21 Februar 2014

Das erste Mal


Wenn wir den neuen Tag begrüßen, dann herrscht draußen noch immer die Finsternis. Normalerweise bringe ich die Jungs immer zum Bus, denn dazu müssen sie die vielbefahrene Hauptstraße ohne Ampel überqueren. Vor Jahren soll dort ein Unglück geschehen sein, und ein kleiner Junge kam vor den Augen seiner Mutter zu Tode. Gestorben wird immer und überall, und auch ich kann keine Katastrophen verhindern. Dennoch versuche ich das zu tun, was ich tun kann, um meine Kinder bestmöglich auf den Weg zu bringen. Mein Mann hängt mir seit langem in den Ohren, daß die Kinder diesen Weg (es ist ein knapper Kilometer) doch eigentlich alleine bewältigen könnten. Und es ist nicht so, daß ich ihnen das nicht zutrauen würde - nur weiß ich leider, wie an dieser Straße morgens der dichtgedrängte Verkehr läuft... Heute morgen sollte es wohl so sein, daß bestimmte Umstände mich daran hinderten, meinen morgendlichen Weg zur Bushaltestelle mit den kleinen Herren anzutreten. Ich verabschiedete sie mit einer innigen Umarmung und einem dicken Kuß an der Haustür, nicht ohne ihnen die üblichen Worte mit auf den Weg zu geben. Einen Augenblick später krallte ich mich an meiner Kaffeetasse fest und... lauschte. Bis auf die lärmenden Vögel im Baum - sonst Nichts. Nichts Ungewöhnliches. Den Dingen ihren Lauf zu lassen ist manchmal verdammt anstrengend.

Kommentare:

  1. Puh, ja, ich kann Dich s o gut verstehen!
    liebe Grüße, Petra

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  2. Mutter sein, ist der schwierigster Job, den wir zu bewältigen haben :-) Deine Ängste sind mir nicht fremd und total normal.

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  3. Ja, das ist eine Gratwanderung, Kinder nicht zuviel, aber auch nicht zuwenig zu behüten. Eine stark befahrene Straße allein ist schon nicht ohne, aber wenn es dann mal knapp wird mit der Zeit, dann ist die Gefahr groß, dass Kinder doch lieber riskant über die Straße rennen als den Bus zu verpassen. Blöd, dass es keine Ampel gibt!
    Ich denke, du wirst den richtigen Zeitpunkt für's Alleine-Laufenlassen sicher finden - und solange würde ich den kleinen Spaziergang am Morgen einfach genießen. (Sag deinem Mann, es tut dir gut... ;-)).

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    1. Liebe Brigitte, ja, der Verkehr genau zu jener Zeit hat's in sich. Glücklicherweise stehen wir so auf, daß noch Zeit satt ist und keiner in Bedrängnis kommt, wenn außer der Reihe noch was sein sollte. Diese und andere Straßen zu überqueren haben wir unzählige Male mit unseren Kindern geübt. Und doch: es sind und bleiben Kinder. Ein Reiz (vielleicht ein winkendes anderes Kind auf der anderen Straßenseite...), ein Streit unterwegs mit dem Bruder... und man weiß, daß Kinder dann spontan reagieren. Eine Gratwanderung ist das. Etwas beruhigt war ich ja, als mein Mann mal wieder davon anfing, sie morgens allein gehen zu lassen... und sie am nächsten Morgen dann doch selbst zum Bus brachte.

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  4. Bring du sie ruhig über die Straße, denn da ist nichts dabei! Ein unachtsamer Autofahrer reicht und die Vorwürfe verfolgen einen ein Leben lang! Wenn sie so groß sind, dass man sie nicht mehr so leicht übersieht, kann man mehr Leine geben!
    Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, ein Schild zu malen? "Vorsicht, Kinder auf dem Schulweg!", oder so?
    Gros bisou
    Sandra

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    1. Hallo Sandra, ja, da hast du ganz recht. Das eine Risiko stellen Kinder selbst dar, das andere die Autofahrer. Ich werde mich mal an die hiesige Gemeinde wenden. Vielleicht gibt es Zwischenlösungen. Danke für deine Anregung!

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  5. Puh, das ist ganz schön schwierig. Allein das Loslassen finde ich schon schwierig, aber dumm ist es schon, wenn da richtg offensichtliche Gefahren lauern. Ich denke, ich würde die Kinder, wenn möglich, weiter begleiten über diese Straße. Bei meinen Großen hatte ich damals auch Ängste wegen dem Schulweg, besonders an einer unübersichtlichen Stelle, wo die Autos gerne die Kurve schnitten. Mit einer Bekannten haben wir es geschafft, dass dort Pöstchen aufgestellt wurden. Aber hier gibt es zum Glück eine Fußgänger-Ampel. Kann man denn da bei euch nichts unternehmen, wegen einer Ampel oder Schülerlotzen?
    Liebe Grüße,
    Gina

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    1. Hallo Gina, das ist eine Straße, durch die der Hauptverkehr fließt. Auf etwa der gleichen Höhe gibt es eine Grundschule. Und die haben auch manchmal Schülerlotsen. Jedoch tauchen die erst auf, wenn unser Bus längst abgefahren ist. Wirklich blöd. In der Dunkelheit des Winters habe ich es mir nie nehmen lassen, sie zum Bus zu bringen. Allein der Anblick zweier kleiner Jungens an einer Bushaltestelle, die da alleine in der Dunkelheit auf den Bus warten, läßt mich als Mutter erschaudern. Ich bekomme oft von wildfremden zu hören, wie süß oder hübsch die beiden sind. Dann läuft es mir eiskalt den Rücken runter...

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  6. Das Loslassen ist eine der schwierigsten Übungen für Mütter ( ich kann es eigentlich immer noch nicht...).
    Ich wünsche dir alles Gute dazu.
    LG
    Astrid

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    1. Ja, liebe Astrid, das ist es wohl. Es wird immer wieder Begebenheiten geben, wo man als Eltern mit sich hadern wird.

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  7. lese das gerade, und bin in gedanken beim wirbelwind, der zu einem kindergeburtstag im hallenbad geladen ist, obwohl er noch nicht mal richtig schwimmen kann und das becken dort nur am rand stehtiefe besitzt...nicht dass ich den eltern des geburtstagskindes nicht trauen würde, aber dem imponiergehabe und der selbstüberschätzung fast 6jähriger buben trau ich so ganz und gar nicht bei solchen dingen... ohja, loslassen ist das schwerste...
    liebe grüße
    dania

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  8. Muss immer wieder schmunzeln, wenn ich daran denke, dass meine Mutter mir (heute noch!) ,beim gemeinsamen Überqueren einer Straße, beschützend ihre Hand vorhält..... muss schmunzeln und habe einen Kloß im Hals....
    Mehr brauche ich zu diesem Thema wohl nicht mehr zu sagen...*schnief* :)

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