12 Dezember 2012

XI It's tea-time, oder ein letzter Gruß aus Istanbul


Wer schon einmal in der Türkei war, der wird unausweichlich die Bekanntschaft mit schwarzem Tee gemacht haben, welcher hier zu jeder Tages und Nachtzeit konsumiert wird. Wildfremde Menschen bieten einem den Tee auf den Straßen an. Gerne wird er auch als „Lockmittel“ in Basaren kredenzt.

Serviert wird er in kleinen Gläschen, an denen sich noch ungeübte die Fingerkuppen verbrennen. Gehalten wird ein solches Gläschen am oberen Rand. Die Vorlieben sind sehr unterschiedlich: Hartgesottene trinken ihn sehr dunkel – mit einem entsprechend bitteren Geschmack. Eher zurückhaltende Teetrinker bevorzugen ihn sehr hell und leicht. Die meisten nehmen den Tee mit einem Stück Würfelzucker ein.

Ich persönlich hab’s nicht so sehr mit dem schwarzen Tee, was ich aber dafür um so mehr schätze, ist die Geselligkeit, in der er genossen wird. Nicht selten kommen dabei 15 Menschen zusammen, die die Probleme des Alltags miteinander bereden, oder ganz einfach nur eine angeregte Unterhaltung miteinander führen. Das ist beeindruckend schön.

Überhaupt gibt es einige Dinge in der Türkei, an denen man nicht vorbei kommt: neben dem Tee sind das Abbildungen von Mustafa Kemal, dem Begründer der modernen Türkei. Er war nach dem ersten Weltkrieg der erste Präsident der Republik Türkei, welches aus dem Osmanischen Reich hervorgegangen ist. Er war derjenige, der die Modernisierung der Türkei nach westlichem Vorbild beharrlich vorantrieb. In der Hauptsache darauf beruht die personenkultartige Verehrung, die ihm ohne Einschränkung bis heute entgegengebracht wird. 1934 verlieh ihm das türkische Parlament den Nachnamen „Atatürk“, was nichts anderes heißt als „der Vater aller Türken“. Jedes noch so kleine Kind in der Türkei kennt Atatürk und weiß um seine Geschichte.

Die türkische Flagge ist blutrot. Auf diesem Grund ist ein Halbmond, sowie demgegenüber ein weißer Stern angebracht. Die rote Farbe soll dabei an die Soldaten erinnern, die für das Land das Leben lassen mussten. Die türkische Flagge kann man überall in der Türkei sehen. Straßen, Schiffe, Schulen, Universitäten sind stets mit ihr geschmückt. Auch in vollkommen unerwarteten Bereichen, wie z.B. menschenleeren Gegenden, mitten im Gebirge, taucht sie immer wieder auf.  Sollte man also mal vergessen, wo man gerade ist… hier fällt es einem garantiert wieder ein.

Eines der herausragenden Eigenschaften von Türken  ist ohne Zweifel neben der viel gelobten Gastfreundschaft und der außergewöhnlich großen Liebe zu Kindern, der Zusammenhalt. Sowohl in der kleinsten Zelle „Familie“, als auch in der größten Gemeinschaft: der Zusammenhalt der Türken ist beispiellos.

Es ist auffallend, dass hier ganze Straßenzüge von verschiedenen Familienmitgliedern bewohnt werden. Manchmal bewohnen sogar verschiedene Familienmitglieder zahlreiche Etagenwohnungen eines Hochhauses.
Man versucht, soweit es möglich ist, in großem Familienverband zu leben.

Alte Menschen werden in den Familienalltag integriert, so gut es geht. Ist Jemand aufgrund seines Alters und seiner Gebrechlichkeit nicht mehr allzu sehr einsatzfähig, so wird man ihn mit kleinsten Aufgaben betrauen, zu denen er sich noch in der Lage sieht. Und wenn es nur noch dazu reicht, die Suppe für den Mittagstisch zu rühren. Alten Menschen gebührt hierzulande sehr viel Respekt. Ein bereits gelebtes Leben mit vielen Erfahrungen macht sie wertvoll. Man hört ihnen gerne zu und verrichtet nur allzu gerne vielerlei „Liebesdienste“ für sie.

Was mir immer wieder auffällt ist, dass eine Vielzahl der hier lebenden Familien, nichts unversucht läßt, um ihren Kindern die bestmögliche Schulbildung angedeihen zu lassen. In vielen Fällen geht das mit großem Verzicht einher. Die meisten Schulen sind weit vom eigenen Viertel gelegen, und allein der monatliche Betrag für den Bus, bringt viele Familien an den Rand des finanziell Tragbaren.

Ein nahezu ungeschriebenes Gesetz ist, dass man direkt nach der Heirat, zu einer Eigentumswohnung kommt, um die Belastung von Miete loszuwerden. Viele sparen für eine Zweitwohnung, um durch deren Mieteinnahmen, den Lebensstandard zu verbessern, oder aber in die Zukunft, bzw. die Bildung der Kinder zu investieren.

Manch’ einer, der ein gutes Einkommen hat, bringt es mitunter zu einem „Yazlık“, einem Ferienhaus, welches man fernab des Großstadtgetummels am Meer oder ländlichen Bereichen nutzt, um sich von seinen Alltagssorgen zu erholen, tief Luft zu holen. Dabei darf man allerdings nicht vergessen, dass die Bausubstanz hiesiger Häuser mitunter weit davon entfernt ist, was man aus Deutschland kennt.

Liebe Freunde,

dies ist nun mein letzter Gruß aus Istanbul. Morgen Vormittag wollen wir nun endlich aufbrechen Richtung Schwarzes Meer. Ich freue mich darauf, habe eine gigantisch große Sehnsucht nach Grün und Blau.

Wie immer weiß ich nicht, ab wann ich wieder meine Reiseberichte verschicken kann… Mal sehen! Wir haben nun beinahe „Halbzeit“, was unseren XXL-Urlaub anbelangt.

Ich wünsche Euch allen eine schöne Zeit… und feiert schön heute Nacht!

Euer Pünktchen.





Kommentare:

  1. Hat es denn jetzt mit deinen Papieren geklappt? Oder habe ich etwas überlesen?
    Ich mag den türkischen Tee sehr gerne. Ich habe auch so kleine Gläschen. Doch am besten schmeckt er mir in der Türkei oder "beim Türken";-)
    Liebe Grüße
    Roswitha

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  2. Gemach, gemach! So schnell mahlen die Mühlen der Bürokratie nicht...

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