06 Juni 2015

Ein Tag am Meer

 

Endlich: sowas wie Sommerwetter... Sofort kleine Snacks zubereitet, die kleinen Herren ins Auto gebeten und ab zum Strand gefahren. Das ist die Steinchen- und Muschelausbeute vom gestrigen Tag. Habe mich geweigert, alles jenseits von Faustgröße mizunehmen. Wir sind schon steinreich und benötigen da nicht noch mehr ;-).

 
  
Überrascht stellte ich fest, daß die Freundin zum Wochenendworkshop des Kunstvereins, quasi um die Ecke unseres kleinen Strandes verweilt. Daraufhin haben wir sie spontan dort besucht. Bei der Gelegenheit haben die kleinen Herren fasziniert einem älteren Herren beim Beschnitzen eines Bildes auf einer alten Eichenschranktür zugeschaut. Ich habe derweil die Gunst der Stunde genutzt und einer sehr faszinierenden, alten Dame beim Anlegen ihres Ölbildes zugeschaut. Neugierig habe ich sie gefragt, wie sie einst zum Malen gekommen sei. Sie erzählte mir von ihrer begabten Mutter, die im Krieg Bilder von anderen Künstlern nachmalte. Der Vater fuhr mit dem Fahrrad über das Land und versuchte diese zu veräußern. Das war so erfolgreich, daß sie in jenen schwierigen Jahren nicht Hunger leiden mußten. Sie, damals noch winzig klein, schaute stets ihrer Mutter beim Malen zu, atmete dabei beständig die inzwischen längst gewohnten Terpentindämpfe ein. Sehr viel habe sie so durch das Zuschauen verinnerlichen können, erklärt sie mir. Und auch, wenn ich nicht darauf spekuliert hatte, bekomme ich noch einen hilfreichen Tipp für die Ölmalerei von ihr. Ach, ich hätte ihr noch stundenlag zuschauen und zuhören können. Was für eine interessante Frau...

 

Was ich schon immer mal probieren wollte war, Farben selbst anzumischen.

 

Mit dem entsprechenden Bindemittel für Öl stelle ich die Grundfarben her.


"Aufgewühlte See"
 Öl auf Malblock
19x24 cm
 
Früher mochte ich Arylfarben nicht, weil sie viel zu schnell trockneten. Inzwischen kenne ich die Trocknungsverzögerer, mit deren Hilfe man die Farben noch eine ganze Weile vermischen und vermalen kann. Mit der Ölmalerei hatte ich meine Probleme (damals als junges Mädchen bei einmaligem Probieren ;-)), weil das augenscheinlich nichts für mein Temperament war. Es dauerte ewig bis die Farben trockneten und man sich Schicht für Schicht weiterarbeiten konnte. Heute schätze ich Beides, wenn ich auch die Ölmalerei für einen Anfänger angenehmer empfinde. Man hat länger Zeit zu korrigieren, die Farben lassen sich geschmeidiger vermalen und sind brillianter.

So, und jetzt gehe ich mal eine Runde Restholzplatten vom Bau klein sägen. Die dürfen dann die kleinen Herren beim nächsten Strandtag bei einem Lagerfeuer nutzen. Ich bin dafür, daß man die Kreissäge in Kreischsäge umbenennt. Was für ein Krachmacher-Ungetüm...


Kommentare:

  1. Wunderschön!
    Der Tag hat Euch so viel Glück gebracht, so soll es sein.
    Der letzte Satz könnte von mir sein, der Herr Schreiner arbeitet ja auch viel mit Sägen ... ich mag es nicht, dieses Gekreische!
    liebe Grüsse und noch viele solche Tage wünscht Euch
    Elisabeth

    AntwortenLöschen
  2. ...ach so, ich dachte immer, Kreissäge kommt von Kreischen, genau wie Kreissaal...:-)
    wie beneidenswert, so nah am Meer zu wohnen, und wie bereichernd, so einer tollen alten Dame zu lauschen und ihr über die Schulter gucken zu können. Dein Bild ist sehr stimmungsvoll!
    Herzlichst!
    Lisa

    AntwortenLöschen