20 Januar 2015

Honig im Kopf

 
 "Wie fühlt es sich an, wenn man alles vergißt?"

"Wie...Honig im Kopf."

Mit den kleinen Herren war ich vor wenigen Stunden in dem Film. Wir haben gelacht, und ich habe geweint. Wehmütig habe ich an unsere letzte große, viermonatige Reise mit Papa's VW-Bus durch die Türkei gedacht. Damals, 2008, als unsere Welt noch in Ordnung war...

Mit brennendem Herzen habe ich mich erinnert an unsere gemeinsamen vier Monate im Sommer 2014, an die Nebel und die Lichtungen, die wir miteinander betreten haben.


Drehbuch: Hilly Martinek
 Regie: Til Schweiger
 Grandios und unbeschreiblich: Dieter Hallervorden.

Kommentare:

  1. Eine Empfehlung?..
    Mit ganz warmen Gefühlen
    Astrid

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  2. Diesen Film werde ich mir zuhause anschauen - dem Kino fühle ich mich in diesem Fall nicht gewachsen.

    Herzlich, Katja

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  3. Liebe Katja, daß du den Film lieber zu Hause schauen möchtest, das kann ich verstehen. Wenngleich es mir in unserem Fall egal war, weil niemand sich um Haltung bemühen muß in einem Kino, wo fast jeder weint.

    Es gehört viel Mut und Können dazu, ein so sensibles, angstbesetztes, wie trauriges Tabu-Thema in eine humorvolle Geschichte zu verpacken. Denn bei allem, was man sonst noch versucht, ist ein Film auch dazu gemacht, um Kinosäle zu füllen und die Menschen zu unterhalten.

    Schweiger, Hallervorden und auch die Drehbuchautorin – sie alle sind/waren unmittelbar von der Erkrankung eines nahestehenden Angehörigen betroffen – das merkt man deutlich.
    In groben Zügen erfährt man etwas über den möglichen Krankheitsverlauf der Alzheimererkrankung. Zugunsten des Hauptdarstellers „Amanus“ sind alle anderen Rollen deutlich im Hintergrund gehalten. Natürlich ist manches überzogen und fernab der Realität. Nicht jeder lebt im Überfluß in einer vorzeigbaren Villa, wo Geld keine Rolle zu spielen scheint. Demenzkranke zu pflegen erfordert einen ungeheuren Kraftaufwand. Das persönliche Leben gerät nahezu in den Hintergrund. Finanzielle Probleme kommen auf einen zu. Da hilft der Humor ungemein, wenn man ihn im Alltag bewahren kann. Im wahren Leben gibt es neben der Prüfung durch eine angstmachende Erkrankung auch ständige Auseinandersetzungen mit Behörden, Anträgen, Krankenkassen, Ärzten. Das zum Beispiel wird gar nicht thematisiert. Aber irgendwo muß man sich sicherlich entscheiden, wo die Schwerpunkte für einen Film liegen sollen, dessen Länge begrenzt ist – und da fallen eben einige Dinge hinten runter.

    Über FSK ab 6 Jahren kann man geteilter Meinung sein. Da muß jeder von Fall zu Fall selbst entscheiden, was er macht oder besser sein läßt. Für mich war das eine sehr bewußte Entscheidung, unsere im Grundschulalter befindlichen Kinder dorthin mitzunehmen. Sie haben schließlich vier Monate lang den mitunter dramatischen Verfall ihres geliebten Großvaters aus nächster Nähe miterlebt. Viele der selbst durchlebten Situationen haben wir im Film in ähnlicher Form wiedergefunden. Im Vorfeld haben wir uns die Trailer zum Film angesehen, mit ihnen darüber gesprochen, ihnen klar gemacht, daß das kein Klamauk-Film ist, und ich sehr wahrscheinlich während des Films Rotz und Wasser heulen werde.

    Ihr Fazit: „Danke, daß du uns mitgenommen hast Mama. Wie gut, daß wir alles mit Dede zusammen gemacht haben.“

    Ja, liebe Astrid, das ist eine Empfehlung. Dieter Hallervorden ist sensationell. Und ein in seiner Rolle weinender Til Schweiger ist mir erstmals zu Herzen gegangen. Der mich persönlich tief berührende Moment war jener, als Amandus versucht seine Enkelin darauf vorzubereiten, daß er sie eines Tages nicht mehr erkennen wird.

    Ein Film, bei dem ich völlig verheult mit einem einzigen, drängenden Gedanken heraus gehe, nämlich sofort meinen alten Herren in der fernen Heimat anzurufen, kann ein so Verkehrter nicht sein.

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  4. Ich hab es (noch) nicht geschafft den Film anzuschauen. Vielleicht dräng ich es nach hinten, weil ich weiss, dass ich danach niemanden mehr anrufen kann .....
    Ich wünsch Dir so sehr, dass Du Deinen Dede erreicht hast, dass es ein gutes Gespräch war.
    alles Liebe
    Elisabeth

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    1. Liebe Elisabeth, ich kann dich so gut verstehen. Ich bin unendlich dankbar, daß es meinen Vater trotz Krankheit noch gibt. Daß er mich immer noch erkennt und einfach da ist, das ist trotz allen Kummers beglückend.

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