21 April 2014

Wunder

 

Kann mich mal bitte Jemand kneifen? Wo bitte sind die letzten zwei Wochen abgeblieben? Die Zeit vergeht wie im Flug. Der Tag ist zu Ende, kaum daß er begonnen hat. Ich komme kaum mit. Trotzdem haben mein Vater und ich einen guten Rythmus miteinander gefunden. Es gibt Ruhepausen und Zeiten der Aktivität - natürlich dem entsprechend, wozu mein Vater noch in der Lage ist. Erfreulich ist, daß nun das deutlich wahrnehmbare Naturerwachen auch hier bei uns im hohen Norden im vollen Gange ist. Ich liebe den Wechsel der Jahreszeiten, aber der Frühling, der ist es für mich. Außer Konkurrenz sozusagen, erweckt er auch mich wieder zum Leben. So schön ist das. Mein Vater und ich, sowie die restliche Familie nutzen die klitzekleinste Regenpause dazu, uns in den Garten zu setzen, zu schauen, was es Neues gibt. Und es gibt so viel...

 

Der Pflaumenbaum trägt die ersten Blüten.

 
 Die Zierkirsche hat ihr schönstes Gewand angelegt.

 

Die Bodendecker geben alles und bilden wunderschöne grüne Teppiche mit bezaubernden gelben Blütentupfern darauf. Ich kann mich kaum satt sehen an all der derzeitigen Pracht.

 
Diese hier kenne ich in ähnlicher Form aus meiner alten Heimat. Dort bekleiden sie ganze Berghänge in cremeweiß.

 

Was mich aber ganz besonders freut ist dieser kleine Zweig, der ewig lange nur tot aussah... bis ich genauer hinsah und tatsächlich erste Blattknospen ausmachen konnte.

 

Wißt ihr wozu dieser Trieb gehört? Mein Vater brachte vor einigen Jahren einpaar kleine Granatapfelbäumchen aus unserer alten Heimat mit. 2008, während unserer fast viermonatigen Rundreise durch die Türkei, hatte ich mich in diese wunderwunderschönen Bäume verliebt. Damals sah ich ganze Alleen aus blühenden Granatapfelbäumen und war auf unbeschreibliche Weise verzaubert. Die mitgebrachten Bäumchen, noch winzig klein, pflanzten wir gemeinsam in unseren Garten. Sie schienen prächtig Fuß zufassen - bis der erste Winter kam. In Deutschland herrscht kein mediterranes Klima - schon garnicht in Norddeutschland. Die Bäumchen, trotzdem ich sie für den Winter präpariert hatte, schienen abzusterben. Ich war ehrlich traurig und ließ die Reste dennoch in der Erde. Ich brachte es einfach nicht übers Herz, sie gänzlich zu entfernen. Vielleicht würde ja doch noch irgendwann...


Und tatsächlich: im darauffolgenden  Frühjahr sah ich ganz zaghaft winzige Anzeichen neuen Lebens direkt aus der Erde wachsen. Aber kaum hatte das Mini-Bäumchen wieder etwas zugelegt, stand der Winter erneut vor der Tür. Ein harter Winter noch dazu. Trotz Winterschutz war von den Bäumchen nichts mehr zu erahnen. Unverdrossen legte ich weiterhin Reisig über die entsprechenden Stellen. So sehr hoffte ich auf ein kleines Wunder.


Der vergangene Winter war, bis auf wenige klirrend kalte Tage, außerordentlich mild. Die wenigen, kläglich dürren Zweige des Bäumchens blieben sichtbar, wirkten jedoch mehr denn je leblos. Immer und immer wieder sah ich nach. Und nun  drängt deutlich sichtbar das Leben aus ihnen ans Licht. Wir freuen uns so sehr und können es kaum erwarten, mehr davon zu sehen. Das Klima kann ich nicht ändern, aber ich werde auch weiterhin alles dafür tun, daß die Bäumchen gut geschützt über die Winter kommen. Vielleicht geschieht ja ein kleines Wunder, und sie schaffen es, von Jahr zu Jahr stärker und größer zu werden.


Kommentare:

  1. Das ist wieder eine deiner schönen Geschichten, die ich so liebe...
    Ostergrüße
    von Astrid

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  2. Ein wunderbares kleines Wunder, das du da beschreibst. Ich kann mir so gut vorstellen, wie sehr dir diese Bäumchen am Herzen liegen. Wenn ich könnte, würde ich dir etwas vom hiesigen Weinbauklima gen Norden schicken - hier müssten sie eigentlich ganz gut gedeihen. Ich habe Granatapfelbäume in Israel gesehen und fand sie auch ganz zauberhaft mit den Blüten wie zarte, zerknitterte rote Röckchen... Für deinen Vater muss es eine Freude sein, dass der Garten, der für ihn sicher viele Erinnerungen an seine Jahre hier birgt, nun von seiner Tochter so liebevoll gepflegt wird! Was du über ihn und eure gemeinsamen Tage schreibst, berührt mich sehr, und ich wünsche euch von Herzen weiterhin erfüllte und möglichst ungestörte Tage.

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    1. Liebe Brigitte, du hast so recht: der Garten war bis wir hierher zogen das Refugium meines Vaters. Immer wieder kamen Menschen hierher, um sich den Naturgarten anzuschauen, weil sie ihn so schön fanden. Mit unseren damals zwei kleinen Kindern war es mir nicht möglich, den Garten so weiter zu pflegen, wie es mein Vater bis dahin getan hatte. Nach Absprache mit ihm veränderte ich manches. Aber all die Pflanzen und Bäume, die er nahezu alle aus der Türkei hierher gebracht hat, wachsen auch weiterhin hier. Wirklich jeder Baum und jeder Strauch hier hat seine ganz eigene Geschichte. Auch diese Geschichten werde ich euch nach und nach erzählen... Danke für deine guten Wünsche, Brigitte. Und ja, wir haben eine gute Zeit miteinander. Ich benötige immer einige Tage, bis ich so eine Art Routine mit den ganzen Tabletten etc. erlangt habe. Und auch mein Vater braucht diese Zeit, um anzukommen. Aber dann ist es nicht mehr schwer. Dann haben wir wieder ganz uns. Und das ist wunderbar.

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  3. Wie toll!! Ein Granatapfelbaum! Ich liebe diesen Baum, in der Türkei bin ich immer begeistert, wenn ich welche sehe. Ich wünsche es Dir so sehr, dass er mal prächtig blüht. Ist zwar schwer in diesem Klima für ihn, aber hoffentlich schafft er's. Vor allem ist er auch noch was ganz Besonderes, weil er von Deinem Vater ist...

    Es gibt also doch noch Wunder, wouw:)

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  4. Das wäre ja schön, wenn das Bäumchen gedeiht! Ich versuche auch immer Pflanzen aus Tirol zu importieren, die ich im Wald finde: Schlüssel- und Leberblümchen etc.

    Ich habe lange nicht mehr meinen Blog konsultiert, deshalb habe ich erst letzte Woche deinen lieben Kommentar gesehen. Sorry! Ich finde es super, dass du den Award an lauter türkische Damen weitergegeben hast, so lernen deine Leserinnen noch ein bisschen mehr Neues!
    Liebe Grüße und genieß die Zeit mit deinem Papa. Die Bilder sind so nett wie deine Jungs ihn an die Hand nehmen....!
    Gros bisou
    Sandra

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