11 August 2013

Bis wir uns wieder sehen...


Genau siebzig Tage war mein Vater bei uns zu Besuch. Siebzig Tage in denen wir gelacht und geweint haben, uns unterhalten haben über Belanglosigkeiten, sowie über Herzzerreißendes. Siebzig Tage - eine so gehaltvolle Zeit, die wir bestmöglich miteinander verlebt haben. Und doch muß ich weinen, daß er nun wieder fort ist. Am Flughafen selbst war ich so stark, nicht eine Träne war zu erahnen in meinen Augen. Da noch hielt ich meinen Vater zärtlich in meinen Armen, sprach ich ihm mit fester Stimme Mut zu, malte zuversichtliche Zukunftsgebilde aus, organisierte eine Begleitung für ihn, die ihn von einem Flieger zum nächsten bringen würde, küßte, drückte und herzte ihn und übergab ihn wie ein geliebtes Kind einem mir Unbekannten des Flughafenpersonals. Die beiden Enkel, mein Mann und ich standen noch lange da, bis er hinter der Absperrung nicht mehr zu sehen war.

Warum nur ist es so schwer loszulassen?! Ich werde noch oft und viel üben müssen. Eine echte Aufgabe ist das für mich...

Kommentare:

  1. Liebe Pünktchen,
    das musst Du doch gar nicht. Dein Vati wohnt nur so weit weg, dass Du ihn nicht jeden Tag sehen kannst. Jetzt kannst Du aber mit ihm telefonieren seine Stimme hören oder selbst in das Flugzeug steigen und ihn besuchen.
    Loslassen müsstest Du ihn, wenn er eines Tages dorthin zurück kehrt, wo wir alle herkommen.
    Ich finde gut, dass Du ihm sein Herz nicht schwerer gemacht hast, als sicher sowieso war.

    Herzlich
    Beate

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    1. Liebe Bea, es ist nicht so einfach für mich in den Flieger zu steigen und ihn zu besuchen. Es sind zwei kleinere Grundschulkinder da und null Familie drumrum, denen ich die Kinder für eine Zeit überlassen könnte. Mein Mann ist unter der Woche beruflich viel unterwegs und lediglich an den Wochenenden da. Wir wohnen bald sechs Jahre hier, aber Freundschaften entstehen erst mit der Zeit. Ich arbeite daran.

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  2. Ach du Liebe....
    Das Schwierige beim Abschied von den alt gewordenen Eltern ist das Wissen, dass es ein endgültiger Abschied sein könnte, dass man zu spät kommen & Vater oder Mutter nicht mehr lebend antreffen, keine letzten Dankesworte mehr aussprechen könnte? Kann dein Vater nicht bei dir bleiben? nein, kann er nicht, konnten meine ja auch nicht. Die heimatliche Erde hat eine zu große Anziehungskraft, stimmt's? Aber irgendwann ist ein Punkt erreicht, wo man eigentlich nicht mehr alleine leben kann...
    Es ist so schwierig, eine Lösung zu finden, die ALLE zufrieden stellt!
    Ich selbst rette mich immer in meinen Alltag mit den Enkeln, um mich nicht dauernd zu sorgen...
    Trotzdem einen schönen Sonntag!
    Astrid

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    1. Liebe Astrid, wenn du wüßtest, wie recht du mit allem hast... Ja, wir haben eine sehr große Bedeutung für meinen Vater. Aber die heimatliche Erde, sie ist mindestens so stark. Und als ich soeben voller Erleichterung mit ihm telefonierte, da traute ich wieder einmal kaum meinen Ohren: so stark und präsent war seine Stimme mit einem mal. Als hätte er in eine Steckdose gepackt und alle Akkus aufgeladen. Phänomenal! Hier vergreist er innerhalb weniger Tage nur, trotzdem er sehr gerne Zeit mit uns verbringt. Ja, die Heimat ist ein ganz gewaltiger Magnet. Ich lasse meinen Vater jedes mal ziehen. Zugegebenermaßen schweren Herzens, aber wer von uns möchte sich schon gerne im Alter vorschreiben lassen, wo und wie er zu leben hat. Ich kann ihm immer nur sagen und zeigen, daß er uns unermeßlich viel bedeutet, und er seine letzte Zeit bei uns verbringen darf - so er denn möchte.

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    2. Das ist ja sehr schön, dass die Heimkehr bei deinem Vater die alten Kräfte mobilisiert hat! Bei meinem wird das schwieriger, sein Land wächst ihm über den Kopf ( obwohl er noch viel macht ). Nur noch seine kleine Urenkelin bringt ihn richtig in Schwung.
      Aber auch das muss man akzeptieren lernen, dass die Kräfte schwinden. Bei meiner über 100jährigen Schwiegermutter kann ich es. Aber bei den eigenen Eltern? Da ist man im tiefsten Innern immer noch ein Kind & sie die Riesen, die alles können ;-)
      Lass es dir gut gehen!
      Astrid

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    3. Genau so ist es, liebe Astrid. Ganz genau so. Ich war vorhin noch einpaar Runden schwimmen im Freibad. Das hilft immer sehr, den Kopf frei zu schütteln.

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  3. Allah kavustursun. Abschiede sind immer sehr schwer, besonders dann wenn sie so weit weg wohnen und man nicht eben mal schnell nach den Rechten sehen kann. Sei nicht traurig, freu dich auf ein Wiedersehen. Mir steht das jetzt auch bevor, meine Eltern fliegen am Dienstag :-(
    Ganz liebe grüße
    Papatya

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    1. Ich danke dir sehr! Jetzt, da ich weiß, daß er eine gute Reise hatte, alles reibungslos geklappt hat und eben gerade seine kraftstrotzende Stimme hörte, kann ich wieder aufatmen. Ich bin so froh! Alles Gute auch für dich und euch!

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  4. Ach Pünktchen,
    das kann ich mir so gut vorstellen, wie schwer dir das fallen musste! Natürlich ist es gut, den Vater wieder zuhause und gut aufgehoben zu wissen. Aber die weite Entfernung und die lange Zeit bis zu einem Wiedersehen (auf das man ja auch nur hoffen kann) ist sicher schmerzlich. Umso mehr spürt man aber auch die innere Verbundenheit, die durch das äußere Getrenntsein eher noch intensiver wird.
    Für deine Söhne ist der geliebte Großvater aus der Türkei bestimmt immer in ihrem Herzen gegenwärtig, sie können ihn in mehreren Wochen des innigen Beisammenseins vielleicht sogar besser kennenlernen, als wenn er nur dreihundert Kilometer entfernt lebte und man ihn viermal im Jahr für ein paar Tage besuchen würde.
    Alles Liebe, und möge dein Vater noch viele gute Jahre und schöne Besuche von seinen Kindern und Enkeln erleben!
    Brigitte

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    1. Ja, liebe Brigitte, seit ihrer Geburt ist mein Vater eine feste und wichtige Bezugsperson für die beiden. Ich war so unermeßlich erleichtert, daß alles gestern gut geklappt hat, er die stundenlange Warterei in Istanbul überstanden und den Weiterflug gut bewältigt hat. Natürlich fehlt er uns nun an allen Ecken und Enden. Das ist wohl so. Ach, wir hoffen einfach auf das nächste Mal...

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  5. Wie schnell die Zeit vergeht. Selbst für mich fühlt es sich an, als wäre er erst vorgestern gekommen.
    Ich freue mich mit Dir, dass er die Reise gut überstanden hat und wieder bei Kräften ist. Das ist ja für Menschen in unserem Alter schon anstrengend, so eine lange Reise.
    Liebe Grüße, Roswitha

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    1. Das stimmt, liebe Roswitha: die Zeit ist vergangen wie im Flug. Jetzt wird wieder viel telefoniert. Aber das ist eben nicht das selbe. Immer wenn ich unten an seinem Zimmer vorbei laufe wünschte ich, er wäre da.

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