09 Dezember 2012

VIII Wir stecken fest


Nach all dem Streß gab's einen Ausflug mit den Jungs und meinen Cousinen zu den
 Prinzeninseln  - Adalar

 
Ihr Lieben,

wir sind nun seit 14 Tagen in Istanbul, und meine selbst verschuldete Paßgeschichte ist in dieser Zeit nicht ein bisschen aus der Welt geschafft. Es ist zum K…..!

Mein Mann hatte glücklicherweise meinen alten Paß zu Hause gefunden und per Einschreiben hierher geschickt. In meinem alten abgelaufenen Paß befindet sich genau der Aufkleber, der in meinem neuen fehlt: mein noch immer gültiger Aufenthaltsstaus für Deutschland. Also haben wir uns sehr gefreut, und haben uns mit den Kindern im Taxi zur deutschen Botschaft in Istanbul aufgemacht. Übrigens sind wir für den Hinweg umgerechnet 15,-Euro und für den Rückweg 10,- Euro losgeworden. Hmmm hmmm hmmh…

Als ich im Taxi die Kinder anschnallen wollte und dementsprechend hinten herumfummelte, um die Gurte aus der Rückbank hervorzuholen, wiegelte der Taxifahrer ab. Er würde vorsichtig fahren… Also, ich sagte ja bereits… Im Falle eines Falles geht das sehr sehr böse aus. Ich habe dann unauffällig weiter gefummelt, bis die Kinder angeschnallt waren.

In der Botschaft angekommen wurden wir erstmal an eine falsche Anlaufstelle geschickt. Der Irrtum wurde schnell geklärt, und wir kamen an der für uns vermeintlich „richtigen“ Pforte an: Kein Einlaß ohne Termin! Da half auch alles Bitten nichts. Auch nicht, dass wir eine ganz eindeutige Situation vorweisen konnten. Stur wurden wir an die Bank „İş Bankası“ verwiesen, wo man bevor man einen Termin bekommen könne, 10,- Euro zu entrichten hätte.

An der Pforte meinte noch ein Türke, der offensichtlich dort den Einlaß regelt und evtl. noch sonst wie dort beschäftigt ist, dass ich mit meinen beiden Pässen, dem gültigen ohne Aufenthaltsstatus und dem abgelaufenen mit gültigem Aufenthaltsstatus, durchaus nach Deutschland einreisen könne. Aber garantieren kann mir das keiner. Und ich kann es nicht darauf ankommen lassen, schließlich reise ich mit unseren Jungs. Sie wären im Falle eines Falles schwer gebeutelt, wenn ich dann doch nicht einreisen dürfte.

Also sind wir mit den Jungs zur oben genannten Bank gelaufen, und ich habe nicht 10,- Euro sondern, ca. 12,- Euro bezahlen dürfen… (Bisher sind wir also 37,- Euro losgeworden, ohne auch nur einen Fips erledigt zu haben). Im Gegenzug dazu habe ich ein Blatt Papier erhalten auf dem u.a. ein Zahlencode und eine Telefonnummer vermerkt waren. Der Mann hinter dem Schalter der Bank unterstrich beide und meinte, ich dürfe aber erst am nächsten Werktag dort anrufen, und der Zahlencode wäre nur einmalig gültig. Auch schön, nicht wahr?! Toller Kundenservice: hast Du mit einem Telefonat nicht klären können, was zu regeln ist, so darfst Du gewiß noch mal zur Bank gehen…

Primus war begeistert von der Straßenbahn, welche uns in gemächlichem Tempo überholte. Secundus mussten Papa und ich abwechselnd auf den Schultern tragen.

Gestern also war der Tag, an dem ich für einen Termin anrufen durfte. Das habe ich natürlich getan: ellenlange Ansage vom Band, auf Türkisch, für mich, die ich ein gutes Türkisch spreche, kaum zu verstehen. Daraufhin hat mein Vater sich das Ganze noch annähernd drei mal angehört und war ebenso „erleuchtet“ wie ich – nämlich gar nicht! Ich meine, gehört zu haben, dass man bei diesem oder jenem Problem eine bestimmte Zahlentaste am Telefon drücken sollte, um weitergeleitet zu werden. Aber sicher war ich mir nicht. Blöderweise hatte unser Telefon keine Tonwahltasten. Also bin ich noch mal los, um mein Glück von einem öffentlichen Kartentelefon aus zu suchen. Tonwahltasten waren gegeben, aber dieses mal verstand ich aufgrund des irrsinnigen Kraches auf den Straßen nicht ein Wort. Ehrlich, es war und ist zum Verzweifeln! Ich war soooo wütend! In erster Linie auf mich, auf die Bürokratie, auf  alles und jeden…

Nachdem ich mich halbwegs wieder gefangen hatte, habe ich dieses Mal im Internet die Webseite der Botschaft durchforstet. Ich habe über das Kontaktformular mein Problem zusammenfassend dargelegt, harre nun der Dinge und warte…

Wir wollten längst weiter gefahren sein, aber so stecken wir nun fest. Festgezurrt und ohne weitere Chance, unsere Sache zu erledigen. Kaum zu glauben, aber wahr!

Wer wie ich seit vielen Jahren mit einem alleinig türkischen Paß in Deutschland lebt, der weiß viele viele ganz ähnliche Geschichten zu erzählen. Losgelöst von meiner jetzigen Geschichte, werden gerne von dem einen Land irgendwelche Papiere für irgendwas verlangt, wofür sich das andere Land noch nicht einmal zuständig fühlt. Man wird regelrecht zwischen der Bürokratie beider Länder zermalmt.  Und mal ganz abgesehen davon wird man in der Regel am Ende viel, sehr viel Geld los und hat mit Sicherheit alle Nerven blank liegen. Das ist auch der Grund, weswegen ich auf keinen Fall wollte, dass unsere Söhne beide Staatsbürgerschaften haben. Denn dann hätten sie sich an ihrem 18 Geburtstag entscheiden müssen, welcher Nation sie weiterhin alleinig angehören möchten. Und spätestens dann wäre der Streß losgegangen bzgl. Militärdienst ableisten oder auch nicht. Und egal wie sie sich entscheiden würden, kämen sie nicht ohne einige Tausend Euro aus der Sache raus. Das muß man nicht haben! Wirklich nicht!

Jetzt ist Wochenende, und ich hoffe und bete, dass irgendein Mensch in der Botschaft Kenntnis von meinem Gesuch erlangt hat und in Kürze in irgendeiner Form reagiert.

In der Zwischenzeit widmen wir uns verstärkt den Jungs. Unser täglicher Besuch auf umliegenden Spielplätzen ist um das Eisessen in den Abendstunden erweitert worden. Abends ist es nicht allzu heiß und so unerträglich laut, und so schlendern wir entspannt gemeinsam durch die Stadt.

Euch allen wünsche ich ein gutes Wochenende – und drückt mir mal die Daumen, dass ich aus diesem eigentlich recht einfach zu lösenden Problem wieder heraus komme.

Herzlichst – Euer Pünktchen.







1 Kommentar:

  1. jaja, ich hatte mal ein abgelaufenes Visum, da war ich noch sehr jung und mit meinen beiden Ältesten Kindern fünf Monate in der Türkei unterwegs. Mit dem normalen 3-Monats- Touristenvisum:). Ich habe bei der Ausreise damals 10 D Mark in meinen Pass gelegt. Der Beamte hat nicht mit der Wimper gezuckt, das Geld hesausgenommen und uns freundlich durchgewunken. Von Freunden weiss ich, dass man auch heute noch mit Bacsis, oder Baksis, oder Bachsis...fast alles und ohne fast nichts geht.
    Liebe Grüße, bin gespannt wie es weiter ging
    Lisa

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