11 Januar 2013

XVIII Dies und das in der Türkei



Hatte lange keinen Internetanschluß. Sorry an alle, die schon eine Vermisstenanzeige aufgeben wollten… Es gibt uns noch! Uns geht es nach wie vor sehr gut. Liebe Grüße…

Übrigens hat es nach etlichen Wochen unserer Türkeireise endlich eine kurz und knackige Email vom Generalkonsulat in Istanbul gegeben - im Auftrag des auswärtigen Amtes. Es sei wohl kein Problem mit abgelaufenem Paß aber dem darin befindlichen Aufenthaltsstatus (den mir mein Mann in die Türkei nachgeschickt hatte) und gültigem Paß ohne Aufenthaltsstatus wieder nach Deutschland einzureisen. Wie gesagt, diese Antwort hat ziemlich  lange auf sich warten lassen. Jene Wochen der Ungewißheit verbrachte ich wie auf heißen Kohlen sitzend. Mein Mann hatte sich vorab auf mein Drängen hin mit der für mich zuständigen Ausländerbehörde in Deutschland in Verbindung gesetzt. Die Einreise war mir sicher, allerdings nicht ohne Nachspiel bei der Ausländerbehörde. In solchen unliebsamen Augenblicken  - und ehrlich... davon gibt es reichlich in einem türkischen Leben in Deutschland, bin ich jedes Mal drauf und dran die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Aber dann passieren wieder meist unglaubliche Dinge, die mich verdammt noch mal davon abhalten, diesen Schritt zu gehen.

Ihr Lieben alle,

also jetzt, da wir nur noch eine absehbare Zeit vor uns haben, fange ich an traurig zu sein. Nachts wache ich auf und denke nach über alles Schöne und Bewegende, was wir hier erlebt haben. Und dann kullert so manch’ eine leise geweinte Träne auf mein Kopfkissen.

Früher fand ich das einfach nur peinlich, was meine Landsleute auf ihren Fahrten aus der Heimat, mit nach Deutschland mitnahmen. Ich glaube, es gab nichts, was nicht in das Auto gepfercht, oder in das Gepäck gestopft wurde. Jetzt, im reiferen Lebensalter angekommen, ertappe ich mich bei dem Gedanken, was ich alles selbst mit nach Deutschland nehmen möchte. Das ein oder andere könnte man auch sicherlich dort beschaffen, aber es soll aus der Türkei sein. Warum…? Sicherlich, weil ich dieses „Heimatgefühl“ noch konservieren und in der Verlängerung auskosten möchte. Vielleicht, habe ich mir überlegt, werde ich dem türkischen Tee doch noch eine Chance geben – dann, wenn keiner erwartungsvoll zuguckt, und ich es in einer großen Tasse, statt in einem kleinen Tee-Gläschen genießen kann…Und einen Sack voller Mehl hätte ich gerne aus unserer Dorfeigenen Mühle dabei. Wahrscheinlich könnte ich das mit einiger Mühe auch in Deutschland auftreiben, aber bei näherem Überlegen…Nein! So grob gemahlen wie hier… das habe ich dort nirgends gesehen. Das sollte schon mit. Unbedingt! Ich könnte so dieses tolle Brot noch ein halbes Jahr mit meiner Familie genießen. Keine Frage: das muß mit!

Und die Wallnüsse… Sie sind zwar noch lange nicht reif, aber ich habe vom Grundstück meiner längst verstorbenen Großmutter zwei Wallnüsse mitgenommen. Ich hoffe, dass es evtl. doch klappen könnte, daraus richtige Bäume groß zu ziehen. Das wäre fantastisch! Eine tolle, lebende „Erinnerung“. Und ich liebe Dinge mit Erinnerungswert nun einmal…

Mein absoluter Traum sind zwei kleine Granatapfelbäumchen: in Icmeler habe ich mich erneut in diese Bäume verliebt. Aber momentan werden sie nirgends verkauft. Ist eben nicht die Zeit dafür jetzt. Hier in den Bergen gibt’s etliche Feigenbäume, die reich tragen. Ich liebe frische Feigen so sehr!!! Leider werden sie erst reif werden, wenn wir wieder aus Trabzon fort sind. (Einige wenige haben wir dennoch verspeisen können). Diese Gaumenfreuden hätte ich den Jungs so gerne gegönnt. Frische, köstliche Feigen vom Baum… Ein kleiner Trost ist mein Feigenbaum in Deutschland. Brav trägt er an die 15 Feigen jedes Jahr.

Zwingend müssen auch alle unsere Strandschätze mit, die ich mit den Jungs an diversen Stränden meiner Heimat gesammelt habe. Davon besonders kostbar ein kleines Steinchen, in Herzform, was Primus mir geschenkt hat. Dieses Steinchen bedeutet mir so viel.. Na, und einen Sack voller Nüsse hätte ich gerne mitgenommen - das ist ja absolut klar! Schließlich war ich dieses Jahr mit dabei und habe selber einige Tage lang an der Ernte teilgenommen und kräftig mitgeholfen.

Olivenöl… Davon würde ich Papa am liebsten zig Kanister mitgeben wollen. Baumwoll- und Leinenstoffe, Nähgarn, Perlen – verglichen mit Deutschland spottbillig. Wer gerne näht sollte sich dennoch nicht in niedergelassenen Geschäften, sondern vielmehr auf Basaren umsehen.

Das Shampoo, welches ich hier immer benutzt habe… Ich bilde mir ein, dass das ein sehr Gutes war, und es nicht an dem grandios sauberen, weichen Wasser gelegen hat, dass meine Haare hat butterweich werden lassen.

Dann der Korb, den mir mein Onkel hat aus Haselnußruten flechten lassen. Ein tolles Geschenk; ich habe mich riesig darüber gefreut.

Den Kaşar-Käse, den werde ich wohl besser erst in Istanbul einkaufen. Sonst fängt der noch an zu laufen, bevor wir die Heimreise antreten.

Und Gewürze… Gewürze würde ich auch am liebsten Säckeweise mitnehmen. Allein der rote Pfeffer hier, der schmeckt schon gewaltig anders. Ganz zu schweigen von all den Gewürzen, deren Namen kein Mensch in Deutschland kennt.

Ach, hätte ich nur einen riesigen Container, den ich nach Herzenslust befüllen könnte… Aber ich will nicht unverschämt sein, denn immerhin kann ich Papa’s Bus für alle Sachen nutzen, die wir aus Platzgründen nicht mitnehmen können.

Tja, und was mich sehr überrascht hat, war die Möglichkeit, hier Arzneien besonders günstig zu erwerben. Ich bin fast umgefallen: auch Antibiotika sind frei erhältlich! (glücklicherweise inzwischen nicht mehr!) Das war schon ein Schock…Meist heißen die Medikamente hier anders, aber wenn man den Beipackzettel dabei hat, so daß die Inhaltsstoffe auszumachen sind, bemüht sich jede Apotheke, das entsprechende Mittel auf dem hiesigen Markt zu finden.

Reine Wolle bekommt man zur Zeit nirgends in der Türkei. Leider!!! Ich habe nahezu überall danach verlangt. Wolle gibt es nur mit synthetischen Beimischungen, was wiederum ich verschmähe und nur bei Socken dulde.

Für diejenigen von Euch, die evtl. mit Windelkindern reisen müssen sei gesagt, dass es überall in der Türkei sehr gute Windelqualität gibt. Die heißen hier „Molfix“, erinnern sehr an „Pampers“ und kosten dasselbe. Mich würde nicht wundern, wenn derselbe Hersteller, nämlich „Procter&Gamble“, dahinter steckt. Feuchttücher, wenn sie sich auch schwer einzeln und nicht so perfekt aus der Verpackung herauslösen lassen, sind dagegen spottbillig. Milchpulver bzw. Säuglingsnahrung gibt es in gut sortierten Supermärkten. Die sind allerdings ein Drittel teurer als in Deutschland, und nicht jede Sorte ist erhältlich.

Achtung die Damen: Monatshygieneartikel gibt es auch hier überall, nur was Tampons sind, damit weiß fernab von Großstädten kein Mensch etwas anzufangen. Also, im Falle eines Falles unbedingt mitzunehmen!

Eine Hepatitis A-Impfung ist unumgänglich! Die Hygiene in öffentlichen Toiletten ist mehr als miserabel, oftmals gar nicht gegeben. Da sollte man eher auf das freie Feld ausweichen. Auch wird in der Türkei vielerorts immer noch „natürlich“, z.B. mit Viehdung, gedüngt. Daher sollte man beim Verzehr von Salat, Gemüse, Obst etc. mehr als penibel sein. Trotzdem wir das waren, hat es uns dann doch noch erwischt. Ich habe mir einen üblen Keim eingehandelt, der mir schlimme Wochen mit unglaublichem Durchfall beschert hat.

Trinkwasser gibt es überall für wenig Geld zu kaufen. Was aus der Leitung fließt, das ist meist mit Chlor versehen und nicht zum Trinken geeignet. Dagegen haben wir hier in den Bergen Quellwasser, welches unglaublich sauber ist und richtig lecker schmeckt.

Es gibt noch Vieles mehr, was Wert ist, mitgenommen zu werden. Aber das könnt Ihr unter Umständen bei einem Aufenthalt in der Türkei selbst heraus finden.

Ein ganz normaler Krankenversicherungsschutz Eurer Krankenkasse ist für die Dauer des Aufenthaltes in der Türkei vollkommen ausreichend. Laßt Euch ja nicht vor dem Urlaub kirre machen und mehr an Krankenzusatzversicherungen aufschwatzen, als nötig tut. Schließlich ist man nicht irgendwo in der Wildnis ausgesetzt. Auch hier erfahren Menschen eine ordentliche Behandlung, wenn auch ein Provinzkrankenhaus von seiner rudimentären Einrichtung her einen das „Fürchten“ lehren kann. Aber wir wissen alle: es kommt nicht auf die Einrichtung an!

Hier im Dorf haben wir einen sehr netten Arzt aufgetan. Primus und Secundus haben als deutsche Staatsbürger die Arzthelferin verzweifeln lassen. Bis dato hat es keine Deutschen hier gegeben, die behandelt werden mussten. Sie konnten im Computer nicht erfasst werden, da nach dem „Kimlik“, eine Art Ausweis mit Nummer gefragt wurde, die sie jedoch als Nicht-Türken nicht haben. So erlebt man kleine Kuriositäten am Rande. Dennoch sind wir alle drei sehr gut untersucht und behandelt worden. Besser geht’s auch woanders nicht!

Naja, meine „persönliche Liste“ könnte ich ohne weiteres noch ausführen. Aber jetzt ist mal Schluß damit.

Bis demnächst wieder – mit herzlichen Grüßen

Euer Pünktchen.

Kommentare:

  1. Das sind ja wertvolle Informationen! Ich glaube zwar nicht, dass ich jemals in die Türkei reisen werde, aber dennoch ist es hier am Blog für mich, als wäre ich schon ein wenig dort gewesen. Ich habe hier ein paar Dinge, die mich an dich erinnern (so ein kleines Spielzeug ist jetzt sehr beliebt beim kleinen Mann!!) und so denke ich jedes Mal an dich.
    Alles Liebe.
    maria

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  2. Wow, Gänsehautfeeling. Türkei. Ja, irgendwann wieder einmal, bald. Sicher. Ein wundervolles Land in vielerlei Hinsicht! Dein Bericht ist sehr spanend.

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  3. Danke, danke für den weiteren schönen Bericht und die Erinnerung an die Sachen, die man immer gerne mitnehmen möchte. Doch ich habe festgestellt, dass ein brasilianischer Kaffee nur in Brasilien so gut schmeckt, der holländische Vla nur in Holland so lecker ist und der Granatapfel-Orangensaft nur in der türkischen Wärme auf dem Markt so besonders war;-)
    Grüße von Roswitha

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