31 August 2013

Wurzeln


Ich liebe es Pflanzen zu vermehren. Meist versuche ich das mit Stecklingen nach dem "Try&Error-Prinzip". Vermutlich würden sich professionelle Gärtner über mein Halbwissen nur lustig machen, aber manchmal habe ich auch Erfolg ;-). 
 

Die Begeisterung für Pflanzen habe ich von einem Bruder meines Vaters und meinen Eltern abbekommen. Als meine Eltern nach Deutschland gingen, da fing für mich in der Türkei gerade die Grundschulzeit an.  


Damals wohnte ich bei Onkel Zekâi und seiner so runden wie gütigen Frau. Sehr liebe Menschen mit einem übergroßen Herzen für Kinder waren sie. Alles in allem lebte ich ungefähr ein halbes Jahr mit ihnen und ihren drei deutlich älteren Kindern unter einem Dach. Ihr Haus befand sich mitten in der Stadt, direkt neben einer Moschee.  Wenn ich mich abends auf dem oberen Stockwerk auf die Zehenspitzen stellte, konnte ich vom Flurfenster aus Teile einer übergroßen Leinwand eines Freilichtkinos in der Ferne sehen. Allerdings gestalltete sich das als so anstrengend, daß meine Kraft meist nur für wenige Minuten ausreichend war, um einige Fetzen des jeweiligen Films mitverfolgen zu können, von dem ich in der Regel nicht viel verstand. Im Innenhof gab es einen kleinen Garten mit einem einfach verglasten Gewächshaus. 
                                                              

Hier verbrachte mein Onkel Zekâi nach der Arbeit reichlich Zeit. Meist folgte ich ihm auf Schritt und Tritt, schaute fasziniert zu, wenn er u.a. seine riesige Fuchsien- und Azzaleenzucht betreute. Ich begriff noch lange nicht, was er dort tat, aber es war ungeheuer spannend, daß aus etwas Erde, Wasser, Licht und Sämereien oder Stecklingen, üppige, neue Pflanzen entstanden. Mein Onkel kam mir so allmächtig vor. Geduldig erklärte er mir, was er tat, mahnte mich an, vorsichtig zu sein, wenn wir zwischen eng beieinander stehenden Tontöpfen schmale Gänge durchschritten. Meine Leidenschaft für Grünzeug fing ziemlich genau damals an. Mein Onkel lebt leider nicht mehr, aber ich denke oft und gerne an ihn, erzähle den Söhnen von meiner Zeit mit Onkel Zekâi und seiner liebenswerten Frau, wenn ich heute mit ihnen durch unseren Garten gehe. Meine Tante lebt noch. Sie ist nun alt. Aber die Liebe und Güte, die sie damals in sich trug, sind noch immer präsent. Ich freue mich darauf, sie hoffentlich wieder in meine Arme schließen zu können. Wie könnte ich je vergessen, was diese Menschen für mich waren...


Ich habe bereits viele Pflanzen auf dem Gewissen. Es hat seine Zeit gebraucht  bis ich die Bedürfnisse der einzelnen Pflanzen kennen lernte und diese entsprechend bedienen konnte. Und  wenn sich denn tatsächlich etwas weiter entwickelt, dann bin ich überglücklich.


Jedesmal nehme ich mir vor, akribisch aufzuzeichnen, was ich wohin pflanze. Es bleibt bei dem Vorhaben, weil ich in der Zwischenzeit schon längst die kleinen Gewächshäuser der Söhne voller Stecklinge zustelle und bereits ab der driitten Reihe nicht mehr weiß, was wo ist. 


Ich bin sehr gespannt, ob einige Pflänzchen es schaffen werden durch zu kommen. Jetzt heißt es geduldig sein. Etliche Wochen weiter werde ich berichten.

29 August 2013

Einfach schön! - oder mal die Seele lüften


Manchmal gibt es Tage, die sind so spontan wie schön. Da braucht es nicht viel, um aus einem ganz gewöhnlichen Tag etwas ganz Besonderes zu machen. Oft genug ist es so, daß jeder etwas anderes will, und man sich nur mühevoll auf etwas Gemeinsames einigen kann. Dann aber geht es auch anders: schnell sind sich alle einig und mit wenigen Handgriffen werden Dinge zusammen geklaubt, Drahtesel werden bestiegen... und wir tauchen ein in goldenes Licht...


Vorbei an Feldern, wo Gräser und Ähren im Licht hin- und hertanzen wie mystische Wesen. So duftend und schön zum Anschauen ist das. 


Die kleinen Herren hier haben ganz klare Vorstellungen davon, wie ein perfekter Abend auszusehen hat. "Mama, wir machen es uns gemütlich, ja?!" Na klar tun wir das. Ich nenne das immer "die Seele lüften". Einfach raus, spontan, ohne lange zu überlegen.


Und zum es sich Gemütlich machen gehören neben einer Kinderdecke immer auch Kerzen dazu. Beinahe hätte ich sie vergessen. Aber nur beinahe. Denn die kleinen Herren haben ihre imaginäre Checkliste im Hinterkopf immer fest eingepflanzt - wenn sie auch dafür sonst reichlich andere Dinge im Alltag vergessen ;-) ...


Schmackhafte Kirschen - in diesem Sommer gab es sie oft und reichlich.

  
Sigara böreği vom Vortag kann man wunderbar auch kalt genießen.


Und auf keinen Fall dürfen die gesammelten Geschichten von Willi Wiberg fehlen. Die gehören schon seit jeher mit dazu, und obwohl der Große nun doch auch ganz andere Geschichten ließt, genießt er das sehr, mit dem kleinen Bruder zusammen diese Geschichten zu hören und zu schauen.
 

Herrlich ist es, den Abend bei Vogelgezwitscher unter Bäumen auf einem verlassenen Kinderspielplatz ausklingen zu lassen. Einzelne Spaziergänger lächeln uns beim Passieren nickend zu, als erinnerten sie sich selbst an längst vergangene, goldene Kindheitstage. Es gehört nicht viel dazu, die Seele zu lüften, es sich einfach schön zu machen.

26 August 2013

Ernte 2013


Die Ernte dieses Jahr ist wieder einmal mehr als spärlich ausgefallen. Wenige Zwetschgen hängen noch an den Zweigen, denn der Baum hatte zuvor einen kräftigen Rückschnitt erhalten. Zum Geburtstag wünschte sich mein Mann einen saftigen Zwetschgenkuchen mit Hefeteig und  Streuseln. Dafür hat's gerade noch so gelangt.


Es gibt reichlich Blaubeeren, aber ob die noch reifen werden, das wage ich doch zu bezweifeln. Abgesehen davon werden sie hier von den kleinen Herren bei der täglichen Sichtung sofort und auf der Stelle verdrückt.


Dasselbe gilt für die Erdbeeren.

 

Die Monatserdbeeren, die ich im Frühjahr mit den Jungs ausgesät hatte, sind nun groß genug, daß ich sie ins Beet umsetzen kann. Also, früheste Ernte: nächstes Jahr.


Die Tomaten haben reichlich Fruchtansätze gebildet, aber ob das noch was wird in Kürze. Denn die Temperaturen kühlen gerade merklich ab. 

 

Unsere Kartoffelernte aus dem Blumentopf war ausreichend für eine Mahlzeit - immerhin! Die Jungs waren dennoch begeistert. Jetzt müssen nur noch die Äpfel reifen und die Quitten.


Und sonst so?... Ihr Lieben Katzenbesitzer, die ihr sicherlich viel mehr über Katzen wißt als ich, euch frage ich jetzt einfach mal. Das nun einjährige, nicht kastrierte Katzenvieh wuselt freudig zwischen meinen Beinen umher, leckt mir die Füße, beißt mich zärtlich in die Waden, wann immer ich draußen  bin. Allerdings tut er das wie verrückt. Auch reibt er sich ständig und intensiv an den Treppen zur Haustüre - wo wir gerne sitzen. Manchmal weiß ich einfach nicht, ob das  Ausdruck von Freude ist, oder ob er irgendwelche Parasiten im Fell hat. Auch fällt mir auf, daß es neuerdings  an der Haustür üble Gerüche gibt, die vorher nicht da waren. Markiert der Gute nun "sein Revier", oder wie habe ich das zu deuten? Denn eins kristallisiert sich immer mehr heraus: sein Zuhause scheint eher hier, als bei seinen eigentlichen Besitzern zu sein. Es wäre toll, wenn Katzen-Experten sich dazu äußern könnten. Mit Dank im Voraus ;-)...
 

22 August 2013

Luxus


Es gibt Dinge, denen ich kaum widerstehen kann. Ich mag Erdfarben sehr. Nach langer Zeit habe ich mir vier Stränge gegönnt. Die Materialzusammensetzung ist genau richtig für meinen empfindlichen Hals. Mit doppeltem Faden wird ein Dreiecksschal entstehen. Für mich.

17 August 2013

Hinterlassenschaften


Mein Papa hatte vor etlichen Wochen auf dem hiesigen Markt eine kleine Gurkenpflanze gekauft. Und weil in unserem Garten kaum noch Platz für Neues ist, hat er sie mitten in ein Beet zwischen Hortensien gepflanzt. Ich bemerkte die Pflanze erst, als sie größer und größer wurde. Inzwischen ist mein Papa längst wieder in der alten Heimat. Die Gurkenpflanze ist mittlerweile riesig geworden. Und als ich heute morgen die großen Pflanzenblätter beiseite schob, da traute ich meinen Augen kaum: eine Gurke neben der anderen. Und auch noch weitere Blüten...


Und zur Freude der kleinen Mitbewohner hier gab's auch noch wenige Blaubeeren zum Naschen. Vom Strauch direkt in den Mund.

16 August 2013

Überlebensstrategien, oder das letzte Mittel der Wahl


Wir haben sehr sanftmütige Kinder. Es gibt reichlich Freundschaften, die mal mehr, mal weniger intensiv gepflegt werden. Natürlich bleibt es nicht aus, daß es dann und wann zu Auseinandersetzungen kommt. Wenn's hoch hergeht, möchte ich manchmal meinem ersten Impuls folgend die Streithähne auseinander bringen. Im letzten Augenblick halte ich inne und mich zurück. Sohn1 hat dieser Tage festgestellt, daß man mit Sanftmut nicht immer und unbedingt weiter kommt. Da brauchte es dann aus seiner Sicht ganz offensichtlich eine mehr als klare Ansage...

Der Streit ist längst beigelegt, und nein, mein Mann mußte niemanden "verprügeln", man ist wieder ganz "dicke" miteinander ;-).

15 August 2013

In Bewegung


Über dieses Geschenk meines Mannes habe ich mich vor einpaar Tagen ganz besonders gefreut. Zuerst gab es ein anderes Modell, jedoch kam ich mit dem geschwollenen Fuß kaum hinein. Und so eingequetscht tut ein ohnehin schon schmerzendes Sprunggelenk noch mehr weh. Prompt wurde es erneut umgetauscht und blieb nun bei dieser Version der Flossen, die man hinten an der Ferse bequem und passend regulieren kann. Nur noch vier Wochen, in denen ich im Wasser etwas für mein Sprunggelenk tun kann. Diese Zeit will genutzt sein. Ich geh' dann mal...

14 August 2013

Für nächstes Jahr...


Ich mag die niedrige Kapuzzinerkresse mit ihren grell bunten Blüten. Die Jungens hatten sie unter einige Bäume gepflanzt, und sie haben uns nun schon seit einigen Wochen mit immer neuen Blüten erfreut. Deutlich sieht man an der verblassenden Farbe, daß ihre Hoch-Zeit nun vorrüber geht. Zwischendurch wurde auch immer mal wieder an den scharfen Blüten genascht. Bis in den Salat schaffen sie es hier meist nicht.

 
Die Samenknubbel abzupflücken und vom Boden aufzusammeln, das macht so einen Spaß. Eine ganze Menge ist dabei zusammen gekommen. Da können die Jungs sie nächstes Jahr wieder so emsig in der Erde versenken.


Unglaublich, aber wahr: in unserer Region steht der Herbst schon vor der Tür. Bei meinem Samen-Beute-Streifzug durch den Garten waren auch noch einige wenige, noch nicht aufgeplatzte Samenkapseln des Duftveilchens (Viola odorata) vorhanden. Obwohl das Duftveilchen eine geringe Wuchshöhe hat kann man sie in unserem Garten überaus gut riechen. Manchmal ist das sogar so intensiv, daß Besucher irritiert danach fragen. Bald wandert alles in kleine Papiertütchen für nächstes Jahr...

13 August 2013

In unserem Element


Wo wir leben, sind wir umgeben von Wasser: Wir wohnen zwischen den Meeren. Am liebsten bin ich bei schlechtem Wetter am Meer, wenn noch nicht mal Hundebesitzer ihre Tiere ausführen, wenn Regen und Wind mir ins Gesicht peitschen. Wenn hochsommerliche Temperaturen herrschen, wird man mich dort auf keinen Fall finden.


Hier gibt es noch Strände, die kaum besucht sind.  An weniger sommerlichen Tagen trifft man selten einen Menschen. Dort sind dann sehr gerne wir.


Wenn das Meer mal weniger lockt, gibt es quasi vor der Haustür einen Fluss.  Was hier so harmlos wirkt, kann nach starken Regenfällen bedrohliche Ausmaße annehmen.


Steht uns der Sinn eher nach Wald und See, dann ist auch das nur wenige Schritte von unserem Zuhause entfernt.

Ich bin sehr gerne im Wasser. Schon seit frühester Kindheit eigentlich fröne ich dieser Leidenschaft. Und wenn einmal drin, komme ich freiwillig ungern wieder heraus. Das Wetter spielt dabei keine Rolle. Wer hier länger mitliest weiß, daß wir in unmittelbarer Nähe zu einem Freibad wohnen. Beginnt die Badesaison sind wir mindestens ein-, jedoch oft auch zwei Mal am Tag dort. 


 Für unsere Kinder ist das eine phantastische Möglichkeit, sich auszupowern. 


Für mich, die ich mir in diesem Jahr das Sprunggelenk mit Wadenbeinbruch und Bänderriß kaputt gemacht habe, war das die Option wieder zügig auf die Beine zu kommen. Zu Hause bot unsere Treppe zum oberen Stockwerk eine sehr gute Übungsmöglichkeit. Später dann entdeckte ich im Freibad das hier. Um die Brust geschnallt steht/hängt man quasi senkrecht im Wasser. Ich habe jeden Tag mindestens zwanzig bis vierzig Bahnen gemacht, in dem ich nicht geschwommen, sondern mit angezogenem Fuß durch das Wasser gegangen bin. Das hat mein kaputtes Sprunggelenk gefordert, gefördert und letztlich sowohl ihm als auch mir unendlich gut getan. (Auch nach sieben Monaten ist die linke Seite stark geschwollen. Wenn Ende des Jahres "das Material" entfernt wird, soll es angeblich noch etwas besser werden. Das Aussehen und nicht mehr in Schuhpaare reinpassen ist eine Sache. Ich kann wieder laufen: Gott sei Dank!!). Der Nachteil an solchen Dingen ist, daß man ziemlich kaputt ist danach und einem oftmals zeitgleich mit den Kindern die Augen zufallen.


An solchen Tagen ist das Freibad leer. Auch dann sind wir da. Ganz besonders gern sogar.


Was mich dieses Jahr außerordentlich freut ist, daß nun mein Mann genau so Freude an diesem Bad hat, wie ich und die Kinder auch. Obwohl er erst wegen Zeitmangel nicht wollte, habe ich ihm kurzerhand auch eine Saisonkarte besorgt. Als ehemaliger Rettungsschwimmer und Tauchlehrer (was war dieser Kerl eigentlich noch nicht, frage ich mich gerade ;-)...), wird er künftig in seiner Freizeit Tauchlehrgänge für eine bestimmte Gruppe von Menschen anbieten. Gerade gibt er einen kleinen Schnupperkurs. 

Zu solchen Leuten wie uns sagt man wohl auch Wasserratten. Hier sind wir so gerne. Wasser ist definitiv unser Element.

11 August 2013

Bis wir uns wieder sehen...


Genau siebzig Tage war mein Vater bei uns zu Besuch. Siebzig Tage in denen wir gelacht und geweint haben, uns unterhalten haben über Belanglosigkeiten, sowie über Herzzerreißendes. Siebzig Tage - eine so gehaltvolle Zeit, die wir bestmöglich miteinander verlebt haben. Und doch muß ich weinen, daß er nun wieder fort ist. Am Flughafen selbst war ich so stark, nicht eine Träne war zu erahnen in meinen Augen. Da noch hielt ich meinen Vater zärtlich in meinen Armen, sprach ich ihm mit fester Stimme Mut zu, malte zuversichtliche Zukunftsgebilde aus, organisierte eine Begleitung für ihn, die ihn von einem Flieger zum nächsten bringen würde, küßte, drückte und herzte ihn und übergab ihn wie ein geliebtes Kind einem mir Unbekannten des Flughafenpersonals. Die beiden Enkel, mein Mann und ich standen noch lange da, bis er hinter der Absperrung nicht mehr zu sehen war.

Warum nur ist es so schwer loszulassen?! Ich werde noch oft und viel üben müssen. Eine echte Aufgabe ist das für mich...

06 August 2013

Blumenreich









 

Wenn ich zur Zeit in den frühen Morgen- bzw. den späteren Abendstunden durch unseren Garten streife, mir Zeit nehme beim Gießen abzuschalten, den Blick auf die wunderschön blühenden Dahlien und Hortensien gerichtet, bin ich grenzenlos fasziniert von der Schönheit, die sich mir offenbart. Noch einpaar Tage, dann sind die ersten Dahlienblüten fällig.  Denn    hier habe ich entdeckt, daß man mit ihnen wunderbar färben kann. Vielleicht kann man ja mit der Blütenfarbe auch malen. Ich werde das auf jeden Fall mal probieren. Und nein, ihr habt nichts an der Linse, ich habe bei einigen Aufnahmen mit HDR herumexperimentiert ;-).

05 August 2013

Immer da, immer nah

 







Turbo-Schmuser, Mäuse-Mörder, mein Schöner...
Unwiderstehlich süß.