16 Oktober 2012

Spuren


Nach wie vor versuche ich auszumisten. Es gibt nicht mehr viel, was ich weggeben kann. Inzwischen sind beinahe nur noch Dinge da mit großem Erinnerungswert. Dinge, die so kostbar sind, weil sie verknüpft sind mit der frühen Kindheit, wie dieses Ölbild auf Baumwolle zum Beispiel. Damals besuchte ich den Kindergarten in der Türkei. Und ich könnte noch heute genau sagen, wo ich zwischen etlichen anderen Kindern in dem großen Raum vor der Staffelei stand und mit diesen übel stinkenden Farben auf meiner Leinwand pinselte. Ich weiß sogar noch genau, wie sich die Erzieherinnen hinter mir mit anerkennenden Worten flüsternd über mein Bild austauschten. Bezeichnend war meine Art und Weise, die Berge darzustellen. Mein Vater, dem ich oft genug beim Malen zuschauen konnte, malte sie ganz ähnlich. Was lag da näher, es ihm als ca. sechsjährige nachzumachen. Lachen muß ich noch heute über das haushohe Mädchen, das ich sein sollte, mit Schleife im Haar und gepunktetem Kleid. Als Kind war ich eher ein Lausbub, und Kleider waren mir damals ein Graus: durchaus hübsch anzusehen, aber völlig unpraktisch für einen Wildfang wie mich. (Es dauerte nahezu zwei Jahrzehnte, eh ich auch gerne Kleider trug). Die Baumwolle, auf die das Bild gemalt wurde, hängt heute mehr als durch. Ich glaube, daß ich demnächst in einen schönen Bilderrahmen investieren werde, um es aufhängen zu können. Solche Schätze sind unbezahlbar.

Kommentare:

  1. Wirklich schwer beeindruckend für eine Sechsjährige. Damals hab ich noch Strichmännchen gemalt...
    Aus meiner Kinderzeit ist nur wenig erhalten geblieben - meine Mutter hat sehr nachhaltig ausgemistet. Aber Du hast recht, man sollte es aufhängen.

    LG, Katja

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    1. Liebe Katja, ich glaube, dieses Bild war auch für mich sehr besonders. Ich habe also nicht ständig "solche Werke" produziert. Allerdings hat dieses eine Bild, welches aus meiner Kindheit erhalten ist dazu geführt, daß ich so ziemlich jeden Schnipsel der kleinen Herren aufhebe. Ich finde es so besonders, was unsere Zwei da machen. Wenn sie irgendwann der Ansicht sein sollten, daß ihre Mutter da Blödsinn angehäuft hat, dann können sie selbst darüber befinden, was weiterhin damit geschehen soll.

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  2. Das ist für eine Sechsjährige wirklich ziemlich gekonnt, das Bild! Ja, die Papa-Töchter...meiner hat im Urlaub immer gezeichnet (das macht er auch jetzt noch), und ich habe auch versucht, ihm nachzueifern (ich glaube, ich mache es auch jetzt noch...manchmal...).

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    1. Wie gut, daß es Mütter und Väter gibt, denen man nacheifern mag.

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    2. Da hast du recht. Die Mutter-Seite habe ich erst später richtig zu schätzen gelernt, als ich selber Kinder hatte.

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  3. Da hoffe ich aber, dass Du bald mal wieder malst!!
    Proportionen müssen ja nicht stimmen, in keinem Alter. Vielleicht hat es eher mit eigener Wertigkeit zu tun, was in welcher Größe gemalt wird, unbewusst.
    Schön, dass Du es Dir jetzt aufhängen willst.

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    1. Hey, bist Du aus der Türkei "hinzugeschaltet"???
      Du hast natürlich recht, liebe Roswitha. Ich hatte schonals kleines Mädchen ein gesundes Selbstbewußtsein ;-). Hach, was gäbe ich drum, wenn ich wieder die Zeit hätte, so viele Dinge zu tun, von denen ich seit Jahren nur träume. Natürlich habe ich Zeit. Immer wieder. Aber nie ausreichend und am Stück. Offenbar braucht es noch weitere Jahre, eh das alles möglich wird.

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    2. So, nun habe ich mich bis hierher rückwärts durchgelesen.
      Ich wollte Dir hier noch sagen, dass ich ebenfalls oft nur wenig Zeit am Stück habe. Ich male einfach auch in kleinen Abschnitten. Oder stricke dann nicht;-) Irgendwie nehme ich mir die Zeit, wenn was dringend raus muss. Es wird sicher etwas besser und einfacher, wenn die Kinder größer werden. Dann kannst Du eher mal sagen, ich mach mal was für mich.
      Trotzdem. Träume nicht nur, male,... Es ist so wichtig als Ausgleich kreativ zu sein.

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