25 März 2014

Brownie und Blumenkohlöhrchen

 

Normalerweise bemühen wir uns, die recht bescheidenen Wünsche unserer Kinder zu erfüllen. Das ganze Jahr über spitze ich die Ohren, so daß ich zu Feierlichkeiten alles parat habe. Weihnachten 2012 brachte mich das olle Maschinenöl in den Adventskalendern zum Schwitzen. Ich kloppte die gekauften Adventskalender fluchend in die Tonne, um nach  durchgemachten Nächten pünktlich zum Advent zwei Selbstgemachte befüllt mit ausgesuchten Kleinigkeiten und Geschichten für unsere Kinder zu präsentieren. (Wie bekloppt war das denn, daß ich als Nichtchristin in puren Weihnachtsstreß geriet. Also ehrlich...) Die überbordende und anhaltende Freude der kleinen Herren entschädigte mich für die schlafminimierten Nächte. Vergangenes Jahr gab es kein Maschinenöl in den Adeventskalendern und somit kaufte ich wieder welche. Soweit war ich mit allem durch, was um's Fest 2013 rankte und konnte mich tiefenentspannt in die Kissen sacken lassen... bis das kleine Kind sinierte:

 "Mama, du kannst doch stricken..."
 "Ja", antwortete ich da noch gedankenverloren.
 "Mama, ich wünschte, du könntest uns so ein kleines Bärchen stricken, was man mit in's     Bett nehmen kann..." Der große Bruder pflichtete ihm kopfnickend bei.
Noch entspannt antwortete ich: "Aber ihr habt doch schon einige Kuscheltiere..."
"Jaaaa, aber nicht welche, die du gemacht hast."  

Paff! Mit einem Schlag schnellte mein Cortisol in die Höhe. Zwei Tage vor Heilig Abend. Wie um Himmels willen sollte ich so schnell zwei Bärchen selbst herzaubern, zumal ich noch nie solche gestrickt hatte. Und eine Anleitung hatte ich auch nicht. Plötzlich erinnerte ich mich daran, wie mir einst meine Mutter einen Bären gestrickt hatte in meinem ersten Jahr in Deutschland. Ich besaß sehr wenig Spielzeug. Diesen Bären liebte ich, und es begleitete mich etliche Jahre meines Kinderlebens... bis es irgendwann leider nicht mehr auffindbar war.  Erinnerungsumtrieben verwarf ich den Gedanken an selbstgestrickte Bärchen. Aber immer wieder schwangen mir die Worte des kleinen Kindes durch meine Seele. 
 
 


Beim Einkaufen machte ich zuletzt Station bei den Zeitschriften. Flüchtig durchblätterte ich einige, bis mich der Blitz traf: tatsächlich eine Anleitung für gestrickte Bärchen. Das war unglaublich - wie bestellt...

Den Rest könnt ihr euch denken: zwei schlaflose Nächte weiter hatte ich sie. Insgesamt jedoch strickte ich drei Bären. Das Erste war recht mißlungen. Als nächstes entstand das helle Bärchen mit den seltsamen Ohren für Sohn1 (also diese Anleitung... ehrlich jetzt...), was ihm vom Sohn den Namen "Blumenkohlöhrchen" einbrachte. Bär Nummer drei war für Sohn2, denn der sollte dunkler sein ("So wie ich, Mama..."). Dieser wurde dann von ihm "Brownie" genannt. "Weil er sooo süß ist, wie ein Brownie, Mama...".

Unter dem Baum lagen noch andere ausgesuchte Geschenke für die kleinen Herren. Aber was soll ich sagen, daß sie in Jubelgeschrei verfielen, als sie diese seltsamen Bärchen im Baum entdeckten, das treibt mir jetzt noch die Tränen in die Augen. Noch heute sind Blumenkohlöhrchen und Brownie - manchmal plattgelegen -  im Dauereinsatz. Für mich ganz persönlich ist das eine anhaltende große Freude. Schnüff... Und auch an diese Geschichte möchten wir uns mit unserem ersten selbstgemachten Tannenbaum-Handrührer  erinnern.

Kommentare:

  1. Eine schöne und liebevolle Weihnachtsgeschichte ist das! (Übrigens: der Geschenke- und sonstige Stress ist schließlich nicht das Christliche an Weihnachten - eher im Gegenteil...;-)). Aber für kleinere oder größere Wunder ist da schon Raum. Und dass es nun auch noch genau zwei Bärchen waren in der Zeitschrift... Warte ab, die wirst du in vielen Jahren noch in den Betten und Zimmern deiner Buben finden! Mein Großer (21) hat ein kleines rosa Schweinchen, das immer noch seinen Schlaf bewacht...

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  2. Ja, ich habe wirklich ziemlich verdattert geschaut, als ich die Anleitung in jenem Haft sah...

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  3. Ach wie wunderbar! Mütter sind schon verrückt, oder? Aber die Welt wäre doch sonarm ohne diesebVerrücktheiten, oder

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    1. Ja, so ist es wohl, liebe Lisa.

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  4. Och, wie süß ist DAS denn?!

    Mütter.... vor allem solche Mütter (wie Du), treiben mir immer wieder die Tränen in die Augen....wie jetzt gerade...

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    1. Geben nicht alle Mütter dieser Welt ihr Bestes?! Bestimmt sogar. Was mich so anrührt ist, daß diese wirklich unperfekten, unspektakulären Bären von einer unperfekten Mutter so heiß und innig geliebt werden. Das ist das eigentliche Geschenk - für mich.

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  5. Und mich erinnerst du an meine erste selbstgestrickte Katze in Rot, gefüllt mit alten Nylonstrümpfen, die ich als 10jährige gemacht hatte. Was war ich stolz...
    GLG
    Astrid

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    1. Liebe Astrid, das ist ja auch was. Hast du sie noch? Stolz war ich auf die Bären nicht gerade. Ich fand sie ziemlich vermurkst. Meinen Kindern hat das glücklicherweise garnichts ausgemacht. Sie waren dennoch in der Lage ihnen etwas Schönes abzugewinnen.

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