11 Dezember 2012

X Wenn man Jemanden kennt, der Jemanden kennt...

…, dann ist man in der Türkei auf der „sicheren Seite“.

Egal um welches Problem es sich in welcher Lebenslage handelt, es ist immer gut, diesen Jemand zu kennen. Das eröffnet einem meist Wege, die einem sonst verschlossen blieben. Ohne „Vitamin B“ im Alltag mahlen die hiesigen Mühlen unter Umständen äußerst mühsam, wenn überhaupt.

Unterscheiden sollte man aber diesen Jemand vom Gros der Menschheit darin, dass man ihn wirklich gut kennen sollte; d.h. eben lange und nicht eben gerade erst seit kurzem. Sonst befindet man sich eher in der Gesellschaft der Freunde von irgendwelchen Teppichverkäufern, die einem zum eigenen Nutzen zu einem vermeintlich „guten Preis“ einen Teppich oder sonst was andrehen wollen.

Ist man aber bekannt mit einem langjährigen Jemand, wohlmöglich auch noch aus derselben Geburtstadt, dann kommt man in den Genuß vieler Privilegien – dabei spielt es kaum eine Rolle, worum es sich hierbei handelt.

Heute stellte mich beispielsweise ein guter alter Bekannter in einem Geschäft dem Inhaber kurz als seine Bekannte vor, was mit einem freudestrahlenden Lächeln, sowie kurzem Kopfnicken, und unaufdringlichen Fragen nach meinem Befinden einherging.

Was nach Außen hin wie eine oberflächliche Begegnung dreier Menschen wirkt, birgt jedoch etwas ganz anderes in sich: Zwischen den Zeilen wird eine Art „Abkommen“ geschlossen. Dieses besagte, dass ich auf gar keinen Fall beim Kaufpreis über den Tisch gezogen werden durfte. In solchen Fällen ein absolutes Tabu unter Freunden.

Da ich im Sommer durch meine tiefbraune Haut auffalle, bin ich hier leicht als Touristin zu enttarnen. In diesem Fall konnte ich aber sicher davon ausgehen, dass mir eben dieser Umstand finanziell nicht zum Verhängnis würde. Denn Jemand hatte unter Ansehen seiner Würde dafür „gebürgt“, dass ich der Jemand bin, der Jemanden, eben ihn, kennt.

Dieses ist nur ein winzig kleines Beispiel aus dem hiesigen Alltag. Solche Beziehungen spielen aber ebenso eine tragende Rolle bei größeren Geschäftsabschlüssen. Das läuft ganz ähnlich nach diesem Schema ab. Was im Kleinen gilt, hat seine Gültigkeit auch im Großen. Das wiederum setzt voraus, dass der jenige, für den gebürgt wird, sich absolut korrekt und anständig verhält. Sollte er sich, wie auch immer nicht angemessen benehmen, hat der andere einen guten Ruf zu verlieren. Hier hat das große Aussagekraft und Gültigkeit.

Im Übrigen war ich für fünf Tage auf der asiatischen Seite von Istanbul. Ich habe mir, wie in etlichen Jahren zuvor, viele der baulichen Sehenswürdigkeiten angesehen. Hier in Istanbul schlägt der wirtschaftliche und kulturelle Puls des Landes. Das ist deutlich zu spüren. Auch treffen hier Tradition und Moderne in den unterschiedlichsten Facetten aufeinander. Mir ist das an manchen Tagen zu viel. Ich mag es zwischendurch auch gerne deutlich ruhiger, was in dem dauernd pulsierenden Istanbul beinahe unmöglich ist.

In Kadıköy habe ich den "Salı Pazarı“ (Dienstagsmarkt) besucht, und in Eminönü den „Mısır Pazarı“ (den Mais-Markt). Ich bin ausnahmsweise mal ohne meine Süßen eingetaucht in farbenprächtige Märkte und Basare, auf denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Viele viele Juweliere gibt es, die mittlerweile auch durch dezente Zurückhaltung glänzen. Früher wurde man sie nach einem Blick in die Auslagen nicht mehr los. Das scheint heute gravierend anders geworden zu sein.

Kleidung, Gewürze, Spezialitäten, deren Namen ich z.T. noch nicht einmal kenne, Tonwaren, Stoffe über Stoffe, Souvenirs, Teppiche, Wolle, Handtaschen,  nichts, was es nicht gibt… Am Abend findet man sich unversehens in trendigen Szeneclubs und eleganten Restaurants wieder, die denen westlicher Metropolen in rein gar nichts nachstehen.

Fast alle Verkäufer sprechen ein solides Englisch, Deutsch, was auch immer. Wer nicht gerne handelt, sollte es mal rein versuchsweise probieren. Das kann sehr sehr viel Spaß machen. Und auch wenn man meint, einen absolut traumhaften Preis für sich heraus geholt zu haben, ein satter Gewinn ist dem Verkäufer in jedem Falle garantiert. Davon kann man getrost ausgehen. Wer sich einen Basarbesuch in Istanbul gönnen will, und dazu kann ich nur raten, der sollte sein Geld unbedingt unauffällig und verdeckt am Körper tragen. Man hört leider immer wieder von Taschendieben – und die sollen hier verdammt gut zu Werke gehen…

Nachdem ich ausgiebig über die Basare geschlendert bin, habe ich nach einem Ruhe- und Erholungstag (das bloße Gucken oder Einkaufen in diesem Gedränge kann sehr interessant, zugleich auch ermüdend sein) mit den Jungs einen Schiffsausflug zu den Prinzen-Inseln gemacht, wo wir an einem Strandabschnitt neben vielen anderen im angenehm warmem Wasser gebadet haben. Hier werden sie „Adalar“ gleich „Inseln“  genannt.

Diese Inseln liegen im Marmarameer und sind ein beliebtes Ausflugsziel im Sommer. Von Eminönü aus kann man mit der Fähre für wenig Geld die einzelnen Inseln anfahren, die da heißen: Kınalı Ada, Burgaz Adası, Heybeli Ada und Büyük Ada. Auf den Inseln gibt es keine Autos. Man ist zu Fuß unterwegs.

Inzwischen habe ich einige Fahrten mit dem Taxi hinter mir: gerade nach Basarbesuchen sehr willkommen, wenn man einiges an „Beute“ wegschaffen möchte. In meinem Falle bin ich den spottbilligen aber qualitativ hochwertigen Stoffen erlegen. Mein Faible gilt ausschließlich  Naturfasern: reine Baumwolle, Leinen oder eine Mischung aus  beiden Fasern. Das Minimum was ich in Deutschland pro Meter bezahlt hätte, wäre um die 7,- Euro gewesen. Hier habe ich mindestens zwei Meter und manchmal auch mehr für umgerechnet 1,50 Euro erworben. Tolle Stoffe! Traumhafter Preis! Überschwängliches Gefühl! Mit Wolle war ich weitaus weniger erfolgreich. Denn auch da ziehe ich edle Naturfaser irgendwelchen synthetischen Beimischungen vor. Aber was noch nicht ist, das kann ja noch werden. Schließlich liegen noch etliche Stationen vor uns. Vielleicht bin ich damit eher in ländlichen Regionen erfolgreich. Mal sehen…

Was Taxifahrten anbelangt, habe ich Erfahrungen sammeln können. Wenn ein Taxifahrer mitbekommt, dass man nicht „von hier“ ist, dann hat man gute Chancen über’s Ohr gehauen zu werden. Auch mir ist das  einmal passiert. Da ich aber seit langem einen kenne, der selber Taxi fährt, und er mich seinen Freunden vorgestellt hat, haben die mich ab dem Zeitpunkt zum Vorzugspreis durch Istanbul kutschiert und mir dabei einige der üblen Tricks verraten, die gerne bei Touristen ihre Anwendung finden. Wie auch immer sie das anstellen (ich meine, durch eine bestimmte Art Gas zu geben), können sie während der Fahrt von dem günstigeren Tag-Tarif in den teureren Nacht-Tarif wechseln. Das fällt dem im Regelfall interessiert aus dem Fenster schauenden Touristen nicht im Geringsten auf. Das einzige, womit man den Taxifahrer enttarnen kann ist, statt in die Ferne zu blicken, stur auf das Taxameter zu starren, auf dem der Wechsel in Worten angezeigt wird.

Da man nicht alle Taxifahrer in Istanbul kennen kann, ist es zudem sehr nützlich, sich vor Fahrtantritt nach dem groben Preis zu erkundigen. Alles im Umkreis von ca. 15 Kilometern ist bei maximal 25 YTL anzusiedeln. Ist man außerhalb der Stadt unterwegs, wird’s richtig teuer. Aber wie gesagt: Taxifahrten sollte man sich nur gönnen, wenn man mit sehr kleinen Kindern unterwegs ist, und/oder reichlich Gepäck dabei hat. Ansonsten sollte man auf die deutlich günstigere Alternative „Dolmuş“ (Dollmusch) = Kleinbusse oder aber den Schiffsverkehr umsteigen.

Sollte man nur eine kurze Strecke mit dem Taxi bewerkstelligen wollen, da man evtl. seine Einkäufe oder aber fußlahme Kinder in's Hotel schaffen möchte, so kann es durchaus passieren, dass der Fahrer dem nicht nachkommen will. In diesem Falle hat der Taxifahrer dem Wunsch des Fahrgastes aufgrund der Bestimmungen, denen er unterliegt zu entsprechen. Ziert er sich weiterhin, ist es ratsam ihm für die kurze Strecke statt der 3 YTL von vornherein 5 YTL anzubieten. Man wird dann gerne auch wenige Hundert Meter gefahren.

Tja, meine Lieben,

das war’s für heute. Für Mittwoch Abend wünsche ich uns allen ein spannendes, vor allen Dingen aber, faires Fußballspiel ohne bitteren Beigeschmack. Toi, toi, toi! Die bessere Mannschaft möge gewinnen.

Herzlichst,

Euer Pünktchen.





Kommentare:

  1. Da kann ich mich noch erinnern an Dolmusch-Fahrten entlang der Küste, umzu einem halbwegs sauberen Strand zu kommen. Mein Adrenalinspiegel war astronomisch, wenn der Fahrer halsbrechereische Ausweichmanöver machte, um in den Gegenverkehr hinein überholenden LKS auszuweichen oder wahlweise selber genauso zu überholen. Ich bin heute noch dankbar, dass ich diese Fahrten überlebt habe, eingequetscht zwischen mindestens 2x so viel schwitzenden Menschen, wie der Dolmusch Sitze hatte. Nein, das fällt für mich nicht unter positive Urlaubsabenteuer. Ich glaube, in der Türkei geht man ebsser zu Fuss. ;-)

    Lieber Gruß,
    Katja

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  2. Danke für die letzten Berichte. Sehr interessant und aufschluss-reich;-)

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  3. Gerade heute musste ich an dich denken. Ich habe im Radio einen Bericht über einen Sänger gehört (Ibrahim irgendwas... er hat Tangos gesungen) und es wurde von ihm und seinem Vater berichtet, der in Ankara Horn gespielt hat im Staatsorchester. Sofort war da irgendwie eine Verbindung zu dir... lustig, welche Gedanken das Bloggen so mit sich bringen kann ... alles Liebe. Und danke für deine schöne Reise in die Türkei (zumindest virtuell).
    maria

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