19 November 2012

I U wie Urlaub oder Unheil naht


Hallo Ihr Lieben,

Sonntag Abend sind wir mit den Jungs bei McDo in der Nähe des Flughafens: sie erkunden eine Röhrenrutsche und haben ihren Spaß mit einigen anderen Kindern. Etwas später begeben wir uns in unser Hotel, und mein Mann fährt mit Primus zum Flughafen, um vorab einzuchecken. Secundus und ich bleiben im Zimmer. Irgendwann klingelt mein Handy, und das Unheil nimmt seinen Lauf. Ich höre nur, wie mein Mann sagt: "Mit Deinen Papieren stimmt etwas nicht!"

Erst halte ich das für einen Scherz, aber wenige Sekunden später telefoniere ich bereits mit einem Polizisten. "So können wir Sie leider nicht fliegen lassen! Ihr Aufenthaltsstatus ist in ihrem Paß nicht vermerkt!" Ich bin äußerst geschockt. Vor einigen Jahren habe ich einen neuen Paß bekommen.  Leider aber hätte ich direkt im Anschluß daran zum Ausländeramt gemußt, um meinen Aufenthaltsstatus darin vermerken zu lassen. Mein Vater hat mich damals mehrfach darauf hingewiesen, nur ist mir das völlig entfallen. Ich war gerade überglücklich mit Primus schwanger und taumelte vor Freude durch das Leben. Ich habe schlicht und ergreifend vergessen, was ein Ausländer auf garkeinen Fall vergessen darf. Zudem hatte ich bislang nur ein einziges mal in 35 Jahren etwas mit der Ausländerbehörde zu tun, und ganz offensichtlich fühle ich mich so wenig als Ausländer, daß ich auch dieses dafür zuständige Amt komplett aus meinem Bewußtsein gestrichen habe. Sollte mir dieser Umstand nun das Genick brechen?

Nach einigen weiteren Telefonaten und verzweifelten Erklärungsversuchen, sowie der Suche nach irgendeinem Ausweg, höre ich den Beamten sagen: "Ein Strafverfahren ist Ihnen sicher!" Ich bin so ziemlich am Ende mit meinen Nerven. Das ist unser erster gemeinsamer Familienurlaub. Papa ist bereits in der Türkei mit seinem Bus von der Schwarzmeerküste unterwegs zu unserem Urlaubsdomizil, was am anderen Ende der Türkei gelegen ist. 1400 km hat er da zu bewältigen. Es würde ihm das Herz brechen, wenn wir nicht zusammen kommen könnten. Mir stockt der Atem, während Secundus gegen 23.00 Uhr endlich in meinen Armen einschläft. Ich fühle mich wie ein Schwerverbrecher, habe das Gefühl "Illegal" zu sein. Während ich auf den Rückruf meines Mannes warte, denke ich das erste Mal in meinem Leben darüber nach, wie sich wohl Menschen fühlen, die um ihren Aufenthaltsstatus bangen müssen, wo nicht nur ein Urlaub dran hängt. Ich fühle mich elend, klein und hilflos. Das Ende diverser weiterer Gespräche ergibt, daß man erst am kommenden morgen (also in wenigen Stunden nach Absprache mit den Kollegen der Morgenschicht sagen kann, ob wir fliegen können oder nicht). Überflüssig zu sagen, wie fertig ich mit den Nerven bin. In dieser Nacht mache ich bis um 3.00 Uhr kein Auge zu, und dann müssen wir eh aufstehen, um zum Flughafen zu fahren. Die Kinder sind außergewöhnlich gut gelaunt und recht munter: ich hätte es anders erwartet.

Am Flughafen selbst muß ich etliche Formulare unterschreiben. Hierbei gerate ich an einen freundlicheren Beamten, der das mit der angekündigten Strafanzeige „korrigiert“. Irgendwann werde ich wohl Post mit einem Bußgeld erhalten. Na, damit kann ich leben. Ich atme etwas auf. Das Ausreisen ist jetzt erst mal kein Problem, da man in irgendeiner Datenbank meinen Ausländeraufenthaltsstatus hat inzwischen unter meinem Mädchennamen ausmachen können. Aber, teilt man mir mit, daß ich in der Türkei dringend zu einer Botschaft muß, um meinen Status von dort aus eintragen zu lassen. Denn sonst würde mir die Einreise nach Deutschland verwehrt. Daß ich mich in der Türkei um solch unliebsame Behördendinge kümmern muß, ist mir zwar nicht recht, aber immerhin tausend mal besser, als daß ich nicht mitfliegen kann.

Endlich sitzen wir im Flieger, und ich bin fix und alle nach dieser schlaflosen Nacht mit dementsprechender Anspannung.

Der Flug ist mehr als angenehm: strahlend blauer Himmel mit tollen Wolkenformationen, die Secundus für Schnee hält… Dafür Primus, der mich fragt, wann wir denn nun weiterfliegen… und das nachdem wir die Hälfte der Strecke bereits hinter uns gelassen haben. Keinerlei Turbulenzen also. Fast habe ich selber vergessen, dass ich in einem Flugzeug sitze. Ob mir da ein kleiner Engel zur Seite gestanden hat?! Auch die Landung ist kaum zu bemerken. Primus klatscht und ruft: „Nochmal!“

Nun sind wir also in Dalaman gelandet - ein großer neuer Flughafen nimmt uns in Empfang. Auf dem Flug haben nahezu alle im Flieger befindlichen Kinder geweint. Unsere waren bis zuletzt absolut fit und haben uns lediglich in der letzten Flugstunde gefordert. Dafür dann aber richtig! Die beinahe 2-Stunden-Fahrt im modernen Bus zu unserem Domizil waren sie wieder sehr friedlich. Dennoch war ich erstaunt, daß sie trotzdem sie ab 3.00 Uhr in der Früh mit uns unterwegs waren, so quietschlebendig waren und sehr wenig gequengelt haben. Gegen Mittag erreichen wir unser Hotel.


Gerade als wir die letzten Meter mit dem Bus zum Hotel fahren, sehe ich Papa, der uns draußen bereits lachend erwartet. Ich fliege in seine Arme und vergieße reichlich Freudentränen. Er ist der weltallerbeste Papa, Schwiegervater und Opa noch obendrauf. Alle liegen wir uns in den Armen und sind nur noch selig. Wir beziehen unsere Räumlichkeiten, essen zu Mittag und besuchen mit allen gemeinsam die wunderbare Bucht, die direkt vor unseren Füßen liegt. Ein traumhaftes Panorama lädt zum ersten Bad im Meer ein. Da die Kinder aber mit einer Erkältung eingereist sind, verschieben wir das auf die nächsten Tage und belassen es lediglich dabei, durch's Wasser zu waten.

Wir sind zufrieden mit unserer Unterkunft; ein 63-Betten-Domizil, von uns ganz gezielt ohne Kinderanimation ausgewählt. Wir bewohnen eine großzügige Suite, mit seitlichem Blick auf's Meer.


Mittags ziehen wir uns nur kurz zurück. Die Abendstunden verbringen wir erneut gemeinsam.

Wir sind total froh, daß wir genau zu dieser für uns absolut richtigen Reisezeit hier eingetroffen sind. Es sind nur sehr wenige Touristen da, so daß sehr viel Ruhe zum Genießen da ist. In wenigen Wochen schon wird hier die Hölle los sein. Die Temperaturen sind absolut angenehm. Für mich müßte es überhaupt nicht wärmer sein. Ich habe seit 28 Stunden nicht geschlafen und werde nun nach meinem Erstbericht in die Kissen sacken. Große Freude macht sich in mir breit auf das, was noch vor uns liegt.

Ja, meine Lieben: das war der erste Tag! Inzwischen liegt der zweite Tag fast hinter uns. Wir fühlen uns wirklich sehr wohl hier. Das war gewiß nicht unser letzter Besuch in dieser Region. Sollte uns irgendwann langweilig werden, möchten wir uns vor Ort einige interessante Hotels anschauen. Da bekommt man ja nun einen weitaus besseren Eindruck, als lediglich beim Durchblättern irgendwelcher Kataloge von Reiseveranstaltern.


Wie gesagt: die Umgebung ist ein Traum! Das Wasser kristallklar! Heute habe ich inmitten von unzähligen kleinen Fischschwärmen gebadet. Und das Salzwasser des Mittelmeeres hat gut dafür gesorgt, dass ich mich gefühlt habe wie eine Feder…

Bald machen wir eine Tages-Bootstour. Der Reiseveranstalter versuchte uns ebenfalls dafür zu gewinnen: für 120;- Euro. Nun nehmen wir an einer teil für 30,-Euro, inklusive Mittag- und Abendessen und noch einigen anderen Extras. Hat auch seine Vorzüge, wenn man sich einwenig „auskennt“, und weiß, wo man besser  das Geld hinfließen lässt.

Uns geht’s auf jeden Fall sehr sehr gut, die Jungs haben ihren Spaß, wir mit ihnen sowieso. Heute am Strand hat Primus mit zwei englischen und weiteren türkischen Kindern gespielt. Alle unterhielten sich in ihrer Sprache, die „Kommunikation“ klappte hervorragend. Was kann man sich mehr wünschen?!

Ich melde mich wieder… und freue mich über die eine oder andere Zeile aus Deutschland.

Ganz herzliche Grüße – Euer Pünktchen, in bester „Männergesellschaft“


Kommentare:

  1. Jetzt war ich gerade verwirrt am Postanfang. Dann wurde mir klar, dass es der Anfang von Deinem Reisebericht ist.
    Da hattest Du ja wirklich Glück, dass Du nicht zu Hause bleiben musstest. Ja, es gibt Sachen, die vergisst oder verdrängt man. Gerade in der Schwangerschaft und Stillzeit oder je älter man wird;-)
    Ich glaube, bei unserem nächsten Türkeiurlaub darfst Du mir euer Hotel verraten. Das hört sich sehr gut an.

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    1. Das kann ich machen, aber ich bin da eher zurückhaltend mit Empfehlungen jeglicher Art. Was ich toll finde, können andere gähnend langweilig oder ziemlich öde finden.

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    2. Ja, da hast Du recht, das sehe ich ähnlich. Trotzdem sind Empfehlungen gut, wenn man Gemeinsamkeiten hat. Ich prüfe sie dann noch mal auf meine/unsere Bedürfnisse.

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  2. Was für eine Aufregung! Ein Gutes hat es aber: da kann alles andere nur noch besser werden. :-)
    Was für ein traumhafter Ausblick auf die Küste...

    Herzlich, Katja

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    1. Haha... im Gegensatz zu Dir weiß ich wie die Geschichte weiter geht...

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  3. Diese Ausländerbehörden... als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin (in der Zwischenzeit bin ich wieder in Ö) habe ich 2 Wochen nach Hauptwohnsitzmeldung einen Brief von der Behörde bekommen, dass ich mich UMGEHEND zu melden habe, ansonsten bla bla... da hab ich auch die Schweißperlen auf der Stirn gehabt. Wie muss es erst Dir ergangen sein, wenn ein Urlaub und ein Treffen mit dem Papa auf dem Spiel steht?! Wie schön, dass sich alles gefügt hat!
    Es macht große Freude hier zu lesen, und ich werde sicher weiter "mitreisen". :-) Alles Liebe, Martina :-)

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    1. Ja, Bürokratie kommt manchmal einer Folter gleich. Und wenn man als Türke in Deutschland lebt, ist es "ganz besonders schön"...;-).

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  4. Ich freu mich grade dein Blog gefunden zu haben :)
    Wirklich schön!

    Lieben Gruß
    Sarah

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