24 November 2013

Geklärte Verhältnisse


Ein krankes Kind, mehrere durchwachte Nächte - alles anders. Und ich gebe zu, daß ich erst jetzt wieder langsam zu mir komme. Gestern hat mein Mann mir die Garantieunterlagen zu meiner Kamera unter die Nase gehalten, die ich verzweifelt gesucht habe - sie waren im Kühlschrank!! Soviel zu meinem derzeitigen Geisteszustand in Folge des Schlafdefizits... 

Tagsüber hat mich der Kater auf Trab gehalten. Rein, raus, rein, raus, fressen, noch mehr zu Fressen haben wollen, trotz unglaublicher Bettelmautzer nichts kriegen, Frußtgang auf's Katzenklo, erstaunliche Verdauung, beleidigt dösen, fressen wollen - kleines Leckerli, saufen, raus, schnell wieder rein. Verdammt, wo ist der Kater?! Haus absuchen - vom Keller angefangen (Wer hat die verdammte Tür aufgelassen??) durch alle Räume hindurch. Wo war er?! Im Wohnzimmer hinter dem Vorhang. Grrrr... Raus. Zwei Stunden später - kein Kater in Sicht. Fünf Stunden später - kein Kater in Sicht. Mit sinkenden Temperaturen steigende Nervosität. Neuneinhalb Stunden später höre ich etwas. Endlich! Begrüßung, fressen, saufen, zusammenkrümeln, Ruhe... So in etwa läuft es hier beinahe täglich ab. Das Kind ist zum Glück wieder genesen. "Mama, machst du mir so eine Mütze mit einem Riesenbommel dran?" Klaro ;-)... Anleitung dazu gibt's hier! 

In der Zwischenzeit habe ich mir von den verdutzten Erstbesitzern des Katers ein Schriftstück unterschreiben lassen, daß dieser (mit entsprechenden Fotos im Schriftstück belegt) nun in unseren Besitz übergegangen ist, und wir ab jetzt für ihn und seine Versorgung verantwortlich sind. Das Schriftstück beruhigt uns - schließlich haben wir kein Interesse daran, irgendwann einen Sorgerechtsstreit wegen des Katers zu führen ;-).

Etliche Arztbesuche weiter gab's den ersten Tierarzttermin. Mautz einen Abend vorher füttern, nach 19.00 Uhr nichts mehr... Hä?? Der hat doch seinen Termin zur Kastration erst um 15.00 Uhr des nächsten Tages. Das wären ja... viel zu viele Stunden ohne Fressen. Der holt mir die Tapeten von den Wänden. Sind die verrückt geworden?! Nach einigen Stunden ist doch alles Nahrung durch den Magen. Was soll er denn da noch erbrechen können? Aus dem Darm hoch hat's noch keiner geschafft. Erneuter Anruf in der Tierarztpraxis. Ich bin uneinsichtig. Bis Mitternacht darf er doch noch was kriegen. Schon besser! 

Mit irre schlechtem Gewissen gehe ich ins Bett. Wenn der arme Kerl wüßte, was ihm am nächsten Tag bevor steht. Och nee... Das nicht mehr kranke Kind läßt mich schlafen, dafür mein Gewissen nicht. Ich wälze mich unruhig durch die Nacht. 

Am nächsten morgen, Kinder sind schon weg, Kater guckt verdutzt dahin, wo sonst der Freßnapf steht. Mautzende Fragen über Fragen. Kein Fressen, Kater möchte raus. Darf nicht. Noch mehr Mautzen. Wie macht man dem jetzt klar, daß er noch sieben Stunden ohne Fressen vor sich hat, und ich ihn leider auch nicht rauslassen kann. Och nee...

Ich versuche ihn mit Schmuseeinheiten abzulenken. Funktioniert hervorragend - für eine Minute. Das Tier ist ja nicht blöd. Hat Hunger. Möchte raus. Geht beides nicht.

Der eigentlich Horror für mich beginnt, als ich ihn in den Katzentransporter setze und ihn mit den Jungs in die Praxis bringe. Er ist aufgebracht. 5-Kilogramm-Kater im Katzentransporter tobt im Auto. In der Praxis gibt das Tier Laute von sich, daß sich mir der Magen umdreht. Ich darf noch kurz mit rein. Ich streichle seine Wange durch den Netzeinsatz der Tasche. Er presst seinen Kopf gegen meine Hand. Sofort ist Ruhe. Das berührt mich in meinem tiefsten Innern. Die Tränen laufen. Und sofort fällt mir ein, warum ich mir im jugendlichen Alter schwor, nie mehr ein Haustier haben zu wollen. Zu groß ist die Trauer, wenn sie leiden. Zu groß, wenn das geliebte Tier irgendwann stirbt. Fluchtartig verlasse ich die Praxis und bin eine halbe Stunde zu früh wieder da. Da wird er gerade wach. 

Och Mautz, im Leben hätte ich dir das nicht angetan, aber wenn man weiß, wie exorbitant eure Vermehrung vonstatten geht, dann kann man das nicht einfach so hinnehmen. Beinahe wärest auch du im Tierheim gelandet. Es tut mir soooo leid, aber das mußte sein. 

Machen wir uns nichts vor: der Kater hat mächtig gelitten. Während der Narkose ist er auch noch gechippt worden, so daß man jederzeit seine Halter (uns) ermitteln kann. Zuhause torkelige erste Schritte. Stunden gezählt bis 19.30 Uhr. Halbe Stunde früher das erste Fressen gegeben. Tatsächlich ist es drin geblieben. Die Nacht auf dem Sofa mit dem Kater im Wohnzimmer verbracht, bei jedem Geräusch aufgesetzt und Köpfchen gestreichelt. Das war alles von Freitag auf Samstag.


Samstag morgen stürmische Liebesbekundungen, hach... Mit sicheren Schritten und gesegnetem Appetit gefressen, getrunken, sofort vor die Tür gegangen. Gemeinsam einen Kurzspaziergang gemacht. Demnächst wird es die Grundimpfungen geben.


Mit den Jungs Geschenkpapier für Weihnachtsgeschenke bedruckt (Kartoffeldruck).


Aus einer alten Decke, die ewig ungenutzt in einem Korb lagerte, einen kleinen Überwurf für die Lieblingssofa-Ecke von unserem neuen Familienmitglied genäht (ich kann mich schwer an die Katzenhaare da gewöhnen - auf dem Überwurf ist's besser). Inspiration geholt bei der von mir unendlich bewunderten Tante Rö...

Kommentare:

  1. Aufregende Tage, so schön erzählt - ich bin sicher: bei euch hat er´s gut, der Schmusekater...
    Liebe Grüße
    Christiane

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  2. Da ist aber Einiges mit dir passiert ;-).... Sehr schön, die Katzendecke!
    Trotzdem: Ich bleib bei meinem Schwur, nachdem ich das letzte der 3 Kaninchen meiner Tochter beim Sterben begleitet und im Gartenboden beerdigt hatte... Für all das habe ich keine Nerven mehr. ;-)
    LG
    Astrid

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    1. Kann ich wirklich gut nachvollziehen. Dreißig Jahre habe ich meinen Schwur durchgehalten. Aber in Anbetracht der Umstände, konnten wir nicht anders. Jetzt ist es so.

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  3. Ja viel ist bei dir Passiert irgendwan wir der Kater dir seine Dankbarkeit mit einer Maus vor der Tür zeigen so war es bei mir und dann ist Loben angesagt , ich wünsche euch viel Spaß mit dem Kater .lg galina

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    1. Das hatten wir bereits, liebe Galina. Am Donnerstag bekam ich mein erstes "Geschenk". Ein Wühlmaus, die ihr Leben vor meinen Füßen aushauchte, als Mautz ihm mit einem beherzten Biß den Rest gab. Natürlich habe ich ihn ordentlich durchgewalkt. Mein Mann hat immer behauptet, die würden jagen, und erlegen, aber nicht fressen... Lach! Mit zwei Hapsen war die Beute vor meinen Augen verspeist. War schon beeindruckend, wie er völlig unbeeindruckt von berstenden Knöchelchen alles restlos verputzt hat. Echt ein Raubtier, der Mautz...

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  4. Schön, dass Du wieder da bist!
    Oh mann.... was für einen Stress Du (Ihr) hatte(s)t! Schön, dass es Deinem Sohnemann wieder besser geht. Und was für eine unangenehme, schwere Situation mit dem Kater. Ich habe richtig mitgelitten beim Lesen.

    So jetzt soll aber mal alles wieder gut werden. Ich hoffe, ab jetzt passiert immer nur schönes und gutes (wenigstens nichts unangenehmes mehr).

    Das mit dem Kühlschrank kenne ich auch! Ich hatte mal wie verrückt nach meinem Portemonnaie gesucht, stundenlang. Bis ich dann Butter aus'm Kühlschrank brauchte...
    Also, ich bin nicht nur bei Schlafentzug, sondern immer so verpeilt:)

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    1. Hallo meine Liebe, hast du meine Antwort zu deinem vorletzten Kommentar schon gelesen? Den Streß mache ich mir ja. Nicht das Kind, genauso wenig der Kater. Beide pflegeleicht. Aber so eine Kastration ist auch für einen Kater nicht so easy, wie's immer dargestellt wird. Hätte ich mir eigentlich gleich denken können. Ich warte voller Ungeduld, wie's mit deinem Behördenkram weitergeht. Liebe Grüße... so von verpeilt zu verpeilt ;-)...

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    2. Ja , hab ich, danke. Mich wirste eben nicht mehr so leicht los, ich warte auf Deine Telefonnummer ;-)

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  5. Da hast du ja einiges mitgemacht in letzter Zeit... aber so sehr einem das Tier auch leid tut - danach ist alles schnell vergessen. Wenigstens muss ein Kater wohl nicht so einen Plastikkragen um den Hals tragen, wie das bei Hunden nach einer OP üblich ist (damit sie die Wunde nicht auflecken) - das ist nämlich so richtig lästig...
    Herrlich, die Katerdecke!!!

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    1. Ich hatte damit gerechnet, daß auch der Kater so'n Ding tragen müßte. Dem war aber nicht so. Trotzdem hat er sich natürlich oft an der Wunde geleckt, was alledings mit so einem silbrigen Zeug versiegelt war.

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  6. Das hört sich ganz danach an, als wäre eine Katzenklappe eine super lohnenswerte Investition für euch. Allerdings habt ihr dann auch wunderbare Drecktapser im Bett. Ach nee, da darf er ja nicht rein. ;-)
    Unsere beiden haben die Operation noch vor sich, aber erst im Frühsommer. Leider ist das bei den Mädchen nicht so klein und schnell erledigt. Bei unseren Katern war das immer superschnell vergessen.
    ich finde es so süß, was Du alles für den Kater machst. Nachts aufstehen zum Köpfchenstreicheln ist mir noch nie eingefallen........ ist aber auch nicht notwendig, denn ich werde ja jede Nacht mehrmals wachgeküsst oder wachgeknufft. ;-)

    Herzlich, Katja
    ... die keine zwei weißgestrichenen Zimmerecken hat, die nicht vollgestellt sind. Kunstlichtbilder finde ich so doof, aber momentan geht es trotz Stativ nicht anders.

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    1. Hallo Liebe, ja, die Katzenklappe... Die hatte ich ja bereits wieder zurück getragen, aber nun werden wir erneut eine kaufen nach den letzten Überlegungen. Ne, ins Bett darf er nicht rein - es sei denn, er "schläft sich im Laufe der Jahre hoch", ähem... Ich dachte immer, bei Katern werden lediglich die Samenleiter durchtrennt, aber daß der Hodensack komplett geräumt wird, war mir auch neu. Nachts aufstehen für den Kater..., da wird vermutlich manch einer den Kopf geschüttelt haben, aber was soll ich machen. So bin ich eben. Übrigens kann man sich auch eine einfache Lightbox basteln, wenn man keine weißen Wände hat. Für dich ist das doch sicherlich ein Kinderspiel-ansonsten gibt es auch einfachere Versionen zu kaufen. Aber du bekommst das mit Leichtigkeit hin. Ganz sicher!

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  7. Ach ha jee Liebste Pünktchen, aber nun ist hoffentlich alles besser und weniger anstrengend. Ich liebe Katzen und ich darf aber keine haben, da ich ein viertel des Jahres nicht zuhause sondern anderswo immer bin. Aber wenn ich mal erwachsen werden sollte, dann werde ich mir aus`m Tierheim eine liebe Mitze holen. Die sind einfach die tollsten.
    Und kocaman gecmis olsun! hoffentlich habt ihr alle Krankheiten nun vom Tisch und ihr genießt die Winterzeit.
    Es ist nie so einfach wenn ein Lebewesen leidet finde ich. Und ob Feind oder nicht, ob Tier oder Mensch, auch Pflanzen finde ich ist ungerecht wenn die leiden müßen wegen irgendwelchen Schmerzen.
    Naja und Du vergiß mal nicht Dich zu erholen. Die Mamis sind die Superhelden aber auch die sind bestimmt irgendwann am Ende!
    Liebste Grüße,
    dilek

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