26 November 2012

VI Unverhofft kommt oft!


Meine Lieben,
es ist warm, zu warm für die jetzige Jahreszeit hier. Ein langer Tag neigt sich dem Ende. Und ich will noch berichten, da ich ob der Wärme eh nicht in den Schlaf finden kann. Papa und die Jungs schlafen selig schon seit Stunden. Was also ist geschehen, seit wir Içmeler unter winkenden Abschiedsgrüßen einiger uns lieb gewonnener  Menschen verlassen haben?


Bodrum war unser nächstes Ziel. Ein sehr touristischer Ort, der auch heiß begehrt unter der türkischen Bevölkerung ist. Da ich noch nie dort war, und die Saison eigentlich noch nirgends wirklich eröffnet ist, haben wir es trotz der Hitze dorthin gewagt… und haben vor lauter Schreck die Luft angehalten. Bodrum ist zur Zeit derart überfüllt, dass wir während wir die ganze Innenstadt durchfahren haben, nirgends auch nur einen Parkplatz bekommen haben. Es war keiner da! Dazu die engen Straßen, chaotische Autofahrer, die sich hier zu Lande an kaum eine Regel der Straßenverkehrsordnung halten. Ich habe heute mindestens zwei mal mit meinen eigenen Augen gesehen, wie eine rote!!! Ampel ganz gelassen von Autofahrern überfahren wurde. Unglaublich! Dazu das permanente Hupkonzert aus allen Himmelsrichtungen. Es wird links geblinkt und rechts gefahren, dort überholt, wo’s gar nicht erlaubt ist etc. Ich habe meinen Vater noch nie so meckern hören.

Am Jachthafen haben wir eine Pause eingelegt: den Wagen haben wir mehr oder minder an einer Grünfläche abgestellt. Was dort für Segelschiffe und Jachten zu sehen sind, das ist einfach unbeschreiblich! Die Menschenmassen auf den Straßen waren erdrückend, dazu die warme Luft… Recht bald war klar, dass wir hier nicht weiter bleiben wollten -  trotzdem Bodrum wegen seiner weißgetünchten Häuser an den Berghängen einen etwas anderen Eindruck macht, als das, was ich bislang so von der Türkei kenne oder gesehen habe. Einige Türken mit denen wir ins Gespräch kamen, bestätigten unseren Eindruck, dass Bodrum dieses Jahr viel früher als sonst zum Bersten gefüllt mit Menschen sei. Quasi im Weggehen registrierte ich noch einige horrende Preise, die ich in den Auslagen der Geschäfte erkennen konnte. Nein, diese Qual war uns Bodrum nicht wert. Schnell waren wir uns einig, und nachdem ich mit den Kindern genussvoll von einem Maulbeerbaum genascht hatte, sind wir weiter gefahren in Richtung Izmir.



Noch unentschlossen, wie weit wir fahren und wo wir übernachten, rief ich plötzlich laut: „Anhalten!“ Aus den Augenwinkeln hatte ich etwas ganz Ansprechendes ausgemacht. Papa hielt an. Ca. 200 m weiter. Wir mußten noch mal zurück setzen und kamen vor einem kleinen Hotel zum stehen. Weit und breit kein Mensch zu sehen, dafür an der Tür ein Zettel neben einer Sprechanlage mit krakeliger Schrift: „Wenn Büro nicht besetzt, bitte die Null wählen!“ Das tat ich. Jemand sagte, er würde gleich kommen. Wir warteten. Papa und ich einigten uns darauf in’s Hotel zu gehen, nachdem ich mir einige Zimmer zeigen ließ. Einfache, großzügige Räume in kleinen Bungalows, terrassenartig in einem Olivenhain angelegt – fast hätte es eine Finca auf Mallorca sein können, mit wunderschönem Panoramablick über den Bafa-See. 


Ich konnte meine Begeisterung kaum verbergen, so schön war der Ausblick in dieser wundervollen Stille des riesigen Sees. Es wurde gerade das Buffet für das Abendessen vorbereitet. Ich sage nur: es war ein Gedicht! Unten, direkt am See, wurde stimmungsvoll bei Kerzenschein getafelt. Phantastisch! Wehmütig habe ich an meinen Mann gedacht. Dem hätte das ebenfalls sehr zugesagt. Da war ich mir ganz sicher! Die Klimaanlage verhalf mir später in guten Schlaf.


Am nächsten morgen wurden wir mit einem königlichen Frühstück zufrieden gestellt und sahen erstmals bei Tageslicht, wie wunderschön wir es zufällig getroffen hatten. Nach diesem gelungenen Start machten wir uns auf den Weg.

Izmir, eine Großstadt, in der ich auch noch nicht war. Nur in der Nähe, in Kuşadasi  war ich mal vor vielen Jahren (der Vogelinsel), ebenfalls stark von Touristen frequentiert. Kuşadasi haben wir ganz freiwillig von unserer imaginären Liste gestrichen. Da ist’s jetzt nicht minder voll als ich Bodrum.

Izmir also! Papa hatte sich telefonisch mit einem ehemaligen Lehrerkollegen verabredet, der dort lebt. Sie sahen sich vor über vierzig Jahren das letzte Mal. Je weiter wir uns Izmir näherten, umso mehr schwante uns nichts Gutes. Eine große Stadt! Eine extrem laute noch dazu. Wir konnten den Krach auf den Straßen kaum ertragen. Ich habe mal einfach so mein Diktafon in die Luft gehalten und auf Aufnahme gedrückt: Ohren betäubender Lärm war das Resultat. Zu viele Menschen, zu chaotische Autofahrer, zu viel Krach, zu viel Dreck, zu viel des Guten!

Wir haben uns, nachdem wir uns das begehrteste Viertel von Izmir angesehen haben, mit Papa’s Freund getroffen. Ich wurde Zeugin bewegender Momente. Einst zwei junge, dynamische Kerle, gerade ins Berufsleben eingestiegen, Familiengründung hinter und die Zukunft noch vor sich... Heute zwei ältere Herren, mit wachen und lebendigen Augen, jung gebliebene Alte, mit schönen und schweren Erinnerungen im Gepäck. Rührend war’s. Ich habe still der Unterhaltung gelauscht.

Danach war klar: bloß raus aus Izmir! Und wir waren uns einig: Großstädte sind nicht wirklich etwas für uns. Ich kenne glühende „Izmir-Anhänger“ – wir gehören definitiv nicht dazu.

Nun sind wir gerade wieder in einer Art Hotel. Wir haben ein Zimmer bezogen in einem der so genanten „Lehrer-Häuser“, welche die Regierung für ehemalige Lehrer des Landes zu einem geringen Entgelt zur Verfügung stellt. (In der Türkei zollt man Lehrern sehr viel Respekt). Sie sind weit über die ganze Türkei verstreut. Für ehemalige Bedienstete und deren Familienangehörige. Allerdings gibt es keine Standards. Das eine Haus kann einem Vier-Sterne-Hotel ebenbürtig sein mit Pool und allem Komfort, was dazu gehört, und das andere erinnert mehr an eine Jugendherberge. In Letzterem sind wir gelandet. 


Ach übrigens, ich vergaß zu erwähnen, dass wir gerade in Ayvalık sind. Ebenfalls ein begehrter Urlaubsort der Türken. Viele haben ihren Alterswohnsitz hier. Ein netter Hafen, an dem wir entlang spaziert sind, nachdem wir unser „Zimmer“ bezogen hatten. Gestern hatten wir solch’ ein unsagbares Glück mit unserer Unterkunft, und heute ist so ziemlich das Gegenteil der Fall. Aber die Kinder sind müde, wir ebenfalls. Daher eine reine Vernunftentscheidung, das Zimmer wider Willen zu nehmen. Das ist zu allem Überfluß auch noch OHNE Klimaanlage. Seufz…  Dafür gibt’s hier zu meinem großen Erstaunen WLAN. Tss tss…

Naja, man hat eben nicht immer Glück. Morgen früh Frühstück, und dann schlendern wir noch etwas durch den Ort. Danach geht’s weiter nach… Aber das schreibe ich Euch dann, wenn’s auch wirklich passiert ist. Denn jetzt möchte auch ich versuchen zu schlafen.

Gute Nacht, Freunde! Danke für Eure Zeilen! Ich freue mich sehr darüber!

Bis zum nächsten Mal – Euer Pünktchen.



23 November 2012

V Fortsetzung folgt!




Liebe Freunde, ein letztes gemeinsames Fischmahl bei Sonnenuntergang, eine letzte Bootstour… unsere Dritte bereits (wer hier lebt sollte unbedingt ein Segelschiff haben, zur Not auch eine Nußschale) – herrlich war’s, wie die letzten Male auch. Wir trafen eine Gruppe von Studenten (einer von ihnen auf obigem Bild) aus der Uni in Muğla. Die waren ja so anrührend und herzerfrischend, einfach allerliebst. Was für eine Bombenstimmung da wieder aufkam – und das ohne einen Tropfen Alkohol. Nicht umsonst werden hier Jugendliche und Heranwachsende „Delikanlı“ genannt, was übersetzt so viel heißt wie „einer mit verrücktem Blut“.

Alle diese wunderbaren Erlebnisse können jedoch nicht über die Schattenseiten des Tourismus hinweg täuschen. Ja, es gibt sie… auch hier. Überdeutlich! Manches hat mich traurig und nachdenklich gestimmt. Prostitution geht auch andersherum! Betroffen sind viele blutjunge, bildschöne Männer, deren Gehalt als Saisonarbeiter kaum zum Leben ausreicht. Das ist schlimm! Ich habe mit manch einem hier gesprochen, der offen zugab, wie groß die Überwindung immer wieder ist. Leider kann ich die Umstände nicht ändern. Das Mindeste aber ist, darauf hinzuweisen.

In wenigen Stunden, bereits ganz früh am Morgen, wird mein Mann uns verlassen. Wir werden in den kommenden Wochen sehr viel  miteinander telefonieren. 

Gegen Mittag werden wir uns langsam auf den Weg machen: grobe Richtung „Bodrum“. Es ist nahezu alles zusammen gepackt. Ich bin gespannt, wie sich unsere erste Nacht im Bus anfühlen wird. Spannend, spannend… Wir werden auf uns acht geben. Versprochen! Mit den Kindern klappt alles reibungslos. Wir räumen ihnen allerdings auch sehr viel Raum und Zeit ein. Das soll auch weiterhin so bleiben. So klein sie auch alle beide noch sind, sie packen richtig mit an und nehmen ohne zu murren und zu knurren an allem teil. Wir sind wahrlich reich beschenkt mit ihrer Anwesenheit.

Zwei schöne Wochen voller verschiedener Unternehmungen und Erlebnisse liegen nun hinter uns. In und um İçmeler herum haben wir alle miteinander wunderbare Begegnungen mit Einheimischen und auch anderen Touristen genossen. Von einigen lieb gewonnenen Bekannten haben wir uns heute verabschiedet. Das war rührend

Nur eines weiß ich nicht:  wann ich mich wieder per Mail melde. Hier im Hotel war’s so bequem mit WLAN. Denn auf die Suche nach Internet-Cafès werde ich mich gewiß nicht machen.

Euch allen wünsche ich ebenfalls eine gute Zeit – Euer Pünktchen.


  
"Goodbye İçmeler!"



22 November 2012

IV Der Himmel hängt voller Geigen


Ihr Lieben,

alle die sich sorgen, dass ich in dieser wunderbaren Zeit zu viel davon vor dem Rechner verbringe kann ich beruhigen: ich kann nicht nur schnell sprechen, sondern ebenso schnell schreiben. Oftmals sind es gerade mal 15-20 Minuten, die ich investiere, um den einen oder anderen von Euch für dieses so wunderschöne und vielfältige Land mit seinen bewegenden Menschen zu begeistern. Das ist mir die Sache wert.


Heute stand unsere Bootstour auf dem Plan. Direkt nach dem Frühstück ging es die wenigen Schritte zum Hafen, wo wir bereits neben einigen anderen erwartet wurden. Die Jungs hatten ihre eigenen Rettungswesten an, als wir frisch, fröhlich und frei an Bord gingen. Mit einem Kutter, quasi der Zubringer, wurden wir zum eigentlichen Boot gebracht. Dort waren wir einige Leute mehr. Bald schon ging’s los in Richtung Turunç, Kumlubük, Çiftlik, Gebekilise und zurück.


Wundervolle buchten wurden angefahren, traumhafter Sonnenschein, wolkenfrei, wieder mal ein königliches Mahl, internationale Klänge, durchmischt von typisch türkischen Klängen (normalerweise gewöhnungsbedürftig für europäische Ohren – aber ich konnte das jetzt sooooo gut hören), bauchtanzende, wohl gestimmte Menschen… es war eine fantastische Stimmung an Bord. Genau die richtige Durchmischung von Einheimischen und Touristen, die Begegnungen interessant werden lässt. Ich habe diese Unterhaltungen unendlich genossen.


An Bord waren u.a. Touristen aus Südafrika, Pakistanis, Engländer, Schotten, Deutsche… und wir! Alle hatten viel zu erzählen. Auffallend war jedoch, wie so meist, das Kommunikationsbedürfnis der Türken. Das hat mich an die so genannten „Klopfkäfer“ aus der Wüste erinnert, die sich gegenseitig bis zu großen Entfernungen ausmachen können, und unbedingt zueinander finden. Ja, wir Türken sind ein kommunikatives Volk und sehr gesellig obendrein. Wir benötigen keinerlei „Animation“.

 

 „Vatan neresi?“ ist eines der ersten Sätze, welches fällt. „Wo ist die Heimat?“ Damit will man herausfinden aus welcher Region der Türkei jemand stammt. Dann wird zustimmend genickt, als würde man sich eben genau in jener Gegend auskennen wie in seiner eigenen Hosentasche, Eckdaten werden erfragt, Lebensgeschichten erzählt… Ja, so in etwa läuft es ab. Und das fühlt sich unendlich gut an, weil man Teil des Großen und Ganzen ist. 

Wir hatten einen grandiosen Ausflug heute, der alle meine Erwartungen übertroffen hat. Zwischendurch haben wir in kristallklaren Buchten gebadet, uns ungehemmt vom Schiff ins Wasser gestürzt. Ich habe immer wieder Momente gehabt, in denen mir Tränen in die Augen gestiegen sind. Nach nur einer Woche habe ich bereits das Gefühl, dass es mir nahezu das Herz brechen wird, von hier wieder fort zu müssen. Wie werde ich mich wohl am Ende der zweiten Woche fühlen, geschweige denn nach Monaten?...

Ich habe lediglich wenige Jahre meines Lebens in der Türkei verbracht. Und viele meiner Freunde fragen nicht zu Unrecht verwundert: „Was ist bitte schön an Dir noch Türkisch nach all den Jahren, die Du bereits in Deutschland lebst?“ Darauf habe ich eine Antwort: Es ist meine Seele, liebe Freunde. Meine Seele ist türkisch.

Wie immer herzliche Grüße – Euer Pünktchen.


P.S.: Diesen Abschnitt der Içmeler-Bucht sieht man, wenn man aus dem Hafen ausläuft und die Tour macht, die wir heute gemacht haben.

21 November 2012

III Über Marmaris nach Datça

15. Mai 2008


Halloooo, hiiiiiier, hier bin ich, d.h.: da war ich…, ziemlich weit oben auf den Taurusbergen. Heute haben wir einen größeren Tagesausflug gemacht. Marmaris haben wir mehr oder weniger mit sehr kurzen Zwischenstopps durchfahren. Irgendwie sieht Marmaris von droben auf den Bergen sehr viel schöner aus, als es tatsächlich im Ort selber ist. Dafür haben uns die herrlichen Buchten auf dem Wege nach  Datça sehr erfreut.

Das Taurusgebirge ist wirklich imposant. Meines Wissens reicht es von den anfänglichen 2000 m bis an die 4000’er Marke heran. Die Strecke sind wir teilweise mit 30 km/h auf die kurvigen und zeitweilig sehr steilen Bergstraßen hinauf gekrochen. Bei den Steigungen ist es mir durchaus passiert, daß ich mich unbewußt schon mal im Autositz festgekrallt habe.


Unterwegs haben wir immer mal wieder angehalten und allein schon wegen Primus und Secundus ausgedehnte Pausen an wunderschönen Stränden gemacht. Steinchen schmeißen, Muscheln sammeln, den Wellen „entspringen“… herrliche Disziplinen, an deren Ausübung wir viel Freude hatten. Zwischendurch ein königliches Mahl irgendwo in einem total verschlafenen Nest, auf wackligen Holzstühlen sitzend, unter Schatten spendenden Weinreben. 


Dann weiter nach Datça, unser eigentliches Ausflugsziel ( ausgesprochen „Dattscha“). Ein total schnuckeliger, malerischer Ort. Mit nur ganz ganz wenigen Touristen. Wir sind sogar noch ein wenig weiter als bis nach Datça gefahren und haben dort ein absolutes Idyll aufgetan. Am Strand, wo kaum ein Mensch war, haben wir unsere Jungs meinem Vater anvertraut und haben uns in die Wellen gestürzt. Da wo wir heute  waren, da hat sich der liebe Gott, oder wen auch immer man dafür verantwortlich machen will, ganz viel Mühe gegeben, es besonders schön zu erschaffen. Es war toll! 


Dafür hatte es der Rückweg in sich: der Heck des Wagens befand sich noch in der Kurve, schon tauchte die Front wieder in eines ein… Das war grauenhaft! Und trotzdem ich damit so gut wie nie etwas zu tun habe, hat’s mich diesmal auf dem Rückweg zerlegt. Ich habe mich immer mal wieder übergeben müssen, so dass Secundus wie eine kaputte Schalplatte ständig zwei Worte wiederholte: „Mama kustu, Mama kustu…!“ (auf türkisch: „Mama hat sich übergeben!“)

Trotzdem muß ich sagen, hat sich auch der heutige Ausflug sehr gelohnt. Wir haben viel gesehen, eine Ahnung von der Umgebung bekommen, in der wir uns befinden. Bei der Gelegenheit haben wir noch eine ganz versteckte Bucht gefunden, an die wir ganz nah heran fahren können. Da wollen wir in den nächsten Tagen noch mal hin. Aber vorher muß ich mich von diesen Hundekurven erholen.

So viel für heute…



16. Mai 2008

Heute haben wir nahezu den ganzen Tag auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmt. 


Es gab vieeeel türkisches Eis, Budeln und Plantschen am Strand, Spiele am Pool. Die Hotelgäste und das Personal sind unseren Kindern sehr zugeneigt. Alles amüsiert sich, wenn unser Zweiergespann daher kommt.


Heute Abend sind wir an der Strandpromenade entlang zum anderen Ende der Bucht gelaufen. Dort wurden wir bereits erwartet. Unser Fisch wurde uns noch ganz frisch präsentiert, bevor er ausgenommen auf dem Grill landete. Dazu diverse Beilagen und ein köstlicher Salat. Alle haben wir ausgiebig in sehr netter Gesellschaft geschlemmt, erzählt und weiter geschlemmt.


Glücklicherweise sind die Jungs bei solchen Unternehmungen sehr friedlich, zumal sie alle Hunde und Katzen der Region zu ihren ausgesprochenen Freunden erklärt haben. Während Primus selbst heraus gefunden hat, dass Kater „Tiger“ (dieser Name wurde ihm zu recht gegeben: ich habe noch nie eine Katze gesehen, die derart Hunde verprügelt…), keine Oliven, Salat und Erdnüsse mochte, habe ich endlich mal das leckere türkische Bier „Efes“ getrunken.


Während unsere Süßen erfolgreich die Fischreste an Tiger vergeben haben, haben wir in aller Ruhe die fantastische Aussicht dieses Mal vom anderen Ende der Bucht genossen. Ich habe erstmals mit dem Gedanken gespielt, ob ich mich allen ernstes tatsächlich um den fehlenden Eintrag in meinem Paß kümmern sollte ;-)

In den vergangenen Tagen haben wir die sehr nette Bekanntschaft von einigen türkischen Gästen, sowie zwei niederländischen Paaren gemacht. Meist findet man sich am späten Abend noch unten in der Lobby zu einem ungezwungenen Plausch zusammen. Leider mussten wir gestern Abend Zeuge dessen werden, wie ein Touristen-Ehepaar ausgesprochen ausfallend wurde, da ab Mitternacht kein Alkohol mehr an der Bar ausgeschenkt wird.

Sie fingen tatsächlich an, den armen Kerl hinter der Bar zu bedrohen. Wirklich wahr! Das sind die Momente, in denen man sich wirklich schämt ein Tourist zu sein. Der Kellner hinter der Bar hat sehr gut reagiert, aber das Paar war bereits so stark angetrunken, dass es einfach nur noch peinlicher wurde, je mehr sie darauf bestanden, etwas trinken zu wollen. Irgendwann sind sie wüst schimpfend abgezogen, nicht ohne dem Barmann zu drohen, ihn „fertig zu machen“, so dass er seinen Job los würde und hier keinen Fuß mehr auf die Erde bekäme… Oje oje, so was gibt es auch. Glücklicherweise der erste Zwischenfall dieser Art, hoffentlich auch der letzte.

Jetzt bin ich mit meinem Mann verabredet, mein Vater und die Jungs „schnorcheln“ selig in ihren Betten, und unser Babyphone hat hier eine ausgezeichnete Reichweite, die Nacht ist jung…

Grüße –  Pünktchen.




20 November 2012

II Ausflug nach Turunç

Hallo Ihr Lieben,


Ich bin wirklich froh, dass wir gerade jetzt (Anfang bis Mitte Mai) hier sind und nicht weitere zwei Wochen später. Denn da soll es in Içmeler/Marmaris richtig „brummen“ und das brauchen wir nun wirklich nicht.

Heute haben wir den angenehm windigen und leicht bewölkten Tag dazu genutzt, um mit dem Bus meines Vaters zu einer der Nachbarbuchten zu fahren. Eine Hundekurve nach der anderen. Eine leichte Kopfdrehung zur Seite eröffnete mir den Blick auf tief abfallende Schluchten. Da kann einem schon mulmig werden.



Der Ort  hat Turunç einen ganz kleinen Hafen, einpaar Buden mit Touristen-Nepp, einen Eisverkäufer, wenige wie verloren wirkende Hotels. Ich glaube zwei Wochen in so einem Ort „gefangen“, und ich würde schon ab dem vierten Tag anfangen wirklich nervös zu werden. Und verglichen mit Içmeler ist es aus unserer Sicht nicht der Rede wert.


Hier gibt es natürlich ganze Straßenzüge mit aneinander gereihten Touristenbuden (auch die benötigen wir nicht wirklich), jede Menge Restaurants – in der Regel genau auf die kulinarischen Wünsche von Engländern abgestimmt. Im Hotel ist es ganz ähnlich: leider kommt das typisch Türkische an Gerichten etwas zu kurz. Aber da ich weiß, welches der Gerichte am besten schmeckt, gehe ich natürlich ganz gezielt an das Buffet heran. Und dann ist alles andere weniger tragisch. Außerdem gönnen wir uns zu dem üblichen „All-inclusive-Trallala“ noch gute Fischgerichte aus der Region. Jetzt für Freitag z.B. haben wir da einen Landsmann etwas Außerhalb entdeckt, der für seine Fischzubereitungen von den Einheimischen viel gerühmt wird. Und abgesehen davon habe ich heute mit dem Koch unseres Hotels einen Plausch gehalten. Und bei der Gelegenheit hat er mir zugesagt, dass er in der Zeit, die wir hier sind, uns einige unserer Wunschgerichte zubereiten wird. Unglaublich nett, oder?

Ansonsten haben wir viel Kontakt zu den Einheimischen. Es ergeben sich ständig neue Begegnungen und sehr interessante Gespräche. Ich genieße es, mich auch wieder ausschließlich in meiner Muttersprache unterhalten zu können. Im Hotel selbst ist das Klientel eher älter. Wenige sehr junge Paare, dann kommen wir, und dann eigentlich nur noch Rentner und passionierte Segler. Wie bereits erwähnt in erster Linie Engländer, Niederländer und sehr wenige Türken. Die eigentliche Touristeninvasion steht noch bevor. Da sind wir aber im wahrsten Sinne des Wortes längst wieder über alle Berge.


Der Hoteleigene Pool ist klein, aber durchaus ausreichend für alle Faulpelze, die die wenigen Meter zum Strand scheuen. Bei dem tollen Blick auf die traumhafte Bucht stellt der Pool keinerlei Versuchung für mich dar. Das Zusammenspiel der Gebirgsketten, welche das Meer umsäumen, ist so wunderschön anzuschauen. Und irgendwo inmitten dieses Bilderbuchpanoramas zu schwimmen ist ein sehr sinnliches Erlebnis. Die Lage dieses Ortes ist bestechend schön.

Heute habe ich so viele Feigen- und duftende Mandarinenbäume gesehen. Hochgewachsene Eukalyptusbäume mit ihren unverwechselbaren Baumrinden, Maulbeerbäume, von deren Zweigen auch wir genascht haben. Sogar eine Allee aus rot blühenden Granatapfelbäumen: ein botanischer Traum! Alles kraftstrotzend im Wachstum, gekleidet durch ein kräftiges, frisches Grün. Ich liebe das! 



Wann immer ich dieses kräftige, leuchtend Rot-Orange sehe, fühle ich mich an den Lippenstift meiner Mam erinnert. Und den echten Jasmin, den liebte sie ganz besonders. Sein unfaßbar intensiver Duft haut einen beinahe um.



So, für heute genug geschwärmt. Wir sitzen noch mit dem Babyphone bewaffnet in der Lobby und nehmen noch einige Getränke zu uns, erzählen und lachen…

Das Bild unten zeigt  Içmeler (und genau unsere Bucht) aufgenommen hoch droben vom Taurusgebirge. Ganz hinten in der Bucht links sieht man eines von den riesigen Kreuzfahrtschiffen, die hier immer mal wieder auftauchen.


Bis demnächst wieder – Grüße vom Pünktchen.


19 November 2012

I U wie Urlaub oder Unheil naht


Hallo Ihr Lieben,

Sonntag Abend sind wir mit den Jungs bei McDo in der Nähe des Flughafens: sie erkunden eine Röhrenrutsche und haben ihren Spaß mit einigen anderen Kindern. Etwas später begeben wir uns in unser Hotel, und mein Mann fährt mit Primus zum Flughafen, um vorab einzuchecken. Secundus und ich bleiben im Zimmer. Irgendwann klingelt mein Handy, und das Unheil nimmt seinen Lauf. Ich höre nur, wie mein Mann sagt: "Mit Deinen Papieren stimmt etwas nicht!"

Erst halte ich das für einen Scherz, aber wenige Sekunden später telefoniere ich bereits mit einem Polizisten. "So können wir Sie leider nicht fliegen lassen! Ihr Aufenthaltsstatus ist in ihrem Paß nicht vermerkt!" Ich bin äußerst geschockt. Vor einigen Jahren habe ich einen neuen Paß bekommen.  Leider aber hätte ich direkt im Anschluß daran zum Ausländeramt gemußt, um meinen Aufenthaltsstatus darin vermerken zu lassen. Mein Vater hat mich damals mehrfach darauf hingewiesen, nur ist mir das völlig entfallen. Ich war gerade überglücklich mit Primus schwanger und taumelte vor Freude durch das Leben. Ich habe schlicht und ergreifend vergessen, was ein Ausländer auf garkeinen Fall vergessen darf. Zudem hatte ich bislang nur ein einziges mal in 35 Jahren etwas mit der Ausländerbehörde zu tun, und ganz offensichtlich fühle ich mich so wenig als Ausländer, daß ich auch dieses dafür zuständige Amt komplett aus meinem Bewußtsein gestrichen habe. Sollte mir dieser Umstand nun das Genick brechen?

Nach einigen weiteren Telefonaten und verzweifelten Erklärungsversuchen, sowie der Suche nach irgendeinem Ausweg, höre ich den Beamten sagen: "Ein Strafverfahren ist Ihnen sicher!" Ich bin so ziemlich am Ende mit meinen Nerven. Das ist unser erster gemeinsamer Familienurlaub. Papa ist bereits in der Türkei mit seinem Bus von der Schwarzmeerküste unterwegs zu unserem Urlaubsdomizil, was am anderen Ende der Türkei gelegen ist. 1400 km hat er da zu bewältigen. Es würde ihm das Herz brechen, wenn wir nicht zusammen kommen könnten. Mir stockt der Atem, während Secundus gegen 23.00 Uhr endlich in meinen Armen einschläft. Ich fühle mich wie ein Schwerverbrecher, habe das Gefühl "Illegal" zu sein. Während ich auf den Rückruf meines Mannes warte, denke ich das erste Mal in meinem Leben darüber nach, wie sich wohl Menschen fühlen, die um ihren Aufenthaltsstatus bangen müssen, wo nicht nur ein Urlaub dran hängt. Ich fühle mich elend, klein und hilflos. Das Ende diverser weiterer Gespräche ergibt, daß man erst am kommenden morgen (also in wenigen Stunden nach Absprache mit den Kollegen der Morgenschicht sagen kann, ob wir fliegen können oder nicht). Überflüssig zu sagen, wie fertig ich mit den Nerven bin. In dieser Nacht mache ich bis um 3.00 Uhr kein Auge zu, und dann müssen wir eh aufstehen, um zum Flughafen zu fahren. Die Kinder sind außergewöhnlich gut gelaunt und recht munter: ich hätte es anders erwartet.

Am Flughafen selbst muß ich etliche Formulare unterschreiben. Hierbei gerate ich an einen freundlicheren Beamten, der das mit der angekündigten Strafanzeige „korrigiert“. Irgendwann werde ich wohl Post mit einem Bußgeld erhalten. Na, damit kann ich leben. Ich atme etwas auf. Das Ausreisen ist jetzt erst mal kein Problem, da man in irgendeiner Datenbank meinen Ausländeraufenthaltsstatus hat inzwischen unter meinem Mädchennamen ausmachen können. Aber, teilt man mir mit, daß ich in der Türkei dringend zu einer Botschaft muß, um meinen Status von dort aus eintragen zu lassen. Denn sonst würde mir die Einreise nach Deutschland verwehrt. Daß ich mich in der Türkei um solch unliebsame Behördendinge kümmern muß, ist mir zwar nicht recht, aber immerhin tausend mal besser, als daß ich nicht mitfliegen kann.

Endlich sitzen wir im Flieger, und ich bin fix und alle nach dieser schlaflosen Nacht mit dementsprechender Anspannung.

Der Flug ist mehr als angenehm: strahlend blauer Himmel mit tollen Wolkenformationen, die Secundus für Schnee hält… Dafür Primus, der mich fragt, wann wir denn nun weiterfliegen… und das nachdem wir die Hälfte der Strecke bereits hinter uns gelassen haben. Keinerlei Turbulenzen also. Fast habe ich selber vergessen, dass ich in einem Flugzeug sitze. Ob mir da ein kleiner Engel zur Seite gestanden hat?! Auch die Landung ist kaum zu bemerken. Primus klatscht und ruft: „Nochmal!“

Nun sind wir also in Dalaman gelandet - ein großer neuer Flughafen nimmt uns in Empfang. Auf dem Flug haben nahezu alle im Flieger befindlichen Kinder geweint. Unsere waren bis zuletzt absolut fit und haben uns lediglich in der letzten Flugstunde gefordert. Dafür dann aber richtig! Die beinahe 2-Stunden-Fahrt im modernen Bus zu unserem Domizil waren sie wieder sehr friedlich. Dennoch war ich erstaunt, daß sie trotzdem sie ab 3.00 Uhr in der Früh mit uns unterwegs waren, so quietschlebendig waren und sehr wenig gequengelt haben. Gegen Mittag erreichen wir unser Hotel.


Gerade als wir die letzten Meter mit dem Bus zum Hotel fahren, sehe ich Papa, der uns draußen bereits lachend erwartet. Ich fliege in seine Arme und vergieße reichlich Freudentränen. Er ist der weltallerbeste Papa, Schwiegervater und Opa noch obendrauf. Alle liegen wir uns in den Armen und sind nur noch selig. Wir beziehen unsere Räumlichkeiten, essen zu Mittag und besuchen mit allen gemeinsam die wunderbare Bucht, die direkt vor unseren Füßen liegt. Ein traumhaftes Panorama lädt zum ersten Bad im Meer ein. Da die Kinder aber mit einer Erkältung eingereist sind, verschieben wir das auf die nächsten Tage und belassen es lediglich dabei, durch's Wasser zu waten.

Wir sind zufrieden mit unserer Unterkunft; ein 63-Betten-Domizil, von uns ganz gezielt ohne Kinderanimation ausgewählt. Wir bewohnen eine großzügige Suite, mit seitlichem Blick auf's Meer.


Mittags ziehen wir uns nur kurz zurück. Die Abendstunden verbringen wir erneut gemeinsam.

Wir sind total froh, daß wir genau zu dieser für uns absolut richtigen Reisezeit hier eingetroffen sind. Es sind nur sehr wenige Touristen da, so daß sehr viel Ruhe zum Genießen da ist. In wenigen Wochen schon wird hier die Hölle los sein. Die Temperaturen sind absolut angenehm. Für mich müßte es überhaupt nicht wärmer sein. Ich habe seit 28 Stunden nicht geschlafen und werde nun nach meinem Erstbericht in die Kissen sacken. Große Freude macht sich in mir breit auf das, was noch vor uns liegt.

Ja, meine Lieben: das war der erste Tag! Inzwischen liegt der zweite Tag fast hinter uns. Wir fühlen uns wirklich sehr wohl hier. Das war gewiß nicht unser letzter Besuch in dieser Region. Sollte uns irgendwann langweilig werden, möchten wir uns vor Ort einige interessante Hotels anschauen. Da bekommt man ja nun einen weitaus besseren Eindruck, als lediglich beim Durchblättern irgendwelcher Kataloge von Reiseveranstaltern.


Wie gesagt: die Umgebung ist ein Traum! Das Wasser kristallklar! Heute habe ich inmitten von unzähligen kleinen Fischschwärmen gebadet. Und das Salzwasser des Mittelmeeres hat gut dafür gesorgt, dass ich mich gefühlt habe wie eine Feder…

Bald machen wir eine Tages-Bootstour. Der Reiseveranstalter versuchte uns ebenfalls dafür zu gewinnen: für 120;- Euro. Nun nehmen wir an einer teil für 30,-Euro, inklusive Mittag- und Abendessen und noch einigen anderen Extras. Hat auch seine Vorzüge, wenn man sich einwenig „auskennt“, und weiß, wo man besser  das Geld hinfließen lässt.

Uns geht’s auf jeden Fall sehr sehr gut, die Jungs haben ihren Spaß, wir mit ihnen sowieso. Heute am Strand hat Primus mit zwei englischen und weiteren türkischen Kindern gespielt. Alle unterhielten sich in ihrer Sprache, die „Kommunikation“ klappte hervorragend. Was kann man sich mehr wünschen?!

Ich melde mich wieder… und freue mich über die eine oder andere Zeile aus Deutschland.

Ganz herzliche Grüße – Euer Pünktchen, in bester „Männergesellschaft“


17 November 2012

"Merhaba!"

"Merhaba!", das heißt "Guten Tag!" in der Türkei. 

"Merhaba, liebe Freunde, Leser,  Türkei-Interessierte...!"  

2008 machte  ich eine ausgedehnte Reise in die Türkei.  Meinen Eltern, aber insbesondere meinem Vater war es von jeher wichtig, daß ich so gut es geht mein Heimatland kennen lerne. Er pflegte stets zu sagen: " Wir wissen nicht, wie es dir einmal ergehen wird im Leben, wie deine Möglichkeiten sein werden. Es ist sehr wichtig zu wissen, woher man kommt. Eines Tages wird das für dich eine große Bedeutung haben. Ich möchte dir daher das Land zeigen, in dem du geboren wurdest. Ich wünsche mir, daß du Land und Leute kennen lernst, sowie ihre ureigensten Geschichten. Erst dann wirst du begreifen, wer du bist!"

Inzwischen sind Jahrzehnte vergangen. Ich bin gut rumgekommen in der Welt. Ich habe "Null-acht-fünfzehn-Urlaube" gemacht, genau so wie einige noble Aufenthalte gehabt. Aber lediglich die "Abenteuerurlaube" haben sich in meine Seele eingebrannt, die ich als kleines Kind und auch als Jugendliche mit meinen Eltern und unserem jeweiligen Auto durch meine alte Heimat machte.

2008 hat unsere bislang letzte Reise in die Türkei stattgefunden. Aus diesem Urlaub, erstmals mit meinem Mann und unseren kleinen Kindern, verschickte ich in Abständen Emails an meine Freunde in aller Welt. Es gab eine überwältigend positive Resonanz darauf. Seit 2008 arbeitet es immer mal wieder in mir. Warum sollten diese Reiseberichte nur einer kleineren Menschenmenge vorbehalten sein, wenn es auch durch diese Blog-Seite die Möglichkeit gibt, sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen?!...

Meist blieb mir nicht mehr Zeit, als gerade mal zwanzig Minuten am Tag, um zu schreiben. Ich habe nur kleine Veränderungen an den Berichten vorgenommen, da ich alles genau so belassen wollte, wie es auch passiert ist.  Nur den allerletzten Teil habe ich dieser Tage aus meiner noch sehr lebendigen Erinnerung heraus geschrieben. Als einige türkische Bekannte  in Deutschland von unserem Vorhaben hörten, mit zwei so kleinen Kindern diese große Reise in die Türkei machen zu wollen, erklärten sie uns für schlichtweg verrückt. "Zwei Windelkinder, die Hitze, die manchmal unwegbaren Straßen, keine feststehende Route, im VW-Bus unterwegs... oh Gott!". Ja, das hörte ich oft. Und manchmal hatte auch ich Bedenken, allerdings nur für kurze Zeit. Denn allen Zweiflern und Bedenkenträgern konnte ich lächelnd entgegnen: "Ihr kennt die Hitze, die Gegend vielleicht, habt selber kleine Kinder... Aber,  ihr kennt meinen Vater nicht!" 

Die ersten zwei Wochen führten uns zu einem Hotelurlaub (Mann, Frau, Primus (noch nicht vier Jahre) und Secundus (noch nicht zwei Jahre) nach İçmeler (türkische Ägäis). Mein Vater weilte seit Monaten zu dem Zeitpunkt in genau der entgegengesetzten Richtung, am anderen Ende der Türkei. Pünktlich zu unserer Ankunft war er mit seinem VW-Bus angereist und erwartete uns vor unserem Hotel.

Schnallt Euch an, denn bald  geht sie los, unsere Reise... Ich hoffe, Ihr habt ähnlich viel Freude daran, wie ich es mit meinen Liebsten hatte. Nicht zu vergessen: hierbei handelt es sich ausschließlich um meine Erlebnisse, Gedanken und Emotionen. Ich erwarte nicht, daß jeder das so nachempfinden soll und kann. Wenn es aber am Ende auch nur einige Menschen gibt, die ich mit dieser Sache für die Türkei und seine Menschen begeistern kann, dann freue ich mich sehr darüber!

Eure Kommentare sind mir dabei mehr als willkommen - denn eine Reise ohne Gesellschaft ist nur halb so schön.

Bis demnächst meine Lieben - Euer Pünktchen. 

12 November 2012

Himmelsleiter


Immer wieder einmal fallen in unserem Haushalt mürbe gewordene Äpfel an. Je mehr Zeit verstreicht, umso weniger werden sie gegessen. Und wenn dann sämtliche Essensvorschläge  mit geriebenem Apfel abgelehnt werden, dann muß man sich etwas anderes einfallen lassen. Manchmal vierteln wir die Äpfel und verfüttern sie mit Einverständnis der Bauern an die Kühe aus der Region. Und dann entdeckte ich bei Katja  diese wunderbare Idee... Etwas anders ist's bei uns ausgefallen, aber ich denke, daß das den Vögeln egal sein dürfte.


Heute habe ich folgenden Kommentar von Rike zu meinem letzten Post gelesen: 

"Nachdem ich mich heute zum ersten mal eine ganze Weile hier durch das Blog gelesen habe, möchte ich auch einen Gruß da lasse und meine positiven Eindrücke: Du schreibst ganz wunderbar, wirklich eine Geschichtenerzählerin, nichts aufgesetztes, ehrliche Gedanken und eine warmherzige Familie. Besonders interessant sind für mich die Einträge, wo du über deine Wurzeln schreibst und wo man spüren kann, was für ein Reichtum an liebevollem Familienleben dich wohl geprägt hat.
Viele Grüße".

Seit einiger Zeit frage ich mich bereits, worüber "meine kleine Leserschaft" wohl gerne mehr wissen/lesen würde. Ich traue mich jetzt mal: ich strecke meinen Hals etwas vor und halte meine Hand an's Ohr. Vielleicht höre ich ja etwas. Wem es hier zu öffentlich ist, der kann mir auch unter meinem Profil gerne eine Email senden. Das ist mein Angebot. Allerdings behalte ich mir vor, welche Fragen ich beantworte und welche nicht ;-).


11 November 2012

In Bewegung


Nach tagelangen Regenfällen gab es endlich wieder einen trockenen, sonnigeren Tag. Nach soviel Stillstand und Ruhe tat es gut, sich mit dem Wind zu messen, kühle Luft zu atmen, aus der Puste zu sein.

09 November 2012

love-notes


Kann ein Tag schöner beginnen als mit persönlich Handgeschriebenem?!

Es gibt gerade mal eine Hand voll Leute, die meine Blogadresse von mir erhalten haben. Von Zweien habe ich bezeichnenderweise nie einen Feedback erhalten, eine meinte: "Wozu braucht man einen Blog?" Zugegeben: man braucht keinen Blog. Genau so wenig wie man vielleicht einen Malkurs braucht, wenn man malen möchte - denn man könnte es ja auch ganz im Stillen zu Hause für sich machen. Aber dem menschlichen Wesen ist es nun mal eigen, daß er die Gemeinschaft sucht. Und dabei geht es immer auch um Kommunikation. Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch. Als ich meine Kinder bekam, änderte sich mein Leben schlagartig. Vorbei die Zeit der stundenlangen Museumsbesuche, ausgiebigen Treffen mit Freunden, langen Telefonate, reichlich Zeit nur für mich allein. In dieser Zeit war ich hin und weg von meinen Kindern, dafür war alles andere hin- und weg von mir. Wenn unsere Kinder versorgt waren, schaffte ich es manchmal in dieser Zeit,  Kunstausstellungen im  Netz anzuschauen. Dann entdeckte ich zufällig den ersten Blog. Bald darauf stieß ich auf weitere Seiten. Diese vielfältigen Seiten machten die Defizite, die ich mangels Zeit entwickelte, auf eine sehr angenehme, zeitsparende Weise wieder wett. Es hat Jahre gedauert - sieben um genau zu sein, bis ich dann einen eigenen Blog hatte.  Bisher habe ich es nicht bereut, denn ich bin dabei auch Menschen näher gekommen. Nicht nur virtuell, sondern auch real. Heute morgen erreichten mich wunderbare Zeilen, die so persönlich waren. Alles, was mich berührt, das bewegt mich auch. Danke Roswitha, Du bist ein kostbarer Schatz! Ich freue mich auf das, was möglicherweise noch vor uns liegt.


Ein wunderschöner Kalender, der mir inhaltlich genau so sehr zusagt, wie von seiner ungewöhnlichen äußeren Aufmachung her. Das kleine Täschlein, machen wir uns nichts vor, werden sich die kleinen Herren unter den Nagel reißen. Ich hoffe, ohne ausdauernden Streit...


Normalerweise trinke ich Kaffee. Ohne kann es kein wirklich guter Tag werden. Während ich immer und immer wieder die Zeilen las, habe ich heute ausnahmsweise einen Tee aus meiner alten Heimat genossen. Was für eine wunderbar nette Geste: Papatya-Tee für die Verfasserin des Papatyam-Blogs. 1000 Dank dafür - you made my day!

08 November 2012

Erkenntnisse

Sohn 2: "Mama...!"
"Hmm?..."
"Du bist doch Türkin und Papa Deutscher..."

Ratter ratter ratter...

Plötzlich strahlt das Kind: "Dann bin ich ja ein halber Türke, und ein ganzer Deutscher!" 

06 November 2012

Momentaufnahme

Es gibt Augenblicke, die gehen mitten in’s Herz. Auf direktem Wege. Und wirken noch lange nach. So einen Moment gab es am Montag in der Früh, nachdem wir alle zusammen meinen Mann zum Bahnhof gebracht und ihn bis zu unserem nächsten Wiedersehen am Wochenende verabschiedet hatten.

Unser Rückweg verlief parallel zu den Bahnschienen. Und da sah ich im Rückspiegel bereits den Zug nahen. Ich nahm meinen Fuß vom Gaspedal, während ich zeitgleich die kleinen Herren animierte zu schauen, ob sie nicht den Papa irgendwo im Zug ausmachen können. Dann musste ich ordentlich Gas geben, um noch ein Weilchen mit dem Zug mitzuhalten.

Und tatsächlich: aufgeregte Schreie, laute Rufe nach dem Papa, heftiges Winken. Wir  jubelten, mein Mann strahlte über das ganze Gesicht und winkte ebenso wie wir. Mit einem Schlag  wurde mir  so unendlich warm um’s Herz. Diese starke Verbindung so unvermittelt und doch so intensiv zu spüren, das sind Augenblicke, die nicht nur berühren, sondern auch tragen.


03 November 2012

Lieblinge



Ich höre meine Eltern noch wie gestern sagen: „Was auch immer du tust, mache es mit Liebe und von ganzem Herzen. Mache es so, als würdest du es für dich selbst machen!“ Grundsätzlich versuche ich mich an diesen Rat zu halten: die schlichten Pullover für die kleinen Herren sind fertig. Nahezu fertig, denn ich werde wie in einem anderen Blog gesehen, erstmalig den Kragen von Innen her mit einem Fleecestoff auskleiden, damit ja nichts an den empfindlichen Kinderhälsen reibt und Juckreiz auslöst. Sie haben sich wirklich gefreut, was wiederum mich unendlich freut. Ich gebe gerne und von ganzem Herzen. Früher habe ich die schönsten Sachen gestrickt. Meine Freundinnen brauchten nur zu sagen. „Ooooh, genau so was wollte ich schon immer haben…!“, und zack gehörte das gute, gerade fertig gewordene Stück ihnen, ohne daß ich auch nur ein einziges Mal in den Genuß kam, es selbst zu tragen. Die Freude, die das Schenken mir bereitet ist immens und sehr nachhaltig. Inzwischen stricke ich fast ausschließlich für meine Männer - und manchmal fällt auch etwas für mich ab ;-).


 Wolle: Drops Andes (65% Wolle - 35%Alpaca)
Verstrickt mit Nadelstärke 7 statt 9