23 Juni 2015

Leidenschaft

 

Seit ich fünf Jahre jung war, stricke und häkele ich. Meine Mutter brachte es mir mit entsprechend kurzen, kindertauglichen Nadeln geduldig bei. Kaum, daß ich in der Lage war, kleine Läppchen zu stricken, preßte ich sie meinem Vater gegen die Fersen: es sollten Strümpfe für ihn daraus werden ;-). Es sollte noch etliche Jahre dauern, bis ich ihn tatsächlich mit Socken beglücken konnte. Ich selbst mag sie überhaupt nicht gerne tragen, habe aber reichlich für ihn gestrickt.

Viele Jahre habe ich gestrickt - auf die französische Art. Auch die hier gängige Version beherrsche ich, aber mit der ursprünglich gelernten Methode kann ich schnell und sehr gleichmäßig stricken. Leider war das jahrzehntelange Stricken nicht sehr förderlich für meine Finger. Es gibt Phasen, wo das Stricken und auch andere Dinge unmöglich sind.

 

Wenn es aber mal seltenerweise wieder geht, dann handelt es sich um Genußstricken. Leider bin ich extrem empfindlich, was Wollfasern angeht - da bilden auch edelste Garne keine Ausnahme. Was aber immer schon problemlos ging und geht, das ist Seide und Cashmere. Irgendwann hatte ich Lace-Garne aus reiner Seide erworben. Da sehr dünn, habe ich das Garn doppelt genommen und verstricke es nun mit Nadelstärke drei. 

Meist habe ich nichts von den Sachen, die ich für mich mache. Meine Freundinnen sind echte Räuberinnen. Einmal mit "Ah" und "Oh" anprobiert, verschenke ich die Sachen, als hätte da keinerlei Arbeit und Mühe darin gesteckt. Mein Mantel wurde sogar von einer durchreisenden Freundin jubelnd mitgenommen, obwohl noch nicht einmal die Ärmel fertig angenäht waren. S. hat sich so gefreut, da hab auch ich mich gefreut - und weg war's... Dieses Teil aber (noch verrate ich nicht, was es wird), und das habe ich mir jetzt wirklich fest vorgenommen (erstmals und überhaupt), das stricke ich für MICH. Jawoll!

Kommentare:

  1. Meine Mutter hatte dazu keine Geduld mir das beizubringen. Wohl hat sie mir für meine Monchichis immer Kleidchen gestrickt und gehäkelt. Die saßen dann morgens auf dem Handtuchhalter am Waschbecken, als wären sie über Nacht shoppen gewesen. Meine Tante hat mir das Stricken nahe gebracht, sie konnte das ganz toll! Ich durfte sie manchmal ablösen und einen Teil weiterstricken. Ach ja, das ist lange her!
    Den Mantel hätte ich sicher nicht weggegeben! Das ist ja richtig zeitaufwändig gewesen und ch bin schon gespannt, wass das schöne blaue Teil wird! Am besten verstecken, wenn jemand zu Besuch kommt ;-)
    Gros bisou
    Sandra

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    1. Liebe Sandra, ja, das sollte ich wohl mal tun - alles am besten in einem Karton im hinterletzten Winkel des Kellers aufbewahren ;-). So kann ich mich der Macht der Freude nicht entziehen und gebe die Sachen weg wie warme Semmeln. Gerne sogar. Nur srickt ja keiner was für mich, und ich weiß nicht, wie lange ich das noch selber tun kann.

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  2. Tolle Wolle!!! (Bzw. eben keine Wolle...) - tolles Garn, und so ein leuchtendes und gar nicht stumpfes Dunkelblau - Seide eben.
    Habe gerade die Strickmantelgeschichte nachgelesen. Ich verschenke auch gerne Sachen (Socken, Pulswärmerchen etc.), aber DAS hätte ich, glaube ich, nicht über mich gebracht! Eher einen zweiten Mantel für die Freundin gestrickt, warm eingewickelt in meinen eigenen...
    Womit hast du dich denn nun im Winter am Schreibtisch gewärmt??
    Herzliche Grüße aus dem kühlen Süden (brrr - jetzt gerade könnte ich auch einen Strickmantel brauchen)!
    Brigitte

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    1. Naja, das hört sich jetzt so gigantisch an mit dem Mantel, aber ich habe keine Ewigkeiten dran gestrickt. Ging sogar recht flott, da dickeres Garn und dickere Nadeln. Und erfroren bin ich auch nicht, besitze ich doch ausreichend wärmende Klamotten. Irgendwann stricke ich evtl. noch einen. Liebe Grüße.

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