müttern und Söhnen?) ist fest und stark. Das hält!
    Die Sache mit den leidigen Zetteln kenne ich auch und bin froh, dass diese Zeit hinter uns liegt (ja, es hat definitiv auch sein Gutes, wenn Kinder groß werden).
    Ach, und jetzt müsste ich eigentlich noch einen ganzen Roman schreiben darüber, wie angetan ich von deinen Bildern bin, und wie toll ich es finde, dass du mit so viel Energie und Freude an dieser besonderen Begabung arbeitest! Die ganze Zeit schon freu ich mich an dem, was du zeigst. Ganz stark ist das! (Ich wünschte, ich hätte etwas mehr von solcher Entschlossenheit...).
    Weiter viel, viel Spaß und Befriedigung beim Malen und Geschichtenerzählen - und soweit wir es hier zu sehen und zu lesen bekommen: vielen Dank!
    Herzlich, Brigitte

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    1. Liebe Brigitte,
      wie gut, daß ich nicht rot werden kann. Aber einen Satz heißer Ohren hast du mir gerade beschert ;-). Vielen lieben Dank für deine Anerkennung. Bewundernswert finde ich einzig, daß ich mich traue, das alles hier zu zeigen. Ich konnte es mal besser, aber das liegt soo viele Jahre zurück. und ich stelle fest, daß man doch Fähigkeiten, die man nicht weiter ausbaut auch beinahe wieder verliert. Es macht Freude, dieses Abtauchen in "meiner Malerei", das Herumsauen mit Farben, konzentriert den Pinsel führen... für eine Weile alles andere vergessen dabei. Vielleicht ist auch das ein Motor, der antreibt.
      Liebe Grüße an dich.

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