01 März 2015

Wer sich bewegt, bringt etwas in Bewegung

 

Während des Trainings blicke ich manchmal auf diesen weisen Spruch.
Es ist was Wahres dran.

Wie ich schon ein Mal erwähnt hatte, haben mich die hiesigen Wetterkapriolen dazu gebracht, mich dem Krafttraining hinzugeben. Mein Ziel dabei war ausschließlich Muskeln aufzubauen. Und das hauptsächlich am Oberkörper (Vorder- sowie Rückseite und an den Armen, wo ich ziemlich kraftlos bin). Inzwischen ist der Probemonat, den ich gebucht hatte, rum. Und mein Fazit kommt nun.

 

Hier könnt ihr einige der Muskelpartien sehen, die ich neben anderen, hauptsächlich gefordert habe.




Die ersten Male war ich eine nicht unbeachtliche Zeit damit beschäftigt, die diversen Stellschrauben, mit denen ich die Geräte auf meine Maße bringen konnte, zu suchen ;-). Inzwischen geht das wie im Schlaf.

Pro Woche habe ich drei Mal trainiert, und ich meine damit wirklich trainiert.  Nicht, wie ich das oft beobachten konnte, die Zeit mit Quatschen verbracht. Meine reine Trainingszeit variierte dabei von mindestens 6 bis 7,5 Stunden pro Woche. Anfangs habe ich mit sehr überschaubaren 15 kg begonnen und habe im Laufe der Zeit sowohl die Gewichte, als auch die Übungswiederholungen gesteigert. Inzwischen habe ich noch einige Geräte mehr zu meinem üblichen Repertoir aufgenommen.

Vor ziemlich genau zwei Jahren  zwang mich ein Rodelunfall dazu, beinahe zwei Monate ausschließlich zu liegen. Was das für fatale Folgen hatte, konnte ich am eigenen Leib erleben: am Ende hatte ich ungelogen die Kondition einer Greisin. Meine Muskulatur bildete sich in Nullkommanichts zurück. Ich begriff da erstmals, warum es alte Menschen nach einem Hüftbruch unter Umständen nicht mehr schaffen, ihr Lager lebend zu verlassen. Unter der langen Bewegungslosigkeit habe ich psychisch genau so gelitten, wie auch physisch. Ich träumte davon, meine ersten Schritte ohne Geh- und sonstige Hilfe zu bewältigen und meine gewohnte Unabhängigkeit wieder zu erlangen. Das aber stellte sich als eine große Herausforderung heraus. Mit viel Disziplin und Ehrgeiz schaffte ich es in einer verhältnismäßig kurzen Zeit wieder auf die Beine zu kommen. Seitdem weiß ich einmal mehr meinen Körper und seine uneingeschränkte Bewegungsfreiheit zu schätzen. Das ist so ein großes Geschenk.

Es gibt Zeiten, in denen es wichtig scheint, äußerlich gut auszusehen. Mit zunehmendem Alter aber werden zumindest mir noch andere Dinge wichtig. Jetzt, da sich langsam aber sicher der Hormonhaushalt umstellt, eine ungeliebte Trägheit sich in meinem Leben breit macht, die ich ganz und garnicht schätze, stelle ich fest, daß ich mehr für meinen Körper tun muß. 

Ich gebe unumwunden zu, daß ich Anfangs mit mäßiger Begeisterung den Weg zum Training angetreten habe. Ich bin ein Glückspilz: mein innerer Schweinehund hatte in meinem Leben selten die Oberhand. Nehme ich mir etwas vor, dann mache ich das. Die Frage, ob ich gerade will oder nicht, stellt sich mir dann nicht. 

In den vergangenen Wochen habe ich hocherfreut festgestellt, daß gezielter Muskelaufbau genau mein Ding ist. Du trainierst einen ganz bestimmten Bereich deines Körpers, und genau da wachsen die Muskeln: wie wunderbar! Meine manchmal durchwachsene Laune löste sich nach dem Training immer in Wohlgefallen auf. Ist das toll?! Ich finde schon. Wo ich anfangs noch lustlos den Weg dorthin antrat, konnte ich es bald kaum erwarten, bis es wieder so weit war. Früher, wenn ich morgens aufstand, hatte ich fast immer Rückenschmerzen, die sich mal mehr, mal weniger im Laufe des Tages auflösten, manchmal waren sie so schlimm, daß ich kaum noch laufen konnte. Inzwischen kann ich sagen: Rückenschmerzen adè! Machen wir uns nichts vor, äußerlich sieht man keine Veränderungen nach dieser verhältnismäßig kurzen Zeit (in meinem Alter kommt es eh mehr auf die inneren Werte an ;-)), aaaber meine Lieben, man kann bei mir inzwischen anklopfen. Unter einer gewissen Speckschicht habe ich einen Stahlpanzer. Und den kann ich überdeutlich spüren. Dadurch wiederum hat sich meine Haltung verändert - sowohl im Sitzen, als auch im Stehen. Das sind so viele positive Dinge auf einmal, daß es für mich keine Frage ist, damit weitermachen zu wollen. 

Jetzt gibt es eine kleine "Verschnaufpause" von zwei Wochen, in der etliche andere Dinge anstehen. Mit dem Betreiber habe ich verhandelt, denn ich möchte mich nicht auf einen Ganz- oder Halbjahresvertrag festlegen. Das Freibad macht bald auf (freu), wo ich wieder meine Bahnen ziehen werde. Im vergangenen Jahr habe ich furchtbar gelitten, als es wieder zu machte. Jetzt weiß ich, daß ich dann übergangslos wieder im Fittnesscenter trainieren werde. Das sind richtig tolle Aussichten, und ich freue mich sehr darauf!

P.S.: Übrigens habe ich in diesem Zeitraum etliche nette Menschen kennen gelernt. Ein erfreulicher Nebeneffekt.



Kommentare:

  1. Finde ich gut, dass du das durchziehst, wenn es mir auch zu viel erscheint 2 Stunden pro Trainingseinheit à 3 mal die Woche....puh, ich bin froh wenn ich es zweimal die Woche zum Joggen à 45 min schaffe und einmal schwimmen gehe. Auch ich war diverse Male "lahmgelegt" durch Unfälle oder andere Verletzungen. Es ist wirklich Wahnsinn, wie schnell die Muskulatur abbaut....
    LG Nina

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    1. Liebe Nina, ja, es ist nicht gerade wenig, aber ich bin es dennoch sehr behutsam angegangen: wenig Gewichte, wenige Durchgänge. Von Woche zu Woche eine leichte Steigerung. Ich weiß um die Verletzungsgefahren gerade an Geräten, wenn man überambitioniert ist - und... ich hatte anfangs guten Geleitschutz.
      Liebe Grüße.

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  2. Ich kann deine Beobachtungen nur bestätigen...Ich musste nach meinem Unfall ja auch einiges wieder aufbauen, nicht so sehr die Muskeln, sondern Ausdauer, Kondition... Nun bin ich noch ein Paar Jährchen älter und merke stark, was frau sich einhandelt, wenn sie NICHTS tut.
    GLG
    Astrid

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    1. Liebe Astrid, ich war positiv überrascht, als ich auch etliche ältere Herrschaften zwischen dem Jungsvolk trainieren sah. Die Landschaft in Fittnesscentern vor Jahrzehnten sah doch anders aus. Ich find's toll, daß so viele versuchen sich fitt zu halten.
      Liebe Grüße.

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  3. Toll, daß Du so konsequent durchhälst. Auch ich musste im letzten Jahr feststellen, daß von gar nichts gar nichts kommt. Ich trainiere deshalb weiter brav mit meinem Schulterbügel. Das aushäusige Training ( immerhin kamen 6 Stunden pro woche mit Fahrt zusammen) habe ich aus Zeitgründen wieder aufgegeben. Ich möchte lieber hier im Garten arbeiten und mich mit dem wilden Hund beschäftigen, ist auch Training. Lg Gitta

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    1. Liebe Gitta,
      ich muß zugeben, daß ich natürlich auf Rosen gebettet bin, was die Entfernungen angeht - sowohl zum Schwimmen gehen, als auch zum Gerätetraining. Hätte ich diesen Luxus der Zeiteinsparung nicht, würde ich weitaus weniger machen, wenn überhaupt. Da würde ich auch eher im häuslichen Umfeld versuchen mich intensiver zu bewegen. Zu meiner großen Freude habe ich in meiner letzten Woche zufällig mitbekommen, daß das Fitnesscenter an zwei Tagen sogar schon ab 6.30 Uhr auf hat. Das kommt mir sehr gelegen. Dann kann ich sofort danach, wenn ich meine Kinder zum Bus gebracht habe, auch loslegen.
      Liebe Grüße.

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  4. Bravo, finde ich toll, wenn jemand seinen inneren Schweinehund besiegen kann. Ich habe/hatte immer große Probleme mich aufzuraffen. Doch jetzt habe ich mit Yoga angefangen, dass tut mir auch unheimlich gut, hätte ich vorher auch nicht gedacht. Man muss nur einmal damit anfangen, wenn der erste Schritt erstmal getan ist, mag man gar nicht mehr aufhören. Weiterhin viel Spaß...

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    1. Es gibt so viel, woraus jeder sich das raussuchen kann, was ihm am nächsten kommt. Und wenn man dann auch noch den Effekt so deutlich spürt, dann muß man sich nicht überwinden, um sich Gutes zu tun. Liebe Grüße.

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  5. Respekt! wie hast du deinen inneren schweinehund dressiert?:-)
    lg
    lisa

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    1. Liebe Lisa, ich habe mich das oft auch gefragt... bis mir eine Geschichte aus meiner frühesten Kindheit einfiel: Morgens, wenn ich müde war und nicht aufstehen wollte, da nahm sich mein Vater viel Zeit. Er setzte sich zu mir ans Bett, sprach liebevoll zu mir und erzählte mir, daß der Teufel auch nicht möchte, daß ich aufstehe. Aber ich hätte es in der Hand, ihn zu besiegen. Tja, das hat dann gereicht! Wer wollte schon diesem üblen Kerl nicht mal ordentlich in den Allerwertesten treten?! Zwar habe ich den Teufel selbst irgendwann zum Teufel gejagt, aber bis es soweit war, ging mir das so in Fleisch und Blut über, daß es diese Zwiegespräche nicht mehr gebraucht hat ;-).

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    2. Das ist eine schöne Geschichte und wie liebevoll von deinem Vater, die morgendliche Unlust so anzugehen! Ich werde mir das jetzt auch so vorstellen, das mit dem Teufelchen!
      Gros bisou
      Sandra

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    3. Ja, meine Eltern wußten genau, wie sie mich packen konnten ;-)

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  6. Herzlichen Glückwunsch!
    Und vielen Dank :-) denn Du bist die Motivation, den Zustand als nur zahlendes Mitglied zu beenden und morgen! auch wirklich wieder hinzugehen und zu nutzen. ich gebe mir einen Monat, und wenn ich nicht so konsequent sein werde wie jetzt vorgenommen werde ich den Vertrag endgültig kündigen...
    liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg wünsch ich Dir

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    1. Ehrlichgesagt haben mich nur die spürbar gewordenen Muskeln motiviert, dran zu bleiben - und die ewigen Rückenschmerzen, die ich nun nicht mehr habe und auch nicht mehr haben möchte. Aber Achtung: Ich kann mich noch daran erinnern, daß auch du damit zu tun hast. Es gibt Geräte, wo man einen Bandscheibenvorfall bekommen kann, wenn man die Einheiten nicht richtig ausführt. Du solltest unbedingt!!! unter fachkundiger Anleitung ganz vorsichtig und mit wenig Gewichten beginnen. Bei mir waren es 15 kg. Zu keinem Zeitpunkt sollte dir die Puste ausgehen. Kommst du mit den 15 kg gut zurecht, belasse es erst einmal dabei. Mit den spürbar gewordenen Muskeln kann man dann anfangen alles ganz sachte zu steigern. Das einzige, was mich wundert ist, daß ich bis zum heutigen Tage keinerlei Muskelkater hatte. Ich finde Jahresverträge absolut doof, weiß ich doch von vonherein, daß es Monate gibt, wo ich kaum Zeit finde, um mich um Banales zu kümmern, geschweige denn um aufzubauende Muskeln. Außerdem schmeißen die Leute dann viel eher hin, weil ein gigantisches Jahr Sport auf sie wartet. Am besten verhandeln: man soll sich wundern, aber manchmal lassen sie sich darauf ein Monatsverträge oder wie in meinem Fall Drei-Monatsverträge zu machen. Überfordere dich nicht, aber tue was! Ich schwöre, daß ich seit Jahren das erste Mal keinerlei Rückenschmerzen habe. Toi, toi, toi!!!

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  7. Liebe Pünktchen,
    Mein Mann macht das auch schon seit über 10 Jahren. Hier hat er das Riesenglück, dass er direkt neben der Arbeit ein Fitnessstudio hat, dort geht er vor der Arbeit hin und sitzt um neun Uhr gestärkt und geduscht hellwach im Büro.
    Wie du weißt, ist das Gerätetraining (noch) nichts für mich, denn solange ich noch Ballett machen kann, werde ich das tun, denn das ist der einzige "Sport" der mich in diesen flow bringt, wo ich alles um mich herum vergessen kann. Dafür brauche ich mich auch nicht zu motivieren, den ganzen Tag bis zur völligen Erschöpfung könnte ich tanzen!
    Das Gerätetraining ist übrigens auch für die Osteoporose gut. Durch die Belastung wird der Körper nämlich auf natürliche Weise und nicht mit zugefügten Hormonen dazu angeregt die Knochen aufzubauen und stabil zu halten. Deswegen werde ich früher oder später auch damit beginnen.
    Grso bisou
    Sandra

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    1. Liebe Sandra, tanz einfach, tanz bis du nicht mehr kannst. Was besseres gibt es kaum.
      Liebe Grüße.

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