14 Februar 2014

Irgendwo im Nirgendwo

 

Ein seltener, schöner Tag. Von langer Hand geplant wollen die Freundin und ich in der Stadt nach Wolle und Stoffen Ausschau halten. Den ersten Stoffladen, den wir auf dem Weg dorthin (in der Pampa) mit winziger Auswahl aber deutlich überzogenen Preisen vorfinden, verlassen wir nach wenigen Minuten wieder. Wohlgestimmt setzen wir uns in's Auto, und ich fahre los. Wir kommen wenige hundert Meter weiter zum Stehen. Einmal kann ich den Wagen noch starten, und nach einigen Metern ist dann endgültig Schluß. Ratlose Gesichter.


Warnblinkanlage an, Warndreieck aufstellen, telefonisch einen "gelben Engel" erbitten. Warten.
Wir stehen direkt vor einem Haus. Der Hausherr ist einige Male zu sehen, wirft uns mißmutige Blicke zu. Es ist so kalt, daß nach kurzer Zeit die Kälte uns trotz Winterkleidung klamm werden läßt. Immer mal wieder ist der Mann zu sehen. Ich rege mich auf. Die Freundin: "Würdest du an seiner Stelle anders reagieren?" Aber ja doch! Ich wäre die Erste, die aus dem Haus wäre, um zu fragen ob und wie ich helfen kann. Ich würde fragen, ob ein WC benötigt würde, oder ein heißes Getränk erwünscht wäre. Auf all das brauchen wir hier nicht zu hoffen. Stunden vergehen, die Musik-CD ist mehrfach gehört, die letzten Bonbons gegenseitig angeboten und gelutscht, ein einsamer Riegel aus den Untiefen der Tasche längst verdrückt, da wird das WC-Problem langsam aber sicher drängender. Zwischendurch meldet sich die Zentrale - Gottlob, wir stehen nicht im Funkloch! Ja, der gelbe Engel ist bald bei uns. Ob es nicht ein Cafè in unserer Nähe gäbe, wo wir so lange warten könnten?... Leider nein! Ein verbeultes Schild deutet auf einen Blumenhandel in nächster Nähe. Ein weiteres zeigt in Richtung Sportplatz. Beides keine Option. Wir warten. Da ich das Prozedere noch von vor Jahren kenne, gehe ich von ca. vier Stunden aus. Die Freundin ist deutlich ungeduldiger und nestelt nervös an ihren letzten sieben Zigaretten. Ab und an fährt mal ein Fahrzeug an uns vorbei. Niemand hält. Nach zwei Stunden hält aber dann doch ein jüngerer Mann an der Fahrerseite. Ich könnte ihm um den Hals fallen, so sehr freue ich mich darüber. Ich bedanke mich, (nicht ohne ihn für sein vorbildliches Verhalten zu loben) und sage, daß bereits Hilfe unterwegs sei. Wir freuen uns: es gibt doch noch nette Menschen. Eine schöne Erfahrung, die unsere Stimmung sofort wieder hebt.


Und dann ist er endlich da. Ich glaube, gelbe Engel sehen in viele erleichterte Gesichter. Keine Ahnung, warum sich die Batterie und Ölanzeige beim Ableben des Wagens gemeldet haben - beides ist in Ordnung. Einige Telefonate weiter: "Sind Sie schon mal abgeschleppt worden?" (Immer diese Zweideutigkeiten ;-)). "Ist schon 'ne Weile her", antworte ich wahrheitsgemäß. Alles klappt hervorragend, die Freundin wird auf der Strecke abgesetzt, ich zur Wunschwerkstatt gebracht, und weil alles sehr schnell geht, sogar auf dem Rückweg wieder Zuhause abgesetzt. So hatten wir uns den Tag nicht vorgestellt, aber man muß die Dinge nehmen, wie sie kommen. Und aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Einen nächsten Anlauf werden wir gewiß wieder wagen. Mit meiner Zeitvorstellung lag ich garnicht so daneben. Alles in Allem war ich nach exakt vier Stunden wieder Zuhause. Ich fand's absolut in Ordnung. Danke, gelber Engel! Toll, daß es dich und deinesgleichen gibt.

Kommentare:

  1. Unglaublich, was du da beschreibst! Ist DAS Norddeutschland? Eine solche Erfahrung habe ich noch nie gemacht. Gut, dass es die gelben Engel gibt, auch wenn der Verein zurecht in Verruf geraten ist.
    Was macht dein Fuß?
    GLG
    Astrid

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  2. Meine lieben, gelben Engel... wie dankbar ich ihnen bin! Daran musste ich die letzten Tage immer wieder denken, nach dem ganzen , negativen Schlagzeilen...und wollte sogar noch extra einen Beitrag dazu schreiben (werde ich bestimmt noch machen, weil es für mich eine Herzensangelegenheit ist) es tat mir so Leid für all die unschuldigen Menschen, die dort arbeiten und nichts dafür können...und so vielen Menschen in ihrer Not geholfen haben. Ganz besonders mir! Ich habe in all den vielen Jahren ihre Dienste so oft beansprucht...sie haben mir so oft in der Not geholfen, waren meine Retter, meine Helden und wahrhaftige gelbe Engel, so dass der jährliche Beitrag den ich zahle, dagegen nur eine lächerliche Summe ist.

    Und "abschleppen" dürfen nur DIE mich. Jawohl!:)

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  3. Liebe Roswitha, ich habe deinen Kommentar versehentlich gelöscht. Daß mein Post gleich viermal erschienen ist, war mir garnicht bewußt. Das lag daran, daß es bei Blogger "gehakt" hat und sich erstmal nichts tat.

    Liebe Astrid, DAS ist natürlich nicht Norddeutschland. Das wäre etwas zu dick aufgetragen. Auch hier leben die unterschiedlichsten Menschen zusammen. Die einen sind dabei SO, die anderen ANDERS...
    Ja, Ayse, welch ein Luxus nicht wahr, diese Art von Hilfe in Anspruch nehmen zu dürfen?! Da muß man keine Angst haben, am Straßenrand nicht wahrgenommen zu werden.

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    1. Liebes Pünktchen,
      kein Problem mit dem Kommentar. Ich denke, du hast ihn gelesen und vielleicht sollte es so sein, dass diese Gedanken keiner weiter lesen sollte. Alles o.k.

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  4. Wer je unfreiwillig am Straßenrand stand, kann nachempfinden, was fast 4 Stunden Warten bedeuten. Gut, dass es schließlich mit einem erfreulichen Eindruck geendet hat.

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    1. Solange sich solche Szenen tagsüber abspielen finde ich alles halb so wild. Aber in der Dunkelheit... da wäre mir doch ganz mulmig.

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