19 Dezember 2012

XIV Ahnengalerie


Liebe Freunde,

Seitdem wir in der Türkei auf Familie gestoßen sind, bin ich auf der Suche nach alten Fotos. Ich meine diese alten Schwarzweißaufnahmen, die im laufe von Jahrzehnten z.T. vergilbt und auch nahezu unkenntlich geworden sind und irgendwo, in irgendwelchen Schubladen und Kästchen vor sich hinaltern und/oder zerfallen. Von meinem Vater existieren gerade mal ein, zwei Bilder, welche ihn als kleines Kind zeigen. Diese Aufnahmen ließ man eigens von einem dafür beauftragten Fotografen zu Hause machen, da man der Ansicht war, der kleine Kerl  würde die nächste Zeit aufgrund einer Krankheit nicht mehr überleben. Später dann als Jugendlicher und Heranwachsender gibt es mehr Bilder von ihm.

Auf unserer Reise habe ich nicht die Möglichkeiten, irgendwelche alten Fotos ordnungsgemäß einzuscannen. So nutze ich meine Kamera, die existierenden Aufnahmen, bestmöglich abzufotografieren.  Inzwischen habe ich an die 400 solcher „Schätze“ aufgetrieben. Ich schaue mir gerne diese alten Bilder an. Sie zeigen mir unsere heutigen „Ältesten“, als sie noch jung und wunderschön waren. Je mehr ich diese Bilder betrachte, um so mehr scheinen sie preis zu geben. Das ist faszinierend! Abends sitze ich meist mit irgendwem aus der Familie zusammen, und wir schauen uns der Reihe nach die Fotos an. Während wir hier und da herum gerätselt haben, wer oder was da gerade neben einem uns bekannten Menschen zu sehen war, haben wir über einzelne Familienmitglieder sehr viele Details erfahren. Zum Teil waren das sehr belustigende Geschichten, zum Teil auch traurige, die uns tief berührt haben. Die Geselligkeit, die beim Betrachten dieser alten Aufnahmen wieder auflebte, das kann ich nur schwer beschreiben. Man muß einfach mit dabei sein, um wirklich begreifen zu können, wovon ich hier schreibe.

Manch einer hat das anfänglich belächelt, was ich da tue. Aber seitdem wir immer interessantere Geschichten über unsere Familie in Erfahrung bringen und zusammen tragen, finden nun ausnahmslos alle wunderbar, was ich da angefangen habe. Ich finde solcherlei Dinge von unschätzbarem Wert. Stirbt eine Generation aus, dann verschwinden auch alle diese Geschichten mit ihr. Die, die zurück bleiben, können dann meist nur noch mühsam herausfinden, was jetzt gut in Erfahrung zu bringen ist.

Noch habe ich zwei Anlaufstellen vor mir. Wenn ich all jene Bilder auch noch für die Nachwelt konservieren kann, dann bin ich glücklich und zufrieden. Mehr dürfte im Familienbesitz nicht sein.

Auch für Primus und Secundus dürfte all das eines Tages mehr als interessant sein. Diese Bilder sind  „Zeitzeugen“, die eigene gelebte Familiengeschichte belegen. Ich freue mich schon jetzt darauf, dass ich ihnen viel über die türkische Seite ihrer Herkunftsfamilie erzählen kann, die ich selber gerade von einer anderen Warte aus kennen lerne. Ich kann nur sagen: das ist hoch interessant! Wenn Ihr Zeit erübrigen könnt, dann fangt an, ebenfalls in den Bildern der Vergangenheit zu stöbern. Man beginnt unwillkürlich intensiver zu forschen. Und Vieles, von dem man nichts wusste oder ahnte, kommt dadurch erst zum Vorschein.

Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken wünscht Euch

Euer Pünktchen.

Kommentare:

  1. Gleiches hab ich Anfang dezember auch gemacht, eigentlich sollte daraus etwas für Weihnachten werden, aber das habe ich nicht geschafft. So wird es ein Projekt fürs kommende Jahr.
    Meine Eltern haben zu Hause eine Metallkiste voller alter Fotos aus der Familie meines Vaters, als er ein Kind und Jugendlicher war. Schon als ich noch klein war saß ich gerne mit ihm vor der Kiste und habe mir die Geschichten zu den Bildern angehört - vom Krieg, den Entbehrungen, der Ausbildungen, den Wanderjahren. Leider gibt es von Seite meienr Mutter nicht so viele Fotografien. Für mich sind das wichtige Zeitzeugen, die mir meine Eltern, aber auch meine Großeltern ganz anders zeigen, als ich sie kannte und kenne - jung und vital, voller Unternehmungslust und Träumen.
    Hoffentlich findet mein Nachwuchs das später auch mal spannend.

    Herzlich, Katja

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  2. Liebe Pünktchen,
    du kannst sicher sein, dass deine Kinder diese Arbeit, die du jetzt machst, später einmal sehr schätzen werden, vor allem, wenn du ihnen die Geschichten dazu aufschreibst. Ich habe das Glück, dass mein Vater (dessen Vater schon damals viel fotografiert hat) 1. alle alten Fotografien aus seiner Familie und der meiner Mutter sorgfältig in Alben archiviert hat und 2. selbst nicht nur viel, sondern auch gut knipst, sodass meine Schwester und ich Mengen von Fotos aus unserer Kinder- und Jugendzeit haben. Ich finde es sehr schön, etwas von der eigenen Familiengeschichte zu erfahren - es gibt einem ein Bewusstsein von Verwurzelung und Heimat.
    Liebe Grüße und alles Gute für's Neue Jahr!
    Brigitte

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