20 Dezember 2012

Bald


Das Jahr 2012 ist beinahe vorüber, kaum daß ich aufgeblickt habe. Wir haben große Freuden, so wie auch endlose Trauer erlebt, weil nahe stehende Menschen uns voraus gegangen sind.

Der Dezember gehört bei uns ohne Einschränkungen unseren Kindern. Über 20.000 Klicks weiter, mache ich hier eine Pause. Auch wenn die Reiseberichte schon seit 2008 stehen, wird es damit erst im neuen Jahr weiter gehen.

Schon bald ist Weihnachten. Uns allen wünsche ich dauerhafte Beziehungen zu Freunden und Familie, daß wir auch weiterhin in Freiheit und Frieden leben dürfen - und den berühmten Blick über den eigenen Tellerrand hinaus.

Bis wir in 2013 unsere gemeinsame Reise weiter fortsetzen, habt Liebe im Herzen und paßt gut aufeinander auf!

Euer Pünktchen.

19 Dezember 2012

XIV Ahnengalerie


Liebe Freunde,

Seitdem wir in der Türkei auf Familie gestoßen sind, bin ich auf der Suche nach alten Fotos. Ich meine diese alten Schwarzweißaufnahmen, die im laufe von Jahrzehnten z.T. vergilbt und auch nahezu unkenntlich geworden sind und irgendwo, in irgendwelchen Schubladen und Kästchen vor sich hinaltern und/oder zerfallen. Von meinem Vater existieren gerade mal ein, zwei Bilder, welche ihn als kleines Kind zeigen. Diese Aufnahmen ließ man eigens von einem dafür beauftragten Fotografen zu Hause machen, da man der Ansicht war, der kleine Kerl  würde die nächste Zeit aufgrund einer Krankheit nicht mehr überleben. Später dann als Jugendlicher und Heranwachsender gibt es mehr Bilder von ihm.

Auf unserer Reise habe ich nicht die Möglichkeiten, irgendwelche alten Fotos ordnungsgemäß einzuscannen. So nutze ich meine Kamera, die existierenden Aufnahmen, bestmöglich abzufotografieren.  Inzwischen habe ich an die 400 solcher „Schätze“ aufgetrieben. Ich schaue mir gerne diese alten Bilder an. Sie zeigen mir unsere heutigen „Ältesten“, als sie noch jung und wunderschön waren. Je mehr ich diese Bilder betrachte, um so mehr scheinen sie preis zu geben. Das ist faszinierend! Abends sitze ich meist mit irgendwem aus der Familie zusammen, und wir schauen uns der Reihe nach die Fotos an. Während wir hier und da herum gerätselt haben, wer oder was da gerade neben einem uns bekannten Menschen zu sehen war, haben wir über einzelne Familienmitglieder sehr viele Details erfahren. Zum Teil waren das sehr belustigende Geschichten, zum Teil auch traurige, die uns tief berührt haben. Die Geselligkeit, die beim Betrachten dieser alten Aufnahmen wieder auflebte, das kann ich nur schwer beschreiben. Man muß einfach mit dabei sein, um wirklich begreifen zu können, wovon ich hier schreibe.

Manch einer hat das anfänglich belächelt, was ich da tue. Aber seitdem wir immer interessantere Geschichten über unsere Familie in Erfahrung bringen und zusammen tragen, finden nun ausnahmslos alle wunderbar, was ich da angefangen habe. Ich finde solcherlei Dinge von unschätzbarem Wert. Stirbt eine Generation aus, dann verschwinden auch alle diese Geschichten mit ihr. Die, die zurück bleiben, können dann meist nur noch mühsam herausfinden, was jetzt gut in Erfahrung zu bringen ist.

Noch habe ich zwei Anlaufstellen vor mir. Wenn ich all jene Bilder auch noch für die Nachwelt konservieren kann, dann bin ich glücklich und zufrieden. Mehr dürfte im Familienbesitz nicht sein.

Auch für Primus und Secundus dürfte all das eines Tages mehr als interessant sein. Diese Bilder sind  „Zeitzeugen“, die eigene gelebte Familiengeschichte belegen. Ich freue mich schon jetzt darauf, dass ich ihnen viel über die türkische Seite ihrer Herkunftsfamilie erzählen kann, die ich selber gerade von einer anderen Warte aus kennen lerne. Ich kann nur sagen: das ist hoch interessant! Wenn Ihr Zeit erübrigen könnt, dann fangt an, ebenfalls in den Bildern der Vergangenheit zu stöbern. Man beginnt unwillkürlich intensiver zu forschen. Und Vieles, von dem man nichts wusste oder ahnte, kommt dadurch erst zum Vorschein.

Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken wünscht Euch

Euer Pünktchen.

16 Dezember 2012

XIII Türkische Kochkunst

Ihr Lieben,

leider seid Ihr nicht hier, um all die kulinarischen Köstlichkeiten zu probieren, denen ich täglich ausgesetzt bin.

Ich liebe die türkische Küche!  Viele von Euch kennen sie, wenn auch sicherlich nur auszugsweise. Sie ist leider zum Teil sehr aufwendig, so dass es meist nur bei der Zubereitung eines Gerichtes bleibt, wenn ich etwas zu Hause mache. Hier in der Türkei werden jedoch jeden Tag und pro Mahlzeit gleich mehrere aufwendige Gerichte gezaubert. Bei Tisch gibt es eine sehr reichhaltige Fülle, aus dem der Einzelne dann wählen kann.

Gerade im Augenblick schätze ich es sehr, dass ich meiner Tante oder meinen Cousinen beim Kochen über die Schulter schauen oder ihnen zur Hand gehen kann. Dabei ist mir meine Kamera eine gute Gedächtnisstütze, wenn es darum geht, einzelne Rezepte zum späteren Ausprobieren zu erfassen. Die gebräuchlichsten Maßeinheiten für Rezepte sind Teegläser, oder Tassen…Ungewöhnlich für Menschen wie mich, die sonst gewohnt sind mit Messbechern herum zu hantieren.

Gemüse gibt es in Hülle und Fülle. Und Primus und Secundus helfen ganz tatkräftig bei der Vorbereitung der Essenszubereitung mit. Hier im Dorf dürfen sie ernten, was die Felder oder kleinen Gemüsegärten hergeben. Letztens erst saßen sie brav neben meiner Tante und haben fast eine Dreiviertelstunde lang Brechbohnen klein gestückelt. Das ist eben das Tolle, was mir an der Großfamilie so gefällt: ob klein, ob groß oder aber eben alt… jeder darf, kann, soll mit anpacken, wenn er denn möchte. Und das macht irrsinnig viel Freude, alles in dieser Gemeinschaft zu tun. Für uns ist das gerade eine Ausnahmesituation, das ist mir auch klar. Aber für die restliche Familie ist das Alltag und ganz selbstverständlich.

Wenn ich behaupte, dass ich die türkische Küche liebe, dann sollte ich vielleicht doch eine kleine Ausnahme zugeben: die Nachspeisen sind mir in der Regel vieeel zu süß! Erst kürzlich habe ich gesehen, wie „Un helvası“ gemacht wird. Eigentlich eine Kleinigkeit, aber wiederum doch aufwendig in der Durchführung. Als ich gesehen habe, welche Butter- und Zuckermengen bei der Zubereitung verwendet wurden, ist mir der Appetit gänzlich vergangen. Eine Woche später habe ich meine persönliche Variante von „Un helvasi“ zubereitet. Meine Familie war sehr höflich und alle haben probiert. Dabei blieb es. Und ich, ich bleibe weiterhin bei meiner Version, denn ansonsten bekommt mein Körper auch bei kleineren Mengen einen ungekannten Butter- bzw. Zuckerschock. Aber auch fernab der Nachspeisen sind wir Türken ein „süßes“ Volk. Gerne wird auch bei normalen Gerichten immer eine ordentliche und nicht zu unterschätzende Prise Zucker verwendet.

Für morgen hat meine Tante sehr aufwendig gebacken: Su böreği ! Dazu wird Teig hauchfein ausgerollt. Nix mit tief gefrorenem Blätterteig. Alles selbst mit der Hand gemacht. Bis zu 10 Lagen. Leider habe ich den weiteren Werdegang nicht zu Ende verfolgen können, da Besuch für mich kam. Aber wenn mich nicht alles täuscht, kommt dann viel Schafskäse mit Petersilie zwischen die einzelnen Lagen und… sehr sehr viel geschmolzene Butter. Das ganze wird dann im Backofen gebacken und frisch gereicht. Köstlich… Die Gedanken an das „Hüftgold“ sollte man besser verdrängen. Sonst bleibt einem der Genuß im Halse stecken. 
Die Türkische Küche ist neben der Französischen und der Chinesischen Küche eine der drei größten Küchen der Welt. Sie enthält eine vielfältige Auswahl an Suppen, Vorspeisen, Gemüse- und Fleischgerichten, Mehlspeisen und Salaten, nicht zu vergessen die vielen Desserts und das unwiderstehliche Obst. Das Frühstück - „kahvaltı" - besteht typisch aus Brot, Schafskäse, schwarzen Oliven, Tomaten, Gurken, Konfitüre und Tee. 

Mittags ist man entweder zu Hause oder in einem „Lokanta" (Restaurant), wo man kleinere heiße Gerichte isst, z.B. Suppen, und traditionelle Gerichte, wie „Lahmacun" (türkische Pizza), verschiedene „Döner"-Arten und viele gegrillte Fleischsorten mit Salat als Beilage und Desserts, inklusive frische Obst.

Das Abendessen fängt an, wenn alle Familienmitglieder nach Hause kommen und ihre Tageserlebnisse bei einem vielfältigen Menü bei Tisch austauschen. Meist wird gegen 20.00 Uhr serviert und nahe Verwandte, beste Freunde oder Nachbarn essen öfters mit, ohne direkt eingeladen zu sein. Das Abendessen beginnt mit kleinen Aperitifs - „Meze". Das Hauptgericht des Abends wird einige Zeit später serviert. Ansonsten gibt es zum Abendessen z.B. Suppe, gefolgt von Fleisch- und Gemüsegerichten mit Salat. Danach werden Olivenöl-Gerichte wie „Dolma" - gefülltes Gemüse oder gefüllte Weinblätter serviert, gefolgt von süßen Desserts und frischem Obst. Nach dem Essen wird Tee und/oder türkischer Kaffe genossen.

Joghurt ist heute ein populäres Essen überall. In meiner Kindheit habe ich den Joghurt stets aus eigener Herstellung genossen. Er war beinahe schnittfest und ziemlich sauer. Noch heute mag ich süße, industriell hergestellte Joghurts überhaupt nicht. Naturjoghurt - auch gekaufter -  geht hingegen immer. Was auch häufig wegen ihrer gesunden Eigenschaften in der türkischen Küche genutzt wird sind Zwiebeln, da sie das Immunsystem fördern, Knoblauch gegen hohen Blutdruck und Olivenöl als ein Mittel für einundvierzig Krankheiten, außerdem senkt es den Cholesterinspiegel. Zumindest hier zu Lande glaubt man sehr daran.

Die Türkei ist umgeben von vier Meeren (Schwarzes Meer, Marmara Meer, Ägäisches Meer und Mittelmeer), und die Leute an den Küstenstädten sind Experten in der Zubereitung von Fisch. Jeder Monat hat seine bevorzugten Fischgerichte. Sardellen - „Hamsi" ( ich liebe Hamsi!) ist der König der Fische bei den Türken. Die Leute von der Schwarzmeer Küste kennen 41 verschiedene Rezepte für „Hamsi", z.B. „Hamsi Börek", „Hamsi Pilav" oder „Hamsi dessert". In der Türkei ist es üblich alle Sorten von Fisch in einem Fischrestaurant selber auszusuchen und vorbereiten zu lassen.

Was ich zudem noch an der türkischen Küche liebe ist die Namensgebung für die einzelnen Gerichte. „İmam bayıldı“ heißt z.B. „Der Imam ist in Ohnmacht gefallen!“ (natürlich nur vor Verzückung, weil das Gericht so köstlich war…), „Kadınbudu köfte“ sind „Frauenschenkel Frikadellen“ und „Dilber dudağı“ sind die Lippen einer schönen Frau und somit ein Nachtisch. Und so gibt es noch viele viele andere Appetit anregende Namen für allerlei Leckereien.

Heute habe ich erfahren, wie man köstlichsten Frischkäse macht, der leicht säuerlich genossen wird. Alles, was ich bisher gesehen habe, das hat hohes Suchtpotential. Und ich weiß schon jetzt, dass vieles davon meinem Mann ebenfalls Gaumenfreuden bereiten wird. Hmmmm, köstlich köstlich…!

Zur Zeit haben wir eine große Hitzeperiode in dieser Region, welches das Wasser knapp werden lässt. Wir trinken Wasser, welches direkt aus einem Gebirgsquell stammt, und das ist wirklich sehr sauber und ungeheuerlich lecker. Nur für die Vielzahl von kleineren Gärten reicht das Wasser kaum, weil in dieser Dürre, jeder seine Pflanzen ausreichend gießen möchte. Aber da das nachbarschaftliche Verhältnis unter den hier lebenden Menschen außerordentlich wichtig ist, nimmt man gegenseitig Rücksicht aufeinander. So verbraucht jeder derzeit wirklich nur soviel Wasser, wie es gerade für die dringenden Dinge benötigt wird. Alles andere muß warten. Und so bleibt auch das beliebte Plantschen für die Kinder zur Zeit aus, um dieses kostbare Gut nicht zu vergeuden.

Aber auch ohne mit Wasser spielen zu können, bleibt das Leben auf dem Lande spannend. Heute morgen erst hat mein Vater zufällig eine giftige Schlange einige wenige Meter vor der Haustür erlegt. Das kommt hier in der Gegend ab und an vor. Das Tier wurde ausgiebig betrachtet und bestaunt. Hier in den Bergen gibt es auch immer noch Braunbären, Wölfe, Schakale, Füchse, diverse Greifvögel und Wildschweine. Die Berge hier heißen „Zigana Daglari“ (Zigana Berge) und reichen bis zu 3000 Meter hoch. Und das schöne daran ist, dass alles dicht grün bewachsen ist. Es gibt wirklich kaum einen Flecken, aus dem nicht irgendetwas sprießt. Ich bin kein Bodenkundler, aber soweit ich das erkennen kann, ist der Boden hier sehr lehmhaltig.

Gestern wollte ich zu den Gräbern meiner Großeltern. Meinen Großvater habe ich nie persönlich kennen lernen können, aber meine Großmutter starb erst im Jahre 1982. Eine beeindruckende Persönlichkeit war sie,  und ich denke noch immer sehr gerne an sie zurück. Wir sind die Berge hoch gekurvt und haben die fast zugewachsenen Gräber trotzdem gefunden, da mein Papa erst in den letzten Jahren die zerfallenen Grabsteine seiner Eltern hat neu machen lassen.

Im Anschluß daran bin ich mit Papa und den Jungs zum alten Familiensitz gefahren. Das Haus meiner Großeltern wird seit Jahrzehnten nicht mehr bewohnt und ist daher stark zerfallen. Einige Bäume gibt es nicht mehr, weil deren Lebensdauer abgelaufen ist. Das schöne, große Grundstück, auf dem das Haus steht, ist nahezu unverändert. Ich habe sehr viele schöne Erinnerungen daran. Nur wirkt alles jetzt kleiner, als ich es damals als Dreieinhalbjährige empfunden habe. Ich bin recht lange umhergelaufen und habe mir alles genau angesehen. Nur in das Hausinnere konnten wir nicht hinein, da wir nicht den Schlüssel haben. Einige Fotos weiter sind wir mit einem melancholischen Gefühl wieder zurück gefahren. Traurig, wenn man das alt vertraute nicht mehr so vorfindet, wie man es in Erinnerung hatte.

Ein Jahr meiner Kindheit habe ich bei meiner Großmutter und der Großfamilie in diesem Haus verbracht. Meine Mutter unterrichtete unter der Woche in Trabzon, und mein Vater verrichtete seinen Militärdienst. So war ich am besten im Schoße der Familie untergebracht, und an den Wochenenden kam meine Mutter oder holte mich zu sich. In meiner Erinnerung ist das eine wunderschöne Zeit in purer Natur gewesen. Ich bin heute noch unglaublich dankbar dafür, dass ich das leben durfte.

Wie immer ganz herzlich grüßt Euch alle – Euer Pünktchen.







14 Dezember 2012

XII Schwarzes Meer


Hallo Ihr Lieben!

Donnerstag, 26. Juni… endlich Abreisetag aus Istanbul. So interessant Istanbul auch sein mag, ich bin froh, wenn wir endlich aus diesem „Sumpf“ von Menschenmassen, Dreck und viel Lärm heraus können. Ganz offensichtlich habe ich es nicht so sehr mit diesen gigantischen Weltmetropolen (ca. 15 Millionen Einwohner). Papa und ich sehnen uns nach mehr Ruhe und Natur. Genau das erwartet uns in der Region des “Karadeniz“, Schwarzen Meeres.

Bis wir Istanbul hinter uns lassen dauert es eine ganze Weile. Meist ist so viel Betrieb auf den Brücken, dass nur zäh fließender Verkehr möglich ist. Aber irgendwann ist freie Fahrt. Wir fahren die unmittelbare Küstenstraße entlang, und nicht wie die meisten die sehr viel schnellere Autobahn.

Über Gümüşova und Düzce gelangen wir nach Zonguldak. Es ist unerträglich heiß. Man spricht vom heißesten Tag seit über 36 Jahren in Zonguldak. Und ehrlich gesagt: genau so fühlt es sich auch an! Wir zerfließen… Eines ist klar: wir können auf keinen Fall im Bus schlafen. Also machen wir uns auf die Suche nach einer Bleibe. Schnell haben wir ein Drei-Sterne-Haus aufgetan, was sauber und mit Klimaanlage ausgestattet ist, aber einem Vier-Sterne-Hotel gleicht. Wir atmen auf. Am nächsten Tag schauen wir uns nach dem Frühstück in aller Frühe die Stadt an und beschließen, den Kindern etwas Zeit am Strand zu gönnen. Zu meiner großen Verwunderung gibt es riesige Wellen, die mich mühelos immer wieder im Meer umwerfen. Die Kinder spielen am Kies-Sand-Strand. Reine Sandstrände sind in der Türkei eher Rarität. Aber durch die Steine wird’s ohnehin meist interessanter für die Kinder.

Der Fahrtwind macht die Hitze halbwegs erträglich. Die Schwarzmeerregion ist die Lunge der Türkei. Hohe Berge, dicht bewachsen, viel Grün und ein wolkenfreies Himmelblau – das ist unser beständiges Panorama vor Augen.

Wir kommen nur langsam voran. Durch die immense Steigung teilweise sogar nur im zweiten Gang, erklimmen wir die Berge. 50 km schaffen wir in gerade mal einer Stunde. Für uns aber kein Problem, schließlich haben wir keine Eile. Ich mache immer mal wieder Aufnahmen mit meiner kleinen Pixelquetsche, meist aus dem fahrenden Auto. Bei besonders schöner Aussicht bequeme ich mich aus dem Wagen. Inzwischen habe ich soooo viele Bilder gemacht, dass ich regelmäßig die Bilddaten auf DVD brennen muß, da mein großer Festplattenspeicher schon lange überquillt.

Weiter geht es über Akmanlar, Bartın nach Amasra.

Amasra hat mir gut gefallen. Ein kleiner, unspektakulärer, beschaulicher Ort, keinesfalls überlaufen, mit einem schönen Sandstrand und kristallklarem Wasser. Genau das Richtige, um mit den Kindern eine ausgedehnte Pause zu machen. Ich gehe abwechselnd mit Primus und Secundus in’s Wasser. Das Wasser ist sehr sauber und lauwarm. Die Kinder schließen Freundschaften, und nachdem jedem klar ist, dass sie nicht aus der Türkei sind, werden sie interessiert umringt und neugierig beobachtet. Die Jungs stört das keinesfalls.


In Kurucaşile machen wir erneut Rast, essen eine blutrote, zuckersüße Wassermelone mit dem berühmten türkischen „Kaşar“ (Kaschar) Käse… hmmmm köstlich. Dieses mal sind wir an einem Strand, der mit größeren Steinen durchsetzt ist. Alles hat seinen Reiz. Wir sammeln Steine und bauen eine kleine „Burg“ daraus.

Unser nächstes Ziel ist İnebolu. İnebolu verfügt laut Aussage meines Vaters über einen traumhaften Sandstrand. Ich bin gespannt. Wir haben noch ca. 300 Kilometer vor uns. Ein weiter Weg, wenn man bedenkt, mit welcher Geschwindigkeit wir vom Fleck kommen.

Irgendwann wird uns langweilig, und Papa legt eine Kassette ein. Heino!!! Papa hört gerne Heino. Also hören wir nun alle Heino. Der singt von dem Enzian und der schwarzen Barbara. Und plötzlich stimmen wir heiter und gelassen mit ein. Zumindest den Refrain kriegen wir halbwegs zusammen hin und lachen uns schlapp dabei, weil wir dabei das „R“ genau so rollen wie Heino. Im Gegenzug dazu gibt es dann den türkischen Heino, der hier „İbrahim Tatlıses“ heißt. Absolut lustig zu hören, wie Primus und Secundus da mitschmettern. Wir lachen Tränen, so sehr amüsiert uns das.

İnebolu ist ein kleiner Ort, den wir am frühen Abend erreichen. Auf den ersten Blick wirkt es verlassen. Es gibt nur wenige Hotels vor Ort. Das erste Haus, was wir uns anschauen, sagt uns zu. Freier Blick auf das Meer, direkt vor unserer Nase. Kurz nachdem wir unser Zimmer beziehen, geht es zum Abendessen. Erst am nächsten Tag wundere ich mich, da mir auffält, dass der viel gelobte Sandstrand von İnebolu gar keiner ist. Überall liegen große bis riesige Steine und Felsbrocken umher. Wir erfahren, dass vor einigen Monaten das tosende Meer den ganzen Küstenabschnitt verwüstet hat. Dabei wurden auch die großen Steinmengen an den Sandstrand gespült.

Unser Hotel verfügt unter anderem über einen schönen Pool. Wir beschließen einige Tage zu bleiben, aber Secundus bekommt plötzlich Fieber. Unsere Reiseapotheke ist mehr als gut bestückt, so dass der kleine Mann alles Erforderliche zur Genesung erhält. Am kommenden Tag geht es ihm so gut, dass wir doch beschließen weiter Richtung Sinop zu fahren.

Die Strecke nach Sinop folgt einer sehr kurvigen Straße über hohe Berge. Dieses mal kann uns weder Heino noch İbo ablenken. Hochkonzentriert kurven wir über die Berge.

Gegen Mittag sind wir in Sinop. Sinop hat viel Sehenswertes zu bieten, aber mit den Kindern können wir nicht alles erkunden. Es bleibt bei einem kleineren Rundgang. Dafür gibt es Meer satt. Ein wunderschöner Sandstrand verführt uns zu einem längeren Aufenthalt. Die Kinder werden zum wiederholten Male mit Sonnenschutzfaktor 50 eingeschmiert. Ich bekomme nicht genug davon, mich immer wieder in das kristallklare Wasser zu stürzen. So könnte ich es hier ewig aushalten. Nachdem die Jungs zuletzt hohen Wellengang gesehen hatten, haben sie Respekt vor dem Meer bekommen. Ich benötige mehrere Anläufe, um sie in das Wasser zu locken. Secundus möchte lieber bei seinem „Dede“ (Opa) am Strand bleiben, mit Primus mische ich das Meer auf. Wir haben viel Spaß!


Gut erholt beschließen wir, es bis nach Trabzon zu wagen. Über Samsun gibt es eine gut ausgebaute Autobahn bis nach Trabzon. Wir machen uns auf den Weg. Trabzon ist unser Endziel. Papa’s und meine Geburtsstadt. Dort lebt eine Vielzahl von Menschen, an denen wir sehr hängen. Frohen Mutes machen wir uns daran, die letzte Etappe unserer Reise zu bewältigen. Wir kommen gut voran, wenn auch hier und da Straßenbauarbeiten Staus bewirken. Gegen 22.00 Uhr kommen wir erschöpft aber wohlbehalten in Trabzon an.

Die kommenden Wochen werden wir zwischen Trabzon und unserem Dorf hin und herpendeln. Vermutlich werden wir auch an der Haselnußernte unserer Familie teilnehmen können, was für die Kinder ein besonderer Spaß sein wird. Primus und Secundus werden bis Anfang August in einer großen Gemeinschaft mit vielen Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen leben. Das freut mich ganz besonders. Denn ich bin uneingeschränkte Befürworterin der Großfamilie. Das Konstrukt „Mutter, Vater, Kind/er“ empfinde ich persönlich als nicht wirklich ausreichend. Das Leben in großer Gemeinschaft ist für jeden, insbesondere aber für so Kleine, eine absolute Bereicherung.

Wir sind nun seit ca. einer Woche hier, haben viele aus unserer Familie gesehen, aber noch lange nicht alle. Die Begegnungen sind bewegend und rührend, wie nicht anders zu erwarten war.

Nach genau acht Jahren sehe ich meine hiesige Familie wieder. Das letzte Mal geschehen, als ich mit meinem Vater meine geliebte Mutter zu Grabe getragen habe. Sie ist hier im Dorf meines Vaters begraben. Acht Jahre sind seit ihrem Tode vergangen, eine lange Zeit. Aber schwer war der Gang zu ihrem Grab dennoch. Die Jungs habe ich bewusst nicht mitgenommen. Aber sensibel wie Kinder nun einmal sind, haben sie ein absolutes Gespür für die Befindlichkeiten ihrer Bezugspersonen. Nach meiner Rückkehr wollte Primus sofort wissen, ob ich am Grab war, trotzdem ich ihm nichts davon gesagt hatte. „Mama, ich möchte aber auch mit hin“, waren seine Worte. Ich habe es ihm versprechen müssen.

Abends im Bett fand folgendes Gespräch nach unserem Nachtgebet mit Primus statt.

„Mama, wir sind in der Türkei…!“
„Hmmm, ja, das stimmt!“
„…Und Papa ist in Deutschland.“
„Ja, das ist richtig!“
„Mama, wo ist Gott? In Deutschland, oder Türkei?“
„Er ist bei uns Menschen, egal wo wir sind mein Engel!“
„Das ist gut, Mama!“

Die letzten zwei Tage war es wieder einmal unerträglich heiß. Glücklicherweise sind wir hauptsächlich in den Bergen, da lässt es sich zumindest in den frühen Morgen- und Abendstunden halbwegs aushalten. Aber auch dort sieht man in der sonstigen Zeit niemanden draußen umherlaufen.

In den Bergen habe ich keinen Internetanschluß, bin aber immer mal wieder in Trabzon, und kann von dort alles abrufen oder verschicken, was sich angesammelt hat.

Ich grüße Euch alle ganz herzlich, uns geht’s gut!

Pünktchen.





12 Dezember 2012

XI It's tea-time, oder ein letzter Gruß aus Istanbul


Wer schon einmal in der Türkei war, der wird unausweichlich die Bekanntschaft mit schwarzem Tee gemacht haben, welcher hier zu jeder Tages und Nachtzeit konsumiert wird. Wildfremde Menschen bieten einem den Tee auf den Straßen an. Gerne wird er auch als „Lockmittel“ in Basaren kredenzt.

Serviert wird er in kleinen Gläschen, an denen sich noch ungeübte die Fingerkuppen verbrennen. Gehalten wird ein solches Gläschen am oberen Rand. Die Vorlieben sind sehr unterschiedlich: Hartgesottene trinken ihn sehr dunkel – mit einem entsprechend bitteren Geschmack. Eher zurückhaltende Teetrinker bevorzugen ihn sehr hell und leicht. Die meisten nehmen den Tee mit einem Stück Würfelzucker ein.

Ich persönlich hab’s nicht so sehr mit dem schwarzen Tee, was ich aber dafür um so mehr schätze, ist die Geselligkeit, in der er genossen wird. Nicht selten kommen dabei 15 Menschen zusammen, die die Probleme des Alltags miteinander bereden, oder ganz einfach nur eine angeregte Unterhaltung miteinander führen. Das ist beeindruckend schön.

Überhaupt gibt es einige Dinge in der Türkei, an denen man nicht vorbei kommt: neben dem Tee sind das Abbildungen von Mustafa Kemal, dem Begründer der modernen Türkei. Er war nach dem ersten Weltkrieg der erste Präsident der Republik Türkei, welches aus dem Osmanischen Reich hervorgegangen ist. Er war derjenige, der die Modernisierung der Türkei nach westlichem Vorbild beharrlich vorantrieb. In der Hauptsache darauf beruht die personenkultartige Verehrung, die ihm ohne Einschränkung bis heute entgegengebracht wird. 1934 verlieh ihm das türkische Parlament den Nachnamen „Atatürk“, was nichts anderes heißt als „der Vater aller Türken“. Jedes noch so kleine Kind in der Türkei kennt Atatürk und weiß um seine Geschichte.

Die türkische Flagge ist blutrot. Auf diesem Grund ist ein Halbmond, sowie demgegenüber ein weißer Stern angebracht. Die rote Farbe soll dabei an die Soldaten erinnern, die für das Land das Leben lassen mussten. Die türkische Flagge kann man überall in der Türkei sehen. Straßen, Schiffe, Schulen, Universitäten sind stets mit ihr geschmückt. Auch in vollkommen unerwarteten Bereichen, wie z.B. menschenleeren Gegenden, mitten im Gebirge, taucht sie immer wieder auf.  Sollte man also mal vergessen, wo man gerade ist… hier fällt es einem garantiert wieder ein.

Eines der herausragenden Eigenschaften von Türken  ist ohne Zweifel neben der viel gelobten Gastfreundschaft und der außergewöhnlich großen Liebe zu Kindern, der Zusammenhalt. Sowohl in der kleinsten Zelle „Familie“, als auch in der größten Gemeinschaft: der Zusammenhalt der Türken ist beispiellos.

Es ist auffallend, dass hier ganze Straßenzüge von verschiedenen Familienmitgliedern bewohnt werden. Manchmal bewohnen sogar verschiedene Familienmitglieder zahlreiche Etagenwohnungen eines Hochhauses.
Man versucht, soweit es möglich ist, in großem Familienverband zu leben.

Alte Menschen werden in den Familienalltag integriert, so gut es geht. Ist Jemand aufgrund seines Alters und seiner Gebrechlichkeit nicht mehr allzu sehr einsatzfähig, so wird man ihn mit kleinsten Aufgaben betrauen, zu denen er sich noch in der Lage sieht. Und wenn es nur noch dazu reicht, die Suppe für den Mittagstisch zu rühren. Alten Menschen gebührt hierzulande sehr viel Respekt. Ein bereits gelebtes Leben mit vielen Erfahrungen macht sie wertvoll. Man hört ihnen gerne zu und verrichtet nur allzu gerne vielerlei „Liebesdienste“ für sie.

Was mir immer wieder auffällt ist, dass eine Vielzahl der hier lebenden Familien, nichts unversucht läßt, um ihren Kindern die bestmögliche Schulbildung angedeihen zu lassen. In vielen Fällen geht das mit großem Verzicht einher. Die meisten Schulen sind weit vom eigenen Viertel gelegen, und allein der monatliche Betrag für den Bus, bringt viele Familien an den Rand des finanziell Tragbaren.

Ein nahezu ungeschriebenes Gesetz ist, dass man direkt nach der Heirat, zu einer Eigentumswohnung kommt, um die Belastung von Miete loszuwerden. Viele sparen für eine Zweitwohnung, um durch deren Mieteinnahmen, den Lebensstandard zu verbessern, oder aber in die Zukunft, bzw. die Bildung der Kinder zu investieren.

Manch’ einer, der ein gutes Einkommen hat, bringt es mitunter zu einem „Yazlık“, einem Ferienhaus, welches man fernab des Großstadtgetummels am Meer oder ländlichen Bereichen nutzt, um sich von seinen Alltagssorgen zu erholen, tief Luft zu holen. Dabei darf man allerdings nicht vergessen, dass die Bausubstanz hiesiger Häuser mitunter weit davon entfernt ist, was man aus Deutschland kennt.

Liebe Freunde,

dies ist nun mein letzter Gruß aus Istanbul. Morgen Vormittag wollen wir nun endlich aufbrechen Richtung Schwarzes Meer. Ich freue mich darauf, habe eine gigantisch große Sehnsucht nach Grün und Blau.

Wie immer weiß ich nicht, ab wann ich wieder meine Reiseberichte verschicken kann… Mal sehen! Wir haben nun beinahe „Halbzeit“, was unseren XXL-Urlaub anbelangt.

Ich wünsche Euch allen eine schöne Zeit… und feiert schön heute Nacht!

Euer Pünktchen.





11 Dezember 2012

X Wenn man Jemanden kennt, der Jemanden kennt...

…, dann ist man in der Türkei auf der „sicheren Seite“.

Egal um welches Problem es sich in welcher Lebenslage handelt, es ist immer gut, diesen Jemand zu kennen. Das eröffnet einem meist Wege, die einem sonst verschlossen blieben. Ohne „Vitamin B“ im Alltag mahlen die hiesigen Mühlen unter Umständen äußerst mühsam, wenn überhaupt.

Unterscheiden sollte man aber diesen Jemand vom Gros der Menschheit darin, dass man ihn wirklich gut kennen sollte; d.h. eben lange und nicht eben gerade erst seit kurzem. Sonst befindet man sich eher in der Gesellschaft der Freunde von irgendwelchen Teppichverkäufern, die einem zum eigenen Nutzen zu einem vermeintlich „guten Preis“ einen Teppich oder sonst was andrehen wollen.

Ist man aber bekannt mit einem langjährigen Jemand, wohlmöglich auch noch aus derselben Geburtstadt, dann kommt man in den Genuß vieler Privilegien – dabei spielt es kaum eine Rolle, worum es sich hierbei handelt.

Heute stellte mich beispielsweise ein guter alter Bekannter in einem Geschäft dem Inhaber kurz als seine Bekannte vor, was mit einem freudestrahlenden Lächeln, sowie kurzem Kopfnicken, und unaufdringlichen Fragen nach meinem Befinden einherging.

Was nach Außen hin wie eine oberflächliche Begegnung dreier Menschen wirkt, birgt jedoch etwas ganz anderes in sich: Zwischen den Zeilen wird eine Art „Abkommen“ geschlossen. Dieses besagte, dass ich auf gar keinen Fall beim Kaufpreis über den Tisch gezogen werden durfte. In solchen Fällen ein absolutes Tabu unter Freunden.

Da ich im Sommer durch meine tiefbraune Haut auffalle, bin ich hier leicht als Touristin zu enttarnen. In diesem Fall konnte ich aber sicher davon ausgehen, dass mir eben dieser Umstand finanziell nicht zum Verhängnis würde. Denn Jemand hatte unter Ansehen seiner Würde dafür „gebürgt“, dass ich der Jemand bin, der Jemanden, eben ihn, kennt.

Dieses ist nur ein winzig kleines Beispiel aus dem hiesigen Alltag. Solche Beziehungen spielen aber ebenso eine tragende Rolle bei größeren Geschäftsabschlüssen. Das läuft ganz ähnlich nach diesem Schema ab. Was im Kleinen gilt, hat seine Gültigkeit auch im Großen. Das wiederum setzt voraus, dass der jenige, für den gebürgt wird, sich absolut korrekt und anständig verhält. Sollte er sich, wie auch immer nicht angemessen benehmen, hat der andere einen guten Ruf zu verlieren. Hier hat das große Aussagekraft und Gültigkeit.

Im Übrigen war ich für fünf Tage auf der asiatischen Seite von Istanbul. Ich habe mir, wie in etlichen Jahren zuvor, viele der baulichen Sehenswürdigkeiten angesehen. Hier in Istanbul schlägt der wirtschaftliche und kulturelle Puls des Landes. Das ist deutlich zu spüren. Auch treffen hier Tradition und Moderne in den unterschiedlichsten Facetten aufeinander. Mir ist das an manchen Tagen zu viel. Ich mag es zwischendurch auch gerne deutlich ruhiger, was in dem dauernd pulsierenden Istanbul beinahe unmöglich ist.

In Kadıköy habe ich den "Salı Pazarı“ (Dienstagsmarkt) besucht, und in Eminönü den „Mısır Pazarı“ (den Mais-Markt). Ich bin ausnahmsweise mal ohne meine Süßen eingetaucht in farbenprächtige Märkte und Basare, auf denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Viele viele Juweliere gibt es, die mittlerweile auch durch dezente Zurückhaltung glänzen. Früher wurde man sie nach einem Blick in die Auslagen nicht mehr los. Das scheint heute gravierend anders geworden zu sein.

Kleidung, Gewürze, Spezialitäten, deren Namen ich z.T. noch nicht einmal kenne, Tonwaren, Stoffe über Stoffe, Souvenirs, Teppiche, Wolle, Handtaschen,  nichts, was es nicht gibt… Am Abend findet man sich unversehens in trendigen Szeneclubs und eleganten Restaurants wieder, die denen westlicher Metropolen in rein gar nichts nachstehen.

Fast alle Verkäufer sprechen ein solides Englisch, Deutsch, was auch immer. Wer nicht gerne handelt, sollte es mal rein versuchsweise probieren. Das kann sehr sehr viel Spaß machen. Und auch wenn man meint, einen absolut traumhaften Preis für sich heraus geholt zu haben, ein satter Gewinn ist dem Verkäufer in jedem Falle garantiert. Davon kann man getrost ausgehen. Wer sich einen Basarbesuch in Istanbul gönnen will, und dazu kann ich nur raten, der sollte sein Geld unbedingt unauffällig und verdeckt am Körper tragen. Man hört leider immer wieder von Taschendieben – und die sollen hier verdammt gut zu Werke gehen…

Nachdem ich ausgiebig über die Basare geschlendert bin, habe ich nach einem Ruhe- und Erholungstag (das bloße Gucken oder Einkaufen in diesem Gedränge kann sehr interessant, zugleich auch ermüdend sein) mit den Jungs einen Schiffsausflug zu den Prinzen-Inseln gemacht, wo wir an einem Strandabschnitt neben vielen anderen im angenehm warmem Wasser gebadet haben. Hier werden sie „Adalar“ gleich „Inseln“  genannt.

Diese Inseln liegen im Marmarameer und sind ein beliebtes Ausflugsziel im Sommer. Von Eminönü aus kann man mit der Fähre für wenig Geld die einzelnen Inseln anfahren, die da heißen: Kınalı Ada, Burgaz Adası, Heybeli Ada und Büyük Ada. Auf den Inseln gibt es keine Autos. Man ist zu Fuß unterwegs.

Inzwischen habe ich einige Fahrten mit dem Taxi hinter mir: gerade nach Basarbesuchen sehr willkommen, wenn man einiges an „Beute“ wegschaffen möchte. In meinem Falle bin ich den spottbilligen aber qualitativ hochwertigen Stoffen erlegen. Mein Faible gilt ausschließlich  Naturfasern: reine Baumwolle, Leinen oder eine Mischung aus  beiden Fasern. Das Minimum was ich in Deutschland pro Meter bezahlt hätte, wäre um die 7,- Euro gewesen. Hier habe ich mindestens zwei Meter und manchmal auch mehr für umgerechnet 1,50 Euro erworben. Tolle Stoffe! Traumhafter Preis! Überschwängliches Gefühl! Mit Wolle war ich weitaus weniger erfolgreich. Denn auch da ziehe ich edle Naturfaser irgendwelchen synthetischen Beimischungen vor. Aber was noch nicht ist, das kann ja noch werden. Schließlich liegen noch etliche Stationen vor uns. Vielleicht bin ich damit eher in ländlichen Regionen erfolgreich. Mal sehen…

Was Taxifahrten anbelangt, habe ich Erfahrungen sammeln können. Wenn ein Taxifahrer mitbekommt, dass man nicht „von hier“ ist, dann hat man gute Chancen über’s Ohr gehauen zu werden. Auch mir ist das  einmal passiert. Da ich aber seit langem einen kenne, der selber Taxi fährt, und er mich seinen Freunden vorgestellt hat, haben die mich ab dem Zeitpunkt zum Vorzugspreis durch Istanbul kutschiert und mir dabei einige der üblen Tricks verraten, die gerne bei Touristen ihre Anwendung finden. Wie auch immer sie das anstellen (ich meine, durch eine bestimmte Art Gas zu geben), können sie während der Fahrt von dem günstigeren Tag-Tarif in den teureren Nacht-Tarif wechseln. Das fällt dem im Regelfall interessiert aus dem Fenster schauenden Touristen nicht im Geringsten auf. Das einzige, womit man den Taxifahrer enttarnen kann ist, statt in die Ferne zu blicken, stur auf das Taxameter zu starren, auf dem der Wechsel in Worten angezeigt wird.

Da man nicht alle Taxifahrer in Istanbul kennen kann, ist es zudem sehr nützlich, sich vor Fahrtantritt nach dem groben Preis zu erkundigen. Alles im Umkreis von ca. 15 Kilometern ist bei maximal 25 YTL anzusiedeln. Ist man außerhalb der Stadt unterwegs, wird’s richtig teuer. Aber wie gesagt: Taxifahrten sollte man sich nur gönnen, wenn man mit sehr kleinen Kindern unterwegs ist, und/oder reichlich Gepäck dabei hat. Ansonsten sollte man auf die deutlich günstigere Alternative „Dolmuş“ (Dollmusch) = Kleinbusse oder aber den Schiffsverkehr umsteigen.

Sollte man nur eine kurze Strecke mit dem Taxi bewerkstelligen wollen, da man evtl. seine Einkäufe oder aber fußlahme Kinder in's Hotel schaffen möchte, so kann es durchaus passieren, dass der Fahrer dem nicht nachkommen will. In diesem Falle hat der Taxifahrer dem Wunsch des Fahrgastes aufgrund der Bestimmungen, denen er unterliegt zu entsprechen. Ziert er sich weiterhin, ist es ratsam ihm für die kurze Strecke statt der 3 YTL von vornherein 5 YTL anzubieten. Man wird dann gerne auch wenige Hundert Meter gefahren.

Tja, meine Lieben,

das war’s für heute. Für Mittwoch Abend wünsche ich uns allen ein spannendes, vor allen Dingen aber, faires Fußballspiel ohne bitteren Beigeschmack. Toi, toi, toi! Die bessere Mannschaft möge gewinnen.

Herzlichst,

Euer Pünktchen.





10 Dezember 2012

IX Istanbul im Siegestaumel




Liebe Freunde,

Fußball - das hiesige Volk tobt; Istanbul brodelt – es ist unglaublich… Die Bilder zeigen lediglich den Anfang eines nicht abreißen wollenden Fahrzeugkonvois – und dann versagte auch prompt der Akku meiner Kamera.

Der schiere Wahnsinn hier wird jetzt bis in die Morgenstunden weiter gehen.

Ich muß zugeben: es fühlt sich toll an! Und besonders schön ist es natürlich hier und jetzt, mittendrin zu sein. Mittlerweile ist der gesamte Hafen voller Menschen, türkische Flaggen allüberall, Sprechchöre, Hupkonzerte (davon haben wir auch am Tage reichlich ;-)), wildfremde Menschen, die sich in den Armen liegen… Paradiesischer kann es im Himmel auch nicht sein!

Auf Mittwoch bin ich natürlich extrem gespannt. Auf wessen Seite ich bin…?

So oder so – ich kann mich in jedem Falle freuen!

Ohrenbetäubender Lärm auf den Straßen: meine Süßen schlafen ungerührt tief und fest weiter.

Ich lasse mir noch etwas Zeit und feiere noch einwenig mit. Jetzt schlafen zu wollen ist eh schier unmöglich.

Es grüßt Euch Pünktchen – heute Nacht eine von ganz Vielen.

09 Dezember 2012

VIII Wir stecken fest


Nach all dem Streß gab's einen Ausflug mit den Jungs und meinen Cousinen zu den
 Prinzeninseln  - Adalar

 
Ihr Lieben,

wir sind nun seit 14 Tagen in Istanbul, und meine selbst verschuldete Paßgeschichte ist in dieser Zeit nicht ein bisschen aus der Welt geschafft. Es ist zum K…..!

Mein Mann hatte glücklicherweise meinen alten Paß zu Hause gefunden und per Einschreiben hierher geschickt. In meinem alten abgelaufenen Paß befindet sich genau der Aufkleber, der in meinem neuen fehlt: mein noch immer gültiger Aufenthaltsstaus für Deutschland. Also haben wir uns sehr gefreut, und haben uns mit den Kindern im Taxi zur deutschen Botschaft in Istanbul aufgemacht. Übrigens sind wir für den Hinweg umgerechnet 15,-Euro und für den Rückweg 10,- Euro losgeworden. Hmmm hmmm hmmh…

Als ich im Taxi die Kinder anschnallen wollte und dementsprechend hinten herumfummelte, um die Gurte aus der Rückbank hervorzuholen, wiegelte der Taxifahrer ab. Er würde vorsichtig fahren… Also, ich sagte ja bereits… Im Falle eines Falles geht das sehr sehr böse aus. Ich habe dann unauffällig weiter gefummelt, bis die Kinder angeschnallt waren.

In der Botschaft angekommen wurden wir erstmal an eine falsche Anlaufstelle geschickt. Der Irrtum wurde schnell geklärt, und wir kamen an der für uns vermeintlich „richtigen“ Pforte an: Kein Einlaß ohne Termin! Da half auch alles Bitten nichts. Auch nicht, dass wir eine ganz eindeutige Situation vorweisen konnten. Stur wurden wir an die Bank „İş Bankası“ verwiesen, wo man bevor man einen Termin bekommen könne, 10,- Euro zu entrichten hätte.

An der Pforte meinte noch ein Türke, der offensichtlich dort den Einlaß regelt und evtl. noch sonst wie dort beschäftigt ist, dass ich mit meinen beiden Pässen, dem gültigen ohne Aufenthaltsstatus und dem abgelaufenen mit gültigem Aufenthaltsstatus, durchaus nach Deutschland einreisen könne. Aber garantieren kann mir das keiner. Und ich kann es nicht darauf ankommen lassen, schließlich reise ich mit unseren Jungs. Sie wären im Falle eines Falles schwer gebeutelt, wenn ich dann doch nicht einreisen dürfte.

Also sind wir mit den Jungs zur oben genannten Bank gelaufen, und ich habe nicht 10,- Euro sondern, ca. 12,- Euro bezahlen dürfen… (Bisher sind wir also 37,- Euro losgeworden, ohne auch nur einen Fips erledigt zu haben). Im Gegenzug dazu habe ich ein Blatt Papier erhalten auf dem u.a. ein Zahlencode und eine Telefonnummer vermerkt waren. Der Mann hinter dem Schalter der Bank unterstrich beide und meinte, ich dürfe aber erst am nächsten Werktag dort anrufen, und der Zahlencode wäre nur einmalig gültig. Auch schön, nicht wahr?! Toller Kundenservice: hast Du mit einem Telefonat nicht klären können, was zu regeln ist, so darfst Du gewiß noch mal zur Bank gehen…

Primus war begeistert von der Straßenbahn, welche uns in gemächlichem Tempo überholte. Secundus mussten Papa und ich abwechselnd auf den Schultern tragen.

Gestern also war der Tag, an dem ich für einen Termin anrufen durfte. Das habe ich natürlich getan: ellenlange Ansage vom Band, auf Türkisch, für mich, die ich ein gutes Türkisch spreche, kaum zu verstehen. Daraufhin hat mein Vater sich das Ganze noch annähernd drei mal angehört und war ebenso „erleuchtet“ wie ich – nämlich gar nicht! Ich meine, gehört zu haben, dass man bei diesem oder jenem Problem eine bestimmte Zahlentaste am Telefon drücken sollte, um weitergeleitet zu werden. Aber sicher war ich mir nicht. Blöderweise hatte unser Telefon keine Tonwahltasten. Also bin ich noch mal los, um mein Glück von einem öffentlichen Kartentelefon aus zu suchen. Tonwahltasten waren gegeben, aber dieses mal verstand ich aufgrund des irrsinnigen Kraches auf den Straßen nicht ein Wort. Ehrlich, es war und ist zum Verzweifeln! Ich war soooo wütend! In erster Linie auf mich, auf die Bürokratie, auf  alles und jeden…

Nachdem ich mich halbwegs wieder gefangen hatte, habe ich dieses Mal im Internet die Webseite der Botschaft durchforstet. Ich habe über das Kontaktformular mein Problem zusammenfassend dargelegt, harre nun der Dinge und warte…

Wir wollten längst weiter gefahren sein, aber so stecken wir nun fest. Festgezurrt und ohne weitere Chance, unsere Sache zu erledigen. Kaum zu glauben, aber wahr!

Wer wie ich seit vielen Jahren mit einem alleinig türkischen Paß in Deutschland lebt, der weiß viele viele ganz ähnliche Geschichten zu erzählen. Losgelöst von meiner jetzigen Geschichte, werden gerne von dem einen Land irgendwelche Papiere für irgendwas verlangt, wofür sich das andere Land noch nicht einmal zuständig fühlt. Man wird regelrecht zwischen der Bürokratie beider Länder zermalmt.  Und mal ganz abgesehen davon wird man in der Regel am Ende viel, sehr viel Geld los und hat mit Sicherheit alle Nerven blank liegen. Das ist auch der Grund, weswegen ich auf keinen Fall wollte, dass unsere Söhne beide Staatsbürgerschaften haben. Denn dann hätten sie sich an ihrem 18 Geburtstag entscheiden müssen, welcher Nation sie weiterhin alleinig angehören möchten. Und spätestens dann wäre der Streß losgegangen bzgl. Militärdienst ableisten oder auch nicht. Und egal wie sie sich entscheiden würden, kämen sie nicht ohne einige Tausend Euro aus der Sache raus. Das muß man nicht haben! Wirklich nicht!

Jetzt ist Wochenende, und ich hoffe und bete, dass irgendein Mensch in der Botschaft Kenntnis von meinem Gesuch erlangt hat und in Kürze in irgendeiner Form reagiert.

In der Zwischenzeit widmen wir uns verstärkt den Jungs. Unser täglicher Besuch auf umliegenden Spielplätzen ist um das Eisessen in den Abendstunden erweitert worden. Abends ist es nicht allzu heiß und so unerträglich laut, und so schlendern wir entspannt gemeinsam durch die Stadt.

Euch allen wünsche ich ein gutes Wochenende – und drückt mir mal die Daumen, dass ich aus diesem eigentlich recht einfach zu lösenden Problem wieder heraus komme.

Herzlichst – Euer Pünktchen.







05 Dezember 2012

VII Der Wermutstropfen unserer Reise



Çanakkale  gefällt mir! Es gibt einige historische Besichtigungsmöglichkeiten, und der Ort ist mit seinen Cafes und Einkaufsmöglichkeiten ganz nett anzusehen und nicht überlaufen.

Allerdings, und das soll wohl ein ständiger Wermutstropfen dieser Reise bleiben, ist das Umweltbewusstsein meiner Landsleute quasi nicht vorhanden. Müll, wohin man den Blick auch wendet. Uns tut das in der Seele weh, dass die hier lebenden Menschen so gar kein Empfinden dafür zu haben scheinen, wie sehr sie dieses wunderschöne Land und seine traumhafte Natur mit ihrer Nachlässigkeit und Gedankenlosigkeit verschandeln. Es ist, als hätten sich alle daran gewöhnt oder zumindest damit arrangiert, draußen im Dreck zu leben. Kaum eine Fußgängerzone, in der nicht einpaar kaputte Meter Lauffläche auftauchen, Plastiktüten allerorts, unzählige Zigarettenkippen auf kleinster Fläche. Man könnte heulen, so schlimm ist das! 


Als wir von Çanakkale aus mit der Autofähre nach Eceabat übersetzen, erregen wir Aufmerksamkeit, weil Secundus mit seinen noch nicht einmal zwei Jahren Müll vom Boden aufhebt und diesen in einen Papierkorb wirft. Das ist hier leider mehr als nur ungewöhnlich. Dafür werde ich Zeuge dessen, wie ein älterer Mann eine Plastiktrinkflasche einfach so vor den Augen aller über Bord, in das Meer hinein wirft. Als ich ihn frage, warum er nicht den Mülleimer nutzt, welcher gerade mal zwei Meter neben ihm steht, zuckt er mit den Schultern und wiegelt ab.

Das ist unendlich traurig und auch zum Verzweifeln. Wen auch immer ich diesbezüglich anspreche, pflichtet mir resigniert bei. Ich habe das Gefühl, als hätten es alle aufgegeben, in dieser Hinsicht irgendwie aktiv zu werden. Ich frage mich, wie viel daran die jetzigen Kinder wohl werden ändern wollen, wenn sie schon jetzt auf Spielplätzen spielen, die in Müll und Dreck untergehen. Sie werden im Alltag so sehr damit konfrontiert, dass sie es später für vollkommen normal halten werden. Das tun sie ohnehin schon jetzt, da es ihnen an dementsprechenden Vorbildern mangelt.

Während ich vor Entsetzen überall nur noch Dreck und Müll sehe, verschließt sich mein Blick automatisch dem Schönen um uns herum. Die Menschen erscheinen mir in dieser Hinsicht leider sehr phlegmatisch. Unweigerlich richtet sich mein Blick in Richtung Schulen. Dort wird glücklicherweise versucht, den Kindern in punkto Umwelt viel beizubringen. Aber das wird lange brauchen, bis aus dieser Saat eines Tages entsprechende Früchte aufgehen. 


In Eceabat machen wir einige Stunden Rast am Strand. Primus und Secundus gehen mit den Füßen ins Wasser, schmeißen Steinchen, bewundern den Fischfang eines Anglers. Und wieder das leidige Bild von unzähligen Plastikflaschen und ihren Verschlüssen, Tüten über Tüten, Zigarettenkippen… Mein Gott, wo soll das bloß hinführen?! Die Türkei, dieses wunderschöne Land, eine Mülldeponie?... Ich will das nicht glauben, aber es fällt mir immer schwerer genau das nicht zu tun.


Und weiter geht's mit unserem Bus...




Wir sind in Istanbul! Wir haben es geschafft; wir sind geschafft. Wir haben die Fahrt hierher mit unzähligen Schutzengeln überlebt: uns sind tatsächlich auf der Autobahn Richtung Istanbul zwei Geisterfahrer entgegen gekommen. Papa hat mir zuvor oft über die chaotischen Verkehrszustände in der Türkei, sowie insbesondere in den Großstädten erzählt. Istanbul als Millionenmetropole bricht alle Rekorde. Ich habe ihm zwar geglaubt, manches aber auch für Übertreibung gehalten. Dem ist nicht so! Der Verkehr in der Türkei ist eine Katastrophe! In Istanbul spitzt sich alles um ein Vielfaches mehr zu. Es scheint nicht nur so, dass jeder fährt und macht, was er meint und will. Das ist unvorstellbar! Dennoch hat das hiesige Chaos auch System. Die Menschen, die hier leben bewegen sich problemlos darin. Die einzigen, die damit schwer klar kommen, sind Menschen wie wir von "Außerhalb".

Sollte es den einen oder anderen von Euch jemals nach Istanbul verschlagen, dann fahrt nach Möglichkeit nicht selber. Dadurch, dass aus europäischer Sicht nur Irre in Autos unterwegs zu sein scheinen, und man jederzeit mit jeder erdenklich vorstellbaren Katastrophe aus allen Himmelsrichtungen rechnen muß, passiert glücklicherweise eher selten ein Unfall. Aber wenn, dann sind die Folgen verheerend.

Seitdem wir hier sind, sind wir bislang nur zu Fuß unterwegs. Die Kinder müssen an der Hand gehen – ohne wenn und aber! Ein Gutes hat diese strikte Maßnahme jedoch: wenn sie stolpern, und das passiert hier bei diesen oftmals kaputten Gehwegen unentwegt, kann man sie vor schlimmen Stürzen bewahren. Warum die Bordsteinkanten in der Türkei oft dreißig Zentimeter hoch sind, dass begreife ich nun. Es ist zugleich auch ein relativ guter Schutz gegen Autofahrer. Auf der anderen Seite: wird man nicht von einem Autofahrer platt gefahren, so bricht man sich vermutlich das Genick beim Absturz von der Bordsteinkante…

Ansonsten telefonieren Primus und Secundus jeden Abend mit ihrem Papa in Deutschland. Herrlich zuzuhören, wie und was Primus dann im Einzelnen berichtet. Es stimmt alles haargenau!

Überrascht war ich, als Primus heute das erste mal seinen Bruder ganz selbstverständlich auf Türkisch angesprochen hat und ihn bat, sich doch bitte auf den Stuhl zu setzen. Ich habe mich riesig gefreut, dass er das Gehörte doch offensichtlich so gut aufnimmt, um es dann bei passender Gelegenheit wieder zu geben. Ja, dies sind noch die kostbaren Jahre der Kindheit, wo man eine fremde Sprache quasi über das Ohr verinnerlicht und nicht wie wir, sich das leidvoll in das Gehirn meißeln muß.

Ich freue mich für unsere Söhne, dass sie aus dem Reichtum der unterschiedlichen Kulturen ihrer Eltern schöpfen können. So soll es sein, so soll es bleiben!

Anbei einige unsortierte Eindrücke aus Istanbul...