23 August 2014

Der eigene Wille


Lange bevor ich eigene Kinder hatte, wurde ich in meinem damaligen Umfeld Zeuge dessen, was es heißt, überehrgeizige Eltern zu haben. Die Kinder wurden ohne Rücksicht auf ihre Bedürfnisse zwangsverpflichtet zum Sport treiben, Musikinstrumente erlernen etc. Montags Kunstreiten, Dienstag Tanzen und Englisch (man mußte ja um Himmels Willen die sensible Phase ausnutzen...), Mittwoch Turmspringen, Donnerstag Klavier und Hockey, Freitag irgendwas anderes. Magnus mußte schon mit vier Jahren in seinen Disziplinen brillieren, gab doch schon sein Name vor, ein ganz Großer zu sein. Ein straffer Plan gab vor, was schon nach dem Kindergarten stattfinden sollte. Eine Weile ging das noch gut, dann aber gab's die ersten leidvollen Tränen, ungnädige Eltern, die unbeirrt ihre Kinder heulend hinter sich herzerrten. Der Spaß am Ganzen blieb auf der Strecke, weil Kinder wie im Hamsterrad zu funktionieren hatten. Diese Szenen von einst waren nicht unüblich, wenn auch sehr überzogen und brannten sich mir ins Gedächtnis ein. Und ich schwor mir damals, es eines Tages mit meinen Kindern anders zu machen. 

Nicht daß wir uns mißverstehen: ich finde schon, daß man Kindern Angebote machen und sie nach ihren Interessen fördern, aber dabei bitte nicht übersehen sollte, um wessen Bedürfnisbefriedung es in erster Linie dabei geht. 


Wir sind alle noch müde vom gestrigen Tag und würden gerne einmal mehr den Wecker überhören. Der Blick aus dem Fenster verstärkt dieses Gefühl. Trotzdem stehen wir auf, denn heute nimmt Sohn1 an seinem ersten Kinder- und Schülertriathlon  teil. Er hat vor kurzem überraschend den Wunsch geäußert, daran teilnehmen zu wollen. Einfach so. Also haben wir ihn dazu angemeldet. Bis auf ihn, und zwei weitere Teilnehmer, kommen alle aus Vereinen.


Auf der Autofahrt schüttet es wie aus Kübeln. Und mir dämmert, daß wir besser hätten in Gummistiefeln ausrücken sollen.

 

Wir ergattern einen Parkplatz am Maisfeldrand.

 

Erstes Sondieren der Umgebung. Wir sind früh. Die Ersten wärmen sich bei einem heißen Getränk in den Zelten auf. Gütiger Gott, müssen die Kleinen wirklich durch einen See schwimmen?! Sie müssen. Allein dafür hätten alle Teilnehmer von mir eine Medaille bekommen.

 

Kurzzeitig schaut mal die Sonne vorbei. Nach knappen Anweisungen geht's los.

 

Da schwimmen sie, und ich bin dankbar, lediglich vom Ufer aus mit fast nassen Füßen dem Treiben zusehen zu dürfen.

Raus aus dem Wasser und hin zum Fahrrad: Füße abtrocknen, Badekappe runter, Socken und Schuhe anziehen, Helm aufsetzen und

 

weiter geht's!

Und kaum zurück, absteigen, mit Fahrrad zu den Klamotten laufen... Fahrrad abstellen...

 

 ...und in die richtige Richtung weiter laufen.

 

Da ist der kleine Läufer wieder... und ab geht's zur Zielgeraden.

 

Wir freuen uns für den Sohn, daß er diese Anerkennung für seine Leistung bekommen hat. Ohne irgendwelche Vorbereitung unter die ersten drei zu kommen, das ist schon was! Aber viel mehr freue ich mich über seine Entschlossenheit, sein Durchhaltevermögen und last but not least, den Spaß, den er dabei hatte. Denn von einer Sache bin ich überzeugt: hat man Freude an dem, was man tut, stellt sich der Erfolg über kurz oder lang fast von alleine ein.

 

Und wie war das noch? Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur ungeeignete Kleidung ;-).

Kommentare:

  1. So schön! Ich freue mich für euch - und die Freude und Begeisterung, mit der dein Sohn dort teilgenommen hat, ist viel wichtiger als jede Medaille (die natürlich trotzdem eine tolle Anerkennung ist).
    Liebe Grüße
    Christiane

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  2. toll gemacht ich gehöre zu den die liebe die Kinder zuhause hat und sie machen das was sie mögen vieles haben sie schon ausprobiert in einen Ferein möchte ich sie nicht steckn dann gibt es kein Wochenende für sie .Ich habe die Erfahrung gemacht das so bald das ein muß wird macht das kein Spaß mehr.lg galina

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  3. Ich habe die ehrgeizige Dauerunterhaltung von Kindern auch immer skeptisch beäugt. Da ich das nie leisten konnte und wollte, ob finanziell oder fahrtechnisch, verbrachte ich eher viel Zeit mit den Kindern zu Hause. Mein Augenmerk richtete sich auch darauf, das zu fördern, woran sie besonders Freude hatten und was sie selbst wollten. Wobei es auch Kinder gibt, die gerne ständig unterwegs zu sein scheinen. Meine wollten das nicht, weil ich es selbst nicht tat.
    Natürlich haben wir auch Spielgruppen besucht, sind schwimmen gewesen oder sie haben später anderes in Maßen gemacht.
    Für deinen Sohn ist das natürlich ganz toll, ohne Vorbereitung gleich eine Medaille zu gewinnen. Das wird ihn stärken, das zu tun, was ihm Freude macht. Herzlichen Glückwunsch deinem Sohn und dir!

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    1. Das stimmt, liebe Roswitha! Es gibt auch Kinder, die dieses frühe Pensum gut zu vertragen scheinen. Man muß natürlich bei allem immer differenzieren und abwägen. Nicht jedes Kind ist gleich. Aber spätestens, wenn Kinder unglücklich werden, weil sie unter immensem Leistungsdruck stehen, sollte man aufwachen. Zumindest wäre das wünschenswert.

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  4. Da gratuliere ich Deinem Sohn ganz herzlich! Eine wirklich tolle Leistung. Da kann er stolz sein.
    Puh, das Wetter .... hier ist es nicht anders und ich muss sagen, ich bin froh nicht so einen Termin zu haben......
    Dein erster Absatz ist so wahr. Als meine Grossen klein waren ging es mir so oft so. "Was macht denn Dein Daniel da und da? Ach ... die Tochter ist dort und hier gar nicht dabei ... etc.!" Ich war da noch sehr jung und oft verunsichert.
    Nun bei den beiden Jüngsten bin ich alt genug gewesen :-) ... hab mich nicht beirren lassen und wirklich nur das gefördert was sie wollten. Wenn sie aber "ja" gesagt haben wurde schon drauf bestanden, dass es dann auch gut gemacht wird.
    liebe Grüsse
    Elisabeth, die sich immerwieder freut bei Dir mitlesen zu können

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  5. Herzlichen Glückwunsch deinem Sohn (und auch dir für die gesunde Einstellung ;)).
    Hier ist es ganz ähnlich: die Kinder werden nur für Dinge angemeldet nach denen sie verlangen und dann wird vorher abgesprochen, wie es aussieht, wenn sie mal keine Lust mehr darauf haben. Zum Beispiel, daß sie einen Kurs, der acht Termine hat auf jeden Fall zu Ende machen (auch wenn sie nach fünf mal keine Lust mehr haben) und erst dann etwas anderes anfangen. Solange es sich um einen für die Kinder überschaubaren Zeitraum handelt, finde ich das einen fairen Kompromiss (und es schont unseren Geldbeutel ein wenig ;)
    LG
    Tanja

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    1. Liebe Tanja, hier handhaben wir es ganz ähnlich: entscheidet man sich für eine Sache, nachdem man hineinschnuppern durfte, dann wird es auch zu Ende gebracht.

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  6. wow! gratulation! wie recht du hast - der spaß und die freude sind das wichtigste. heir beoachte ich schon lange in meiner umgebung ähnliches wie das von dir geschilderte - unter anderem mit dem erfolg, dass 11jährige das gefühl haben, überhaupt keine freizeit mehr zu haben und dass die kindheit spätestens ab der volksschule vorbei ist. traurig. überhaupt sehen viele eltern in ihren kindern jetzt schon die karrieremenschen von morgen anstatt des kindes selbst - das finde ich mehr als bedenklich...
    verzeih, dass ich gar nicht mehr zum antworten gekommen bin auf deine frage, der sommer beeilt sich heuer so - bei meinem tablet war gar nix dabei außer treiber, auch zum runterladen nicht, außer kostenpflichtiges...
    herzliche grüße
    dania

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    1. Liebe Dania, danke für die Auskunft zum Tablett. Spontan fällt mir die Aussage zu einem berühmten Tennisspieler ein, dessen Mutter mal im Nachhinein sagte: "Heute würde ich ganz gegenteilig handeln und meinem Kind ein ganz normales Aufwachsen ohne Öffentlichkeit ermöglichen wollen. Der Preis für Ruhm und Erfolg ist definitiv zu hoch gewesen!"

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  7. Was für ein schönes Erlebnis! Es muss toll gewesen sein für deinen Sohn, so viel Erfolg zu haben bei etwas, das ihm Spaß macht und das er sich selbst ausgesucht hat. Triathlon fasziniert mich schon seit ein paar Jahren, aber Laufen ist bisher leider nicht zu meinem Hobby geworden. Ich wollte aber bald einmal wieder damit anfangen, vielleicht schaffe ich es diesmal, mich in Form zu bringen. Schwimmen und Radfahren gehören nämlich ohnehin schon zu meinen Lieblingssportarten. :-)

    Herzlichen Glückwunsch an deinen Sohn (für den man dann auch mal nasse Füße in Kauf nimmt, ne?! :D) und für das nächste mal ein bisschen mehr Sonne am Himmel!

    Lieber Gruß
    Steffi (die über Astrid hierher gefunden hat uns deinen Blog jetzt schon sehr mag!)

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