30 Januar 2012

Sibirische Kälte


Der üppige Schnee der letzten Woche ist fast wieder verschwunden. Das hält aber meine Kinder nicht davon ab, mir die winterliche Pflicht abzuverlangen: der Rodelberg ruft! Da gibt es kein Halten mehr. Heißer Kinderpunsch, einpaar leckere Brote sind schnell eingepackt, so wie auch wir uns wappnen gegen die ordentlichen Minusgrade. Erstmals mit dem alten Lkw-Schlauch war es auch unter schweren Bedingungen möglich, die Hänge hinab zu gleiten.  Stunde um Stunde habe ich mit einer weiteren tapferen Mutter dort ausgeharrt. Weder ihre Zwillinge, noch meine Zwei waren nach Hause zu bekommen. Als die Sonne sich allmählich verzog, wurde es jedoch so unangenehm, daß sich die vor Kälte schmerzenden Hände und Füße unmißverständlich gemeldet haben. Bald soll es nicht nur sehr viel kälter werden bei uns. Es wird auch sehr viel Schnee erwartet. Wir werden sehen. Die Kinder freuen sich. Und das ist die Hauptsache.

29 Januar 2012

Alltag schaffen

Seit Wochen ist mir, als hätte sich eine dicke Decke auf unser Leben gelegt. Alles fühlt sich dumpf an, wie von weit her dringen Geräusche her. Es kostet mich Mühe, zu einem normalen Alltag zu finden und diesen in gewohnter Weise zu bewältigen. Am liebsten mache ich derzeit Sachen, die eintönig sind und mir aufgrund der sich ständig wiederholenden Tätigkeit einen gewissen Halt vermitteln. Von Hand spülen, putzen, sortieren gehört dazu. Da ruht man für eine Weile in sich. Abends, wenn alle Arbeit getan ist, dann fließen schon mal unvermittelt leise Tränen. Einfach so. Wir sprechen viel mit unseren Kindern über das Unglück, was geschehen ist. Ja, wir stehen Rede und Antwort. Kinder stellen einfache, aber sehr tiefschürfende Fragen. Wo ich herkomme, da sagt man, daß man mit dem Sterbenden nicht sterben könne. Soll wohl heißen, daß das Leben trotz aller Schmerzen weitergeht und auch weiter gehen soll. Ich behaupte, daß wenn geliebte Menschen von uns gehen, immer auch ein Stück von uns mit geht. Unser Kleiner hat eine Pappkiste gebastelt. Er hat mir erklärt, daß es eine "Trauerkiste" sei und wie sie funktioniert. "Da tut man Sachen rein Mami, die einen glücklich machen. Und wenn man traurig ist, dann packt man sie aus. Wenn man dann die Sachen sieht und in die Hand nimmt, erinnert man sich. Dann ist man nicht mehr so traurig..."

26 Januar 2012

Leere

Es gibt Dinge, die man noch nicht einmal in der Theorie weiter denken kann. Dabei kann in unser aller Leben von jetzt auf gleich das Unfaßbare geschehen. Der Gedanke daran, einen inniglich geliebten Menschen zu verlieren, ein Kind zu verlieren... das schnürt verständlicherweise jedem die Kehle zu. Wie groß ist die Leere da, wo sich vorher das Leben von seiner schönsten Seite zeigte... Solch' ein Verlußt ist unermeßlich. Nichts trifft Eltern härter als der Tod ihres Kindes. Nichts ist so erschütternd. Nichts mehr so, wie es zuvor noch war. Es ist still geworden hier. Das Herz will dort hin, wo das Kind nicht mehr ist. Die Sehnsucht ist so schmerzhaft. Die Verzweiflung so groß. Die Trauer unendlich. Die Welt steht schlagartig still. Es wird viel Zeit brauchen, bis sich die Seele mit der bitteren Tatsache des Unausweichlichen vertraut machen kann. Viel Zeit. Zuhören und weinen. Halten und tragen. Schwer, so schwer.

08 Januar 2012

So'n Käse


Ich kann es selbst nicht glauben: unser Dachdecker hat sich tatsächlich vom Acker gemacht, ohne ein Wort. Nicht aber ohne das Geld, welches er für die Fenster erhalten hatte. Dachdecker weg, Geld für die Fenster weg, Fenster weg, unfertiges Dach und Baustelle ansonsten noch da. Ich war unsagbar wütend, unendlich enttäuscht. Enttäuschung schwächt mich. Wut macht mich mutig. Ich bin gestern kurzerhand kilometerweit durch die Dunkelheit gefahren, bin in der Kneipe aufgetaucht, wo der Herr und einige seiner Mitarbeiter gerne einkehren. (Gründlich recherhiert hatte ich im Vorfeld). Wo die mir bis dato unbekannte Freundin des Dachdeckers hinter dem Thresen steht. Ich habe mir in aller Seelenruhe etwas zu trinken bestellt und habe mich seiner Freundin vorgestellt. Ich habe sie um einige Minuten Gesprächszeit gebeten. Sie schien schon eine andere Variante der Geschichte zu kennen. Ich habe ihr unsere Variante erzählt. Was mir da noch nicht klar war, daß ihr Freund, also unser besagter Dachdecker, bei meinem Anblick sofort in die Küche entschwunden ist... und zweieinhalb Stunden dort Blut und Wasser geschwitzt hat. Sich erst wieder heraustraute, nachdem ich schon Minuten weg war. (Das habe ich heute von einem gemeinsamen Bekannten erfahren). Warum ich mich an die Freundin gewandt habe? Nun, uns Frauen eint, daß wir gerne in geordneten Verhältnissen leben. Und meist haben wir es auch nicht gerne, wenn der Freund/Gatte Dreck am Stecken hat. Jaaaaa, Frauen haben Macht. Egal, ob oder was das Gespräch gebracht haben mag: noch ist das ganze Werkzeug hier. Schön fein zusammen gesammelt und gut verstaut. Ich habe vernommen, daß er alles von Jemandem in der nächsten Zeit hier abholen lassen will. Nun, daß kann er gerne machen - wenn er zuvor wenigstens die Dacharbeiten beendet. Dann kann er sein Werkzeug höchstpersönlich in Empfang nehmen - und kein anderer! Und höchstpersönlich lasse ich mir jedes einzelne Kabel, Maschine, was auch immer von ihm quittieren, was er hier rausträgt. Man sieht sich immer zwei mal im Leben - vielleicht auch öfter. Im Anschluß an meinen Exkurs war ich noch bei einer Freundin. Ich habe sogar wieder schallend lachen können. Da hat doch so'n  Kleiderschrank von Mann Schiß vor mir... Sie hat alles Käse aus dem Kühlscharnk rausgeholt, und diese "Hundeköttelwurst"... es war köstlich. Viel Genuß, reichlich Geschnatter, viel Gelächter...

05 Januar 2012

Drama Baby, Drama...

Normalerweise stehe ich total auf Thriller, Dramen und gut gemachte Natur-Dokumentationen... Normalerweise. Momentan befinden wir uns selbt inmitten eines Dramas: unser Dachdecker ist seit dem 19.Dezember nicht mehr auf unserer Baustelle aufgetaucht. Telefonisch ist er, zumindest für uns, nicht erreichbar. Die Fenster, die sich am 19. Dezember laut seiner Aussage schon auf dem Transporter zu uns befanden, sind bislang hier nicht aufgetaucht. Auch wenn man in solchen Situationen dazu neigt, sich an dünnste Stromhalme zu klammern, ich habe so gut wie keine Hoffnung, daß weder die Fenster, noch er hier je wieder auftauchen werden. Einige Werkzeuge befinden sich noch hier - aber die könnte er sich auch locker mit der Summe in ganz neu beschaffen, die er kurz vor seinem Untertauchen eingestrichen hatte - für die Fenster versteht sich. Ist solch ein Verhalten üblich unter Handwerkern, daß man plötzlich untertaucht, nichts passiert?? Ich verstehe die Welt nicht mehr. Es ist Winter. Es regnet. Es stürmt. Das Dach ist nicht komplett gedeckt, die Regenrinnen nicht komplett angebracht. Oben flattert die Folie und macht bei den jetzt aufkommenden Stürmen einen unglaublichen Krach - bei Tag und bei Nacht. Neue Wasserflecken an der Wohnzimmerdecke entstehen. Nichts, was die Herren hier begonnen haben, ist fertig geworden. Das Gerüst, welches sie in Windeseile abgebaut hatten, liegt auf dem Garagendach, teilweise im hinteren Garten und modert vor sich hin. Wird vom Gerüstbauern merkwürdigerweise auch nicht abgeholt. Das Gragendach hat man mit den Gerüstelementen so beschädigt, das die Garage unter Wasser steht und alles darin voller Schimmel ist. Man sagt, daß jeder Mensch zu extremen Taten in der Lage wäre, wenn die Schmerzgrenze überschritten ist. Wir sind absolut friedfertige Menschen, aber ich höre seit geraumer Zeit mein Blut durch die Adern rauschen. Es fällt mir mehr als schwer, ruhig zu bleiben und lösungsorientiert zu denken. Mal ganz abgesehen davon, daß wir offensichtlich mit einer halbfertigen Baustelle sitzen gelassen wurden, greift mich die menschliche Enttäuschung am allermeisten an. Wer etwas will, sollte freundlich sein. Auch wenn mir das derzeit Übermenschliches abverlangt: ich werde ihm heute noch eine neutrale Mail senden. Mit der Bitte sich bei uns zu melden. Mit einer Zivilrechtsklage etwas erreichen zu wollen ist so Sinn - wie Zwecklos. Bis das was bringt, liegen wir schon drei mal unter der Erde. Solche Menschen sind mit allen Wassern gewaschen. Ich bin so unsagbar enttäuscht.

01 Januar 2012

2012


Wir haben den Jahreswechsel mit unseren Kindern erlebt. Wir haben köstlich gekocht und gegessen, haben zur lauten Musik ausgelassen getanzt. Beide haben locker und flockig unglaubliche Stunden bis Mitternacht und noch darüber hinaus ausgehalten. Das geeignete Böllerzeug für kleine Kinder hatten wir beizeiten zurecht gelegt. Und dann war es endlich so weit. Also, hier werden Sie garantiert keine bösen Geister mehr antreffen. Die haben wir alle erfolgreich vertrieben. Nachdem wir in unserer Straße mit den Nachbarn angestoßen und allen ein frohes neues Jahr gewünscht haben, sind wir dann auch wieder ins Haus entschwunden. Normalerweise nehme ich mir nichts vor für so ein unbelecktes neues Jahr. Dieses mal ist es anders. Seit meinem siebzehnten Lebensjahr habe ich graue Haare zwischen meinem ansonsten dunkelbraunen Haar. Mich hat es nie gestört. Ganz im Gegenteil: ich mochte sie, weil sie in diesem Alter doch etwas Besonderes darstellten. Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte nahmen sie deutlich zu. Bis mich meine Freundinnen dazu drängten, etwas dagegen zu unternehmen. Lange Zeit habe ich diese Vorschläge ignoriert - bis ich zu irgendeinem Geburtstag die erste Tönung bekam. Das war vor ca. vier Jahren. Ich habe dann mal in meiner Naturhaarfarbe getönt - und manchmal auch wieder für Monate nicht. Das letzte Jahr habe ich durchgehend gefärbt, wobei ich festgestellt habe, daß ich es hätte spätestens alle zwei Wochen wiederholen müssen, um den dann deutlich sichtbar gewordenen Ansatz zu verbergen. Das kommt mir so irre vor. Das ist mir lästig. Zudem ist es  ungesund. Und überhaupt bin ich keine Dreißig mehr. Und somit habe ich auch nicht den Anspruch, so oder so ähnlich aussehen zu müssen. Zugegeben: im Winter, da habe ich eine ebenso helle Haut wie jeder Mitteleuropäer. Dann wirkt man tatsächlich zehn Jahre älter. Na und?! Und im Sommer, zu meinem dunkleren Teint, sieht das mehr als interessant aus. Ich mag meine grauen Haare nach wie vor. Eine graue Maus werde ich deswegen noch lange nicht. Das können Sie mir glauben.