23 Januar 2013

Parallelwelten


Eine letzte Aufnahme im Krankenhaus... Home, sweet home. Ich bin seit gestern wieder zu Hause. Freude darüber, meine kleinen Söhne und meinen Mann in der vertrauten Umgebung wieder um mich zu haben. Dennoch gestaltet sich manches schwerer, als ich es mir in meiner Vorstellung zurecht gezimmert hatte. Ich bin wirklich überrascht darüber.

Im Krankenhaus gab es viele routinierte Abläufe, die natürlich anders sind als zu Hause. Obwohl ich jemand bin, der sich in solchen Einrichtungen sehr zurückhält und einen Krankenhausaufenthalt nicht mit einem Hotelaufenthalt verwechselt, tat es gut zu wissen, daß man regelmäßig auch in der Nacht überwacht wurde.

Ich habe sehr viel Respekt vor dem, was die unterschiedlichsten Menschen dort tagtäglich - und eben auch in der Nacht, leisten. In der Haut der Krankengymnasten wollte ich nicht stecken, wenn sie die Patienten alsbald versuchen mobil zu machen. Viele schmerzverzerrte, tränenüberlaufene Gesichter, Verzweiflung über die Einschränkungen, die man meint auf garkeinen Fall überwinden zu können. Immer wieder das geduldige, motivierende, gute Zureden, das Stützen und mit jedem Handgriff helfen - professionell und freundlich bleiben, auch wenn der ein- oder andere bockt wie ein kleines Kind im Trotzalter. Puhhh! Wenn ich mir vorstelle, daß ich unter Umständen zwanzig solcher Patienten am Tag hätte, ich wäre... fertig mit den Nerven. Auch körperlich! 

Sechs Tage war ich in einer anderen Welt. Ich habe von allen Seiten freundliche Hilfe und zuversichtliche Unterstützung erfahren. Ich habe eine Frau kennen gelernt, der nach einem Autounfall bis auf einen Arm und Bein, nahezu alle anderen Knochen im Körper gebrochen waren. Eine über achtzigjährige Dame mit Oberschenkelhalsbruch, die von den Schwestern und Pflegern so überaus liebevoll betreut wurde  - auch wenn man sich wegen ihrer Schwerhörigkeit nur in extremer Lautstärke mit ihr unterhalten konnte und alles bestimmt drei Mal wiederholen mußte. Das zu sehen hat mich sehr berührt und auch beruhigt. Denn in so einem Krankenhaus kann man gut sehen, woher man kommt und wohin wir alle auch wieder gehen werden.

Die kommenden Wochen werden nicht einfach werden. Mein Mann wird unter der Woche nicht da sein. Morgens werden meine Kinder von einer Haushaltshilfe zum Bus und in den Kindergarten gebracht. Zu meiner persönlichen Betreuung bleiben dann noch 1 Stunde und fünfzehn Minuten am Tag. Das reicht für die dringlichsten Dinge. Und ich kann garnicht sagen, wie unendlich froh ich darüber bin.

Kommentare:

  1. Auch hier nochmal: ganz schnelle Heilung und möglichst viel Unterstützung wünsche ich Dir. So was Blödes. Letztes Jahr wurde an unserem Rodelhang auch jemadn mit denm Hubschrauber abgeholt - ist eben doch nicht so ungefährlich wie es aussieht. Dass sowas hier passieren könnte, daran will ich gar nicht denken, das wäre der Supergau...
    Ich glaube, ich rodel jetzt besserlangsamer.

    Herzlich, Katja

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    1. Geht es denn inzwischen schon etwas besser und bist Du wieder etwas mobiler, oder immer noch Land unter?

      Herzlich, Katja

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    2. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen... Es wird liebe Katja, aber das dauert. Im Krankenhaus hat man mich wissen lassen, daß es mindestens ein gutes Vierteljahr dauern wird, bis ich das Gröbste hinter mir habe. Und dann müßte ich das Laufen erst wieder langsam erlernen, weil man erst mal nicht mit dem Fuß abrollen, sondern nur durch die Gegend eiern kann. Aber hey, immerhin gibt es Aussicht auf Besserung, nicht wahr?! Das ist doch schon mal was. Schlimm wäre, wenn ein Schaden auch ansatzweise nicht wieder gut zu machen wäre.

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  2. Danke, liebe Katja! Du hast mir echt gefehlt ;-)...Ich kann nur vor den klassischen Holzschlitten warnen. Vorne saß mein Kleiner, ich dahinter. Die Füße seitlich auf den Kufen abgestellt. Während der schnellen Abfahrt blieb dann mein linker Fuß an einem Schnee/Eishubbel hängen. Da war's dann schon passiert. Leider ist's auch bei uns der Supergau. Sicherlich noch aml anders als es bei Dir der Fall wäre. Also, immer schön die Füße hoch!

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  3. Auch von mir einen herzlichen Gruß - ich bin ja schon erschrocken, als ich nach längerer Blogpause hier las, was dir passiert ist! Wenn ich bedenke, wie oft ich in den vergangenen Jahren mit unserem Holzschlitten irgendwelche Hänge und Waldwege hinuntergesaust bin, mit und ohne Kind vorne drauf... den alten Schlitten hat's dann irgendwann in einer Kurve in vollem Lauf unter uns zerlegt, glücklicherweise ohne Personenschaden.
    Ich wünsch dir von Herzen baldige Genesung und vor allem: "Schmerz lass nach"!
    Brigitte

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    1. Danke für den lieben Gruß - das tut gut! Ich glaube so langsam geht's bergauf. Ich kann die Einnahme der Schmerzmittel schon von mir aus minimieren und hinaus dehnen. Ein gutes Zeichen, denke ich. Zudem war die Hausärztin vorhin auf Hausbesuch und hat Wundversorgung gemacht. Schien zufrieden. Nachher werden noch die Thrombospritzen aus der Apotheke geliefert, die ich mir dann mal selber setzen werde. Mein Mann meinte: "Nicht schlimm, ein Klacks!".

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  4. Du Arme! Aber gut, dass du trotzdem bloggen kannst! Schon längst wollte ich dir gute Besserung, viel Zuversicht und auch Humor wünschen! Alles, alles Liebe. maria

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    1. Heute war die liebste Freundin da mit ganz viel Obst und Stangensellerie (welches ich liebe im Salat) und Bonbons und Schokolädchen. Wir haben erzählt und sehr sehr viel gelacht. Lachen ist die beste Therapie! Wenn das nicht hilft, dann weiß ich's auch nicht.

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  5. Da hast du ja trotz deiner unschönen Situation interessante Erfahrungen gemacht. Das ändert den Blickwinkel für´s Wesentliche im Leben.
    Ich hoffe, du kommst immer besser zu Hause zurecht und kannst dich auch schonen, damit du bald wieder auf beide Beine kommst.

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  6. Hallo liebe Roswitha, das Blöde ist, daß ich mein linkes Bein für sechs Wochen garnicht belasten darf. Und mit Krücken und Gehbock ist auch nicht unbedingt alles leichter. Inzwischen bin ich schon zwei mal gestürzt. Seit heute Vormittag tut mir nun auch noch meine linke Hand weh. Ich muß noch viel mehr aufpassen, wie's scheint.

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  7. Oh nein - gute Besserung!!!

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  8. Ja, so kann's gehen, liebe Amelie! Bei uns sagt man zu so etwas: "Beim Augenbrauen nachziehen, aus Versehen das Auge ausstechen!", oder so ähnlich ;-). Danke für Deine guten Wünsche!!!

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