22 November 2012

IV Der Himmel hängt voller Geigen


Ihr Lieben,

alle die sich sorgen, dass ich in dieser wunderbaren Zeit zu viel davon vor dem Rechner verbringe kann ich beruhigen: ich kann nicht nur schnell sprechen, sondern ebenso schnell schreiben. Oftmals sind es gerade mal 15-20 Minuten, die ich investiere, um den einen oder anderen von Euch für dieses so wunderschöne und vielfältige Land mit seinen bewegenden Menschen zu begeistern. Das ist mir die Sache wert.


Heute stand unsere Bootstour auf dem Plan. Direkt nach dem Frühstück ging es die wenigen Schritte zum Hafen, wo wir bereits neben einigen anderen erwartet wurden. Die Jungs hatten ihre eigenen Rettungswesten an, als wir frisch, fröhlich und frei an Bord gingen. Mit einem Kutter, quasi der Zubringer, wurden wir zum eigentlichen Boot gebracht. Dort waren wir einige Leute mehr. Bald schon ging’s los in Richtung Turunç, Kumlubük, Çiftlik, Gebekilise und zurück.


Wundervolle buchten wurden angefahren, traumhafter Sonnenschein, wolkenfrei, wieder mal ein königliches Mahl, internationale Klänge, durchmischt von typisch türkischen Klängen (normalerweise gewöhnungsbedürftig für europäische Ohren – aber ich konnte das jetzt sooooo gut hören), bauchtanzende, wohl gestimmte Menschen… es war eine fantastische Stimmung an Bord. Genau die richtige Durchmischung von Einheimischen und Touristen, die Begegnungen interessant werden lässt. Ich habe diese Unterhaltungen unendlich genossen.


An Bord waren u.a. Touristen aus Südafrika, Pakistanis, Engländer, Schotten, Deutsche… und wir! Alle hatten viel zu erzählen. Auffallend war jedoch, wie so meist, das Kommunikationsbedürfnis der Türken. Das hat mich an die so genannten „Klopfkäfer“ aus der Wüste erinnert, die sich gegenseitig bis zu großen Entfernungen ausmachen können, und unbedingt zueinander finden. Ja, wir Türken sind ein kommunikatives Volk und sehr gesellig obendrein. Wir benötigen keinerlei „Animation“.

 

 „Vatan neresi?“ ist eines der ersten Sätze, welches fällt. „Wo ist die Heimat?“ Damit will man herausfinden aus welcher Region der Türkei jemand stammt. Dann wird zustimmend genickt, als würde man sich eben genau in jener Gegend auskennen wie in seiner eigenen Hosentasche, Eckdaten werden erfragt, Lebensgeschichten erzählt… Ja, so in etwa läuft es ab. Und das fühlt sich unendlich gut an, weil man Teil des Großen und Ganzen ist. 

Wir hatten einen grandiosen Ausflug heute, der alle meine Erwartungen übertroffen hat. Zwischendurch haben wir in kristallklaren Buchten gebadet, uns ungehemmt vom Schiff ins Wasser gestürzt. Ich habe immer wieder Momente gehabt, in denen mir Tränen in die Augen gestiegen sind. Nach nur einer Woche habe ich bereits das Gefühl, dass es mir nahezu das Herz brechen wird, von hier wieder fort zu müssen. Wie werde ich mich wohl am Ende der zweiten Woche fühlen, geschweige denn nach Monaten?...

Ich habe lediglich wenige Jahre meines Lebens in der Türkei verbracht. Und viele meiner Freunde fragen nicht zu Unrecht verwundert: „Was ist bitte schön an Dir noch Türkisch nach all den Jahren, die Du bereits in Deutschland lebst?“ Darauf habe ich eine Antwort: Es ist meine Seele, liebe Freunde. Meine Seele ist türkisch.

Wie immer herzliche Grüße – Euer Pünktchen.


P.S.: Diesen Abschnitt der Içmeler-Bucht sieht man, wenn man aus dem Hafen ausläuft und die Tour macht, die wir heute gemacht haben.

Kommentare:

  1. Du liebe türkische Seele,
    heute treibt es mir beim lesen die Tränen in die Augen. Die Stimmung auf der Bootstour ist eine, die ich auch sehr mögen würde, denn sie geht ins Herz. Und die Gefühle, die beim Gedanken ans Verlassen dieser "Idylle" aufkommen, kann ich gut verstehen. So ging es mir immer in Brasilien bei meiner Freundin. Da gab es ähnlich herzliche Begegnungen.
    Du schreibst so schnell Deinen Reisebericht, dass ich gar nicht mit kommentieren hinterher komme;-)
    Die Fahrkünste unseres Busfahrers in Alanya bewunderte ich sehr. Ich guckte auch öfter in einen Abgrund ohne Leitplanke neben mir. Ich habe einfach vertraut... Bei den beschriebenen Kurven wäre mir genauso schlecht geworden.
    Grüße von Roswitha

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  2. Ich wollte doch mit: Gruß von einer berliner Seele unterschreiben;-)

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  3. Wow - Fernweh pur, was für wunderschöne Landschaften!!
    VG
    Elke

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