16 Juni 2013

Rhythmus


Seit zwei Wochen jagt ein Termin den anderen. Ich schaffe es nur mit Mühe, mitzuhalten. Lauftag von Sohn1. Ich sitze zwischen den Stühlen: eigentlich wollte ich Papa zum Arzt begleiten. Mein Mann ist unter der Woche nicht da. Der Jüngste nimmt an Vorbereitungen zu seinem Abschiedsfest teil und muß in den Kindergarten. Da sagt Sohn1: "Mama, dann ist ja dieses Jahr ja garkeiner bei mir..." Einen Moment später setzt er hinzu: " Weißt du, ich brauche dich." Ich teile meine Gedanken meinem Papa mit, der mich darin bestärkt hinzufahren. Also bringe ich meinen Vater auf den Weg, werfe quasi den Kleinen im Kindergarten ab, schwinge mich auf's Fahrrad und jage die sieben Kilometer gegen den starken Wind zur Schule. Völlig erledigt, aber um Punkt 8.30 Uhr stehe ich am Sportplatz - von Sohn1 keine Spur. Als mein Puls sich normalisiert, erfahre ich, daß seine Klasse erst um 10.00 Uhr läuft. Prima! Ich habe reichlich Zeit das Kleinstgemüse zu beobachten. Irgendwann ist es so weit. Kurz vorher drücke ich dem Sohn das Handy in die Hand - er telefoniert mit seinem Papa. Das ist zu einem festen Ritual bei uns geworden, wenn der Papa aus beruflichen Gründen nicht mit dabei sein kann. 2011 konnten wir alle gemeinsam Sohn1 den Rücken stärken und ihn anfeuern. Dieses mal gebe ich ihm noch den Tipp, nicht zu schnell zu laufen. Wer mich kennt, würde sich spätestens hier anfangen vor Lachen auszuschütten. Ausgerechnet ich sage das. Denn stets bin ich es, die Vollgas gibt, und so garnicht langsam kann. Dann geht's los! Ich weiß wie wichtig es beim Sport ist, den eigenen Rhythmus zu finden. Erst dann ist alles im Fluß und die Bewegungen laufen automatisiert ab. (Gerade beim Kraulen stelle ich zur Zeit selbst fest, daß ich meinen Rhythmus noch immer nicht gefunden habe. Noch immer bin ich viel zu schnell. Aber ich arbeite daran ;-)).  Die Masse setzt sich in Bewegung. Es laufen alle Jahrgangsstufen der Grundschule. Das Ziel der ersten Klasse sind 15 Minuten, die Zweiten sind schon mit einer ganzen Stunde dabei, die Dritten mit neunzig Minuten, und die Vierten peilen sogar zwei Stunden an. Beeindruckt schaue ich den Kindern zu. Am Anfang wirkt alles etwas durcheinander, bis sich kleinere und kleinste Grüppchen formieren. Sohn1 und sein Kumpel vom ersten Tag an gesellen sich zueinander. Schnell haben sie ihren und den gemeinsamen Rhythmus gefunden. Sie bewegen sich nahezu im Gleichklang. Ich bin berührt, bewegt, hingerissen. Am Ende der Stunde gibt es strahlende Kindergesichter. Gemeinschaft ist wunderbar!

Kommentare:

  1. Eine hübsche Kollage ist das.
    Ja, Rhythmus finde ich wichtig, überall im Leben. Kommt man aus dem Tritt, kommt man schnell ins Stolpern. Dann heißt es erstmal langsam machen oder still stehen, um dann wieder den Rhythmus zu finden. In Gemeinschaft ist das noch schwieriger, aber wenn gelungen, sehr bereichernd.
    So wünsche ich euch in der letzten vollen Zeit vor den Sommerferien genug Aufmerksamkeit, im gemeinsamen Rhythmus für euch zu bleiben.

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  2. Dass die Schule soetwas organisiert finde ich großartig. Das findet hier leider gar nicht statt, da müssten die Lehrer sich ja richtig engagieren. Die Kinder nehmen als Schulveranstaltung zwar alle am Kidsmarathon teil, aber trainiert wird dafür nicht. 2 Stundne am Stück laufen? Das ist unglaublich.

    Ich wünsche Dir etwas mehr Ruhe im Alltag, auch wenn ich weiß wie schwierig das ist zwischen all den Terminen. Aber auch wenn dein Papa sicher eine zusätzliche logistische Herausforderung ist, bin ich mir sicher seine gegenwart udn die zeit, die ihr mit ihm verbringen dürft macht das alles wieder wett. Genießt den Sommer!

    Herzlich, Katja

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  3. Die Woche über ohne Mann/Vater und das ohne Auto? das nötigt mir jetzt echt Respekt ab - wie schaffst du das nur? Mein Mann war zwar zuhause, hatte aber viele, auch unregelmäßige Termine (teils auch auf "Abruf"), und ohne zweites (!) Auto wäre ich bei uns auf dem Lande oft aufgeschmissen gewesen...
    Aber auch alle Achtung vor der Ausdauer deines Filius, das ist eine tolle Leistung.
    Herzliche Grüße!
    brigitte

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